{"id":1735,"date":"2018-03-05T15:37:12","date_gmt":"2018-03-05T14:37:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rehacafe.de\/blog\/?p=1735"},"modified":"2018-10-02T14:07:44","modified_gmt":"2018-10-02T12:07:44","slug":"burnout-und-selbstdarstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html","title":{"rendered":"Burnout"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Burnout und Selbstdarstellung<\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><a href=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/KL0766-sanatorium-fehrenbach-zulassungsarbeit-burnout.pdf\">Direktlink zum Download der PDF-Datei &gt;&gt;&gt; Burnout und Selbstdarstellung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.rehacafe.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung\/1735\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-382\" src=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/panthermedia_02177695.jpg\" alt=\"Burnout und Selbstdarstellung\" width=\"266\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung:<\/strong><br \/>\nQuelle: Zulassungsarbeit im Studiengang Lehramt f\u00fcr berufliche Schulen, an der Otto-Friedrich-Universit\u00e4t Bamberg; Fakult\u00e4t Humanwissenschaften<\/p>\n<p><strong>Verfasser:<\/strong><br \/>\nJohannes Wilczek<br \/>\n(Korrektor: Prof.Dr. Dr. h.c. Claus M\u00fchlfeld)<\/p>\n<p><strong>Information:<\/strong><\/p>\n<p>Inhaltsverzeichnis<\/p>\n<p><strong>1 Einleitung <\/strong>4<\/p>\n<p><strong>2 Begriffskl\u00e4rung und theoretischer Hintergrund <\/strong>7<\/p>\n<p><strong>2.1 Selbstdarstellung <\/strong>7<\/p>\n<p>2.1.1 Die Begriffe Selbst und Selbstkonzept 8<\/p>\n<p>2.1.2 Der Zusammenhang zwischen Selbstkonzept und Selbstdarstellung 13<\/p>\n<p>2.1.3 Theorien des Selbst und der Selbstdarstellung 15<\/p>\n<p>2.1.3.1 Theorien des Selbst 16<\/p>\n<p>2.1.3.2 Theorien der Selbstdarstellung 19<\/p>\n<p><strong>2.2 Burnout <\/strong>21<\/p>\n<p>2.2.1 Begriff und Begriffsgeschichte 21<\/p>\n<p>2.2.2 Ebenen der Betrachtung nach H\u00fcbner 24<\/p>\n<p>2.2.3 Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze zur Entstehung von Burnout 26<\/p>\n<p>2.2.3.1 Transaktionale Burnout-Theorie nach Cherniss 26<\/p>\n<p>2.2.3.2 Die integrierte Burnout-Theorie nach Burisch 30<\/p>\n<p>2.2.4 Die Potsdamer Lehrerstudie nach Schaarschmidt 32<\/p>\n<p><strong>3. <\/strong><strong>Zusammenh\u00e4nge zwischen Burnout und Selbstdarstellung<\/strong><\/p>\n<p><strong>3.1 Die Entstehung von Burnout in Bezug auf Selbstdarstellung <\/strong>40<\/p>\n<p>3.1.1 Rolle und Rollenerwartung bei Burnout 40<\/p>\n<p>3.1.1.1 Grundbegriffe zum Thema Rolle 41<\/p>\n<p>3.1.1.2 Formen von Rollenbelastungen 43<\/p>\n<p>3.1.1.3 Das Burnout-Konzept von Lauderdale 45<\/p>\n<p>3.1.1.4 Rollenerwartung und Berufswahl 46<\/p>\n<p>3.1.2 Stress und Stressbew\u00e4ltigung bei Burnout 50<\/p>\n<p>3.1.2.1 Das Stresskonzept von Lazarus 50<\/p>\n<p>3.1.2.2 Coping 53<\/p>\n<p>3.1.2.3 Burnout, Stress und Coping in Bezug auf Selbstdarstellung 55<\/p>\n<p>3.1.3 Kontrollverlust und Selbstdarstellung 58<\/p>\n<p>3.1.3.1 Erlernte Hilflosigkeit nach Seligman 59<\/p>\n<p>3.1.3.2 Kontrollverlust als Ausl\u00f6ser von Burnout in Bezug auf Selbstdarstellung 60<\/p>\n<p><strong>3.2 Der Verlauf und die Folgen von Burnout in Bezug auf Selbstdarstellung <\/strong>64<\/p>\n<p>3.2.1 Die Burnout-Symtomatik nach Burisch bezogen auf Selbstdarstellung 64<\/p>\n<p>3.2.2 Dehumanisierung und Selbstdarstellung 69<\/p>\n<p>3.2.3 Stigmatisierung bei Burnout 72<\/p>\n<p><strong>3.3 Therapie und Pr\u00e4vention von Burnout <\/strong>74<\/p>\n<p>3.3.1 Therapie von Burnout 74<\/p>\n<p>3.3.1.1 Coaching 75<\/p>\n<p>3.3.1.2 Verhaltenstherapie 77<\/p>\n<p>3.3.1.3 Entspannungstechniken 78<\/p>\n<p>3.3.2 Pr\u00e4vention von Burnout 81<\/p>\n<p>3.3.2.1 Pers\u00f6nliche Ressourcen 82<\/p>\n<p>3.3.2.2 Berufswahl als Pr\u00e4vention 87<\/p>\n<p>3.3.3 Die Interpretation von Therapie und Pr\u00e4vention bei Burnout 88<\/p>\n<p><strong>4. <\/strong><strong> Schlusskapitel <\/strong> 91<\/p>\n<p>4.1 Zusammenfassung 91<\/p>\n<p>4.2 Pers\u00f6nliche Sicht: Zw\u00e4nge und Chancen 92<\/p>\n<p>Erkl\u00e4rung 96<\/p>\n<p>Literaturangabe 97<\/p>\n<p>Experteniterview 100<\/p>\n<p><code>+++<br \/>\n<\/code><br \/>\n<!--nextpage--><\/p>\n<p>1 Einleitung<\/p>\n<p>Der im 21. Jahrhundert sowohl wissenschaftlich, als auch alltagssprachlich etablierte Begriff Burnout, bezeichnet eine gesellschaftlich weit verbreitete Diagnose multipler psychischer und physischer Beschwerden, h\u00e4ufig in Zusammenhang mit der beruflichen Situation, die heute auch aus gesundheit-\u00f6konomischer Sicht von beachtlicher Bedeutung ist (vgl. Weber 2008, S.74f.).<\/p>\n<p>Trotz der weiten Verbreitung der Diagnose, zahlreicher Ver\u00f6ffentlichungen und fl\u00e4chendeckender medialer Berichterstattung, ist es nicht m\u00f6glich das Burnout-Syndrom in knapper und allgemeing\u00fctiger Form, in einer umfassend formulierten Theorie, hinsichtlich der Ursachen, der Symptome und des Verlaufes darzustellen, ohne Burnout dabei unzul\u00e4ssig zu verallgemeinern.<\/p>\n<p>Demnach konnte eine allgemeing\u00fctige Theorie bisher noch nicht formuliert werden, weil sich keine allgemeing\u00fctigen Faktoren finden lassen, die so umfassend sind, dass sie der Vielzahl m\u00f6glicher Burnout Verl\u00e4ufe gerecht werden. Keine Theorie ist spezifisch genug, dass sie Abgrenzungen von verwandten Ph\u00e4nomenen erm\u00f6glicht und gleichzeitig das individuelle Erleben ber\u00fccksichtigt (vgl. Burisch 2006, S.147.).<\/p>\n<p>Ebenso gibt es keine einheitlich Definition.<\/p>\n<p>Edelwich und Brodsky verdeutlichen dies treffend bezogen auf den Sozialbereich:<\/p>\n<p><em>\u201eEs ist viel leichter, das Ausgebranntsein (Burnout) vom haupt- oder nebenberuflich im Sozialbereich T\u00e4tigen zu beobachten und zu beschreiben, als es zu definieren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>(Edelwich\/Brodsky 1984, S. 11)<\/p>\n<p>Je nach Erkl\u00e4rungsansatz, werden entweder die Bedingungen des Individuums, der Umwelt oder deren Zusammenspiel als Hauptursache des Burnout-Syndroms gesehen (vgl. Weber 2008, S.77f.).<\/p>\n<p>Burisch beschreibt diesen Zusammenhang zwischen Bedingungen des Individuums und der Umwelt in einem Denkmodell, das von der Vorstellung eines Kontinuums ausgeht, an dessen Enden sich die beiden Extreme, individueller Dispositionen und \u00e4u\u00dferer Faktoren, befinden (vgl. Rook 1998, S.37 ff.).<\/p>\n<p>\u00dcberwiegen die \u201epers\u00f6nlichen Dispositionen\u201c in hohem Ma\u00dfe, dann handelt es sich um \u201eaktives Burnout\u201c, hierbei ist der Betroffene als \u201eSelbstverbrenner\u201c zu sehen, der aufgrund seiner Verhaltensweisen und deren subjektiver Einsch\u00e4tzung ausbrennt. Umgekehrt ist der Bertroffene sozusagen \u201eOpfer seiner Umst\u00e4nde\u201c, wenn die Umweltfaktoren sehr stark \u00fcberwiegen. (Burisch 2006, S.55.)<\/p>\n<p>Man spricht hier auch von \u201eWoreout\u201c, einer Zerm\u00fcrbung der Person aufgrund der extremen Belastungssituation. (Burisch 2006, S.55.)<\/p>\n<p>Es ist allerdings zu beachten, dass es sich um eine Modellvorstellung handelt.<\/p>\n<p><em>\u201eAn jedem Fall, so meine \u00dcberzeugung, sind innere und \u00e4u\u00dfere Faktoren beteiligt, mit je unterschiedlichem Gewicht.\u201c<\/em> (Burisch 2006, S.55.)<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, dass es sich bei den Ursachen von Burnout, immer um eine verschiedene Gewichtung innerer (individueller) und \u00e4u\u00dferer (umweltlicher) Faktoren handelt. Die vorhandenen Umweltbedingungen (z.B. Zeitdruck, hohe Anspr\u00fcche eines Vorgesetzten usw.) treffen auf individuelle Faktoren (z.B. Leistungsmotive, Rollenerwartungen usw.).<\/p>\n<p>Je nach individueller Situation und individuell verf\u00fcgbaren Ressourcen, ist die Entstehung und der Verlauf von Burnout anders erkl\u00e4rbar. Schaarmidt geht davon aus, dass dem Einzelnen, \u201eeine aktive Rolle bei der Mitgestaltung\u201c seiner \u201eBeanspruchungsverh\u00e4ltnisse zugesprochen\u201c wird. (Schaarschmidt 2005, S.20.)<\/p>\n<p><em>\u201eEs wird dem Umstand Rechnung getragen, da\u00df Menschen nicht einfach Opfer ihrer Belastungen sind, sondern da\u00df sie durch ihre individuellen Verhaltens- und Erlebensweisen, durch das Einbringen der pers\u00f6nlichen Ressourcen die eigenen Beanspruchungsverh\u00e4ltnisse mitgestalten.\u201c<\/em> (Schaarschmidt 2001, S.9.)<\/p>\n<p>Man kann daraus folgern, dass subjektive Elemente, <em>\u201esubjektive Einsch\u00e4tzungen von Situationsanforderungen und eigenen Handlungsm\u00f6glichkeiten\u201c <\/em><\/p>\n<p>(Schaarschmidt 2001, S.11), zentral f\u00fcr das Ausl\u00f6sen, die Verarbeitung und die Intervention und Pr\u00e4vention von Burnout-Prozessen sind. Gleichzeitig sind immer auch Umweltfaktoren, in verschieden starker Auspr\u00e4gung, mitbestimmend<\/p>\n<p>(vgl. Schaarschmidt 2001, S.9ff.).<\/p>\n<p>Anders ausgedr\u00fcckt: es laufen subjektive Prozesse in objektiven Belastungs- und Anforderungssituationen ab, d.h. nicht jeder verarbeitet und gewichtet diese gleich. Diese subjektiven, aktiv-individuellen Aspekte, sollen der Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit sein, weil der eigene Blick und die damit verbundene Kategorisierung der Umst\u00e4nde in engem Zusammenhang mit dem Selbstkonzept einer Person stehen, sowie der damit verbundenen Selbstdarstellung.<\/p>\n<p>In der vorliegenden Arbeit sollen Theoriekonzepte zur Erkl\u00e4rung von Burnout, sowie Theorien und Modelle des Selbstkonzeptes und der Selbstdarstellung erl\u00e4utert werden, um Zusammenh\u00e4nge von Burnout und Selbstdarstellung, hinsichtlich der Entstehung, des Verlaufes, der Pr\u00e4vention und Intervention von Burnout-Prozessen zu verdeutlichen. Hierbei ist das Hauptanliegen, offensichtliche und interpretative Zusammenh\u00e4nge zwischen Selbstdarstellung und Burnout hinsichtlich ihrer Relevanz f\u00fcr die Erkl\u00e4rung von Burnout, zu erl\u00e4utern und zu diskutieren. Zus\u00e4tzlich soll die Relevanz der Zusammenh\u00e4nge f\u00fcr die Therapie und Pr\u00e4vention von Burnout herausgestellt werden.<\/p>\n<p><!--nextpage--><br \/>\n<strong>2. <\/strong><strong>Begriffskl\u00e4rung und theoretischer Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p>2.1 Selbst und Selbstdarstellung<\/p>\n<p><em>\u201eZu Hause, hinterm Lenkrad und im Fu\u00dfballstadion l\u00e4sst er schon mal jene Sau raus, die er am Arbeitsplatz l\u00e4ngst wieder eingefangen hat &#8211; und die er im Restaurant oder beim Theaterbesuch in Sicherungsverwahrung weggesperrt h\u00e4lt.\u201c <\/em>(Peter Dausend in, ZEITmagazin: Elternknigge, S.28, 25.02.2010)<\/p>\n<p>Warum gebraucht man vor seinem eigenen Kind eher Schimpfworte als vor Fremden in einem Restaurant oder Theater?<\/p>\n<p>Wieso wird auf fremde Personen mehr R\u00fccksicht genommen als auf das Kind? Wen repr\u00e4sentieren wir in dieser Situation?<\/p>\n<p>Diese grundlegenden Fragen zum Thema Selbst- und Selbstdarstellung, sollen im Verlauf des Punktes 2.1 beantwortet werden.<\/p>\n<p>Dabei soll zuerst auf das Selbst eingegangen werden, weil es Grundvoraussetzung f\u00fcr die Selbstdarstellung ist. Hierbei werden die Begriffe \u201eIch\u201c und \u201eSelbst\u201c voneinander abgegrenzt, au\u00dferdem wird auf den Begriff der Identit\u00e4t, im Sinne der Soziologie Bezug genommen. Anschlie\u00dfend wird das Selbst aus heutiger, sozialpsychologischer Sicht erkl\u00e4rt und dessen Zusammenhang mit der Selbstdarstellung dargelegt. Im Anschluss daran wird auf verschiedene Theorien zum Thema Selbst und Selbstdarstellung eingegangen, die f\u00fcr den Hauptteil der Arbeit von Bedeutung sind.<\/p>\n<p>2.1.1 Die Begriffe Selbst und Selbstkonzept<\/p>\n<p><em>\u201eDie Begriffe Selbst oder Identit\u00e4t legen nahe, dass jeder von uns eine Antwort auf die fundamentale Frage \u201eWer bin ich\u201c hat.\u201c <\/em>(Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.150.)<\/p>\n<p>Diese Selbstreflexion des Menschen, ist eine wissenschaftsgeschichtliche Frage, die sich sowohl auf ein Subjekt, als auch auf ein Objekt, w\u00e4hrend des Erkenntnisprozesses bezieht. Das Subjekt erkennt selbst und das Objekt wird erkannt (vgl. Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.150f.). Im Folgenden werden die Begriffe \u201eSelbst\u201c und \u201eIch\u201c unterschieden, um zu kl\u00e4ren worauf sich der Erkenntnisprozess bezieht.<\/p>\n<p>Der Psychoanalytiker Heinz Hartmann, f\u00fchrte eine Unterscheidung der Begriffe des \u201eIch\u201c und des \u201eSelbst\u201c in die Psychoanalyse ein. Dabei ist das \u201eIch\u201c nach dessen Verst\u00e4ndnis die Gesamtheit der seelischen Funktionen, die eine bessere Anpassung an die Umwelt erm\u00f6glichen. Das \u201eSelbst\u201c hingegen charakterisierte er als Gesamtheit der \u201einneren Bilder von sich Selbst&#8230;\u201c (vgl. H\u00fcbner G. 2009 S.27ff.). H\u00fcbner pr\u00e4zisiert im weiteren Verlauf seiner Arbeit das Bild des \u201eIch\u201c. Er beschreibt das \u201eIch\u201c, als in Teilen erworbene und angeborene \u201eStruktur\u201c, welche zur Wahrnehmung der Realit\u00e4t und der Bew\u00e4ltigung der Sozialisationsaufgaben dient (vgl. H\u00fcbner G. 2009 S.27ff.).<\/p>\n<p>Aus sozialisationstheoretischer Perspektive kann das \u201eIch\u201c als Ergebnis einer individuellen Auseinandersetzung der Anlagen einer Person mit der umgebenden Umwelt interpretiert werden. Hierbei ist zentral, dass die eigenen Bewertungen bzw. Bilder von sich nicht die gesamte Person ausmachen.<\/p>\n<p>Diese kurze Abgrenzung der Begriffe \u201eSelbst\u201c und \u201eIch\u201c soll im Rahmen dieser Arbeit gen\u00fcgen. Im Folgenden wird der Begriff des Selbst nach dem Verst\u00e4ndnis der Sozialpsychologie erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>In der Sozialpsychologie wird auf die Frage, wer man selbst ist, durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff des \u201eSelbst\u201c eingegangen. Das \u201eSelbst\u201c wird als subjektive Sicht auf die eigene Person verstanden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Begriff \u201eIndividuum\u201c kennzeichnet, dass sich ein Mensch von anderen abgrenzt, meint \u201eSelbst\u201c, die auf sich (selbst) bezogene Zuschreibung von Merkmalen und Eigenschaften. Demnach existiert das \u201eSelbst\u201c, nach dieser Auffassung, nur als Konzept von uns (vgl. Mummendey 1995, S.54).<\/p>\n<p>Im Folgenden ist unter der Verwendung des Begriffes Selbst gleichzeitig auch das Selbstkonzept gemeint.<\/p>\n<p><em>\u201eUnter Selbstkonzept kann demnach die Gesamtheit der auf die eigene Person bezogenen Beurteilungen verstanden werden.\u201c <\/em>(Mummendey 1995, S.54)<\/p>\n<p>Die Person beurteilt sich und ihre Merkmale st\u00e4ndig selbst, d.h. sie ist zugleich Subjekt und Objekt des Erkenntnisprozesses \u00fcber die eigene Person.<\/p>\n<p>Die Merkmale k\u00f6nnen dabei eine Vielzahl von Aspekten, der Frage wer man selbst ist, betreffen. Demnach wird die eigene Person, durch Beurteilungen k\u00f6rperlicher und physischer Merkmale, in Bezug auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, beschrieben und bewertet (vgl. Mummendey 1995, S.55).<\/p>\n<p>Das Selbstkonzept organisiert Informationen f\u00fcr den Menschen, indem es hilft, die einstr\u00f6menden Reize der sozialen Umwelt zu erkennen und zu interpretieren.<\/p>\n<p>Zudem hat es eine direkte Auswirkungen auf die menschliche Interaktion, weil es Informationen auswertet und dadurch auf das Verhalten von Personen einwirkt<\/p>\n<p>(vgl. Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.152.). Aus diesem Grund wird dem Selbst eine Doppelrolle zugesprochen. Nach diesem Verst\u00e4ndnis, wird das Selbst und damit das Selbstkonzept, als Mediator interpretiert. Denn das Selbst formt sich w\u00e4hrend der sozialen Interaktion mit der Umwelt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig lenkt oder beeinflusst das Selbst auch die Interaktion, indem selbstbezogene Beurteilungen und Pr\u00e4ferenzen auf den Interaktionsprozess bezogen werden (vgl. Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.151.). Diese Zusammenh\u00e4nge sollen am Beispiel des Selbstschemas und der Selbstkomplexit\u00e4t verdeutlicht werden.<\/p>\n<p>Von zentraler Bedeutung f\u00fcr den Zusammenhang zwischen Selbstkonzept und Selbstdarstellung, ist die Frage nach der Auswirkung des Selbstkonzeptes auf die Interaktion mit der sozialen Umwelt. Es ist nicht m\u00f6glich, sein Selbstkonzept von der Umwelt abzuschotten, vielmehr wird es in jede soziale Interaktion mit hineingetragen. Eine geeignete theoretische Konzeption, zur Illustration des Zusammenhanges zwischen Selbstkonzept und sozialer Interaktion, \u201eaus der Perspektive der sozialen Kognition\u201c, ist die Auffassung von Selbstschemata als Unterkategorien des Selbstkonzeptes.<\/p>\n<p>Hazel Markus etablierte die Auffassung, dass Selbstschemata zentrale Bestandteile des Selbstkonzeptes sind (vgl. Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.152).<\/p>\n<p>Dabei definierte sie Selbstschemata als:<\/p>\n<p><em>\u201eals kognitive, aus Erfahrungen abgeleitete Verallgemeinerungen \u00fcber das Selbst, die die Verarbeitung selbstbezogener, in den sozialen Erfahrungen des Individuums enthaltener Informationen organisieren und steuern.\u201c <\/em><\/p>\n<p>(Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.152)<\/p>\n<p>Die Forschungen von Hazel Markus ergaben, dass ein Selbstschema die selbstbezogene Wahrnehmung und auch die Wahrnehmung anderer beeinflusst, d.h. es werden Informationen danach selektiert, ob sie selbstrelevant sind oder nicht. Diese Informationen werden danach auch auf die soziale Interaktion bezogen. Einerseits werden sich selbst, schema\u00e4hnliche Adjektive zugeordnet, gleichzeitig werden schemaun\u00e4hnliche Adjektive als nicht zutreffende Eigen-schaften der eigenen Person interpretiert (vgl.Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S152).<\/p>\n<p>Zudem wurde beobachtet, dass schematakongruente Verhaltensweisen bzw. Verhaltensepisoden aus dem Ged\u00e4chtnis abgerufen werden und die Wahr-scheinlichkeit erh\u00f6hen, dass dieses Verhalten in zuk\u00fcnftigen Situationen, von der Person selbst, als zu erwartendes Verhalten eingestuft wird. Selbstschemata sind relativ stabile und zentrale Komponenten des Selbstkonzeptes. Daraus ergibt sich, dass Selbstschemata die Verarbeitung und Bewertung des eigenen, aber auch die Wahrnehmung fremden Verhaltens beeinflussen. Somit filtert das Selbstkonzept Informationen und bestimmt implizit die soziale Interaktion mit, durch das Selbstschema wird bestimmt welchen Reizen wir uns zuwenden<\/p>\n<p>(vgl. Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.152ff.).<\/p>\n<p>Eine weitere Erkl\u00e4rung, die eher den Interaktionen vorgelagert ist und den Umgang mit den daraus resultierenden Emotionen beschreibt, ist das Konzept der Selbstkomplexit\u00e4t. Die Selbstkomplexit\u00e4t beschreibt letztlich die Struktur des Selbstkonzeptes. Diese definiert sich \u201eals eine Funktion der Anzahl von Selbstaspekten und deren Verbundenheit\u201c. (Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.155)<\/p>\n<p>Selbstaspekte sind beispielsweise Rollen, k\u00f6rperliche Merkmale, F\u00e4higkeiten, Einstellungen und Gruppenzugeh\u00f6rigkeit. Besitzt ein Mensch eine gro\u00dfe Anzahl an Selbstaspekten, die gleichzeitig noch unverbunden sind, dann fungieren diese sozusagen als \u201ePuffer\u201c gegen emotionale Belastungen<\/p>\n<p>(vgl.Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.155ff.).<\/p>\n<p>Aus soziologischer Perspektive w\u00fcrde man die Frage wer man selbst ist oder wer jemand anderer ist mit dem Begriff Identit\u00e4t beantworten. Den auf die Umwelt bezogenen Begriff erl\u00e4utere ich im Folgenden.<\/p>\n<p>Zentral f\u00fcr den Identit\u00e4tsbegriff ist eine Passung zwischen dem einzelnen Subjekt und der Umwelt. Erst durch soziale Muster wie Rollen kann sich die Einzelperson verorten (vgl. Keupp 2008, S.107ff.).<\/p>\n<p>Im deutschsprachigen Raum arbeitete besonders Krappmann am Identit\u00e4tsbegriff.<\/p>\n<p><em>\u201eEr definiert Identit\u00e4t als das Erleben des Sich-Selbst-Gleichseins, das sich auf die verschiedenen Stadien der eigenen Lebensgeschichte und auf die jeweils unterschiedlichen sozialen Anforderungen in verschiedenen Handlungsbereichen bezieht.\u201c <\/em> (Hurrelmann 2006, S.99)<\/p>\n<p>Des Weiteren unterscheidet er zwei Identit\u00e4tskomponenten die \u201esoziale Identit\u00e4t\u201c und die \u201epersonale Identit\u00e4t\u201c (Hurrelmann 2006, S.99).<\/p>\n<p>Die \u201esoziale Identit\u00e4t\u201c gibt die gesellschaftlich erwarteten Verhaltensweisen vor, der eine Person nachkommen muss, um in den entsprechenden Handlungsbereichen als handlungsf\u00e4hig gelten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die \u201epersonale Identit\u00e4t\u201c dr\u00fcckt aus wie eine Person die \u201esoziale Identit\u00e4t\u201c verwirklicht. Genauer gesagt, wie die Anforderungen realisiert werden und verschiedene Erwartungen positioniert werden, ist Ausdruck einer pers\u00f6nlichen \u201eNote\u201c bei der Umsetzung der \u201esozialen Identit\u00e4t\u201c (vgl. Bohnsack 1995, S.40-42). Die spezifische Leistung eine Balance zwischen personaler und sozialer Identit\u00e4t zu schaffen, wird als \u201eIch-Identit\u00e4t\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Begriff Identit\u00e4t und die genauere Zuordnung (z.B. \u201epersonale Identit\u00e4t\u201c) dann verwendet, wenn es sich um gesellschaftliche Erwartungen und deren Realisierung handelt.<\/p>\n<p>Den Begriff Selbst im Sinne des Selbstkonzeptes verwende ich, wenn es sich um Selbstbewertungen und deren Folgen handelt.<\/p>\n<p>Wenn man die beiden Begriffe miteinander in Beziehung bringt, kann das Selbstkonzept als Komponente der Identit\u00e4t angesehen werden.<\/p>\n<p>Die eigene Bewertung und die daraus resultierenden Bilder von sich selbst geben auch einen gewissen Rahmen vor, in dem gesellschaftlich erwartete Verhaltens-weisen individuell realisiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>2.1.2 Der Zusammenhang zwischen Selbstkonzept und Selbstdarstellung<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, wird die Rolle des Selbst in sozialen Interaktionen auf zweierlei Weisen interpretiert. Das Selbst kann sowohl Konsequenz von Interaktionen, als auch vorausgehende Bedingung sein, die in die Interaktion eingebracht wird. Aus Sicht der Sozialpsychologie vollzieht sich beides parallel, d.h. dem Selbst wird eine Doppelrolle bei sozialen Interaktionen zugesprochen<\/p>\n<p>(s. 2.1.1).<\/p>\n<p>Verbunden mit den Fragen: \u201eWer bin ich\u201c oder \u201ewelchen Begriff habe ich von mir als Person\u201c, ist auch die Frage, unter welchen Bedingungen das Selbst den sozialen Interaktionspartnern oder der \u00d6ffentlichkeit gegen\u00fcber pr\u00e4sentiert wird<\/p>\n<p>(vgl. Mummendey 1995, S.81 ff.). Hierbei ist von zentraler Bedeutung, dass das Selbst als das Zentrum der Selbstdarstellung angesehen wird.<\/p>\n<p>un wirft sich die Frage auf, in welchen Situationen es sich um Selbstdarstellung handelt. Offensichtliche Situationen sind beispielsweise die Bewerbungssituation, die F\u00fchrerscheinpr\u00fcfung oder ein Vermittlungsgespr\u00e4ch hinsichtlich des Sorgerechtes im Jugendamt. In der Bewerbungssituation und der praktischen F\u00fchrerscheinpr\u00fcfung ist allen beteiligten Parteien klar, dass die Selbstdarstellung des Bewerbers bzw. zu Pr\u00fcfenden intentional auf einen m\u00f6glichst positiven Eindruck gerichtet ist. Im Vermittlungsgespr\u00e4ch wird neben der Hervorhebung der eigenen Qualit\u00e4ten, h\u00e4ufig noch die andere Partei diskreditiert. Nach dem Alltagsverst\u00e4ndnis w\u00fcrde man haupts\u00e4chlich diese und \u00e4hnliche Verhaltensweisen als kennzeichnend f\u00fcr Selbstdarstellung beschreiben.<\/p>\n<p>Die wissenschaftliche Sichtweise gibt sich mit dieser negativ besetzten Sichtweise, die mit einer \u00fcberzogenen Verstellung und Manipulation verbunden ist, nicht zufrieden. Vielmehr erweitert sie den Blick auf weniger offensichtliche Situationen, in denen Selbstpr\u00e4sentation eine gro\u00dfe Rolle spielt.<\/p>\n<p>Im einleitenden Beispiel (vgl. 2.1.) wird dies deutlich, denn je nach sozialer Situation zeigt die angesprochene Person auch andere Verhaltensweisen. Selbstdarstellung artikuliert sich nicht nur verbal, sondern auch durch diverse Verhaltensweisen und durch das \u00e4u\u00dferliche Erscheinungsbild.<\/p>\n<p>Man muss also zu dem Schluss kommen, \u201e<em>da\u00df Selbstdarstellung in fast jeder sozialen Situation eine Rolle spielt\u201c, <\/em>d.h. bei jedem<em> \u201ezwischenmenschlichem Verhalten\u201c <\/em>zu ber\u00fccksichtigen ist. (Mummendey 1995, S.15)<\/p>\n<p>Hintergrund fast aller Selbstdarstellungstheorien ist Erving Goffmans Methapher des Theaterspielens in sozialen Interaktionen. Worunter man die Auffassung versteht, dass Menschen als Darsteller (Schauspieler) in sozialen Interaktionen Rollen spielen und dabei versuchen ihr Publikum, d.h. ihre Interaktionspartner, zu beeinflussen (vgl. Goffman 2007).<\/p>\n<p><em>\u201eJegliche soziale Interaktion wird analog zu B\u00fchnenauftritten verstanden. Dabei m\u00fcssen diese Auftritte nicht notwendigerweise bewu\u00dft geplante T\u00e4uschung-versuche sein. Eindr\u00fccke k\u00f6nnen bewu\u00dft gesteuert (given) oder unbewu\u00dft vermittelt sein.\u201c <\/em>(Sch\u00fctz 1992, S.26)<\/p>\n<p>Goffman definiert (Selbst-) Darstellung wie folgt:<\/p>\n<p><em>\u201eEine \u201eDarstellung\u201c (performance) kann als die Gesamtt\u00e4tigkeit eines bestimmten Teilnehmers an einer bestimmten Situation definiert werden, die dazu dient, die anderen Teilnehmer in irgendeiner Weise zu beeinflussen.\u201c <\/em>(Goffman 2007, S.18)<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich, dass das Selbstkonzept danach fragt, wie sich jemand selbst sieht und die Selbstdarstellung, wie sich jemand nach au\u00dfen zeigt<\/p>\n<p>(vgl. Sch\u00fctz, 1992). Im Sinne des Symbolischen Interaktionismus orientiert an den anderen Interaktionspartnern, indem sich Menschen so wahrnehmen, wie sie glauben wahrgenommen zu werden.<\/p>\n<p>Beispielsweise Horton Cooleys \u201elooking-glass-self\u201c, worunter die Annahme verstanden wird, dass soziale Interaktionen als Spiegel fungieren, die das Bild unserer eigenen Person reflektieren. Personen definieren sich selbst durch die Interpretation der Reaktionen auf die eigene Person. Diese Interpretation bestimmt letztlich welche Rolle in welcher Situation dargestellt wird<\/p>\n<p>(vgl. Mummendey,1995 S.66ff.).<\/p>\n<p>2.1.3 Theorien des Selbst und der Selbstdarstellung<\/p>\n<p>Es ist bisher deutlich geworden, dass \u00fcber das Selbst und das Selbstkonzept nicht gesprochen werden kann, ohne dabei auf eine bestehende Theorie zur\u00fcckzu-greifen (vgl. Mummendey,1995 S.81).<\/p>\n<p>Die bisherigen Theorien dienten zum einen zur Definition der verwendeten Begriffe, zum anderen dazu, den Zusammenhang von Selbst und Selbstdarstellung zu verdeutlichen und systematisch zu entwickeln.<\/p>\n<p>Im Folgenden werden weitere Theorien vorgestellt, die f\u00fcr den Zusammenhang zwischen Burnout und Selbstdarstellung von besonderer Bedeutung sind.<\/p>\n<p>Es wird eine Unterscheidung zwischen Theorien des Selbst und Theorien des Selbstkonzeptes vorgenommen, obwohl, wie gezeigt wurde, beide Ph\u00e4nomene zusammenh\u00e4ngen. Es handelt sich hierbei um eine systematische Trennung zur Verdeutlichung der einzelnen Aspekte.<\/p>\n<p>2.1.3.1 Theorien des Selbst<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit Burnout sind im Hinblick auf das Selbst, Theorien des Selbstwerts und der Selbstwerterhaltung und Theorien, die das Selbst als Regulationsprozess beschreiben, von besonderer Bedeutung.<\/p>\n<p>Die Vorstellung der Selbstregulation als Prozess impliziert, dass Menschen ihr Verhalten regulieren, d.h. unter Kontrolle und Lenkung auf bestimmte Ziele richten.<\/p>\n<p>Diese Ziele dr\u00fccken in gewisser Weise aus, wer wir selbst sind, da ein Gro\u00dfteil unserer Ziele dazu beitr\u00e4gt unser erw\u00fcnschtes Selbst zu erreichen und zu erhalten oder ein unerw\u00fcnschtes Selbst zu vermeiden<\/p>\n<p>(vgl. Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.164ff.).<\/p>\n<p>Die Selbstdiskrepanztheorie, die auf Higgins zur\u00fcckgeht, beschreibt unterschied-liche Komponenten des Selbst, die das Verhalten regulieren. Ausgangspunkt sind drei Komponenten des Selbst. Das tats\u00e4chliche Selbst (actual self) meint Merkmale des Selbst, die sich die Person zuschreibt und von denen sie denkt, dass sie ihr auch von anderen Personen zugeschrieben werden (vgl. Mummendey,1995 S.99f).<\/p>\n<p>Das Idealselbst beinhaltet die Ideal-Leitvorstellungen des Selbst, worunter die eigenen Hoffnungen, W\u00fcnsche und Zielvorstellungen fallen, die wir uns im Idealfall zuschreiben w\u00fcrden. Die letzte Komponente, das soll Selbst (oder auch normatives Selbst), beschreibt unsere eigene Vorstellung und die Vorstellung anderer, wie wir sein sollten, d.h. was unsere Aufgaben, Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten sind. Bei der Verfolgung von Zielen kann es zu Diskrepanzen zwischen den einzelnen Komponenten kommen. Entsteht beispielsweise eine Diskrepanz zwischen dem tats\u00e4chlichem Selbst und dem Idealselbst, verfolgt das Individuum die Strategie der Ann\u00e4herung an das Ideal, indem es versucht so weit wie m\u00f6glich dem Ideal zu entsprechen. Wenn die aufgetretenen Diskrepanzen nicht aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen, sind negative Gef\u00fchle wie Entt\u00e4uschung und Unzufriedenheit die Folge. Eine noch verheerendere Bedrohung stellt die Diskrepanz zwischen den pers\u00f6nlichen Merkmalen und den Soll-Leitvorstellungen dar. Hierbei ist die Vermeidung der Zust\u00e4nde, die der Soll-Leitvorstellung widersprechen eine Strategie der Selbstregulation. Wenn eine solche Diskrepanz nicht aufgel\u00f6st werden kann, sind Emotionen wie Angst und Unruhe die Folge<\/p>\n<p>(vgl. Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.164ff.).<\/p>\n<p>F\u00fcr die Selbstregulation ist zudem der auf Bandura zur\u00fcckgehende Begriff der Selbstwirksamkeitserwartung von gro\u00dfer Bedeutung. Damit wird die subjektive Erwartung, die Umwelt durch die eigenen F\u00e4higkeiten kontrollieren zu k\u00f6nnen, bezeichnet. Das bedeutet, dass die Selbstwirksamkeitserwartung (self-efficacy) ausdr\u00fcckt, in welchem Ausma\u00df Selbstregulation betrieben wird und ob bestimmte Ziele angestrebt werden oder ob diese aufgrund der subjektiv gering eingesch\u00e4tzten Realisierung, erst gar nicht in eine Handlung umgesetzt werden. (vgl. Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.165f.).<\/p>\n<p>Ein weiteres theoretisches Konstrukt, das f\u00fcr die Thematik des Burnout-Syndroms von Belang ist, stellt das Selbstwertgef\u00fchl und die damit verbundene Theorie der Selbstwerterhaltung dar. Das Selbstwertgef\u00fchl ist sozusagen das Resultat der Bewertung der eigenen Selbstaspekte. Demnach werden <em>\u201eanhand internalisierter Standards oder sozialer Normen\u201c <\/em>unser Verhalten, unsere F\u00e4higkeiten oder auch das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild, bewertet. (Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.167)<\/p>\n<p>Es wird angenommen, dass Menschen generell ein positives Selbstwertgef\u00fchl anstreben. Warum das so ist, wird unter anderem evolution\u00e4r erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Ein positives Selbstwertgef\u00fchl &#8211; so die These &#8211; sorgt daf\u00fcr, dass sich ein Individuum besser versorgt und auf sich achtet. Daraus folgt eine h\u00f6here \u00dcberlebenswahr-scheinlichkeit und die Wahrscheinlichkeit des Reproduktionserfolges wird gr\u00f6\u00dfer (vgl. (Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.164ff.).<\/p>\n<p>Ein positives Selbstwertgef\u00fchl erf\u00fcllt nach neueren Erkenntnissen eine gewisse Schutzfunktion f\u00fcr das Selbst. Taylor und Brown postulieren, dass sich eine positive Selbstbewertung f\u00f6rderlich auf die seelische Gesundheit auswirkt und eine erfolgreichere Anpassung an die Lebensumst\u00e4nde erm\u00f6glicht. Es ist zu beachten, dass hierbei insbesondere, unrealistisch positive Bilder des Selbst, d.h. \u201eIllusionen\u201c, wirksam gegen\u00fcber Bedrohungen des Selbst sind.<\/p>\n<p>Solche Urteilsverzerrungen k\u00f6nnen als Schutz gegen Situationen dienen, die unser Selbst bedrohen. Typische Beispiele sind Situationen in denen die eigenen Erwartungen verletzt werden oder in denen man mit seinen eigenen Schw\u00e4chen konfrontiert wird (vgl. (Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.167ff.).<\/p>\n<p>Tessers Selbstwerterhaltungsmodell geht davon aus, dass Menschen aktiv Strategien einsetzten, um den Wert des Selbst zu verbessern oder mindestens zu erhalten. Menschen stellen ihren Selbstwert durch st\u00e4ndige Vergleichsprozesse auf die Probe. Sie vergleichen sich mit Menschen, die f\u00fcr ihre Selbstdefinition von Belang sind und eine gewisse soziale N\u00e4he zu ihnen haben.<\/p>\n<p>F\u00e4llt ein Vergleich f\u00fcr eine Person, mit einer relevanten und nahe stehenden Person in einem Bereich negativ aus, der f\u00fcr sie gro\u00dfe Bedeutung hat, dann kommt es zu einer Bedrohung des Selbstwertgef\u00fchls.<\/p>\n<p>Tesser geht von drei Strategien aus, um den Selbstwert zu erhalten: Die Verbesserung der eigenen Leistung, soziale Distanz zur Vergleichsperson und eine Verringerung der Bedeutsamkeit der Leistung. Ist hingegen die verglichene Leistung nicht relevant f\u00fcr die Selbstdefinition der Person, zieht die Person eventuell einen Gewinn f\u00fcr den eigenen Selbstwert aus der guten Leistung der nahestehenden Person (vgl. (Simon\/Tr\u00f6tschel 2007, S.167ff.).<\/p>\n<p>Zusammenfssend l\u00e4sst sich \u00fcber die Theorie der Selbstwerterhaltung nach Tesser sagen: <em>\u201eDas Individuum wertet ihr nahe stehende Personen ab, ver\u00e4ndert die Bedeutsamkeitshirachie von Bewertungsdimensionen oder zeigt massive Verhaltens\u00e4nderungen, um vor sich selbst, also sozusagen sich selbst gegen\u00fcber (wieder) positiv dazustehen: Es pr\u00e4sentiert sich gegen\u00fcber der eigenen Person.\u201c<\/em> (Mummendey 1995, S.95)<\/p>\n<p>2.1.3.2 Theorien der Selbstdarstellung<\/p>\n<p><em>\u201eIndividuen kontrollieren (beeinflussen, steuern, manipulieren etc.) in sozialen Interaktionen den Eindruck, den sie auf andere Personen machen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>(Mummendey,1995. S.111)<\/p>\n<p>Dieser Satz verdeutlicht, wenn auch vereinfacht, die Kernaussage der Impression-Management-Theorie, die an die in Abschnitt 2.1.2 bereits dargestellten \u00dcbelre-gungen anschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Das Besondere hierbei ist die Wechselbeziehung zwischen Selbst- und Fremdbild, die aufbauend auf den Symbolischen Interaktionismus (s.2.1.2), Selbstdarstellung interpretiert <em>\u201eindem Sinne, dass die Pr\u00e4sentation vom Selbstbild einer Person, die Funktion hat, das Bild von der Person zu beeinflussen.\u201c<\/em> (Latterman 2003, S.20)<\/p>\n<p>Gleichzeitig beeinflussen die Reaktionen der Interaktionspartner das eigene Verhalten und die Pr\u00e4sentation des Selbstbildes (vgl. Mummendey 1995, S.128).<\/p>\n<p>Die Interaktionspartner schreiben sich gegenseitig, und auch der Situation, Bedeutungen zu, die an Erwartungen gekoppelt sind, d.h. Situationen und die darin beteiligten Personen werden in einem sozialen Kontext definiert.<\/p>\n<p>Diese Definitionen der sozialen Situationen und die damit verbundenen wechselseitigen Bedeutungszuschreibungen der Interaktionspartner beeinflussen die gesamte Interaktion. Je nach Situation wird ein anderes Verhalten als sozial ad\u00e4quat eingestuft.<\/p>\n<p>Wie im einleitenden Beispiel (s.2.1) deutlich wurde, verlangt ein Restaurant-besuch nach einer anderen Selbstdarstellung als ein Fu\u00dfballstadion.<\/p>\n<p>Die Entscheidung eine bestimmte Verhaltensweise zu zeigen h\u00e4ngt davon ab, welche Reaktionen von den Interaktionspartnern erwartet werden.<\/p>\n<p>Je nachdem, ob das gezeigte Verhalten erw\u00fcnscht oder unerw\u00fcnscht war, wird es beibehalten oder modifiziert. Die Reaktionen der Interaktionspartner sind von entscheidender Bedeutung, denn dadurch wird deutlich welcher Eindruck von der eigenen Person entstanden ist, d.h. auch, wie die Bewertung der eigenen Person durch die Interaktionspartner ausf\u00e4llt (vgl. Latterman 2003, S.19ff.).<\/p>\n<p>Vertreter der Impression-Management-Theorie nehmen an, dass in Interaktionen ein m\u00f6glichst hohes Selbstwertgef\u00fchl angestrebt wird, weil es als generalisierter Verst\u00e4rker f\u00fcr die darstellende Person dient. Demnach wird Selbstdarstellung als operantes Verhalten interpretiert. Verst\u00e4rkende Reize erh\u00e4lt man durch das Aufzeigen bestimmter Merkmale in sozialen Interaktionen (vgl. Mummendey,1995 S.128f.). Selbstdarstellung impliziert demnach generell die Aus\u00fcbung von sozialer Macht, indem man durch die Darstellung bestimmter situationsangepasster Merkmale das Publikum beeinflusst und auf einen gew\u00fcnschten Eindruck abzielt.<\/p>\n<p>Auf die Impression-Management-Theorie bezogen hei\u00dft dies:<\/p>\n<p><em>\u201eMan kontrolliert indirekt das Verhalten der anderen Personen, indem man sich eine f\u00fcr eine bestimmte Situation als angemessen erscheinende Identit\u00e4t gibt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>(vgl. Mummendey 1995, S.133).<\/p>\n<p>Ziel der Darstellung ist eine m\u00f6glichst positive Selbstwertbilanz, d.h. ein m\u00f6glichst positiver Selbstwert als Ergebnis sozialer Interaktionen. Neben der verst\u00e4rkenden Wirkung selbstwertdienlicher Ereignisse kann das Streben nach einer positiven Bilanz unter Verwendung von sozialer Macht auch als der Versuch verstanden werden, die Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Selbst zu verringern<\/p>\n<p>(vgl. Mummendey 1995, S.133).<br \/>\n<!--nextpage--><br \/>\n2.2 Burnout: Begriff und Erkl\u00e4rungskonzepte<\/p>\n<p>2.2.1 Begriff und Begriffsgeschichte<\/p>\n<p>Um die Metapher Burnout und die damit verbundenen Problematiken verst\u00e4ndlich zu machen, ist es hilfreich sich mit der Geschichte des Begriffes auseinander-zusetzen. Der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger wird in der Literatur als eine der pr\u00e4genden Figuren des Burnout Begriffes angesehen<\/p>\n<p>(Rook. 1998; Burisch. 2006; Hedderich. 2009.).<\/p>\n<p>Freudenberger war neben seiner T\u00e4tigkeit als Psychoanalytiker in seiner Privatpraxis noch in ehrenamtlichen \u201efreien Kliniken\u201c (\u201efree clinics\u201c), d.h. Rehabilitation- und Selbsthilfeeinrichtungen, t\u00e4tig. Er stellte fest, dass er und seine ehrenamtlichen Kollegen anfangs hochmotiviert und engagiert waren, aber im Laufe ihrer Arbeit psychisch und physiologisch immer mehr abbauten. Sie waren zum einen ersch\u00f6pft und ausgelaugt, zum anderen entwickelten sie sich von engagierten \u201eHelfern\u201c zu zynischen und z.t. Aggressiven Mitarbeitern. Freudenberger bezieht sich bei seinen Beschreibungen stets auf sich selbst und seine Mitarbeiter in den sogenannten \u201efree Clinics\u201c (vgl. Rook 1998, S.15 ff.).<\/p>\n<p>Er benutzte das Englische Verb \u201eto burn out\u201c, um das beobachtete Ph\u00e4nomen zu erkl\u00e4ren. Zu Beginn seiner Arbeiten bezog sich das Ph\u00e4nomen des \u201eAusbrennens\u201c ausschlie\u00dflich auf soziale Helferberufe. In seinen sp\u00e4teren Arbeiten erweiterte Freudenberger den Personenkreis der besonders von Burnout gef\u00e4hrdeten auch auf andere T\u00e4tigkeitsfelder. Burisch stellt f\u00fcr das Gesamtwerk Freudenbergers heraus, dass insbesondere die Diskrepanz zwischen den eigenen Erwartungen und der Realit\u00e4t in der beruflichen T\u00e4tigkeit Freudenbergers Erkl\u00e4rung f\u00fcr Burnout ist. Dabei sind die nicht verwirklichten eigenen Erwartungen oder die von der Erwartung abweichende Belohnung das ausl\u00f6sende Moment f\u00fcr Burnout<\/p>\n<p>(vgl. Burisch 2006, S.50f.).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Arbeiten Freudenbergers besonders f\u00fcr die Pionierphase, der Burnout Forschung von Bedeutung sind, leitet die Sozialpsychologin Christina Maslach die empirische Phase ein (vgl. Rook 1998, S.56ff). Maslach untersuchte kognitive Prozesse bei Menschen in emotional belasteten Situationen (z.B. Rettung-personal, \u00c4rzte, Polizisten &#8230;). In Interviews mit Mitarbeitern im Gesundheitsbereich stellte sie fest, dass bestimmte Erfahrungen und Verhaltensweisen vermehrt auftraten.<\/p>\n<p>Sie griff bei der Erkl\u00e4rung der Ph\u00e4nomene auf bestehende wissenschaftliche Konstrukte wie: \u201eDehumanisierung\u201c zur\u00fcck, d.h. ein aggressives und zynisches Verhalten gegen\u00fcber Patienten oder Klienten und sie interpretierte die emotionale Belastung als Ursache. Eher zuf\u00e4llig stellte sie fest, dass f\u00fcr die beobachteten Ph\u00e4nomene bereits ein Begriff existiert: Burnout<\/p>\n<p>(vgl. Rook 1998, S.56ff).<\/p>\n<p>Sie entwickelte das so genannte MBI (Maslach Burnout Inventory), einen Frage-bogen, der Burnout in drei Merkmale aufgliedert und gleichzeitig einen Phasen-verlauf vorgibt. Demnach ist Burnout durch eine erste Phase der emotionalen Ersch\u00f6pfung gekennzeichnet, die nach Ansicht Maslachs, durch den Kontakt mit anderen Menschen entsteht und unter anderem durch die Asymmetrie der Beziehung hervorgerufen wird. In einer zweiten Phase tritt als Reaktion auf die emotionale Ersch\u00f6pfung Depersonalisation auf, d.h. eine negative und zynische Einstellung gegen\u00fcber Personen, die mit der Arbeit in Zusammenhang stehen (vgl. Burisch 2006, S.50f.). Demzufolge resultiert eine negativ eingesch\u00e4tzte, pers\u00f6nliche Leistungsf\u00e4higkeit in der dritten Phase. Dadurch wird Burnout definiert und gleichzeitig werden dessen Symptome beschrieben.<\/p>\n<p>Ebenso wie Freudenberger bezog sich Maslach, bei ihrer Beschreibung, anfangs nur auf Arbeit mit Menschen. Sie erweiterte in ihren neueren Werken den betroffenen Personenkreis (vgl. Burisch 2006, S.17). Das MBI ist auch heute noch eines der meist genutzten Messinstrumente in der Burnout-Forschung, obwohl es nicht kritikfrei bleibt (vgl. Rook. 1998. S. 43).<\/p>\n<p>Es herrscht Diskussion dar\u00fcber, wer genau die Metapher Burnout f\u00fcr die beschriebenen Prozesse gepr\u00e4gt hat (vgl. Burisch. 2006. S.6f.). Es ist aber eindeutig, dass die intuitiv verst\u00e4ndliche Beschreibung des Prozesses sowohl zur Popularit\u00e4t, als auch zur unwissenschaftlichen \u201eAush\u00f6hlung\u201c des Begriffes beigetragen hat (vgl. H\u00fcbner. 2009. S.52).<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, gibt es weder eine allgemein anerkannte Definition noch eine allgemeing\u00fctige Theorie (s.1). Deshalb greife ich nicht auf eine der bestehenden Definitionsversuche zur\u00fcck, sondern beschreibe Burnout als individuellen Prozess der subjektiven Verarbeitung objektiver Belastungssituationen, bei dem diverse Symptomen auftreten k\u00f6nnen: von anf\u00e4nglichen Warnsymptomen \u00fcber reduziertes Engagement und emotionalen Reaktionen bis hin zu psychosomatischen Reaktionen und existenzieller Verzweiflung (vgl. Burisch 2006, S.24ff.).<\/p>\n<p>2.2.2 Ebenen der Betrachtung nach H\u00fcbner<\/p>\n<p>Eine umfassende Perspektive auf den Burnout-Begriff liefert H\u00fcbner mit seinem Vorschlag, Burnout in einem interdisziplin\u00e4ren Ansatz auf vier verschieden Ebenen zu betrachten, um der Gefahr zu entgehen, nur einzelne Aspekte von Burnout zu erfassen. Die individuelle Ebene meint die Entstehung von Pers\u00f6nlichkeits-eigenschaften, emotionalen Mustern und pers\u00f6nlichen Dispositionen. Diese sozialisierten Eigenschaften bilden die Basis f\u00fcr die subjektiven Verarbeitungs- und Integrationsprozesse. Sie bilden sozusagen die Grundlagen unseres Selbst-konzeptes.<\/p>\n<p>Auf das Ph\u00e4nomen Burnout bezogen dokumentiert die individuelle Betrachtung-ebene welche pers\u00f6nlichen Ressourcen in Konflikt- und Stresssituationen zur Verf\u00fcgung stehen und insbesondere bei der Bew\u00e4ltigung dieser Situationen von Bedeutung sind. Die individuelle Ebene ist Vorraussetzung f\u00fcr die zweite Ebene der Betrachtung &#8211; die interaktionistische Ebene.<\/p>\n<p>Auf dieser Ebene werden die erworbenen Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale in die Interaktion mit der Umwelt eingebracht und dadurch eignet sich die Person kulturspezifische Interaktions- und Kommunikationstechniken an. Der Prozess der Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeitseigenschaften und der Aneignung der Interaktionstechniken l\u00e4uft parallel ab. In Bezug auf Burnout sind diese Interaktionsf\u00e4higkeiten insbesondere in den Anforderungssituationen des beruflichen Alltags von Bedeutung. Sie erm\u00f6glichen vielf\u00e4ltige Alternativen sich selbst darzustellen, Konflikte und Anforderungen zu meistern oder problematische Situationen gekonnt zu bew\u00e4ltigen. W\u00e4hrend auf individueller Ebene die pers\u00f6nlichen Beanspruchungsfaktoren festgelegt werden, bestimmt die interaktionistische Ebene wie Konflikt- und Anforderungssituationen bew\u00e4ltigt werden und wie das Selbst dargestellt wird. Den ersten beiden Ebenen ist gemeinsam, dass sie das Individuum in den Fokus der Betrachtung setzen. Die institutionelle Ebene ist das dritte Element der Betrachtung. H\u00fcbner betrachtet Institutionen zum einen als Sozialisationsinstanzen, die einen immensen Einfluss auf die Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und Interaktionsf\u00e4higkeiten haben, zum anderen werden die Institutionen hinsichtlich ihrer Gestaltung einer Arbeitsumwelt betrachtet, die sich auf die Arbeitsbedingungen und die objektiven Belastungs-faktoren auswirkt.<\/p>\n<p>Die vierte Betrachtungsebene, die global-gesellschafttliche Ebene, bezieht sich<\/p>\n<p>auf kulturelle, politische und \u00f6konomische Strukturen, d.h. auf gesamt-<\/p>\n<p>gesellschaftliche Werthaltungen, die konstitutiv f\u00fcr die Pers\u00f6nlichkeitentwicklung und Sozialisation des Individuums sind, sowie in Form von gesellschaftlichen Spannungen und politisch-\u00f6konomischen Konflikten auch Ursache f\u00fcr die objektive Belastungssituation sein k\u00f6nnen (vgl. H\u00fcbner 2009, S.17ff.).<\/p>\n<p>Das Besondere von H\u00fcbners Betrachtungsebenen ist meines Erachtens nach,<\/p>\n<p>die Betrachtung verschiedener Dimensionen und deren Wechselwirkung.<\/p>\n<p>Das Burnout-Syndrom ausschlie\u00dflich oder haupts\u00e4chlich aus Umweltfaktoren zu erkl\u00e4ren, wird nur von einem kleinen Kreis in der Burnoutforschung geteilt. Vielmehr zeigen die sozialisatorischen Entwicklungen des Individuums, die Strukturen von Institutionen sowie kulturelle Werthaltungen, eine Vielzahl von Interpretationsm\u00f6glichkeiten auf.<\/p>\n<p>Letztlich interpretiert H\u00fcbners Modell Burnout als komplexen Prozess, der durch ein Zusammenwirken vieler Faktoren auftritt. Auf das Thema der Arbeit bezogen wird deutlich, dass auch das Selbstkonzept mit allen vier Ebenen in Zusammenhang steht. Das Selbstkonzept bildet sich auf einer individuellen und interaktionistischen Ebene und in Abh\u00e4ngigkeit von sozialisationsrelevanten Institutionen heraus. Zus\u00e4tzlich ist das Selbstkonzept, in seiner Pr\u00e4sentation nach au\u00dfen abh\u00e4ngig von gesamtgesellschaftlichen Normen und institutionellen Strukturen, die als Raum f\u00fcr die Selbstdarstellung gelten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die institutionell und global-gesellschaftlich erzeugten objektiven Belastung-faktoren k\u00f6nnen nur subjektiv, in Abh\u00e4ngigkeit von der individuellen und interaktionistischen Entwicklung verarbeitet und dargestellt werden. Letztlich bezieht sich Selbstdarstellung im Allgemeinen und auch im Zusammenhang mit Burnout immer auf eine Wechselwirkung der vier Ebenen.<\/p>\n<p>2.2.3 Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze zur Entstehung von Burnout<\/p>\n<p>2.2.3.1 Transaktionale Burnout-Theorie nach Cherniss<\/p>\n<p>Die umfangreiche empirische Forschung von Cary Cherniss beleuchtet das Thema Burnout aus der Perspektive des \u201ePraxisschocks\u201c (vgl. Burisch 2006, S.64f.).<\/p>\n<p>Seine Interviewstudie \u00fcber die sogenannten \u201enew professionals\u201c befasst sich mit Berufseinsteigern, verschiedener Dienstleistungsfelder, in den ersten beiden Berufsjahren. Ziel seiner Untersuchung war es herauszufinden wie subjektive Bew\u00e4ltigung und die Anpassung an die Arbeitssituation ablaufen. Grundlegender Einfluss der gesamten Forschung ist eine \u201esozial-\u00f6kologische Perspektive\u201c (Rook 1998, S.46), die von einer Wechselwirkung individueller Faktoren und Umwelt-bedingungen ausgeht. (vgl. Rook 1998, S.44f).<\/p>\n<p>Cherniss ver\u00f6ffentlicht zwei B\u00fccher mit den Ergebnissen seiner Studien, die eine eigene Burnoutkonzeption, eine eigne Burnoutdefinition und insbesondere in der zweiten Buchver\u00f6ffentlichung einige Bezugspunkte zu bereits bekannten theoretischen Konstrukten beinhalten (vgl. Rook 1998, S.44ff).<\/p>\n<p><em>\u201eCherniss definiert dort Burnout als einen Prozess, in welchem ein urspr\u00fcnglich engagierter Professioneller sich, als Reaktion auf in der Arbeit erfahrene(n) Stress von seiner oder ihrer Arbeit zur\u00fcckzieht oder als einen Prozess, in dem die Einstellungen und Verhaltensweisen von Professionellen sich in negativer Weise im Sinne von Reaktionen auf Arbeitsbelastungen ver\u00e4ndern.\u201c <\/em>(Rook 1998, S.44)<\/p>\n<p>Diese Burnoutdefinition wird in Anlehnung an die Stresstheorie von Lazarus als transaktional bezeichnet, weil sie die Interaktion der Person und der Umwelt anhand von drei Elementen beschreibt: Arbeitsstress, Stressreaktionen und entweder gelingender Bew\u00e4ltigung oder Burnout aufgrund von defensiven Bew\u00e4ltigungsversuchen(vgl. Hedderich 2009, S.16f).<\/p>\n<p>Burisch beschreibt das Burnoutkonzept von Cherniss, analog zu den Vorannahmen einer Wechselwirkung von individuellen Faktoren und Umweltfaktoren, bestehend aus acht arbeits- und klientenbezogenen Umweltfaktoren und zwei personen-bezogenen Faktoren (vgl. Burisch 2006, S.65ff.). Je nachdem welche Faktoren im Rahmen dieser Person-Umwelt-Interaktion aufeinandertreffen, determinieren die daraus resultierenden Stress-Quellen, die zu einem \u201ePraxisschock\u201c und bei nicht erfolgreicher Bew\u00e4ltigung zu einem Burnout-Prozess f\u00fchren k\u00f6nnen (vgl. Burisch 2006, S.65ff.):<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">a) Die personenbezogenen Faktoren:<\/span><\/p>\n<p>1. Karriereorientierung<\/p>\n<p>F\u00fcr Cherniss dr\u00fcckt der Faktor Karriereorientierung aus <em>\u201e&#8230;was Arbeit und Beruf f\u00fcr das Individuum bedeuten, was es zu investieren bereit ist, und was es f\u00fcr einen Gewinn erwartet.\u201c <\/em>( Burisch 2006, S.66.)<\/p>\n<p>Cherniss unterscheidet vier Typen der Karriereorientierung: den \u201eSozial Engagierten\u201c, \u201eden Freischaffenden\u201c, \u201eden Karrieristen\u201c und den \u201eSelbstbestimmten Individualisten\u201c. Cherniss stellte die Hypothese auf, dass die \u201eSozial Engagierten\u201c und die \u201eSelbstbestimmten Individualisten\u201c mit gr\u00f6\u00dfter Wahrscheinlichkeit an Burnout erkranken w\u00fcrden, weil diesen beiden Typen der Karriereorientierung h\u00e4ufig die Erfolgserlebnisse fehlen w\u00fcrden. Die Hypothese blieb un\u00fcberpr\u00fcft. Cherniss stellte aber fest, dass es zu einer \u00c4nderung der Karriereorientierung nach der Berufseinstiegsphase kam und es nach den zwei Jahren Berufseinstieg keine \u201esozial Engagierten\u201c mehr gab. ( Burisch 2006, S.66.)<\/p>\n<p>2.Unterst\u00fctzung\/Beanspruchung au\u00dferhalb der Arbeit<\/p>\n<p>Cherniss geht nach seinen Befragungen davon aus, dass stabile Beziehungen vor Burnout sch\u00fctzen k\u00f6nnen und alleinlebende oder Personen mit h\u00e4ufigen privaten Konflikten unter einem erh\u00f6htem Burnout Risiko stehen.<\/p>\n<p>b) <span style=\"text-decoration: underline;\">Die Umweltfaktoren<\/span>:<\/p>\n<p>1. Einf\u00fchrungsprozesse: Diese k\u00f6nnen sich zu Stress-Quellen entwickeln, wenn die Neulinge ohne Orientierungsphase mit hohen Anforderungen konfrontiert werden, weil es dadurch zu einer \u201eKompetenzkrise\u201c kommen kann, wodurch das Selbst-bewusstsein des Betroffenen angegriffen werden kann.<\/p>\n<p>2. Arbeitsbelastung: Bei quantitativer und qualitativer Arbeitsbelastung ist die Gefahr der Rollen\u00fcberlastung gegeben.<\/p>\n<p>3. Anregung: Die Mitarbeiter sollten auch intellektuell angeregt werden, damit es nicht zu einem Unterforderungsgef\u00fchl kommt. Burisch interpretiert Unterforderung als Angriff auf das Selbstwertgef\u00fchl des Betreffenden, weil seine F\u00e4higkeit als zu gering eingesch\u00e4tzt wahrnimmt.<\/p>\n<p>4. Klientenkontakt: Dieser kann problematisch werden, wenn zu wenig Profession-nelle Distanz gewahrt wird.<\/p>\n<p>5. Professionelle Autonomie: Der Entscheidungsspielraum und die Anforderungen m\u00fcssen auf die einzelnen Mitarbeiter abgestimmt sein, weil eine ung\u00fcnstige Passung negativ auf die Leistungsmotivation wirken kann.<\/p>\n<p>6. Arbeitsziele: Eindeutigkeit und Verbindlichkeit der Arbeitsziele sollte festgelegt werden, damit Rollenkonflikte und Rollenunklarheit vermieden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>7. F\u00fchrung: Dieser kommt nach Cherniss gro\u00dfe Bedeutung zu, weil durch gute F\u00fchrung eine Balance zwischen anregender Arbeit und den n\u00f6tigen Handlungs-spielr\u00e4umen realisiert werden kann. Wodurch ein positives Betriebsklima gepr\u00e4gt werden kann.<\/p>\n<p>8. Kollegen\/Mitarbeiter: Das Verh\u00e4ltnis zu den Kollegen und Mitarbeitern ist von besonderer Bedeutung f\u00fcr die Burnoutthematik. Eine positive soziale Einbindung und positive Atmosph\u00e4re zwischen den Mitarbeitern stellt eine Schutzfunktion gegen Burnout dar. Umgekehrt kann ein soziale Isolation und belastende Konkurrenzsituationen &#8211; bis hin zu Mobbing &#8211; Burnout-Erscheinungen f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Durch eine ung\u00fcnstige Interaktion zwischen den individuellen Faktoren und den Umweltfaktoren entstehen Stressquellen wie z.B. Zweifel an der eigenen Kompetenz. Je nachdem wie es dem Betroffenen m\u00f6glich ist diesen Stress zu bew\u00e4ltigen werden Burnout-Prozesse eher vermieden oder in Gang gesetzt. Bei einer positiven Bew\u00e4ltigung, im Sinne von problemorientiertem Coping, werden im Idealfall die Probleme beseitigt. Problematisch sind hingegen misslingende Bew\u00e4ltigungsversuche, weil es durch diese Negativerfahrung zu Einstellungs-\u00e4nderungen kommen kann, die vergleichbar mit Depersonalisation sind und Burnout-Prozesse ausl\u00f6sen bzw. einleiten k\u00f6nnen. Diese Einstellungs\u00e4nderungen versch\u00e4rfen die Stressquellen und erzeugen, im ung\u00fcnstigsten Fall, einen Teufelskreis zwischen Stressquellen und Einstellungs\u00e4nderungen. Zusammen-fassend sind die defensiv-negativen Bew\u00e4ltigungsversuche in diesem Modell der Ausl\u00f6ser f\u00fcr Burnout-Prozesse.<\/p>\n<p>2.2.3.2 Die integrierende Burnout-Theorie nach Bursch<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie in Cherniss transaktionalem Ansatz, ist auch in der integrierenden Burnout-Theorie der erlebte Stress und dessen Verarbeitung ein zentrales Element. Im Gegensatz zu Cherniss, dessen Forschungen und Ver\u00f6ffentlichungen schon lange Jahre zur\u00fcckliegen und deshalb &#8211; im Sinne der damaligen Forschung-tradition &#8211; von einer \u00dcberbetonung der Umweltfaktoren ausgehen, betont Burisch die Subjektivit\u00e4t jedes Burnoutfalles: <em>\u201e Jeder Fall ist anders\u201c. <\/em>(Burisch 2006, S.147.)<\/p>\n<p>Das hei\u00dft jeder brennt durch seine innere Realit\u00e4t auch individuell aus, denn die Verarbeitung von Stress und Belastungen ist ein subjektiver Verarbeitungsprozess, der durch die spezifische Faktoren des Individuums wie beispielsweise Frustra-tionstolaranz determiniert wird.<\/p>\n<p>Ein zentraler Begriff der integrierenden Burnout-Theorie ist die Autonomie. Nach Burischs Ansicht streben Menschen danach ihre Umwelt Interaktionen in einem H\u00f6chstma\u00df &#8211; zumindest nach ihrer subjektiven Empfindung &#8211; zu kontrollieren. Der Verlust des subjektiven Kontrollgef\u00fchls kann Stressreaktionen hervorrufen. Burisch unterscheidet hierbei Stress erster und zweiter Ordnung. Stress erster Ordnung wird durch Bedrohungen oder Herausforderungen hervorgerufen, die mit einem subjektiven Gef\u00fchl von Hilflosigkeit &#8211; also Autonomieverlust &#8211; verbunden sind. Stress zweiter Ordnung meint die auf den subjektiv erlebten Kontrollverlust folgende Stressreaktion, die aufgrund der kumulierten Autonomieverlust-Erlebnisse zu Reizgeneralisierung f\u00fchren kann. Das Modell des Autonomieverlustes wendet Burisch auf Begriffe der Motivationspsychologie an. Hierbei geht er von personen-spezifischen Motivprofilen aus, die in bestimmten Situationen aktiviert werden. Beispielsweise k\u00f6nnte ein Motivprofil sein, ein p\u00e4dagogisch und menschlich besonders guter Lehrer zu sein. Dieser fiktive Lehrer w\u00fcrde in einer zum Motiv passenden Situation (z.B. er \u00fcbernimmt eine schwierige Klasse mit schlechten schulischen Leistungen) je nach subjektiver Einsch\u00e4tzung der Erfolgswahr-scheinlichkeit seines Vorhabens aktiv werden.<\/p>\n<p>Im gelingenden Fall w\u00fcrde er sein Ziel erreichen (z.B. Kein Sch\u00fcler muss die Klasse wiederholen) und dieses Erfolgserlebnis w\u00fcrde seine Motivation, Sch\u00fcler besonders zu f\u00f6rdern, best\u00e4rken. Burisch nennt diesen Verlauf eine ungest\u00f6rte Handlungsepisode, d.h. eine erwartete und belohnte Entwicklung einer Situation vom Ist-Zustand zum Soll-Zustand. Problematisch sind aber gest\u00f6rte und insbesondere kritische Handlungsepisoden. Burisch unterscheidet vier St\u00f6rf\u00e4lle einer Handlungsepisode (Zielvereitelung, Zielerschwerung, ausbleibende Beloh-nung und negative Nebenwirkungen), die zu einer gest\u00f6rten Handlungs-episode f\u00fchren (vgl. Burisch 2006, S.147ff.).<\/p>\n<p>Er betont aber, dass nicht die gest\u00f6rte Handlungsepisode einen Burnout-Prozess ausl\u00f6st, sondern die darauf folgende Stressbew\u00e4ltigung (Coping).<\/p>\n<p>Die kritischen Handlungsepisoden beschreiben den Prozess einer nicht aus-reichenden Bew\u00e4ltigung, einer gest\u00f6rten Handlungsepisode. Beispielsweise wird auf den auftretenden Stress inaktiv und direkt durch Ignoranz oder Vermeidung der Stresselemente reagiert. Kritische Handlungsepisoden sind besonders problema-tisch und k\u00f6nnen der Ausl\u00f6ser eines Burnout-Prozesses sein.<\/p>\n<p>Zusammenfassend erleben Ausbrenner subjektiv \u00f6fter gest\u00f6rte Handlungs-episoden, scheitern \u00f6fter an der Stressbew\u00e4ltigung und haben zudem meist riskante Motive, die h\u00e4ufig frustriert werden. Der subjektiv eingesch\u00e4tzte Kontrollverlust, der zu Stress 2. Ordnung f\u00fchrt, d.h. Stress durch erlebte Hilf-losigkeit, und die nicht ausreichende Bew\u00e4ltigung des erlebten Stresses sind die Hauptursachen f\u00fcr Burnout, im Modell von Burisch (vgl. Burisch 2006, S.150ff.).<\/p>\n<p>2.2.4 Die Potsdamer Lehrerstudie nach Schaarschmidt<\/p>\n<p>Entgegen der weiterverbreiteten Meinung: Lehrer sei ein einfacher Beruf mit relativ guter Bezahlung, einem \u00dcberma\u00df an Freizeit und kaum anderer Belastungs-faktoren, zeichnet sich laut Schaarschmidt (2005), dem Leiter der bereits 1995 begonnen Arbeiten zur psychischen Gesundheit im Lehrerberuf, ein anderes Bild der T\u00e4tigkeit eines Lehrers ab:<\/p>\n<p><em>\u201e So ist es bei weitem nicht genug, wenn ein Lehrer seinen Unterrichtsstoff beherrscht und ihn didaktisch gut aufzubereiten vermag . Die schwierigeren Aufgaben liegen meist in anderen Bereichen. Es sind insbesondere die sozial-kommunikativen, emotionalen und motivationalen Anforderungen, die sich oftmals als komplex und widerspr\u00fcchlich und damit schwer erf\u00fcllbar erweisen. Da wird einerseits soziale Sensibilit\u00e4t verlangt, andererseits aber auch &#8211; vor allem in Bezug auf die eigene Person &#8211; ein hohes Ma\u00df an Robustheit. <\/em><\/p>\n<p><em>Gew\u00fcnscht ist ein empathisches und partnerschaftliches Verhalten gegen\u00fcber den Sch\u00fclern, doch zugleich ist es unumg\u00e4nglich, zur Selbstbehauptung und Durchsetzung in der Lage sein. Gefordert sind Verantwortungsbewusstsein ein hoher Anspruch an die G\u00fcte de eignen Arbeit, andererseits kommt der Lehrer nicht umhin, sich mit viel Unvollkommenem und Unerreichtem abfinden und permanent mit dem Gef\u00fchl des Nicht-Fertig-Seins leben zu m\u00fcssen. <\/em><\/p>\n<p><em>Nicht zu untersch\u00e4tzen sind auch die zu erbringenden Aufmerksamkeitsleistungen, die dadurch charakterisiert sind, dass st\u00e4ndig zugleich ein hohes Ma\u00df an fokussierter (auf den einzelnen Gegenstand oder Sch\u00fcler gerichteter) und verteilter (auf das ganze Geschehen in der Klasse bezogener Aufmerksamkeit gefordert ist. In welchem Beruf wird eine solche Leistung \u00fcber Stunden hinweg abverlangt, ohne dass Phasen der Entspannung zwischengeschaltet w\u00e4ren? &#8230; Und schlie\u00dflich ist das lehrertypische Problem eingeschr\u00e4nkter Distanzierungsf\u00e4higkeit nicht zu vergessen. &#8230; Viele Partner von Lehrern klagen dar\u00fcber, dass die Schule in ihrem Familienleben st\u00e4ndig pr\u00e4sent seien. <\/em><\/p>\n<p><em>Dies ist zum einen dadurch bedingt, dass zahlreiche Arbeiten zu Hause zu erledigen sind, die Abgrenzung von beruflicher und privater Sph\u00e4re somit schon r\u00e4umlich-zeitlich nicht m\u00f6glich ist. Aber von noch gr\u00f6\u00dferem Gewicht d\u00fcrfte sein ,dass die Erlebnisse aus dem Schulalltag die Betroffenen nicht zur Ruhe kommen lassen. &#8230; Und es sind gerade die negativen Gef\u00fchle wie Entt\u00e4uschung, Kr\u00e4nkung und \u00c4rger, die besonders nachhaltig wirken.\u201c <\/em><\/p>\n<p>(Schaarschmidt. 2005. S.15f.)<\/p>\n<p>In der Potsdamer Lehrerstudie wurde, wie bereits erw\u00e4hnt, die psychische Gesundheit im Lehrerberuf analysiert. Zudem wurden noch Gesundheitsressourcen mitber\u00fccksichtigt. Die gesamte Arbeit umfasste bis zur Buchver\u00f6ffentlichung 2004 17000 Personen, die an der Studie teilnahmen, von denen 7693 Lehrer in der ersten Erhebungswelle den Kern der Untersuchung ausmachten.<\/p>\n<p>Als Erhebungsverfahren wurde das von der Gruppe um Schaarschmidt entwickelte diagnostische Verfahren des Arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebensmuster (AVEM) verwendet.<\/p>\n<p>Um eine bessere \u00dcbersichtlichkeit zu gew\u00e4hrleisten, werde ich die Einzelheiten der Untersuchung im Folgenden aufgegliedert darstellen.<\/p>\n<p>Das AVEM ist ein Fragebogen mit 66 Items, die 11 Dimensionen des arbeitsbe-zogenen Verhaltens und Erlebens zugeordnet werden:<\/p>\n<ol>\n<li>Bedeutsamkeit der Arbeit<\/li>\n<li>Beruflicher Ehrgeiz<\/li>\n<li>Verausgabungsbereitschaft<\/li>\n<li>Perfektionsstreben<\/li>\n<li>Distanzierungsf\u00e4higkeit<\/li>\n<li>Resignationstendenz<\/li>\n<li>Offensive Problembew\u00e4ltigung<\/li>\n<li>Innere Ruhe und Ausgeglichenheit<\/li>\n<li>Erfolgsstreben im Beruf<\/li>\n<\/ol>\n<p>10.Lebenszufriedenheit<\/p>\n<p>11.Erleben sozialer Unterst\u00fctzung<\/p>\n<p>Diese 11 Dimensionen lassen sich in drei Bereiche ausdifferenzieren:<\/p>\n<p>Unter <strong>Arbeitsengagement<\/strong> lassen sich die Dimensionen von 1-5 subsumieren. Unter <strong>Widerstandskraft<\/strong> fallen die Dimensionen 6-8, sowie die Dimension 5. Die Dimensionen 9-11 sind im Bereich <strong>Emotionen<\/strong> zusammengefasst (vgl. H\u00fcbner 2009, S.95ff).<\/p>\n<p>Aus den Ergebnissen der Befragungen werden die ermittelten Dimensionen und deren Auspr\u00e4gung (z.B. Bedeutsamkeit der Arbeit hoch und gleichzeitig mangelnde Distanzierungsf\u00e4higkeit) zueinander in Beziehung gesetzt, damit daraus ein Profil (Muster) entwickelt werden kann. Im Rahmen mehrerer empirischer Erprobungen wurden so vier, <em>\u201estabile und replizierbare\u201c<\/em> <em>(<\/em>Schaarschmidt. 2005. S.24.) Muster ermittelt:<\/p>\n<p>Muster G<\/p>\n<p>Das zentrale Merkmal diese Musters ist der Gesundheitsaspekt.<\/p>\n<p>Es handelt \u201esich um das w\u00fcnschenswerte Muster arbeitsbezogenen Verhaltens und Erlebens.\u201c (Schaarschmidt. 2005. S.24.). Weil es sich hierbei um eine gesundheits-f\u00f6rderliche Beziehung zur Arbeit handelt.<\/p>\n<p>Auf die drei Bereiche bezogen zeichnet sich folgendes Bild ab: ein ausgepr\u00e4gtes <strong>Arbeitsengagement <\/strong>ohne exzessiv zu sein, eine hohe <strong>Widerstandskraft<\/strong> und gleichzeitig positive <strong>Emotionen <\/strong>in Verbindung mit der Arbeit.<\/p>\n<p>Muster S<\/p>\n<p>Hier wird das Verh\u00e4ltnis zur Arbeit mit einer ausgepr\u00e4gten Schonungstendenz charakterisiert. Muster S ist gekennzeichnet durch das geringste <strong>Arbeits-engagement <\/strong>der vier Muster<strong>, <\/strong>einer ausgepr\u00e4gten <strong>Widerstandskraft <\/strong>und ausgewogenen <strong>Emotionen<\/strong>. Hervorzuheben sind hierbei die ausgepr\u00e4gte Distanzierungsf\u00e4higkeit, das geringe Perfektionsstreben und die ausgepr\u00e4gte Innere Ruhe\/Ausgeglichenheit. Nach der Einsch\u00e4tzung Schaarschmidts sollte das Muster S weniger unter dem \u201eGesundheitsaspekt\u201c als vielmehr unter dem \u201eMotivationsaspekt\u201c betrachtet werden. (Schaarschmidt 2005, S.24.)<\/p>\n<p>Risikomuster A<\/p>\n<p>Die Risikomuster beschreiben eine Gesundheitsgef\u00e4hrdung im arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebensmuster der jeweiligen Person. Dieses Muster ist vor allem durch ein \u00fcbersteigertes <strong>Arbeitsengagement <\/strong>gepr\u00e4gt, welches sich durch die hohen Auspr\u00e4gungen bei der Bedeutsamkeit der Arbeit, dem Perfektionsstreben und der Verausgabungsbereitschaft erkennen l\u00e4sst. Problematisch hierbei ist der <em>\u201eeindeutig niedrigste Wert in der Distanzierungsf\u00e4higkeit\u201c.<\/em><\/p>\n<p>(Schaarschmidt 2005, S.26)<\/p>\n<p>Zudem ist noch eine geringe <strong>Widerstandskraft <\/strong>bei gleichzeitig negativen <strong>Emotionen <\/strong>hervorzuheben, worauf die geringen Werte der inneren Ruhe\/Ausgeglichenheit und der Lebenszufriedenheit nach Schaarschmidt schlie\u00dfen (vgl. Schaarschmidt 2005, S.26).<\/p>\n<p>Risikomuster B<\/p>\n<p>Dieses Muster wei\u00dft bestimmte Parallelit\u00e4ten zum Muster S auf, denn auch beim Risikomuster B ist ein geringes <strong>Arbeitsengagement<\/strong>, d.h. geringe Werte bei der subjektiven Bedeutsamkeit der Arbeit und dem beruflichen Ehrgeiz, konstitutiv f\u00fcr die Musterbestimmung.<\/p>\n<p>Der entscheidende Unterschied ist die geringe Distanzierungsf\u00e4higkeit, die begleitet wird von einer geringen <strong>Widerstandskraft <\/strong>und von negativen <strong>Emotionen<\/strong> bei beruflichen Belastungen. Diese Beschreibung kommt den Punkten emotionale Ersch\u00f6pfung und Leistungsunzufriedenheit aus der Burnoutdefinition von Maslach (s. 2.2.1) schon sehr nahe (vgl. Schaarschmidt 2005, S.27).<\/p>\n<p>F\u00fcr die Intervention und Pr\u00e4vention von Burnout ist eine Unterscheidung der Risikomuster notwendig.<\/p>\n<p><em>\u201eGemeinsam ist den beiden Risikomustern weiterhin das \u00dcberforderungerleben. Allerdings &#8211; und damit sind wir bei den Unterschieden &#8211; ist es ein \u00dcberforderungserleben von grunds\u00e4tzlich verschiedener Qualit\u00e4t. Bei Muster A handelt es sich um Selbst\u00fcberforderung durch \u00fcbersteigertes Engagement, die bei allem Belastungserleben auch noch Aspekte positiver Emotionen den Berufs- und generellen Lebensanforderungen gegen\u00fcber erkennen l\u00e4sst und sich in offensiver Problemauseinandersetzung niederschl\u00e4gt. F\u00fcr Muster B sind solch positive Elemente nicht mehr zu finden. Hier beherrschen negative Emotionen das Bild, und die Begegnung mit den allt\u00e4glichen Anforderungen ist durch eine passive, resignativ-leidende Haltung gepr\u00e4gt.\u201c <\/em><em> (<\/em>Schaarschmidt 2005, S.28.)<\/p>\n<p>Schaarschmidt trifft aufgrund der Ergebnisse der Potsdamer Lehrerstudie vier Schlussfolgerungen f\u00fcr notwendige Ver\u00e4nderungen (vgl Schaarschmidt 2005, S.145ff.):<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Erstens: Einflussnahme auf die Rahmenbedingungen des Berufs <\/span><\/p>\n<p>Die Beanspruchungssituation der Lehrer sticht neben \u201eHelferberufen\u201c aus den berufs\u00fcbergreifenden Vergleichen hervor. Schaarschmidt nennt drei Hauptursachen f\u00fcr die Rahmenbedingungen, die \u00fcberregional und in allen Schultypen von Lehrern als besonders belastend herausgestellt werden:<\/p>\n<p>Das destruktive Verhalten durch schwierige Sch\u00fcler, die Klassengr\u00f6\u00dfe und die Stundenzahl. Diese Faktoren sollen nicht isoliert, sondern in ihrem Zusammen-wirken betrachtet werden, damit deutlich wird, dass die Belastungssituation als Ganzes ihre krankmachende Wirkung entfaltet. Um die Beanspruchungssituation zu ver\u00e4ndern schl\u00e4gt Schaarschmidt folgende Punkte als wichtigste vor:<\/p>\n<p><em>\u201eErstens ist der \u00dcberforderung der Lehrer durch eine F\u00fclle nicht bew\u00e4ltigbarer erzieherischer Aufgaben entgegenzuwirken. Zweitens sind gezielte Ma\u00dfnahmen gefordert, die dazu angetan sind, die Identifikation mit dem Beruf und die Berufsmotivation zu f\u00f6rdern.\u201c <\/em>(Schaarschmidt 2005, S.146.)<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Zweitens: Gestaltung der Arbeitsbedingungen vor Ort<\/span><\/p>\n<p>Der Einfluss der Rahmenbedingungen auf Belastungen &#8211; so l\u00e4sst sich aus den Ergebnissen der Potsdamer Lehrerstudie schlie\u00dfen &#8211; ist bei jeder Einzelschule unterschiedlich. Der entscheidende Faktor, der hierbei nicht nur schulspezifisch, sondern auch im Allgemeinen f\u00fcr g\u00fcnstige Beanspruchungsverh\u00e4ltnisse in Schulen sorgt, ist nach Einsch\u00e4tzung von Schaarschmidt das soziale Klima der Schule. Zentral ist hierbei ein von Unterst\u00fctzung gepr\u00e4gtes Verh\u00e4ltnis im Kollegium, das insbesondere durch eine unterst\u00fctzende und t\u00e4tige Schulleitung in diesem Bereich zu realisieren ist.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Drittens: Verbesserte Rekrutierung und Vorbereitung des Lehrernachwuchses<\/span><\/p>\n<p>Diese Schlussfolgerung pr\u00e4zisiert Schaarschmidt in den zwei folgenden Punkten:<\/p>\n<p>Eine bessere Auswahl der angehenden Lehrer im Hinblick auf ihre Eignungs-voraussetzungen und eine verbesserte Vorbereitung auf die berufliche Praxis durch das Studium. Die Untersuchungsergebnisse weisen darauf hin, dass etwa ein Viertel der Studierenden das problematische Risikomuster B aufweisen. Die festgestellten Defizite, die von einer eingeschr\u00e4nkten Widerstandskraft, \u00fcber defizit\u00e4re sozial-kommunikative Kompetenzen, bis hin zu einem geringen Selbst-vertrauen reichen,<\/p>\n<p>k\u00f6nnen auch innerhalb der Ausbildung nicht kompensiert werden. Deshalb ist Schaarschmidts Schlussfolgerung, bereits bei der Berufswahl die individuelle Eignung hinsichtlich der Grundvoraussetzungen f\u00fcr eine erfolgreiche Karriere als Lehrer, besser zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass auch die berufsspezifische Motivation der angehenden Lehrer problematisch ist. Mehr als die H\u00e4lfte der Lehramtskandidaten weisen motivationale Defizite im Hinblick auf ihren an-gestrebten Beruf auf, die in Richtung einer Musterverteilung des S-Musters bei Lehramtstutenden gehen.<\/p>\n<p>Daraus l\u00e4sst sich folgen, dass ein beachtlicher Anteil des Lehrernachwuchses nicht aus fachlichem Interesse und p\u00e4dagogischer Motivation heraus, sondern aus anderen evtl. pragmatischeren Gr\u00fcnden, wie beispielsweise einem sichern Arbeitsplatz, Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder einem relativ hohem Gehalt, den Beruf des Lehrers anstreben. Das es bei dieser Konstellation zu einer Asymmetrie zwischen Anforderungen und eigenen Erwartungen kommen kann ist naheliegend. Ich werde im Verlauf der Arbeit (s.3.1.1) genauer auf diese Proble-matik eingehen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend im Hinblick auf den zweiten Punkt, die bessere Vorbereitung auf den Beruf durch das Studium, insbesondere die Berufskompetenz der angehenden Lehrer fokussiert werden sollte, um in beruflichen Problemsituationen besser ger\u00fcstet zu sein. Diese Kompetenzen sotllen in Projekten, Trainingsprogrammen und Supervisionen gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Viertens: Entwicklungsbem\u00fchungen der Lehrer selbst<\/span><\/p>\n<p>Die pers\u00f6nliche Einstellung zur st\u00e4ndigen Weiterentwicklung der eigenen, berufspezifischen Kompetenzen stellt f\u00fcr Schaarschmidt die wichtigste pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahme dar. Diese Einsch\u00e4tzung wird unter der Ber\u00fccksichtigung der Forschungsergebnisse besonders verst\u00e4ndlich,<\/p>\n<p>denn bei den Risikomustern und auch beim Muster B sind verst\u00e4rkt fachliche und erzieherische Defizite festgestellt worden. Die logische Schlussfolgerung daraus ist, dass ausgepr\u00e4gte fachliche und erzieherische Kompetenzen dazu beitragen, die bestehenden Beanspruchungsverh\u00e4ltnisse positiver zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Die Nutzung oder auch die Verweigerung von Fortbildungsangeboten dr\u00fcckt gleichzeitig auch eine Selbstpr\u00e4sentation der eignen Kompetenzen bzw. Defizite aus. Im gelingenden Fall werden Fortbildungen und Feedback als Ausdruck der professionellen beruflichen Einstellung wahrgenommen, die von einer lebenslangen Lern-und Weiterbildungsbereitschaft gepr\u00e4gt ist.<br \/>\n<!--nextpage--><br \/>\n<strong>3.<\/strong><strong>Zusammenh\u00e4nge zwischen Burnout und Selbstdarstellung <\/strong><\/p>\n<p>3.1 Die Entstehung von Burnout in Bezug auf Selbstdarstellung<\/p>\n<p>Die Entstehung von Burnout wird durch drei unterschiedlichen Aspekten dargestellt, die jeweils einen engen Zusammenhang zum Thema Selbstdarstellung aufweisen. Zuerst wird die Entstehung von Burnout im Hinblick auf Rolle und Rollenerwartung er\u00f6rtert. Anschlie\u00dfend werden Stress und Stressbew\u00e4ltigung diskutiert. Um nachfolgend den daraus resultierenden Kontrollverlust zu beleuchten. Die Darstellung der Entstehungsfaktoren erhebt dabei keinen Anspruch auf Voll-st\u00e4ndigkeit, sondern dient der Pr\u00e4sentation themenrelevanter Entstehungs-faktoren im Sinne einer hierarchischen Folge.<\/p>\n<p>3.1.1 Rolle und Rollenerwartung bei Burnout<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, sind Rollen Teile des Selbstkonzeptes und liefern Orientierungen f\u00fcr gelungene und situationsangepasste Selbstdarstellung. Umgekehrt kann eine fehlende Passung zwischen den Erwartungen an eine Person und deren M\u00f6glichkeiten zur erfolgreichen Ausf\u00fchrung und Darstellung des erwarteten Verhaltens, schwerwiegende Folgen haben.<\/p>\n<p>Die Inkompatibilit\u00e4t zwischen den Anforderungen und dem Selbstkonzept einer Person kann ein entscheidender Ausl\u00f6ser eines Burnout-Prozesses sein. Im Folgenden soll diese Problematik, nach einer kurzen Begriffsbestimmung zum Thema Rolle und dem Burnout-Modell nach Lauderdale genauer ausgef\u00fchrt werden. Im n\u00e4chsten Schritt wird der Zusammenhang zwischen einer un-reflektierten Berufswahl und der Entstehung von Burnout aufgezeigt.<\/p>\n<p>3.1.1.1 Grundbegriffe zum Thema Rolle<\/p>\n<p>Der Begriff Rolle ist tief in der Alltagssprache verwurzelt. Sei es im Sport z.B. die Rolle des \u201eJokers\u201c im Fu\u00dfball oder in Aussagen wie: \u201eWelche Rolle hat er in der Organisation?\u201c. Ebenso wie bei einer geschriebenen Rolle in Theater, Film oder Fernsehen, sind an Rollen jeglicher Art, Erwartungen und Verhaltensvorschriften gekn\u00fcpft. Wenn diese Verhaltenserwartungen entt\u00e4uscht werden, muss der Rolleninhaber mit Sanktionen rechnen z.B. mit Missachtung.<\/p>\n<p>Die Soziologische Auffassung ist dieser sehr \u00e4hnlich, wenn auch spezifischer:<\/p>\n<p><em>\u201eRollen sind relativ konsistente, mitunter interpretationsbed\u00fcrftige B\u00fcndel von Erwartungen, die an eine soziale Position gerichtet sind und als zusammengeh\u00f6rig perzipiert werde.\u201c<\/em> (Wiswede 1977, S.18)<\/p>\n<p>Soziale Positionen sind per Definitionem mit Aufgaben und Erwartungen ver-bunden, die an diese gestellt werden. Beispielsweise wird von einem Lehrer erwartet, dass er die Sch\u00fcler nach didaktisch erfolgreichen Methoden unterrichtet. Kommt der Lehrer dieser Erwartung nicht nach und h\u00e4lt nur Vortr\u00e4ge im universit\u00e4ren Stil, dann muss er mit Sanktionen rechnen (z.B. Beschwerde durch die Eltern). Dieser fiktive Lehrer ist aber noch Inhaber von mehreren sozialen Positionen, an die ebenfalls Erwartungen gekn\u00fcpft sind. Er k\u00f6nnte Ehemann und Vater sein, wodurch er die an ihn gestellten Erwartungen des Berufes und des privaten Lebens in Einklang bringen m\u00fcsste, damit es nicht zu Konflikten kommt.<\/p>\n<p>Des Weiteren sind Positionen danach zu unterscheiden, ob sie zugeschrieben oder erworben sind. Zugeschrieben ist z.B. das Geschlecht und erworben eine Vereinsmitgliedschaft (vgl. Wiswede 1977, S.19ff.).<\/p>\n<p>Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es nicht ein Rollenparadigma gibt, sondern eine Vielzahl von Auffassungen. Grundlegend sind in der Soziologie die Auffassungen des Interaktionismus und des Strukturfunktionalimus. Aus Struktur-funktionalistischer Perspektive sind Rollen \u201enormierte Erwartungen\u201c an eine soziale Position, die unabh\u00e4ngig vom Individuum weiterbestehen. Die interaktionistische Auffassung begreift eine soziale Rolle als \u201eerlerntes Verhaltensmuster\u201c, das vom Inhaber der Rolle angeeignet, best\u00e4tigt und ver\u00e4ndert wird. (Meyer. 2000, S.24f) Diese vereinfachte Unterscheidung soll im Rahmen der Arbeit gen\u00fcgen.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf der Arbeit wird ein Rollenbegriff verwendet, der zum einen die normativen Vorgaben von Gesellschaft und Organisationen ber\u00fccksichtigt, zum anderen aber auch die Ver\u00e4nderbarkeit und den Einfluss des Individuums betont.<\/p>\n<p>Insbesondere die interaktionistische Perspektive offenbart den Zusammenhang zwischen Rolle und Identit\u00e4t. Wie bereits erw\u00e4hnt (s. 2.1.1), helfen Rollen dem Subjekt dabei sich in der Umwelt zu verorten. Einerseits werden vorgegebene Erwartungen bei der Aus\u00fcbung der Rolle \u00fcbernommen (Role-Taking),<\/p>\n<p>andererseits interpretiert und gestaltet das Individuum auch die vorgegebene Rolle individuell aus (Role-Making) (vgl. Tillmann 2000, S. 139).<\/p>\n<p>Man kann demnach sagen, dass Rollen den Raum vorgeben in dem Identit\u00e4t pr\u00e4sentiert wird. Die soziale Identit\u00e4t l\u00e4sst sich durch \u201eRole-Taking\u201c erfolgreich realisieren. Das \u201eRole-Making\u201c bietet besonderere Gestaltungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die personale Identit\u00e4t, indem biographische Erfahrungen in die Rolleninterpretation, in einen rollenspezifischen Interaktionsprozess eingebracht werden und damit die Rolle individuell ausgestaltet wird.<\/p>\n<p>Das Selbstkonzept formt sich w\u00e4hrend der Interaktion in Abh\u00e4ngigkeit von den Erwartungen an die Rolle und damit an die Identit\u00e4t. Gleichzeitig bestimmt es auch die Interaktion durch Selbstschemata mit (s. 2.1.1). Die Zusammenh\u00e4nge zwischen Identit\u00e4t, Rolle und Selbstkonzept sind von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Entstehung von Burnout.<\/p>\n<p>Beispielsweise kann eine Kompetenzkrise aufgrund eines Praxisschocks als Resultat der nicht bew\u00e4ltigbaren Rollenerwartungen auftreten und einen Angriff auf die eigene Identit\u00e4t zur Folge haben. Dadurch ver\u00e4ndert sich das Bild von sich selbst zum Negativen, mit dem Resultat eines sich selbst negativ \u201eausgestellten\u201c Selbstkonzeptes. Wenn in einem derartigen Fall die passenden Bew\u00e4ltigungs-strategien nicht zu Verf\u00fcgung stehen, steigt das Burnout-Risiko.<\/p>\n<p>3.1.1.2 Formen von Rollenbelastungen<\/p>\n<p>Nach der Kl\u00e4rung der Grundbegriffe stehen die verschiedenen Formen der Rollenbelastungen im Fokus (vgl. Meyer 2000, S.40ff.). Rollenbelastungen stehen stets in Zusammenhang mit Rollenerwartungen und bringen den Inhaber der jeweiligen sozialen Rolle in eine problematische Situation. Der Rolleninhaber muss mit den Rollenbelastungen umgehen, d.h. er muss versuchen, diese zu bew\u00e4ltigen (genannt \u201eCoping\u201c).<\/p>\n<p>Weil Rollenbelastungen bei nicht erfolgreicher Bew\u00e4ltigung zu Stress f\u00fchren, ist eine produktive Bew\u00e4ltigung notwendig, um die Belastungen zu \u00fcberstehen. Das Thema \u201eCoping\u201c wird unter 3.1.2 genauer erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>Grundlegend k\u00f6nnen Rollen\u00fcberlastung und Rollenunterlastung unterschieden werden. Bei Rollen\u00fcberlastung \u00fcbersteigen die Anforderungen und Erwartungen an die Rolle die F\u00e4higkeiten und die Belastbarkeit des Rolleninhabers. Hierbei gen\u00fcgt seine die subjektive Einsch\u00e4tzung. Bei Rollenunterlastung bzw. Rollenunter-forderung ist der Fall umgekehrt. Die verlangten Anforderungen und Erwartungen an die Rolle sind, gemessen an den selbst eingesch\u00e4tzten Kompetenzen und eigenen Erwartungen zu niedrig.<\/p>\n<p>Rollenkonflikte sind Disharmonien zwischen verschieden Rollenerwartungen.<\/p>\n<p>Der \u201eInter-Rollenkonflikt\u201c beschreibt einen Widerspruch zwischen den Erwartungen zweier oder mehrerer Rollen einer Person. Ein typisches Beispiel sind Probleme zwischen Berufsrolle und Familienrolle. Eine Person mit einem \u201efull-time job\u201c wird Probleme haben, auch als Elternteil und Partner pr\u00e4sent zu sein. Unter dem \u201eIntra-Rollenkonflikt\u201c sind widerspr\u00fcchliche Erwartungen innerhalb einer Rolle zu verstehen. Beispielsweise befindet sich eine Pflegekraft in einem \u201eIntra-Rollenkonflikt\u201c, von der einerseits pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che und Zeit f\u00fcr individuelle Pflege von Seiten der Pflegebed\u00fcrftigen erwartet wird. Andererseits wird sie von der Leitung dazu angehalten, m\u00f6glichst zeitsparend und effizient zu arbeiten.<\/p>\n<p>Diese Pflegekraft w\u00fcrde sich gleichzeitig in einem \u201ePerson-Rollen-Konflikt\u201c befinden, wenn ihre Auffassung der beruflichen Rolle (z.B. Besonders menschliche und empathische Pflege), den Vorgaben der Leitung widerspricht. Bei einem \u201ePerson-Rollen-Konflikt\u201c handelt es sich um eine Disharmonie zwischen pers\u00f6nlichen Erwartungen, Idealen und Vorstellungen und den externen Erwartungen an die Rolle.<\/p>\n<p>Eine weitere Form von Rollenbelastungen ist die so genannte Rollenambiguit\u00e4t. Der Begriff wird verwendet wenn die Erwartungen an eine Rolle unklar oder mehrdeutig sind. Besonders belastend ist bei der Rollenambiguit\u00e4t, dass sich der Rollentr\u00e4ger der Folgen seines Rollenverhalten nicht sicher sein kann, weil ihm die Erwartungen unklar sind.<\/p>\n<p>Noch zu erw\u00e4hnen sind Rollenverlust und Rollenwechsel. Bei einem Rollenverlust ist die Person nicht mehr Inhaber der jeweiligen Rolle z.B. durch Arbeitslosigkeit oder Pensionierung. Unter Rollenwechsel versteht man zumeist einen eindeutigen Wechsel der Rolle z.B. ein Wechsel der Arbeitsstelle (vgl. Meyer 2000, S.40ff).<\/p>\n<p>Auf das Thema der Arbeit bezogen, ist davon auszugehen, dass es sich bei Burnout-Prozessen gleichzeitig um Rollenwechsel handeln kann. Beispielsweise deuten die Ergebnisse der Potsdamer Lehrerstudie (vgl. 2.2.4) darauf hin, dass ein Wechsel des AVEM-Musters, einen Rollenwechsel oder zumindest eine Umdeutung der Berufsrolle darstellt. Ein Wechsel von Risikomuster A zu Risikomuster B wurde \u201e<em>\u00fcberzuf\u00e4llig h\u00e4ufig\u201c<\/em> festgestellt. (Schaarschmidt. 2005. S.27)<\/p>\n<p>Dieser Wechsel kommt den klassischen Burnout-Theorien von Freudenberger (vgl. 2.2.1) oder Maslach sehr nahe. N\u00e4mlich der Entwicklung vom \u00fcbermotivierten zum resignierenden Mitarbeiter.<\/p>\n<p>3.1.1.3 Das Burnout-Konzept von Lauderdale: Entt\u00e4uschte Rollenerwartungen<\/p>\n<p>Nach Lauderdale sind entt\u00e4uschte Rollenerwartungen ein Hauptausl\u00f6ser von Burnout (vgl. Burisch 2006, S.45f.). Jedes Individuum entwickelt im Laufe seines Lebens spezifische Rollenerwartungen. Wenn die Erwartungen an eine Rolle und die realen Erfahrungen mit der Rolle nicht mehr kompatibel sind handelt es sich, nach Lauderdale, um eine Entt\u00e4uschung der eigenen Rollenerwartungen.<\/p>\n<p>Ein angehender Lehrer k\u00f6nnte an seiner zuk\u00fcnftigen Rolle eine Vielzahl an Erwartungen haben, die er bei seinem Berufseinstieg \u201emitbringt\u201c.<\/p>\n<p>Beispielsweise k\u00f6nnte er ein gewisses Ma\u00df an Respekt der Sch\u00fcler erwarten, ein freundliches und unterst\u00fctzendes Miteinander im Kollegium und evtl. Wert-sch\u00e4tzung seiner Rolle durch Freunde und Bekannte. Wenn er in seinem beruflichen Alltag auf problematische Sch\u00fcler, ein konkurrierendes und wenig kompromissbereites Kollegium und wenig Interesse an seiner T\u00e4tigkeit durch Freunde und Bekannte trifft, dann kann aus diesen Problematiken Burnout resultieren.<\/p>\n<p>Lauderdale analysiert treffend, dass gesellschaftliche Rahmenbedingungen die Problematik der entt\u00e4uschten Rollenerwartung best\u00e4rken.<\/p>\n<p>Zum einen die Unvorhersehbarkeit von Ver\u00e4nderungen in der Gesellschaft z.B. es kann sich niemand sicher sein, ob der angestrebte Beruf nach dem Studium noch so gefragt ist wie bei Antritt des Studiums. Zum anderen sind Rollen davon bedroht <em>\u201eim Zuge des raschen Wertewandels\u201c<\/em> uminterpretiert oder bedroht zu werden. (Burisch 2006, S.45) Beispielsweise die Mutterrolle aber auch bestimmte Berufs-rollen haben sich in den letzen Jahrzehnten ver\u00e4ndert, man denke an den \u201eHalbgott in Wei\u00df\u201c in den 50er und 60er Jahren und an die streikenden \u00c4rzte von heute.<\/p>\n<p>3.1.1.4 Rollenerwartung und Berufswahl<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Potsdamer Lehrerstudie und die Schlussfolgerungen von Schaarschmidt (s.2.2.4) offenbaren, dass ein gro\u00dfer Anteil der angehenden Lehrer, einerseits mit falschen Rollenerwartungen in den Beruf geht und andererseits nicht \u00fcber die Kompetenzen verf\u00fcgt, um die geforderten Rollenerwartungen, ohne gesundheitliche Einbu\u00dfen erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zuerst zum Aspekt der falschen Rollenerwartungen. Die falschen Rollen-erwartungen weisen auf die von Schaarschmidt angesprochene, mangelnde <em>\u201eberufsspezifische Motivation\u201c<\/em> hin. (Schaarschmidt. 2005. S.153)<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich die Frage: Wie soll ein angehender Lehrer, der sich aus pragmatischen Gr\u00fcnden (wie z.B. Risikominimierung: sicheres Gehalt, sicherer Job) f\u00fcr den Beruf entscheidet, dazu f\u00e4hig sein, selbst Sch\u00fcler zu motivieren?<\/p>\n<p>Die eigenen Motivationsdefizite zur Berufsaus\u00fcbung \u00fcbertragen sich zwangsl\u00e4ufig auch auf das \u201eRole-Making\u201c eines Lehrers. Wenn fachliches Interesse und sozial kommunikative Motivation im Umgang mit den Sch\u00fclern bei der Berufswahl keine Rolle spielen, werden die Berufsaus\u00fcbung und die damit verbunden Erwartungen zur Gefahr. In so einer Konstellation f\u00fchren die inkompatiblen Erwartungen der Umwelt und des Lehrers an den Beruf zu Rollenkonflikten, weil im Sinne eines Personen-Rollen-Konfliktes die externen Erwartungen mit der eigenen Vorstellung des Berufs kollidieren.<\/p>\n<p>Das Aufeinandertreffen entgegengesetzter Erwartungen zeigt gleichzeitig Defizite des Lehrers auf, weil er die an ihn gestellten Erwartungen nicht erf\u00fcllen kann. Deshalb wird er bei wiederholtem Auftreten, als ungeeignet f\u00fcr den Beruf eingestuft. Bei Berufseinsteigern kann dieses Urteil eine Kompetenzkrise ausl\u00f6sen (s. 2.2.3.1), die nicht nur die berufliche Rolle angreift, sondern auch die Person im Ganzen abwertet. Nach dem Verst\u00e4ndnis der unter 2.1.3.1 eingef\u00fchrten Slbstdiskrepanztheorie nach Higgins, liegt in diesem Fall eine Diskrepanz zwischen tats\u00e4chlichen Selbst und dem Soll-Selbst vor, die zu negativen Gef\u00fchlen f\u00fchrt. Das Soll-Selbst entspricht normativen Vorgaben. In diesem Fall sind die Vorgaben auf die Ausf\u00fchrung der Berufsrolle bezogen. Diese Selbstdikrepanz schafft auch ein Ungleichgewicht zwischen Selbstkonzept und Identit\u00e4t, weil die Bewertung der eigenen Person in Form des Selbstkonzeptes negativ ausf\u00e4llt und damit auch die berufliche Verortung der personalen Identit\u00e4t zum Problem wird.<\/p>\n<p>Daraus folgt, dass die Kritik an der Person, ein schlechter Lehrer zu sein, einem Angriff auf die Identit\u00e4t gleich kommt. Wenn die Rollenaus\u00fcbung als defizit\u00e4r bewertet wird, wird auch die Person als gesellschaftliches Mitglied defizit\u00e4r bewertet (vgl. Tugendhat 1993).<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt bez\u00fcglich der inkompatiblen Erwartungen und der damit verbundenen Probleme bei der Rollenaus\u00fcbung ist, die damit verbundene Rollendarstellung. Wie bereits erw\u00e4hnt, ist die soziale Rolle als Raum anzusehen, worin die Identit\u00e4t pr\u00e4sentiert wird. Das hei\u00dft, Identit\u00e4t, Rolle und Selbstkonzept stehen in Wechselwirkung zueinander. Durch die Rollenaus\u00fcbung verortet das Individuum seine Identit\u00e4t und bewertet sich selbst in Form des Selbstkonzeptes. Gleichzeitig muss eine Rolle immer dargestellt werden. Man kann sich der Rollendarstellung und der damit verbundenen Pr\u00e4sentation des Selbstkonzeptes bei der Rollenaus\u00fcbung nicht entziehen.<\/p>\n<p>Eine Person, die wie oben geschildert, als nicht handlungsf\u00e4hig bez\u00fcglich ihrer Rollenaus\u00fcbung bewertet wird, verliert auch Zug\u00e4nge zu einer erfolgreichen Selbstdarstellung, weil bereits durch die unreflektierte Berufswahl und den damit verbundenen Motivationsproblemen die Identifikation f\u00fcr den Beruf fehlt. Innerhalb jeder Selbstdarstellung wird das Selbstkonzept und die Identit\u00e4t immer wieder in Frage gestellt. Einerseits ist Selbstdarstellung eine Aufforderung an andere, indem man durch die Aus\u00fcbung von sozialer Macht einen gew\u00fcnschten Eindruck erreichen will (s. 2.1.3.2). Andererseits, ist Selbstdarstellung immer auch eine Positionierung in Bezug auf soziale Normen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, wie soll sich eine als nicht handlungsf\u00e4hig bewertete Person als handlungsf\u00e4hig pr\u00e4sentieren und wie sollen gleichzeitig innerhalb der Selbstdarstellung berufstypische Normen pr\u00e4sentiert werden, obwohl der Lehrer selbst, diesen nicht entspricht?<\/p>\n<p>Der Ausweg in so einem Fall, w\u00e4re Resignation oder defensive Selbstdarstellung, die auch als defensiver Bew\u00e4ltigungsversuch zu verstehen ist. <em>\u201eKennzeichnend f\u00fcr das Auftreten von Burnout\u201c<\/em> ist die defensive Bew\u00e4ltigung im Sinne von Cherniss<\/p>\n<p>(s. 2.2.3.1) und Maslach (s. 2.2.1). (Hedderich 2009, S.16)<\/p>\n<p>Der zweite Aspekt, die ung\u00fcnstigen pers\u00f6nlichen Dispositionen und mangelnden Kompetenzen zur angemessenen Berufsaus\u00fcbung, ist auch mit der unreflektierten Berufswahl verbunden. Aus den Ergebnissen der Potsdamer Lehrerstudie geht hervor, dass sich etwa ein Viertel der Befragten, f\u00fcr den Beruf des Lehrers entschieden haben, obwohl sie ihre Eignung f\u00fcr den Beruf in Frage stellen (vgl. Schaarschmidt 2005, S.152). Diese Befragten sind zu einem gro\u00dfen Teil dem Risikomuster B zuzuordnen und als besonders Burnout-gef\u00e4hrdet einzustufen.<\/p>\n<p>Die mangelnden Kompetenzen sind insbesondere sozial-kommunikativer Art. Gerade kommunikative Kompetenzen sind von N\u00f6ten, um die geforderten Aufgaben eines Lehrers bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Hierbei ist zu beachten, dass sich die Aufgaben eines Lehrers (z.B. Unterrichten, erziehender Unterricht, F\u00f6rdern, Kompensieren usw.) aus den Funktionen von Schule ergeben und somit auf gesetzliche Formulierungen und gesellschaftliche Forderungen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind (vgl.Wiater 2006.).<\/p>\n<p>Um die Funktionen von Schule (Qualifikationsfunktion, Selektionsfunktion, Sozialisationsfunktion, Personalisationsfunktion und Enkulturationsfunktion) durch die Verwirklichung der Aufgaben eines Lehrers angemessen erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen, sind bestimmte Kompetenzen notwendig. Zu diesen Kompetenzen z\u00e4hlen neben fachlichem Wissen auch kommunikative Kompetenz, eine prosoziale Einstellung und Sensibilit\u00e4t im Umgang mit den Sch\u00fclern. Die Rollenerwartungen stehen in Verbindung mit den Erwartungen an einen Lehrer, die Funktionen von Schule zu vertreten, und zu versuchen, diese durch eine professionelle Herangehensweise an seine Aufgaben zu verwirklichen. Fehlen die geforderten Kompetenzen, besteht die Gefahr einer Rollen\u00fcberlastung, weil der Lehrer nicht \u00fcber das Repertoire verf\u00fcgt, um die geforderten Aufgaben im Schulalltag &#8211; mit all seinen Problemen &#8211; umzusetzen.<\/p>\n<p>Neben kommunikativen und sozialen Kompetenzen sind auch bestimmte per-s\u00f6nliche Dispositionen notwendig, um den Beruf erfolgreich und gesund aus\u00fcben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Beispielsweise, der bei der Vorstellung der Potsdamer Lehrerstudie (s. 2.2.4) genannte Bereich der Widerstandskraft, dem unter anderem Distanzierungs-f\u00e4higkeit und Resignationstendenz zugeordnet werden. Diese Dispositionen werden analog zu H\u00fcbners Betrachtungsebenen (s. 2.2.2) in der individuellen Sozialisation gepr\u00e4gt und k\u00f6nnen nicht ohne weiteres innerhalb des Studiums angelegt oder umgekehrt werden.<\/p>\n<p>Schaarschmidt beschreibt diese Problematik folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em>\u201eKlar ist, dass derartige Handicaps w\u00e4hrend der Ausbildung nicht oder kaum wettgemacht werden k\u00f6nnen. Es muss bereits vor Aufnahme des Studiums die Entsprechung von Eignung- und Anforderungsprofil st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung finden.\u201c <\/em> (Schaarschmidt 2005, S.152)<\/p>\n<p>Die Mischung aus fehlender Kompetenz und ung\u00fcnstiger pers\u00f6nlicher Disposition bei der Berufswahl bringt zwangsl\u00e4ufig Rollenbelastungen mit sich, die einer offensiven und problemorientierten Bew\u00e4ltigung bed\u00fcrfen, um nicht in einem Burnout-Prozess zu enden.<\/p>\n<p>3.1.2 Stress und Stressbew\u00e4ltigung bei Burnout<\/p>\n<p>Im bisherigen Verlauf der Arbeit war bereits einige Male von Stress und Stressbew\u00e4ltigung die Rede. Hervorzuheben ist das Modell von Cherniss, in dem Stress und Stressbew\u00e4ltigung eine zentrale Rolle spielen. Ebenso wie im vorigen Kapitel, das die Folgen von Rollenerwartungen und die Zusammenh\u00e4nge zwischen Burnout und Selbst-Pr\u00e4sentationen zum Thema hatte sollen nun die bisherigen Ergebnisse im Hinblick auf Stress und Stressbew\u00e4ltigung diskutiert werden.<\/p>\n<p>Bisher fehlen Definitionen von Stress und Stressbew\u00e4ltigung, um die bisherigen Ausf\u00fchrungen genauer zu erkl\u00e4ren. Insbesondere Stress und Stressbew\u00e4ltigung sollen im Zusammenhang mit Burnout und Selbstdarstellung, im folgenden Kapitel vorgestellt werde.<\/p>\n<p>3.1.2.1 Das Stresskonzept von Lazarus<\/p>\n<p>Eines der bekanntesten und einflussreichsten Stresskonzepte ist das Modell von Lazarus und seinen Mitarbeitern. Kern der transnationalen Stresstheorie ist die Annahme, dass jeder Mensch auf stresshafte Situationen individuell reagiert. Die Theorie wird als transaktional bezeichnet, weil sie die Transaktion, d.h. Die Wechselwirkung der Person und der Umwelt in Bezug auf Stress beschreibt.<\/p>\n<p>Eine Situation kann f\u00fcr eine Person als sehr belastender Stresszustand empfunden werden und von einer anderen Person nicht einmal als Stresszustand wahrgenommen werden. Die entscheidenden Elemente, ob eine Situation als stresshaft eingestuft wird, sind die kognitive Bewertung und die Stressbew\u00e4ltigung der Person, das sogenannte \u201cCoping\u201c.<\/p>\n<p>Enzmannn erkl\u00e4rt den Bergriff \u201cCoping\u201c folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em>\u201eCoping ist der Prozess, mit dem ein Individuum die als stre\u00dfhaft wahr-genommenen Anforderungen der Person-Umwelt Beziehung und die Stre\u00dfemotionen reguliert.\u201c (Enzmann 1996, S.38)<\/em><\/p>\n<p>Der gesamte Verlauf der Stresswahrnehmung und Stressbew\u00e4ltigung ist als Informationsverarbeitungsprozess zu verstehen (vgl. Jerusalem 1990, S.7ff.).<\/p>\n<p>Innerhalb dieser Informationsverarbeitung werden von Lazarus drei Arten kognitiver Bewertungsprozesse unterschieden: die prim\u00e4re Bewertung, die sekund\u00e4re Bewertung und die Nachbewertung.<\/p>\n<p>Angenommen eine Person trifft auf Reize einer belastenden, stresshaften Situation.<\/p>\n<p>Die Reaktion der Person ist abh\u00e4ngig von den drei Bewertungsprozessen.<\/p>\n<p>Innerhalb der prim\u00e4ren Bewertung wird beurteilt, ob die Situation Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Person hat. Bedrohungen des Wohlbefindens sind in erster Linie Sch\u00e4digungen\/Verlusterlebnisse. Unter Sch\u00e4digungen bzw. Verlusten werden negative Beeintr\u00e4chtigungen des Wohlergehens betrachtet, die nicht mehr abgewendet werden k\u00f6nnen z.B. berufliches Versagen oder Prestigeverlust. Durch Bew\u00e4ltigungsversuche k\u00f6nnen in diesem Fall nur die negativen Folgen gelindert werden. Bedrohungen sind bef\u00fcrchtete Verluste oder Sch\u00e4digungen. Eine Person bef\u00fcrchtet in Zukunft eine problematische Situation nicht bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine dritte M\u00f6glichkeit innerhalb der prim\u00e4ren Bewertungsprozesse sind Heraus-forderungen. Hiermit sind Situationen gemeint, die als bew\u00e4ltigbar eingesch\u00e4tzt werden, d.h. die Anforderungen der Situation werden aufgrund der Einsch\u00e4tzung der eigenen F\u00e4higkeiten als bew\u00e4ltigbar eingesch\u00e4tzt<\/p>\n<p>(vgl. Jerusalem 1990, S.8ff.).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich prim\u00e4re Bewertungsprozesse auf die Bewertung des Wohlbefindens beziehen, sind bei sekund\u00e4ren Bewertungsprozessen die selbst eingesch\u00e4tzten Bew\u00e4ltigungsf\u00e4higkeiten von zentraler Bedeutung. Sekund\u00e4re Bewertungsprozesse sind sozusagen Einsch\u00e4tzungen der eigenen Bew\u00e4ltigungsm\u00f6glichkeiten und deren Erfolgswahrscheinlichkeiten. Hierbei werden alle Ressourcen, die der Person zur Verf\u00fcgung stehen, mitber\u00fccksichtigt (soziale, physische, psychische und materielle Ressourcen) (vgl. Enzmann 1996, S.37f.).<\/p>\n<p>Der Verlauf von prim\u00e4ren zu sekund\u00e4ren Bewertungsprozessen ist nicht als eine zeitliche Abfolge zu sehen, sondern vielmehr als reziprokes Ph\u00e4nomen:<\/p>\n<p><em>\u201eEinsch\u00e4tzungen von Stre\u00dfrelevanz und Bew\u00e4ltigungskompetenz sind wechsle-seitig aufeinander bezogene Informationsverarbeitungsprozesse, die gemeinsam in einer Person-Umwelt-Transaktion die Qualit\u00e4t des individuellen Stre\u00dferlebens ausmachen.\u201c <\/em>(Jerusalem 1990 S.12.)<\/p>\n<p>Bei dem dritten Bewertungsprozess, den sogenannten Neubewertungen handelt es sich um sekund\u00e4rere und prim\u00e4rere Bewertungsprozesse zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt. Beispielsweise durch eine R\u00fcckmeldung \u00fcber die Qualit\u00e4t der eigenen Arbeit durch einen Vorgesetzten. Das Auftreten neuer Informationen f\u00fchrt auch zu einer Neubewertung der Anforderungen und der eigenen Ressourcen.<\/p>\n<p>(vgl. Jerusalem. 1990. S.13.). Durch diese Neubewertung kann die Situation als stresshafter als zuvor wahrgenommen werden, aber auch als weniger stresshaft. Enzmann sieht im Falle einer Linderung des erlebten Stressempfindens Neubewertungen bereits als \u201ekognitives Coping\u201c an. (vgl. Enzmann. 1996. S.39).<\/p>\n<p>Zusammenfassend ist zu sagen, dass individuelles Stresserleben wird nur durch individuelle, kognitive Bewertungsprozesse ausgel\u00f6st. Welche Reize als Stressoren erlebt werden ist individuell verschieden. Ob bestimmte Situationen Stressempfindungen ausl\u00f6sen, h\u00e4ngt davon ab, auf welchen \u201cpsychischen Boden\u201c sie fallen:<\/p>\n<p><em>\u201eF\u00fcr Stre\u00dferleben sind die individuelle Bedeutsamkeit der Situation und Bedrohungswahrnehmung pers\u00f6nlicher Ziele, Werte u. Ressourcen entschei-dend.\u201c (Enzmann 1996, S.40)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3.1.2.2 Coping<\/p>\n<p>Der Zusammenhang von Stress und Burmout findet sich in den meisten Burnout Theorien und Modellen wieder. Die Bew\u00e4ltigung von Stress ist in einigen von zentraler Bedeutung. Beispielsweise im Modell von Cherniss (s.2.2.3.1) wird defensives Coping als ausl\u00f6sendes Moment f\u00fcr einen Burnout-Prozess gesehen.<\/p>\n<p>Im Folgenden sollen die grundlegenden Konzepte von Coping aufgezeigt werden.<\/p>\n<p>Grundlegend kann die Funktion von Coping analog zur Erkl\u00e4rung von Enzmann<\/p>\n<p>(s.3.1.2.1), als Reduktion eines Stresszustandes oder der Folgen von Stress angesehen werden. Hierbei ist zu beachten, dass es sich auch um Coping handelt, wenn die Verringerung der Stressmomente negative Folgen hat oder auch wenn evtl. kein Stress erlebt wird, weil das Sresserleben bereits durch automatisierte Verhaltensmuster (Coping) gemildert wurde (vgl. Enzmann 1996, S.57f.).<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich, dass bei Coping nicht zwangsl\u00e4ufig positive Resultate erzielt werden. Enzmann nimmt vielmehr an, dass Coping eine situationsspezifische &#8211; auch unbewusst ablaufende &#8211; Reaktion auf einen Stresszustand ist. Sowohl der Stresszustand als auch die Copingreaktionen k\u00f6nnen negative Folgen nach sich ziehen, d.h. Burnout kann das Resultat von Stress, von Copingreaktionen oder von beidem sein (vgl. Enzmann 1996 S.35.).<\/p>\n<p>Zudem werden noch weitere Dimensionen des Coping unterschieden. Die Unterscheidung zwischen vermeidendem und konfrontierendem Coping wird in der Fachliteratur, gegen\u00fcber den Foki emotionsfokussiertes und problemfokussiertes Coping bevorzugt (vgl. Enzmann 1996, S.65).<\/p>\n<p>Selbsterkl\u00e4rend wird bei vermeidendem Coping versucht, den stresshaften Elementen aus dem Weg zu gehen und bei konfrontierendem Coping eine zielgerichtete Auseinandersetzung mit den stresshaften Elementen gesucht.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen kann davon ausgegangen werden, dass konfrontierendes Coping geringere Stressfolgen nach sich zieht, als vermeidendes Coping, weil bei konfrontierendem Coping die Aufmerksamkeit eher auf die stresshafte Situation gerichtet ist und deshalb situationsspezifisch besser reagiert werden kann. Zus\u00e4tzlich ist davon auszugehen, dass vermeidendes Coping aufgrund der st\u00e4rkeren Auseinandersetzung mit der eigenen Person und der eigenen Befindlichkeit stresshafte Situationen verst\u00e4rkt und anf\u00e4lliger f\u00fcr psychosomatische Beschwerden macht (vgl. Enzmann 1996, S.65).<\/p>\n<p>Neben den Dimensionen vermeidendes und konfrontierendes Coping halten einige Autoren eine zus\u00e4tzliche Unterteilung, in direkte und indirekte Copingstrategien f\u00fcr sinnvoll (Enzmann,1996. ; Burisch, 2006.). Direkte Copingstrategien sind als aktiv handelnde und verhaltensbezogene Strategien zu verstehen. Indirekte Strategien werden als intrapsychische und kognitive Strategien aufgefasst (vgl. Enzmann 1996, S.65f.).<\/p>\n<p>Daraus ergeben sich folgende Kombinationsm\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<p>1. Konfrontierend-direkte Strategien z.B. verst\u00e4rkte Anstrengung<\/p>\n<p>2. Konfrontierend-indirekte Strategien z.B. Problemanalyse<\/p>\n<p>3. Direkt-vermeidende Strategien z.B. Flucht<\/p>\n<p>4. Indirekt-vermeidende Strategien z.B. Verleugnung<\/p>\n<p>3.1.2.3 Burnout, Stress und Coping in Bezug auf Selbstdarstellung<\/p>\n<p>Damit die Zusammenh\u00e4nge zwischen Stress, Coping und Burnout verdeutlicht werden k\u00f6nnen ist eine zum Teil wiederholende Erl\u00e4uterung des bisher dargestellten Stresskonzeptes hilfreich.<\/p>\n<p>Situationen sind potentielle Stressoren, die anhand dreier Bewertungsprozess eingesch\u00e4tzt werden. Im prim\u00e4ren Bewertungsprozess wird determiniert, ob die Situation (der Stressor) zu einem Stresszustand f\u00fchrt, indem die Wirkung der Situation auf das eigene Wohlbefinden bewertet wird. W\u00e4hrend in prim\u00e4ren Bewertungsprozessen die Intensit\u00e4t und Qualit\u00e4t des Stresses bestimmt wird, bestimmen sekund\u00e4re Bewertungsprozesse, ob die Situation f\u00fcr die Person bew\u00e4ltigbar ist.<\/p>\n<p>Erst danach erfolgt die eigentliche Stressbew\u00e4ltigung, die sowohl automatisch als auch bewusst ablaufen kann. Die Copingreaktionen erfolgen situationsspezifisch in Abh\u00e4ngigkeit vom erlebten Stresszustand (prim\u00e4re Bewertungsprozesse) und dem subjektiv zur Verf\u00fcgung stehenden Bew\u00e4ltigungsrepertoire (sekund\u00e4rere Bewertungsprozesse). Die Stressfolgen (Burnout) k\u00f6nnen ein Resultat des Stresszustandes oder der Copingreaktionen sein. (vgl. Enzmann. 1996. S.35).<\/p>\n<p>Die Zusammenh\u00e4nge zwischen Stress, Coping und Burnout werden in bestehenden Burnout-Theorien meist auf eine Passungsproblematik zwischen Situation und Person zur\u00fcckgef\u00fchrt. Beispielsweise in Cherniss Theorie, wonach die ung\u00fcnstige Passung zwischen Person und Umwelt Stressquellen verursacht. Das Entstehen eines Burnout-Prozesses h\u00e4ngt letztlich von von der anschlie\u00dfenden Stressbew\u00e4ltigung ab (vgl. 2.2.3.1). Die \u00dcberbetonung der Umweltfaktoren in der Theorie von Cherniss kann als kritikw\u00fcrdig angesehen werden, weil das individuelle Erleben und die individuellen Ressourcen, wie sie beispielsweise Schaarschmidt (vgl. 1.Einleitung) und Burisch (2.2.3.1) betonen, in der Theorie von Cherniss unber\u00fccksichtigt bleiben.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu wei\u00dft das Stresskonzept nach Lazarus sowie das vorgestellte Copingkonzept weisen auf eine st\u00e4rkere Beteiligung individueller Faktoren hin.<\/p>\n<p>Dieses Verh\u00e4ltnis &#8211; indiviueller Faktoren in Bezug auf einen Burnout-Prozess &#8211; soll im Folgenden in Zusammenhang mit den vorgestellten Theorien (vgl. 2.) und den bisherigen Interpretationen (vgl. 3.1.1.4) diskutiert werden.<\/p>\n<p>Stresswahrnehmung als individueller Informationsverarbeitungsprozess, wird auch individuell bew\u00e4ltigt, d.h. Stress wird in Bezug auf das Selbstkonzept wahrgenommen und auch verarbeitet.<\/p>\n<p>Zum einen wird w\u00e4hrend der prim\u00e4ren Bewertungsprozesse &#8211; auch durch das Selbstkonzept &#8211; festgelegt, was ein Verlust f\u00fcr eine Person bedeutet.<\/p>\n<p>Bewertungen und Bilder der eigenen Person legen gleichzeitig fest, ab wann diese Bilder von sich selbst nicht mehr aufrecht erhalten werden k\u00f6nnen und ein Angriff auf das Selbst als Identit\u00e4tskomponente erfolgt ist. Zum anderen, muss das Selbstkonzept in einer transaktionalen Anforderungssituation dargestellt werden. Beispielsweise kann Depersonalisation (vgl. 2.2.1) sowohl als Copingreaktion als auch Selbstdarstellungsstaregie interpretiert werden, um in emotional belastenden sozialen Interaktionen &#8211; mit Sch\u00fclern, Patienten oder Klienten &#8211; die eigene Handlungsf\u00e4higkeit aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>Aus dieser Perspektive kann Stressbew\u00e4ltigung generell als Selbstdarstellungs-verhalten interpretiert werden. H\u00e4ufig sind Selbstdarstellungstechniken &#8211; im Sinne der Impression Management Theorie &#8211; fast deckungsgleich mit Copingreaktionen: z.B. sich als unvollkommen darzustellen, kann in Bezug auf Belastungsituationen, sowohl als defensive Selbstdarstellung, als auch als vermeidendes Coping angesehen werden.<\/p>\n<p>Insbesondere die Unterteilung in konfrontierendes und vermeidendes Coping entspricht den unterschiedlichen Dimensionen der Selbstdarstellung als Aufforderung an andere (Machtaspekt vgl. 2.1.3.2). Copingstrategien k\u00f6nnen letztlich als Versuch aufgefasst werden, das eigene Selbstwertgef\u00fchl zu erhalten oder wieder herzustellen (vgl. 2.1.3.1).<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit den Ergebnissen und Interpretationen des vorherigen Kapitels (vgl. 3.1.1) ist zu fragen, welche Auswirkungen Berufswahl und Rolle auf einen transaktionalen Stresserlebens- und Stressverarbeitungsprozess hat. Wie von Schaarschmidt geschildert, verf\u00fcgt ein beachtlicher Teil der angehenden Lehrer \u00fcber eine unzureichende Berufsmotivation. Es liegt die Vermutung nahe, dass diese unmotivierten Berufsanf\u00e4nger den arbeitsbedingten Stress, aufgrund ihrer pers\u00f6nlichen Dispositionen und mangelnden Ressourcen von Anfang an anders erleben.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist es zu bezweifeln, ob diese Berufsanf\u00e4nger \u00fcber geeignete Bew\u00e4ltigungsstrategien verf\u00fcgen bzw. an geeigneten Strategien vor dem Einstieg in den Beruf gearbeitet haben.<\/p>\n<p>Obwohl der Prozess von Stress zu Burnout als transaktional verstanden wird, sind individuelle Faktoren von zentraler Bedeutung, weil diese besser als betriebliche oder gesellschaftliche Strukturen beeinflussbar sind. Gerade f\u00fcr die Pr\u00e4vention und Bew\u00e4ltigung von Burnout, sind diese Personenfaktoren von immenser Bedeutung.<\/p>\n<p>In Bezug Auf die Betrachtungsebenen nach H\u00fcbner (s.2.2.2), entwickeln sich die individuellen Ressourcen, sowie das Strategierepertoire und die Interaktions-kompetenz grundlegend durch Sozialisation. Dadurch werden Teile unseres Selbstkonzeptes ausgebildet. Werden diese Kompetenzen nur unzureichend ausgebildet ist eine sp\u00e4ter Ausbildung der Kompetenzen schwierig. Bei bestimmten, relativ stabilen pers\u00f6nlichen Dispositionen ist eine Ver\u00e4nderung kaum mehr zu realisieren.<\/p>\n<p>Das Fehlen geeigneter Kompetenzen erh\u00f6ht die Angriffsfl\u00e4che von Stressoren auf das Selbstkonzept. Die Folge ist ein Burnout-Prozess, der ohne Intervention zum<\/p>\n<p>Zusammenbruch der Person f\u00fchrt. Anders ausgedr\u00fcckt: zu einer \u201eImpulsion des Selbst\u201c(Hansch 2003 S.119).<\/p>\n<p>3.1.3 Kontrollverlust und Selbstdarstellung<\/p>\n<p>Wie bereits unter Punkt 2.2.3.2 geschildert, ist der Verlust des subjektiv eingesch\u00e4tzten Kontrollgef\u00fchls nach der integrierten Burnout-Theorie von Burisch ein entscheidendes Moment bei der Entstehung eines Burnout-Prozesses. Hierbei spielen auch die bisher vorgestellten Stresskonzepte eine entscheidende Rolle.<\/p>\n<p>Stress erster Ordnung wird analog zur transaktionalen Stresstheorie nach Lazarus (vgl. 3.1.2.1.) durch subjektive Einsch\u00e4tzungen von Situationen, als Verlust, Bedrohungen oder Herausforderung. Stress zweiter Ordnung ist das Resultat von Hilflosigkeitserfahrungen. (vgl. Burisch. 2006. S.153f.).<\/p>\n<p>Um die Theorie von Burisch besser in Zusammenhang mit den bisherigen Ausf\u00fchrungen und Interpretation der Arbeit zu bringen, wird im Folgenden die erlernte Hilflosigkeit nach Seligman &#8211; die auch als Grundlage f\u00fcr Burischs Theorie dient &#8211; in K\u00fcrze erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfen wird Kontroll- bzw. Autonomieverlust als ausl\u00f6sendes Moment eines Burnout-Prozesses im Zusammenhang mit Selbstdarstellung interpretiert. Es sei darauf hingewiesen, dass von Burisch der Begriff Autonomiverlust fast synonym mit Kontrollverlust verwendet. Als Folge erlebter Hilflosigkeit aufgrund dauerhafter Autonomieeinbu\u00dfen. Ich werde im Folgenden den Begriff Kontrollverlust verwenden auch wenn ich mich auf den Begriff Autonomieverlust von Burisch beziehe.<\/p>\n<p>3.1.3.1 Erlernte Hilflosigkeit nach Seligman<\/p>\n<p>Der grundlegende Versuch zur erlernten Hilflosigkeit wurde an Tieren durchgef\u00fchrt. Es wurde beobachtet, dass Hunde aufgrund unvermeidbarer und unkontrollierbarer Elektroschocks, nach kurzer Zeit keine Versuche mehr unternahmen, um der Situation zu entgehen. \u00c4hnliche Ergebnisse wurden in abgewandelten Humanversuchen beobachtet. (vgl. Edelmann. 2000. S.88f.).<\/p>\n<p>Im Unterschied zu den Tieren, bei denen eine objektive Hilflosigkeit notwendig ist, um zu einer erlernten Hilflosigkeit zu f\u00fchren, ist bei Menschen die subjektive Erwartung der Kontrollierbarkeit ausschlaggebend.<\/p>\n<p>D.h. bei Menschen entsteht die erlernte Hilflosigkeit, wenn vom Individuum erwartet wird, dass die eigenen Versuche, die Situation zu bew\u00e4ltigen bzw. zu kontrollieren misslingen. Des Weiteren geht Seligman davon aus, dass Menschen solange nach Bew\u00e4ltigungsstrategien suchen, bis die Situation als subjektiv unkontrollierbar wahrgenommen wird. Hierbei fungieren Furcht und Frustration &#8211; die Resultate von stresshaften bzw. belastenden Situationen &#8211; als Motivation m\u00f6glichst effizient nach Bew\u00e4ltigungsstrategien zu suchen. Anfangs unternimmt die betroffene Person durch diesen Mechanismus vermehrt Anstrengungen, um die Situation zu bew\u00e4ltigen. Nach l\u00e4ngerem Ausbleiben des Erfolges gibt die Person schlie\u00dflich auf.<\/p>\n<p>Eingenommen von der Hilflosigkeit, der aversiven Situation nicht entgehen zu k\u00f6nnen, verschwendet die Person viel Energie durch der Konzentration auf die eigene Hilflosigkeit. Diese aufgewendete Energie fehlt der Person bei der Bew\u00e4ltigung und Verarbeitung der Situation. Das Resultat der erlebten Hilflosigkeit l\u00f6st Konsequenzen auf drei Ebenen aus: emotionale Beeintr\u00e4chtigungen ( Angst, \u00c4rger, bis hin zur Depression), motivationale Beeintr\u00e4chtigungen (Apathie) und kognitive Beeintr\u00e4chtigungen (verminderte F\u00e4higkeiten die Situation kognitiv zu analysieren&#8230;). (vgl. Burisch. 2006. S.105f.).<\/p>\n<p>3.1.3.2 Kontrollverlust als Ausl\u00f6ser von Burnout in Bezug auf Selbstdarstellung<\/p>\n<p>Die Theorie der erlernten Hilflosigkeit wurde in der Folgezeit durch die Dimension der Attribution erweitert. (vgl. Burisch. 2006. S.107f.).<\/p>\n<p>Die Grundauffassung ist hierbei, dass das Erleben der Unkontrollierbarkeit einer Situation und deren Folgen von Attributionsprozessen abh\u00e4ngig ist. Attributionen sind Ursachenerkl\u00e4rungen durch subjektive Interpretation des Resultats.<\/p>\n<p>Genauer gesagt, erkl\u00e4ren Attributionen, wie eine Person die Ergebnisse ihrer Handlungen interpretiert.<\/p>\n<p>Beispielsweise, inwieweit das Ergebnis einer Handlung aufgrund des eigenen Handelns, aufgrund der eigenen F\u00e4higkeiten (internal), oder aufgrund der Umst\u00e4nde, die au\u00dferhalb der Person liegen (external), zustandegekommen ist<\/p>\n<p>(vgl. Schmieta. 2000. S.123f.).<\/p>\n<p>Bezogen auf die erlernte Hilflosigkeit, wurde interpretiert, dass nach der ersten Wahrnehmung einer unkontrollierbaren Situation, Attributionsprozesse bestimmen inwieweit sich die situationsbezogen erfahrene Hilflosigkeit, zu einer erlernten Hilflosigkeit weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Die Attribution von Hilflosigkeit \u00e4u\u00dfert sich in 3 Dimensionen:<\/p>\n<ul>\n<li>Internal\/External: Entsteht die Hilflosigkeit aufgrund der eigenen Unf\u00e4higkeit oder aufgrund Ursachen, die au\u00dferhalb der Person liegen?<\/li>\n<li>Stabil\/Variabel: Dauerhaft oder einmalig hilflos.<\/li>\n<li>Global\/Spezifisch: Wirkt die Ursache auf vielf\u00e4ltige Sachverhalte oder nur auf einen bestimmten? (z.B. \u201ebin ich im allgemeinen hilflos oder nur in bestimmten Situationen?\u201c)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wird angenommen, dass eine internale, globale und spezifische Attribution der Hilflosigkeit mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit zu einer Depression f\u00fchrt.<\/p>\n<p>An dieser Stelle sei erw\u00e4hnt, dass Depression zum einen in vielen Phasentheorien als Endstadium von Burnout betrachtet wird, zum anderen aber schwer von Burnout abgrenzbar ist.<\/p>\n<p>Der Zusammenhang zwischen dem Selbstkonzept und der Attribution in Bezug auf Burnout, wurde bereits von Schmieta dargestellt. (vgl. Schmieta. 2000.S.136ff.). In dieser Darstellung wird zwischen einem positiven und einem negativem Selbstkonzept unterschieden.<\/p>\n<p>Ein positives Selbstkonzept ist gekennzeichnet durch gesunde und sozial erw\u00fcnschte Merkmale z.B. ein positives Selbstwertgef\u00fchl. (vgl. Schmieta. 2000.S.220f.). Analog dazu weisen negative Selbstkonzepte h\u00e4ufiger negative Merkmale wie z.B. \u00c4ngstlichkeit auf.<\/p>\n<p>Ob ein Selbstkonzept negativ oder positiv ausf\u00e4llt, hat Einfluss auf die Attribution und damit auch auf das subjektive Erleben von Hilflosigkeit. Personen mit einem positivem Selbstkonzept erkl\u00e4ren Erfolge eher internal und Misserfolge eher external. (vgl. Schmieta. 2000.S.136ff.).<\/p>\n<p>Bei einem negativen Selbstkonzept ergeben sich umgekehrte Attributionsmuster.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich, dass eine subjektive Hilflosigkeitserfahrung wahrscheinlicher durch den Attributionsstil auftritt, der mit einem negativem Selbstkonzept in Zusammenhang steht. Letztlich ist die Hilflosigkeitserfahrung abh\u00e4ngig vom Selbstkonzept. Wie bereits erw\u00e4hnt, steht das Selbstkonzept in Zusammenhang mit der eigenen Sozialisation (vgl. 2.2.2). Diese Beziehung zwischen Selbstkonzept und der individuellen Sozialisation l\u00e4sst den Schluss zu, dass aufgrund der individuellen Sozialisationsgeschichte mitbestimmt ist, inwieweit subjektive Hilflosigkeitserfahrungen entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie bereits mehrfach erw\u00e4hnt, werden Hilflosigkeitserfahrungen und eine mangelnde F\u00e4higkeit zu deren Bew\u00e4ltigung von Burisch als ein Hauptausl\u00f6ser von Burnout angesehen (vgl. 2.2.3.2).<\/p>\n<p>Diese Erkl\u00e4rung ist naheliegend aber sie l\u00e4sst auch die Interpretation zu, Hilflosigkeit als eine Bew\u00e4ltigungsstrategie zu verstehen. Allerdings als eine negative Bew\u00e4ltigungsstrategie, die einen Burnout-Prozess ausl\u00f6sen oder sogar vorantreiben kann. Durch das Aufgeben vermeidet das Individuum weitere Entt\u00e4uschungen, die das Resultat einer Vielzahl missgl\u00fcckter Bew\u00e4ltigungsversuche sind. Gleichzeitig wird die Hilflosigkeit zu einer dauerhaften Belastung, weil durch die erlebte und auch umgesetzte Hilflosigkeit eine mangelnde Handlungsf\u00e4higkeit pr\u00e4sentiert wird.<\/p>\n<p>Eine Depression oder Burnout ist denkbar, als<\/p>\n<p>Folge einer dauerhaften Diskrepanz zwischen Ideal- und Real-Selbst und einer unausweichlichen Belastungssituation (z.B. Beruf).<\/p>\n<p>Die Betrachtung des Kontrollverlustes im Hinblick auf die \u201eImpression Management Theorie\u201c (s. 2.1.3.2) er\u00f6ffnet eine weitere interessante Perspektive. Eine Person versucht sich angemessen in der Situation zu pr\u00e4sentieren, d.h. sie stellt sich so dar, dass ein bestimmter Eindruck dieser Person, je nach Situation, vom Publikum akzeptiert wird. Beispielsweise als kompetenter und engagierter Lehrer vor Sch\u00fclern und Kollegen.<\/p>\n<p>Im gelingenden Fall steigert oder erh\u00e4lt die Person durch eine akzeptierte Selbstdarstellung die eigene Selbstwertsch\u00e4tzung. (vgl. Mummendey,1995. S.134). Die Person erh\u00e4lt oder erreicht eine positive Selbstwertbilanz und hat aufgrund ihrer Glaubw\u00fcrdigkeit durch die erfolgreiche Selbstdarstellung immer noch die M\u00f6glichkeit soziale Macht auf das Publikum auszu\u00fcben. Bei einem Kontrollverlust gehen zum einen die Einflussm\u00f6glichkeiten, soziale Macht auszu\u00fcben, zur\u00fcck, zum anderen kann die negative Selbstwertbilanz bei wiederholtem Scheitern nicht aufrecht erhalten werden. Die Person muss letztlich zu anderen Selbstdarstellung-Strategien wechseln, damit sie ihre Glaubw\u00fcrdigkeit nicht verliert (z.B. Ein Lehrer der offensichtlich fachliche Fehler in seinem Fach begeht, kann sich nicht dauerhaft als Experte seines Faches darstellen). Letztendlich kann Hilflosigkeit auch als Selbstdarstellung des Kontrollverlustes interpretiert werden.<br \/>\n<!--nextpage--><br \/>\n3.2 Der Verlauf und die Folgen von Burnout in Bezug auf Selbstdarstellung<\/p>\n<p>3.2.1 Die Burnout-Symtomatik nach Burisch bezogen auf Selbstdarstellung<\/p>\n<p>Durch die verschiedenen Burnout-Theorien sollte klar geworden sein, dass es nicht einen gleichbleibenden Verlauf und gleichbleibende Symptome gibt. Ebenso wie die Entstehungsfaktoren eines Burnout-Prozesses, gibt es auch bei den Symptomen eine Vielzahl unterschiedlicher M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Burisch bietet einen sinnvollen \u00dcberblick \u00fcber die g\u00e4ngigen Burnout Symptome. Die Symptome sind in sieben Kategorien unterteilt, die gleichzeitig \u201eeine ungef\u00e4hre zeitliche Reihenfolge\u201c eines Burnout-Verlaufes wiedergeben (Burisch. 2006. S.27). Zudem ist zu ber\u00fccksichtigen, dass w\u00e4hrend eines Burnuot-Prozesses nicht alle Symptome durchlaufen werden m\u00fcssen und einige Symptome andere ausschlie\u00dfen.(vgl. Burisch. 2006. S.24ff.).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Kategorie 1: Warnsymptome in der Anfangsphase<\/span><\/p>\n<p>Die Annahme der fr\u00fchen Burnoutforschung, dass zu Beginn eines Burnout-Prozesses stets ein \u00dcberengagement vorzufinden sei, wird heute teilweise bezweifelt.(vgl Burisch 2000 S.27ff). Deshalb schl\u00e4gt Burisch vor, von \u201e\u00fcberh\u00f6htem Energieeinsatz zu sprechen\u201c, weil dadurch zum einen das \u00dcberengagement mitber\u00fccksichtigt wird, zum anderen aber auch der Belastung durch passiven Energieaufwand aufgrund der Arbeitsumst\u00e4nde Rechnung getragen wird. Die Problematik eines \u201e\u00fcberh\u00f6hten Energieeinsatzes\u201c ist die Erkennbarkeit. Denn ob ein Einsatz \u00fcberh\u00f6ht war ist nur im Nachhinein feststellbar, n\u00e4mlich dann, wenn es bereits zu sp\u00e4t ist. Die Folge ist dann eine auftretende Ersch\u00f6pfung. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass nicht jedes Auftreten eines Schw\u00e4chegef\u00fchls, ein Warnsymptom von Burnout darstellt. Sondern nur spezifische Ersch\u00f6pfungssymptome sind als Warnsignale zu verstehen.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig werden diese, durch bestimmte Situationen ausgel\u00f6st (z.B. Kompetenzkrise) und werden eher von der eignen Gef\u00fchlslage als von der Arbeitsmenge ausgel\u00f6st werden.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Kategorie 2: Reduziertes Engagement<\/span><\/p>\n<p>Als Folge der auftretenden Ersch\u00f6pfung, die aufgrund des \u00fcberbetonten Energieeinsatzes bei der Arbeit auftritt, zieht sich die betroffene Person, nach und nach, aus der Arbeit zur\u00fcck. Dieser R\u00fcckzug betrifft emotionale, motivationale und kognitive Beeintr\u00e4chtigungen, die Auswirkungen auf die t\u00e4gliche Arbeit und sp\u00e4ter evtl. auch auf das Privatleben haben. Unter dieser Kategorie werden sozusagen die ersten beiden Phasen des Phasenverlaufes eines Burnout-Prozesses zusammengefasst, dieser Phasenverlauf ergibt sich aus dem MBI (vgl. 2.2.1). Der der R\u00fcckzug aus der Arbeit, erfolgt h\u00e4ufig \u00fcber ein \u201ereduzierte Engagement\u201c f\u00fcr Klienten, Sch\u00fcler und Patienten, die auch f\u00fcr die Ersch\u00f6pfung verantwortlich gemacht werden (entspricht teilweise der Phase Dehumanisierung bei Maslach).<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich entwickelt der Betroffene eine starke Abneigung gegen\u00fcber seiner Arbeit.<\/p>\n<p>\u201eAm Ende der Kategorie \u201eReduziertes Engagement f\u00fcr die Arbeit\u201c, findet sich ein ver\u00e4nderter Lebensstil, den man, je nach Ausgepr\u00e4gtheit und Vorhandensein von Alternativen, als Endzustand eines beruflichen Burnout-Prozesses oder als realistische Anpassung an unab\u00e4nderliche Verh\u00e4ltnisse sehen kann.\u201c<\/p>\n<p><em>(<\/em>Burisch 2000 S.30).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Kategorie 3: Emotionale Reaktionen; Schuldzuweisung<\/span><\/p>\n<p>Die unter Kategorie 2 gefasste, erlebte Entt\u00e4uschung, dass erwartete Ziele und Vorstellungen aufgegeben werden m\u00fcssen bedarf einer Bew\u00e4ltigung. Burisch spricht in diesem Fall von erforderlicher \u201eTrauerarbeit\u201c, die aber meist durch Schuldzuweisungen hinausgeschoben wird <em>(<\/em>Burisch. 2006. S.31).<\/p>\n<p>Die Schuld f\u00fcr den belastenden und desillusionierenden Zustand wird entweder sich selbst oder der der Umwelt zugeschrieben. Beispielsweise h\u00e4lt man sich selbst aufgrund mangelnder F\u00e4higkeiten als ungeneigten f\u00fcr den jeweiligen Beruf. Oder die Umwelt wird f\u00fcr den Zustand verantwortlich gemacht, indem z.B. die Berufsausbildung als mangelhafte Vorbereitung eingestuft wird oder indem auf die ver\u00e4nderten Sch\u00fcler, Patienten und Klienten hingewiesen wird<\/p>\n<p>(vgl. Burisch 2006 S.31ff). Hierbei ist zu beachten, dass der Verlauf hier vereinfacht dargestellt wird und in Realit\u00e4t stets individuell ist.<\/p>\n<p>Je nachdem auf welche Aspekte die Schuldzuweisung gerichtet wird, kommt es entweder zu einer Depression oder zu Aggression. Wenn die Schuld f\u00fcr die missliche Lage eher bei sich gesucht wird besteht die M\u00f6glichkeit depressiv auf die Umst\u00e4nde zu reagieren.<\/p>\n<p>Ein Gef\u00fchl dauerhafter Hilflosigkeit f\u00fchrt in so einem Fall zur Depression, weil das Selbstwertgef\u00fchl aufgrund des eigenen Versagens angegriffen wird (vgl. 3.1.3).<\/p>\n<p>Wird die Schuld eher in umweltbedingten Gegebenheiten gesucht, \u00e4u\u00dfert sich die Attribution durch eine dauerhafte Gereiztheit und durch Wutausbr\u00fcche gegen\u00fcber allen beteiligten Personen, auch gegen\u00fcber Kollegen und Familienmitgliedern.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Kategorie 4: Abbau<\/span><\/p>\n<p>Neben den beschriebenen Reaktionen kommt es im weiteren Verlauf zu Leistungsabf\u00e4llen verschiedener Art. Insbesondere die kognitive Leistungsf\u00e4higkeit und die Motivation nimmt ab. Als Folge schleichen sich mehr und mehr Fehler ein, die Kreativit\u00e4t nimmt ab. Am Ende findet nur noch Dienst nach Vorschrift statt<\/p>\n<p>(vgl. Burisch 2006 S.33).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Kategorie 5: Verflachung<\/span><\/p>\n<p>Dieser Abbau wirkt sich auf Dauer auch auf das soziale und emotionale Leben im Allgemeinen aus. Die Beeintr\u00e4chtigungen wirken sich auch auf den Freundeskreis und in die Familie aus.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig kommt es zu privaten Problemen mit den Mitmenschen aufgrund der Verflachung. Es entsteht eine Art Teufelskreis, weil die Belastungen und der emotionale Abbau mit in das Privatleben getragen werden<\/p>\n<p>(vgl. Burisch 2006, S.33f.).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Kategorie 6: Psychosomatische Reaktionen<\/span><\/p>\n<p>Bereits ab der ersten Kategorie der Symptome, treten parallel dazu psychosomatische Reaktionen auf z.B. Schlafst\u00f6rungen, Kreislaufbeschwerden und h\u00e4ufigere Infektionskrankheiten. Zudem nimmt in vielen F\u00e4llen der Nikotin- und Alkoholkonsum zu (vgl. Burisch 2006, S.34.).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Kategorie 7: Verzweiflung<\/span><\/p>\n<p>Burisch beschreibt die finale Kategorie wie folgt:<\/p>\n<p><em>\u201eDas tempor\u00e4re Gef\u00fchl der Hilflosigkeit hat sich zu einem chronischem Gef\u00fchl der Hoffnungslosigkeit verdichtet. Das Leben hat seinen Sinn verloren.\u201c <\/em><\/p>\n<p>(Burisch 2006, S.34.).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Interpretation im Zusammenhang mit Selbstdarstellung<\/span><\/p>\n<p>An anderer Stelle seines Buches weist Burisch auf eine Betrachtungsm\u00f6glichkeit der Burnout-Symptomatik hin, die weitere Interpretationsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr das Thema der Arbeit nahe legen. Es wird darauf hingewiesen, dass ein Gro\u00dfteil der Burnout-Symptome letztlich auch als Bew\u00e4ltigungsversuche angesehen werden k\u00f6nnen. Beispielsweise lassen sich seiner Meinung nach die Kategorien \u201ereduziertes Engagement\u201c und \u201eVerflachung\u201c als Bew\u00e4ltigung des Kontrollverlustes interpretieren. Zus\u00e4tzlich verweist Burisch auf Cherniss, der die Einstellungs\u00e4nderungen (z.B. Emotionale Distanzierung, Senkung der Anspr\u00fcche an die Arbeit und Abbau von Idealismus) zu Beginn einer Berufslaufbahn als Schutzma\u00dfnahmen interpretierte (vgl. Burisch 2006, S.210ff.).<\/p>\n<p>In seinem Buch: \u201eBurnout-Pr\u00e4vention\u201c, interpretiert Bergner Burnout \u00e4hnlich:<\/p>\n<p><em>\u201eBurnout ist weder ein Angriff noch ein Feind: Viel zu oft ist Burnout eine Art br\u00fcchiger Schutz.\u201c <\/em>(Bergner 2009, S.1.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Kontext der Arbeit betrachtet ist, ist Burnout nach dieser Interpretation, das Resultat von Angriffen auf das Selbstkonzept und damit auch der eigenen Identit\u00e4t, um vor einer \u201eImpulsion des Selbst\u201c zu sch\u00fctzen (Hansch 2003, S.119).<\/p>\n<p>Allerdings bleibt bei dieser Interpretation die Tatsache unbeachtet, dass Burnout im terminalen Stadium durchaus zu einem Zusammenbruch der Person f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Dennoch er\u00f6ffnet die Betrachtung von Burnout als einer Schutzreaktion einige Implikationen zu den bisherigen Interpretationen von Bew\u00e4ltigungsstrategien als Selbstdarstellungsverhalten (vgl. 3.1.2.3). Im Zusammenhang mit den bisherigen Ausf\u00fchrungen lassen sich die Symptome von Burnout auch als Selbstdarstellungstechniken interpretieren. Nach dieser Auffassung, sind die verschiedenen Symptom-Kategorien gleichzeitig verschiedene Grade von Versuchen, Angriffe auf das Selbstkonzept darzustellen, um das eigene Selbstwertgef\u00fchl zu erhalten.<\/p>\n<p>Ebenso wie bei der Wahrnehmung und Einordnung von Stress, liegt auch im Fall der Symptome die Vermutung nahe, dass die Intensit\u00e4t und das Erreichen der terminalen Burnout-Kategorien subjektiv bestimmt werden. Burnout als subjektiver Verarbeitungsprozess, objektiver Belastungssituationen steht letztlich mit der individuellen Sozialisationsgeschichte, den Normen und den gesamtgesellschaftlichen Strukturen in Zusammenhang (vgl. 2.2.2).<\/p>\n<p>3.2.2 Dehumanisierung und Selbstdarstellung<\/p>\n<p>Die Erweiterung des Burnout-Konstruktes durch die von Maslach eingef\u00fchrte Dimension der Dehumanisierung (oder auch Depersonalisierung) (vgl. 2.2.1), f\u00fchrte zu einer spezifischeren Vorstellung des Burnout-Syndroms, jenseits von einer blo\u00dfen Ersch\u00f6pfungsreaktion. Weil Dehumanisierung ein Burnout spezifisches Symptom darstellt, erm\u00f6glicht es auch besserer Abgrenzungen von Burnout gegen\u00fcber \u00e4hnlicher Ph\u00e4nomene wie Stress und Depression. (vgl. Rook 1998, S.202f).<\/p>\n<p>Maslach beschreibt Dehumanisierung als:<\/p>\n<p><em>\u201eeine spezifische und abgenutzte Art emotionaler Ersch\u00f6pfung, die durch einen Verlust positiver Empfindungen, einem Verlust von Sympathie oder Achtung f\u00fcr die Klienten oder Patienten gekennzeichnet sei\u201c <\/em>(Rook 1998, S.203).<\/p>\n<p>Rooks Betrachtung des Ph\u00e4nomens Dehumanisierung unter den Gesichtspunkten von N\u00e4he und Distanz, in beruflichen Interaktionen, liefert eine bereichernde Perspektive. Es wird beschrieben, dass Dehumanisierung grunds\u00e4tzlich in beruflichen Interaktionen auf der Beziehungsebene stattfindet.<\/p>\n<p>In diesen beruflichen Interaktionen sind auch bestimmte gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu ber\u00fccksichtigen, die das N\u00e4he-Distanz-Verh\u00e4ltnis der Interaktionspartner mitbestimmen. (vgl. Rook 1998, S.204ff).<\/p>\n<p>Beispielsweise kann ein Grundschullehrer zu Erstkl\u00e4sslern, aufgrund ihres Enwicklungsstandes ein eher auf N\u00e4he und F\u00fcrsorge basierendes Verh\u00e4ltnis pflegen, das gleichzeitig als gesellschaftlich akzeptabel gilt, als ein Lehrer, der pubertierende Jugendliche unterrichtet. Die Berufsrolle und die Klientel definieren das gebilligte N\u00e4he-Distanz-Verh\u00e4ltnis in beruflichen Interaktionen.<\/p>\n<p>Rook weist in diesem Zusammenhang auf eine an Goffmann angelehnte Dienstleistungstriade hin. Nach dieser sind berufliche Interaktionen durch drei Komponenten und deren Beziehungen untereinander gepr\u00e4gt. Zum einen gibt es eine Aufgabe oder einen Zustand, der ver\u00e4ndert oder verbessert werden soll z.B. ein Problem, das in einer Beratung gekl\u00e4rt werden soll. Zus\u00e4tzlich gibt es in beruflichen Interaktionen noch einen Dienstleistungsgeber und einen Dienstleistungsnehmer. Dienstleistung wird hierbei sehr breit interpretiert, denn Dienstleistungsgeber sind hier \u00c4rzte, Sozialarbeiter aber auch Lehrer. W\u00e4hrend die Dienstleistungsgeber die Experten darstellen, sind die Dienstleistungsnehmer Klienten, Patienten oder Sch\u00fcler, die mit einer Aufgabe bzw. einem Problem zum Dienstleistungsgeber kommen. Die Aufgabe kann sowohl ein individuelles Anliegen sein z.B. eine Suchtproblematik, als auch gesellschaftlich vorgegeben sein z.B. die Qualifikationsfunktion von Schule als Aufgabe f\u00fcr den Lehrer. Dienstleistungsgeber und Dienstleistungsnehmer gehen beide eine doppelte Beziehung ein.<\/p>\n<p>Einerseits zur anderen Person, als Subjekt-Subjekt Bezug. Andererseits jeweils zur Aufgabe, indem sie ihre Standpunkte gegen\u00fcber der anderen Person in der Interaktion vertreten. Die Interaktion kann als erfolgreich angesehen werden, wenn die Positionen der beiden Interaktionspartner anerkannt werden z.B. der Expertenstatus gegen\u00fcber einem Laien.<\/p>\n<p>Und der Austausch zwischen Dienstleistungsgeber und Dienstleistungsnehmer auch als Austausch zwischen zwei Individuen stattfindet. D.h. als zwei Personen, die sich mit Respekt gegen\u00fcbertreten. (vgl. Rook 1998, S.206ff).<\/p>\n<p>Dehumanisierung ist nach diesem Verst\u00e4ndnis ein inkompatibles N\u00e4he-Distanz-Verh\u00e4ltnis in vordefinierten beruflichen Interaktionssituationen, die auf Subjekt-Subjektebene stattfindet.<\/p>\n<p>Des Weiteren wird beschrieben, dass es ein menschliches Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he gibt und in Interaktionen gewisserma\u00dfen intuitiv eingesch\u00e4tzt werden muss, welches N\u00e4he-Distanz-Verh\u00e4ltnis in der jeweiligen Situation als angemessen angesehen wird. Bei dauerhafter Inkompatibilit\u00e4t des gebilligten N\u00e4he-Distanz-Verh\u00e4ltnisses der beiden Interaktionspartner, wird durch aggressive Impulse deutlich gemacht, dass das Verhalten als unangemessen angesehen wird<\/p>\n<p>(vgl. Rook 1998 S.206ff). Dehumanisierung ist nach dieser Interpretation eine Art Abwehrreaktion auf unangenehm empfundenes Verhalten.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich treffen die arbeitenden in den typischen Burnout-Berufen (\u00c4rzte, Sozialarbeiter, Lehrer usw.) h\u00e4ufig auf psychisch beanspruchte Personen, denen es aufgrund ihrer pers\u00f6nlichen Probleme schwer f\u00e4llt, sich in ihr Gegen\u00fcber hineinzuversetzen und das N\u00e4he-Distanz-Verh\u00e4ltnis angemessen einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt (vgl. 3.1.2.3), wird Dehumanisierung als Copingreaktion und Selbstdarstellungsstrategie angesehen, die zum Ziel hat, die eigene Handlungsf\u00e4higkeit aufrecht zu erhalten bzw. vor weiteren belastenden Interaktionen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Entstehung des Ph\u00e4nomens Dehumanisierung ist zum einen das zu starke emotionale Involviertsein und eine gleichzeitige Generalisierung der Reaktion auf viele bzw. alle Personen, die mit der Arbeit zu tun haben. Andererseits handelt es sich auch um eine Schuldzuweisung, weil die an der Arbeit beteiligten Personen (Klienten, Patienten und Sch\u00fcler usw.) f\u00fcr die entstandenen Belastungen verantwortlich gemacht werden. Es entwickelt sich eine Art Feindbild gegen\u00fcber diesen Personen. Dieses Feindbild wird auch in Interaktionen durch Selbstdarstellungsverhalten pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Eine weiter Interpretation von Dehumanisierung und dem damit verbundenen Verhalten, w\u00e4re, dass sich der Betroffene bereits so weit von sich selbst entfernt hat, dass er sich selbst fremd geworden ist.<\/p>\n<p>Die Reaktionen auf die Umwelt sind in diesem Fall, eher als impulsartig einzustufen. Das hei\u00dft es wird nur noch dargestellt, was von der Person \u00fcbrig ist. In gewisser Weise eine Entt\u00e4uschung von sich selbst.<\/p>\n<p>Es sei abschlie\u00dfend noch betont, dass Dehumanisierung w\u00e4hrend eines Burnout-Prozesses subjektiv und situativ stark unterschiedlich auftreten und erlebt werden kann. Gerade bei der Operationalisierung durch das MBI (vgl. 2.2.1) bleibt dieser subjektive Aspekt unber\u00fccksichtigt. Dehumanisierung wird durch Extremzust\u00e4nde und unspezifische Relationsaussagen bestimmt. (vgl. Rook 1998, S.209ff).<\/p>\n<p>Analog zu einem generellen Burnout-Prozess, ist auch die Entstehung des Ph\u00e4nomens Dehumanisierung von sozialisierten Eigenschaften und erlernten F\u00e4higkeiten, sowie von institutionellen Strukturen und gesamtgesellschaftlichen Normen abh\u00e4ngig (s. 2.2.2).<\/p>\n<p>3.2.3 Stigmatisierung bei Burnout<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sagen vom Burnout-Syndrom betroffen zu sein ist gleichzeitig eine Stigmatisierung.<\/p>\n<p>Was kann man unter dem Begriff Stigmata verstehen?<\/p>\n<p><em>\u201eAuf die Sozialebene \u00fcbertragen, weisen sie darauf hin, da\u00df ihre Tr\u00e4ger gesellschaftlich unterlegen, da\u00df sie besiegt, unterworfen und geknechtet sind.\u201c <\/em>(Lipp 2010 S.80).<\/p>\n<p>Diese Beschreibung des Begriffes Stigmatisierung weist bereits auf eine gesellschaftliche Verfehlung des Stigmatisierten hin, d.h. die Person wird moralisch zur Verantwortung gezogen.<\/p>\n<p>Beispielsweise wird ein Lehrer, bei dem vermehrt Burnoutsymptome auftreten, wenn er von seinem Vorgesetzten mit seinem reduziertem Engagement oder seinem zynischen und kaltem Umgang mit seinen Sch\u00fclern konfrontiert wird, gleichzeitig auch in seiner Handlungsf\u00e4higkeit angegriffen. Wenn diesem Lehrer nach weiterem Nachfragen und anschlie\u00dfenden \u00e4rztlichen Untersuchungen deutlich gemacht wird, dass er am Burnoutsyndrom erkrankt sei, stellt sich ebenso die Frage: Warum die anderen Lehrer nicht von Burnout betroffen sind. D.h, das Fehlen grundlegender Merkmale und F\u00e4higkeiten bedeutet auch eine moralische Schuld, weil der Stigmatisierte f\u00fcr seine Verfehlungen moralisch verantwortlich gemacht wird.<\/p>\n<p>Eine Stigmatisierung ist demnach eine Zuschreibung von Verfehlungen aufgrund gesellschaftlicher Normen. Der Stigmatisierte wird mit der Verantwortung seiner Verfehlung konfrontiert &#8211; er tr\u00e4gt selbst die Schuld.<\/p>\n<p><em>\u201eStigmata implizieren auf dieser Ebene, da\u00df ihre Tr\u00e4ger Defekte nicht nur faktisch haben, sondern verantwortlich f\u00fcr sie sind und im Debet stehen.\u201c <\/em>(ebd. 2010, S.80).<\/p>\n<p>Durch die auferlegte Verantwortlichkeit wird eine bestehende soziale Ordnung best\u00e4tigt. Beispielsweise werden bestimmte, berufsbezogene Verhaltensweisen und F\u00e4higkeiten als Minimalqualifikationen angesehen. Dadurch wird gleichzeitig festgelegt, dass diese Verhaltensweisen und F\u00e4higkeiten beherrscht werden m\u00fcssen, um den entsprechenden Beruf den gesellschaftlichen Erwartungen gem\u00e4\u00df aus\u00fcben zu k\u00f6nnen (z.B. Sozial-kommunikative Kompetenzen und fachliche Kompetenzen bei Lehrern). Diese soziale Ordnung impliziert, dass Personen ausgegrenzt werden, wenn sie den erwarteten Vorgaben nicht entsprechen, d.h. sie werden auf ihre Verfehlungen aufmerksam gemacht und gleichzeitig von der \u201eNormalit\u00e4t\u201c abgerenzt. Stigmatisierungen sind demnach ein Teil der sozialen Ordnung.<\/p>\n<p>Das Faktum an Burnout zu leiden, best\u00e4tigt zum einen die Abweichung des Betroffenen von der \u201eNormalit\u00e4t\u201c, andererseits erm\u00f6glicht diese Zuschreibung dem Betroffenen sich seiner Problematik zu stellen und wieder als handlungsf\u00e4hig angesehen zu werden. D.h. die Schuldbew\u00e4ltigung erm\u00f6glicht dem Stigmatisierten &#8211; in diesem Fall dem Burnoutbetroffenen &#8211; die existentielle Zerst\u00f6rung abzuwenden, um wieder als handlungsf\u00e4hig gelten zu k\u00f6nnen. (vgl. ebd. 2010, S.91ff).<\/p>\n<p>Im Kontext der Arbeit, kann Stigmatisierung bei Burnout, als Angriff auf das Selbstkonzept gesehen werden. Das Bild und die Bewertungen von sich Selbst entsprechen nicht mehr den realen Gegebenheiten, weil das bestehende Selbstkonzept mit den Anforderungen und Erwartungen der Umwelt nicht mehr vereinbar ist. Diese Diskrepanz wird auch in Form von Selbstdarstellung pr\u00e4sentiert z.B. durch einen R\u00fcckzug aus der Arbeit durch eine Kur oder im Extremfall durch eine K\u00fcndigung.<br \/>\n<!--nextpage--><br \/>\n3.3 Therapie und Pr\u00e4vention von Burnout<\/p>\n<p>In diesem Kapitel sollen Ma\u00dfnahmen vorgestellt werden, die es erm\u00f6glichen Burnout zum einen zu bew\u00e4ltigen und zu \u00fcberstehen, zum anderen Ma\u00dfnahmen zur Vorbeugung von Burnout. Es sei zudem darauf hingewiesen, dass eine Trennung von Therapie &#8211; als Bew\u00e4ltigung von Burnout &#8211; und Pr\u00e4vention nur auf theoretischer Ebene erfolgt, weil beide Aspekte wechselseitig miteinander in Beziehung stehen. Denn Therapie wirkt auch pr\u00e4ventiv und pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen helfen bei der \u00dcberwindung von Burnout.<\/p>\n<p>(vgl. Hoffman, K\u00fcng, Leuenberger 2005, S.52f).<\/p>\n<p>Im Folgenden wird zuerst auf Therapieformen bei Burnout unter 3.3.1 eingegangen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend werden Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen und Ressourcen unter Punkt 3.3.2 vorgestellt. Abschlie\u00dfend werden unter 3.3.3 die vorgestellten Ma\u00dfnahmen in Bezug auf das Experteninterview (s. Anlage) diskutiert und im Kontext der Arbeit interpretiert.<\/p>\n<p>3.3.1 Therapie von Burnout<\/p>\n<p>Unter dem Begriff Therapie werden Ma\u00dfnahmen zusammengefasst, die geeignet sind einen Burnout-Prozess zu \u00fcberwinden, d.h. die aufgetretenen Probleme psychisch zu verarbeiten, physische Erholung zu erm\u00f6glichen und auch gleichzeitig Kompetenzen und Ressourcen realisieren, damit neue Burnout-Prozesse in Zukunft vermieden werden k\u00f6nnen. Im Folgenden werden drei Therapieverfahren &#8211; Coaching, Verhaltenstherapie und Entspannungstechniken &#8211; exemplarisch herausgegriffen und hinsichtlich des geeigneten Einsatzes bei Burnout und der Effizienz zur Bew\u00e4ltigung von Burnout diskutiert.<\/p>\n<p>3.3.1.1 Coaching<\/p>\n<p>Im Grunde handelt es sich bei Coaching nicht um eine Therapiema\u00dfnahme, sondern um eine Bearbeitung berufsspezifischer Angelegenheiten, Probleme und Ziele. Es geht um eine beruflich ausgerichtete Unterst\u00fctzung zur Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und Hilfe zur Selbsthilfe in beruflichen Situationen.<\/p>\n<p>Coaching kann als freiwillige Beratungssituation charakterisiert werden, die eine F\u00f6rderung der Selbstreflexion, Selbstwahrnehmung und der Verantwortungs\u00fcbernahme zum Ziel hat. Dabei werden durchaus therapeutische Methoden, wie etwa kognitive Verfahren oder Gespr\u00e4chstechniken angewandt. Aber im Unterschied zur reinen Psychotherapie richtet sich Coaching nicht prim\u00e4r an \u201ekranke\u201c sondern auch an Personen die \u201enur\u201c ihr berufliches Erleben und Verhalten erweitern wollen.<\/p>\n<p>Es ist besonders wichtig, dass ein Coaching auf freiwilliger Basis stattfindet, weil die Mitarbeit des Gecoachten f\u00fcr den Erfolg von besonderer Bedeutung ist<\/p>\n<p>(vgl. Spielhagen 2005, S.55f).<\/p>\n<p>Im Hinblick auf Burnout, erfolgt aufgrund der Vertraulichkeit der Problematik, meistens ein Einzel-Coaching. Der Coach ist in diesem Fall ein Psychologe oder Psychotherapeut, der zusammemn mit dem Betroffenen &#8211; je nach Kontext &#8211; an dessen berufsbezogenen Kompetenzen arbeitet.<\/p>\n<p>Prim\u00e4r werden Stressbew\u00e4ltigungsmuster und Entspannungstechniken des Betroffenen analysiert. In einem weiteren Schritt wird versucht, dem Betroffenen Methoden zur Verf\u00fcgung zu stellen, die einen besseren Umgang mit den Belastungsituationen erm\u00f6glichen (z.B. Entspannungstechniken). Zus\u00e4tzlich steht auch die Weiterentwicklung der Person im Umgang mit sich und der Arbeit im Fokus eines Burnout-Coachings.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Coachings wird versucht, die Wahrnehmung der eigenen Person zu verbessern und das eigene berufliche Handeln im Hinblick auf berufliche Anforderungen zu analysieren, um die eigene Probleml\u00f6sekompetenz zu erweitern. (vgl. Spielhagen 2005 S.68f).<\/p>\n<p>Das Ziel eines Coachings ist somit die Ver\u00e4nderung und Verbesserung der individuellen Kompetenzen, um ein effizienteres berufliches Handeln zu erm\u00f6glichen. Ein Coaching ist sozusagen die Arbeit an der Person. Eine Ver\u00e4nderung der Selbstwarnehmung und des Umgangs mit sich selbst bewirkt auch eine ver\u00e4nderte Darstellung der eigenen Person nach au\u00dfen. Diese Ver\u00e4nderungen sind in gewisser Weise auch Selbstkonzept-Arbeit, die das Bild von sich selbst zum Positiven ver\u00e4ndern sollen und zu einem handlungsf\u00e4higen agieren leiten sollen.<\/p>\n<p>Der Coach soll den Gecoachten dabei unterst\u00fctzen, das Ziel einer besseren Selbstkontrolle und Verantwortungs\u00fcbernahme zu erreichen, bis er auch ohne den Coach handlungsf\u00e4hig ist.<\/p>\n<p><em>\u201eIdealerweise macht sich der Coach \u00fcberfl\u00fcssig, indem er Hilfe zur Selbsthilfe gibt.\u201c <\/em>(Spielhagen 2005 S.68f).<\/p>\n<p>Zur Burnout-Therapie eignet sich Coaching nur bei Verl\u00e4ufen in den anf\u00e4nglichen Symptom-Kategorien (3.2.1), weil hier noch ein Aneignen von Kompetenzen zur Bew\u00e4ltigung von Burnout ausreichend ist. Im terminalen Stadium ist zur Bew\u00e4ltigung des Burnout-Syndroms eine individuelle Kombination von Entspannungstechniken und psychotherapeutischen Ma\u00dfnahmen notwendig.<\/p>\n<p>3.3.1.2 Verhaltenstherapie<\/p>\n<p>Die Grundannahmen der Verhaltenstherapie basieren auf den Annahmen des Behaviorismus. Nach dieser Auffassung sind Ausl\u00f6ser von St\u00f6rungen Resultate von Lernprozessen. Zentrum dieser Lernprozesse sind regelhafte Wenn-Dann Verh\u00e4ltnisse, wie etwa \u201ewenn ich flei\u00dfig bin, dann habe ich auch Erfolg\u201c. Die klassische Verhaltenstherapie hatte zum Ziel, die \u201eausl\u00f6senden Bedingungen des Verhaltens\u201c konstruktiv zu ver\u00e4ndern. (Hansch 2003).<\/p>\n<p>Diese klassische Form der Verhaltenstherapie wurde von der kognitiven Verhaltenstherapie abgel\u00f6st, die sich vermehrt auf innere (kognitive) Prozesse konzentriert. Die kognitive Verhaltenstherapie basiert auf vier grundlegenden Annahmen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eErstens interpretiert der Mensch Ereignisse, statt zu sehen, was tats\u00e4chlich mit ihm geschieht. Zweitens sind Denken, F\u00fchlen und Verhalten allesamt miteinander verkn\u00fcpft, verwoben und voneinander abh\u00e4ngig. Drittens muss Therapie, wenn sie funktionieren soll, kl\u00e4ren und dann ver\u00e4ndern, wie der Patient \u00fcber sich selbst und andere denkt. Viertens sollte eine Therapie darauf abzielen, sowohl \u00dcberzeugungen als auch Verhaltensweisen zu ver\u00e4ndern, da Wirkung und Nutzen gr\u00f6\u00dfer sind, wenn diese beiden Problemkomplexe zur gleichen Zeit in Angriff genommen werden.\u201c <\/em>(Furnham 2010 S.66).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Therapeut hat in dieser Therapieform zum Ziel, die krankmachenden Denkmuster des Patienten, zu identifizieren und anschlie\u00dfend, im Dialog mit dem Patienten L\u00f6sungsmodelle zu entwickeln, um die krankmachenden Denkmuster zu beseitigen. Auf Burnout bezogen k\u00f6nnten z.B. berufsspezifische Erwartungen, Attributionen von Belastungen (s.3.2.1) und die damit verbundenen Gedanken und Gef\u00fchle einen Burnout-Prozess noch verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Der Patient w\u00fcrde in so einem Fall vom Therapeuten ermutigt werden, \u00fcber sich zu reflektieren. Um im Anschluss vom Therapeuten unterst\u00fctzt zu werden, die eigenen festgefahrenen Denkmuster aufzubrechen und diese Denkfehler in \u201erealistischere und positivere \u00dcberzeugungen\u201c umzuwandeln. (ebd.. 2010 S.66). Es sei noch darauf hingewiesen, dass die verhaltenstherpeutischen Ma\u00dfnahmen, h\u00e4ufig durch erg\u00e4nzende Ma\u00dfnahmen unterst\u00fctzt werden z.B. Entspannungstechniken, Psychoanalyse. (vgl. Hedderich 2009 S.70f).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weber wei\u00dft darauf hin, dass nach neuesten wissenschaftlichen Evaluationen hinsichtlich der Effektivit\u00e4t von Intervention- und Therapiema\u00dfnahmen bei Burnout, Verhaltenstherapie als besonders effektive Therapiema\u00dfnahme herausgestellt hat.(vgl. Weber 2008 S.82f).<\/p>\n<p>3.3.1.3 Entspannungstechniken<\/p>\n<p>Unter dem Begriff Entspannungstechniken ist eine Vielzahl von Techniken und \u00dcbungen zu verstehen, die dazu beitragen Stress und Belastungsreaktionen zu mindern. Im Folgenden soll das Autogene Training und die progressive Muskelentspannung, als exemplarische Entspannungstechniken zur Linderung der Burnout-Symptome vorgestellt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Autogenes Training <\/span><\/p>\n<p>Das in den 1920er Jahren von Schulz entwickelte Autogene Training ist eine der am meist verbreitetsten Entspannungstechniken, die in der Psychotherapie Verwendung findet. (vgl. Beitel u. K\u00f6rner 1982 S.1). Es handelt sich hierbei \u201eum ein Verfahren zur konzentrierten Selbstentspannung.\u201c (Faber\/Lebersberg\/Prem\/Weidlich\/Zimmermann 2005 S.24). Unter Anleitung eines Therapeuten werden aufeinanderfolgende Entspannungs\u00fcbungen durchgef\u00fchrt, damit sie in Zukunft vom Patienten selbst angewandt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Autogene Training hat hierbei \u201eeine Sensibilisierung f\u00fcr k\u00f6rperliche Empfindungen\u201c zum Ziel. (Faber\/Lebersberg\/Prem\/Weidlich\/Zimmermann 2005 S.24). Der Effekt ist, dass sich stresshafte und als unangenehm empfundene Zust\u00e4nde, zum positiven, d.h. zu Ruhe und Gelassenheit entwickeln. Entspannung fungiert bei dieser Technik als Bew\u00e4ltigungsstrategie f\u00fcr Belastungssituationen. Der Patient erlernt die Technik, um sie in bzw. nach belastenden Situationen anwenden zu k\u00f6nnen. Aufgrund der leichten Erlernbarkeit ist die Technik weit verbreitet.<\/p>\n<p>In Bezug auf Burnout, ist diese Technik zur Linderung der Anfangssymptome in besonderem Ma\u00dfe geeignet. Ebenfalls sorgt die Technik f\u00fcr eine grundlegende Entspannung in sp\u00e4teren Phasen eines Burnout-Prozesses. Es sei allerdings erw\u00e4hnt, dass diese Technik nicht allein angewandt wird, sondern meist in Kombination mit anderen psychotherapeutischen Verfahren durchgef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Ziel dieser Technik ist auf der einen Seite das Erreichen einer positiven Entspannung, um einen Burnout-Prozess besser bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Andererseits dient das Erlernen des Autogenen Trainings auch immer als Burnout Pr\u00e4vention, weil der Patient hierdurch lernt besser mit Belastungssituationen umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Studie von Beitel und K\u00f6rner liefert eine bedeutungsvolle Erweiterung der Wirkweise des Autogenen Trainings. Die Ausgangsargumentation der Autoren war, das durch das Entspannungsverfahren positive und gelassene Zust\u00e4nde bei den Patienten entstehen. Diese Ver\u00e4nderung ihres Zustandes, von anfangs gestresst, bis hin zu positiv entspannt, wird von den Patienten auch kognitiv wahrgenommen und verarbeitet. Langfristig f\u00fchrt diese kognitive Verarbeitung der positven Zust\u00e4nde auch zu einer positiveren Selbstwahrnehmung. D.h. das Autogene Training f\u00fchrt zu Ver\u00e4nderung der Selbstwahrnehmung, die zu einem positiven Selbstkonzept f\u00fchrt. Diese Verbesserung des Selbstkonzeptes bedeutet f\u00fcr die Autoren, dass die Diskrepanz zwischen Realselbst und Idealselbst verringert wird.<\/p>\n<p>Diese positivere und realistischere Bewertung der eigenen Person dient sozusagen als Schutz vor Belastungen, weil die Person nicht so leicht entt\u00e4uscht werden kann und Belastungen besser verarbeiten kann. (vgl. Beitel u. K\u00f6rner 1982 S.2f).<\/p>\n<p>Die beiden Autoren fassen die Ergebnisse ihrer Studie wie folgt zusammen:<\/p>\n<p><em>\u201eIn einer Pr\u00e4-Post-Katamnese-Studie untersuchten wir bei 65 psychosomatisch gest\u00f6rten Probanden die Ver\u00e4nderung des Selbstkonzeptes infolge reiner Behandlung mit Autogenem Training im Vergleich zu einer unbehandelten Wartegruppe. Die Erwartung, da\u00df sich das Selbstkonzept der behandelten PBG verbessert im Sinne einer h\u00f6heren Kongruenz von Real- und Idealselbstbild (gemessen durch den Q-Sort), wurde voll best\u00e4tigt. <\/em><\/p>\n<p><em>Die positiven Ver\u00e4nderungen waren auch ein halbes Jahr nach Ende der Therapie noch stabil.\u201c <\/em>(Beitel u. K\u00f6rner 1982 S.13f).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Progressive Muskelentspannung nach Jacobson<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein weiteres, auch in Deutschland weit verbreitetes Entspannungsverfahren, ist die Progressive Muskelentspannung nach Jacoben. Die Grundannahme ist, dass hier die \u201eEntspannung durch Spannung und Anspannung bestimmter Muskelgruppen erreicht\u201c wird. (Faber\/Lebersberg\/Prem\/Weidlich\/Zimmermann 2005 S.25f). Durch diesen Wechsel zwischen Spannung und Entspannung einzelner Muskelgruppen wird die eigene K\u00f6rperwahrnehmung sensibilisiert und die immer wieder auftretende k\u00f6rperliche Entspannung f\u00fchrt zugleich zu einer Verbesserung des Psychischen Befindens Die progressive Muskelentspannung l\u00e4sst sich zudem gut mit anderen Entspannungsverfahren (z.B. Autogenes Training, Yoga usw..) kombinieren. (vgl. L\u00f6hmer S.1f).<\/p>\n<p>Die Progressive Muskelentspannung wird von einem Therapeuten angeleitet und kann sp\u00e4ter vom Patienten selbst durchgef\u00fchrt werden. Auf Burnout bezogen ist die Progressive Muskelentspannung in erster Linie zur Linderung der Symptome und zur Pr\u00e4vention von Burnout geeignet.<\/p>\n<p>3.3.2 Pr\u00e4vention von Burnout<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eMa\u00dfnahmen zur Pr\u00e4vention von Burnout lassen sich nach Pr\u00e4ventionsansatz und ebenen differenzieren.\u201c <\/em>(Weber 2008 S.84f).<\/p>\n<p>Pr\u00e4ventionsans\u00e4tze bestimmen wo die Pr\u00e4vention angesetzt wird. Die Pr\u00e4vention kann sowohl am individuellen Verhalten und Erleben des Einzelnen ansetzen als auch Ver\u00e4nderungen der Organisation und des Arbeitsumfeldes zum Ziel haben.<\/p>\n<p>Im Rahmen dieser Arbeit sind insbesondere individuelle Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen von Bedeutung. (vgl. Weber 2008 S.84f).<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4ventionsebenen lassen sich in prim\u00e4re, sekund\u00e4re und terti\u00e4re Pr\u00e4vention ausdifferenzieren. Unter prim\u00e4rer Pr\u00e4vention sind Ma\u00dfnahmen zu verstehen, die Burnout-Prozessen vor ihrem Auftreten vorbeugen. Sekund\u00e4re Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen sollen das Weitere Fortschreiten eines begonnenen Burnout-Prozesses verhindern. Terti\u00e4re Pr\u00e4vention hat zum Ziel von den Belastungen des Burnout zu rehabilitieren und R\u00fcckf\u00e4lle vermeidbar zu machen.<\/p>\n<p>(vgl. Hoffman, K\u00fcng, Leuenberger 2005. S.52f).<\/p>\n<p>Um im Folgenden weitere Implikationen f\u00fcr den Kontext der Arbeit zu erm\u00f6glichen, werden zum einen Pr\u00e4ventionsressourcen vorgestellt, die bei Vorhandensein, das eigene Verhalten und Erleben so beeinflussen k\u00f6nnen, dass die Entstehung eines Burnout-Prozesses verhindert oder ein weiteres Fortschreiten vermieden wird.<\/p>\n<p>Nach Scharschmidt ist die St\u00e4rkung pers\u00f6nlicher Ressourcen integraler Bestandteil von Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen, weil sich die Verbesserung pers\u00f6nlicher Ressourcen erfolgreicher realisieren l\u00e4sst als die Aufarbeitung vorhandener Probleme.<\/p>\n<p>(vgl. Schaarschmidt 2005, S.20). Im Anschluss daran wird Berufswahl als Pr\u00e4vention in Anlehnung an die Schlussfolgerungen der Potsdamer Lehrerstudie diskutiert, die von Schaarschmidt auch als Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen verstanden werden (s.2.2.4).<\/p>\n<p>3.3.2.1 Pers\u00f6nliche Ressourcen<\/p>\n<p>Pers\u00f6nliche Ressourcen sind von zentraler Bedeutung f\u00fcr Burnout als subjektiver Verarbeitungsprozess, objektiver Belastungen.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich die Frage: \u201eWie ist es zu erkl\u00e4ren, da\u00df bei vergleichbaren Belastungen bzw. Bei \u00e4hnlichen \u00e4u\u00dferen Reizkonstellationen verschiedene Menschen sich unterschiedlich beansprucht, herausgefordert oder \u00fcberfordert f\u00fchlen?\u201c (Jerusalem 1990, S.27).<\/p>\n<p>Demnach machen pers\u00f6nliche Ressourcen verstehbar, warum von zwei Personen, die eine vergleichbare T\u00e4tigkeit aus\u00fcben, nur eine an Burnout erkrankt.<\/p>\n<p>Bei pers\u00f6nlichen Ressourcen handelt es sich um eine Vielzahl von Konstrukten, die das Verhalten und Erleben dahingehend beeinflussen, damit belastende Situationen und Erlebnisse besser verarbeitet und bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen. Nach diesem Verst\u00e4ndnis handelt es sich bei vielen der bisher vorgestellten Konstrukte um pers\u00f6nliche Ressourcen: problemorientierte Copingstrategien, Wissen \u00fcber Entspannungsverfahren, Selbstkomplexit\u00e4t, Interaktionskompetenzen.<\/p>\n<p>Es sei daher betont, dass die Ausbildung und Verfeinerung dieser Ressourcen haben eine positive Auswirkung auf alle drei Pr\u00e4ventionsebenen hat. Da diese Ressourcen bereits ausf\u00fchrlich erl\u00e4utert wurden, wird an dieser Stelle auf zwei allgemeine Konstrukte eingegangen. Zuerst wird die bereits erw\u00e4hnt Selbstwirksamkeitserwartung nach Bandura als pers\u00f6nliche Ressource vorgestellt. Anschlie\u00dfend wird das Konzept der Salutogenese nach Antonovsky im Hinblick auf die Pr\u00e4vention von Burnout diskutiert.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Selbstwirsamkeitserwartung als pers\u00f6nliche Ressource<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Selbstwirksamkeitserwartung nach Bandura wurde bereits erw\u00e4hnt (s.2.1.3.1) deshalb soll an dieser Stelle folgende Erkl\u00e4rung ausreichen:<\/p>\n<p><em>\u201eUnter diesem Konstrukt wird die subjektive \u00dcberzeugung verstanden, Anforderungen und Schwierigkeiten des Lebens aufgrund der pers\u00f6nlichen Kompetenz bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.\u201c (Schaarschmidt 2005 S.20).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In belastenden Situationen wird je nach subjektiv wahrgenommener Kompetenz beeinflusst, ob ein Verhalten aktiviert wird oder ob die Situation vermieden wird, und wie ausdauernd und mit welcher Anstrengung ein Verhalten aktiviert wird.<\/p>\n<p>(vgl. Jerusalem 1990 S.36). Eine hohe Selbstwirksamkeit wirkt sich positv auf das Leistungsverhalten aus, weil hierdurch auch belastende Situationen eher als Herausforderungen interpretiert werden und dadurch die M\u00fche zur Bew\u00e4ltigung der Situation verst\u00e4rkt wird. Analog dazu ist eine niedrige Selbstwirksamkeitserwartung f\u00fcr das erleben und die Verarbeitung belastender Situationen umso verheerender:<\/p>\n<p><em>\u201eInsgesamt ist aus den theoretischen \u00dcberlegungen ersichtlich, da\u00df eine niedrige allgemeine Selbstwirksamkeit in dreierlei Hinsicht einen Vulnerabilit\u00e4tsfaktor f\u00fcr das Erleben von Stress darstellt: die betroffenen Personen f\u00fchlen sich angesichts schwieriger Anforderungen st\u00e4rker bedroht als herausgefordert, sie sehen wenig M\u00f6glichkeiten zur Bew\u00e4ltigung und Attribuierung Mi\u00dferfolge als pers\u00f6nliches Unverm\u00f6gen.\u201c <\/em>(ebd.1990 S.36).<\/p>\n<p>Bezogen auf den Beruf des Lehrers wird deutlich, dass eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung mitbestimmt inwieweit die erlebten Belastungen (s.2.2.4) als bedrohend empfunden werden und inwieweit sie bew\u00e4ltigter sind.<\/p>\n<p>Schaarschmidt fasst dies wie folgt zusammen:<\/p>\n<p><em>\u201eDie \u00dcberzeugung, kompetent handeln zu k\u00f6nnen, f\u00f6rdert offensichtlich die Stressbew\u00e4ltigung, beugt dem Burnout vor steigert das Wohlbefinden sowie die Berufszufriedenheit.\u201c (Schaarschmidt 2005 S.20).<\/em><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Das Konzept der Salutogenese nach Antonovsky<\/span><\/p>\n<p>Das Konzept der Salutogenese fragt im Gegensatz zur Pathogenese nicht nach den krankmachenden Faktoren, sondern es stellt die Frage: Was sind die Faktoren, die einen Menschen gesund halten?<\/p>\n<p>Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky entwickelte das Konzept der Salutogenese aus empirischen Daten der Stressforschung, die aber nach dem Konzept der Pathogenese erfasst wurde. Antonovsky verlieh diesen Daten eine neue Bedeutung durch die Interpretation nach seinem Konzept, das auf vier Grundkomponenten aufgebaut ist (vgl. Faltmaier 2005, S.65):<\/p>\n<ul>\n<li>Das Gesundheitskontinuum<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Gesundheitskontinuum ist die Abkehr von der Auffassung, dass Gesundheit und Krankheit in einem gegenteiligem Verh\u00e4ltnis zu einander stehen. Vielmehr ist das Verh\u00e4ltnis der zwei Begriffe nach Antonovsky als \u201emultidimensionales Gesundheits-Krankheit- Kontinuum\u201c zu verstehen (Faltmaier 2005 S.65). Demnach sind absolute Gesundheit und absolute Krankheit die beiden Extrempole, zwischen denen man sich beweg. Beispielsweise Genesung ist als Zwischenstadium zwischen Gesundheit und Krankheit zu verstehen (vgl. H\u00fcbner 2009 S.134). Demnach werden die Probleme, die sich aus einer einseitigen Betrachtung auf Krankheiten ergeben umgangen. Zum einen steht durch die Betrachtung der Krankheit nicht der Mensch, sondern die Krankheit im Vordergrund. Andererseits werden bei der Pathogenese nur Menschen betrachtet, die an einer diagnostizierten Krankheit leiden (vgl. Faltmaier 2005 S.67).<\/p>\n<ul>\n<li>Stressbew\u00e4ltigung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Stressbew\u00e4ltigung steht in Verbindung zum Gesundheitskontinuum. Stress ist nicht an sich schlecht f\u00fcr die Gesundheit, sondern unzureichend bew\u00e4ltigte Stressoren f\u00fchren zu einer negativen Verschiebung des Gesundheitskontinuums. D.h., ob Stress gut oder schlecht f\u00fcr einen Menschen ist h\u00e4ngt von der Bew\u00e4ltigung ab<\/p>\n<p>(vgl. Faltmaier 2005 S.67).<\/p>\n<ul>\n<li>Widerstandsressourcen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hierbei handelt es sich um ein sowohl genetisch als auch sozialisatorisch erworbenes Repertoire, das in Belastungssituationen zu einer gesundheitsf\u00f6rderlichen Bew\u00e4ltigung f\u00fchrt. Beispielsweise, Itelligenz, Ich-Identit\u00e4t, Coping-F\u00e4higkeiten und soziale Bindungen werden von Antonovsky als Widerstandsressourcen verstanden (vgl. Faltmaier 2005 S.67f).<\/p>\n<ul>\n<li>Koh\u00e4renzgef\u00fchl<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Koh\u00e4renzgef\u00fchl steht in engem Zusammenhang mit den Widerstands-ressourcen, weil kumulierte Bew\u00e4ltigungserfahrungen aufgrund vorhandener Widerstandsressourcen ein Koh\u00e4renzgef\u00fchl schaffen. Darunter ist die Auffassung zu verstehen, dass man selbst, konsistent die an einen selbst gestellten Anforderungen vollbringen kann. Aus diesen Erfahrungen entwickelt sich nach und nach die \u00dcberzeugung, das eigene Leben verstehen und bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Koh\u00e4renz ist dann eine best\u00e4ndige Einstellung zum Leben, die hilft belastende Situationen besser zu \u00fcberstehen. Das Koh\u00e4renzgef\u00fchl setzt sich aus drei Elementen zusammen: 1.<strong>Vestehbarkeit,<\/strong> 2.<strong>Bew\u00e4ltigbarkeit<\/strong>, 3.<strong>Sinnhaftigkeit<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Vestehbarkeit<\/strong> meint die \u00dcberzeugung, die eigene Lebensumwelt kognitiv erfasst zu haben. <strong>Bew\u00e4ltigbarkeit<\/strong> ist die Auffassung, dass die Anforderungen des Lebens aufgrund der eigenen Kompetenzen gemeistert werden k\u00f6nnen. Unter <strong>Sinnhaftigkeit <\/strong>ist die Grund\u00fcberzeugung zu verstehen, dass es sinnvoll ist f\u00fcr die Lebensbew\u00e4ltigung Energie und Kr\u00e4fte zu aktivieren. Das Koh\u00e4renzgef\u00fchl hilft dabei die Belastungen des Lebens besser zu \u00fcberstehen, indem es die individuellen Ressourcen optimal aktiviert (vgl. Faltmaier 2005 S.68ff).<\/p>\n<p>Zusammenfassend ist zu bemerken das das Konzept der Salutogenese ein Komplexes System pr\u00e4sentiert, das zur Erhaltung der Gesundheit beitr\u00e4gt. Die vier genannten Komponenten stehen dabei in einer Wechselwirkung zueinander. Das Koh\u00e4renzgef\u00fchl stellt sich insbesondere dann ein, wenn aufgrund vorhandener Widerstandsressourcen, belastende Situationen vermehrt bew\u00e4ltigt werden. Wenn pers\u00f6nliche Ressourcen wie das Koh\u00e4renzgef\u00fchl oder eine hohe Selbst-wirksamkeitserwartung vorhanden sind, wirken sie vorbeugend gegen Burnout. Die F\u00f6rderung pers\u00f6nlicher Ressourcen gestaltet sich dagegen schwierig. Gerade das Koh\u00e4renzgef\u00fchl muss \u00fcber Jahre hinweg aufgebaut werden. In gemilderter Form ist eine F\u00f6rderung pers\u00f6nlicher Ressourcen aber m\u00f6glich. Beispielsweise im Trainingskonzept f\u00fcr Lehramtsstudierende und Referendare von Schaarschmidt und seinen Mitarbeitern, werden Entspannungstechniken und Probleml\u00f6se-kompetenzen zur Verf\u00fcgung gestellt, um f\u00fcr die belastenden berufs-spezifischen Situationen gewappnet zu sein<\/p>\n<p>(vgl. Schaarschmidt 2005 S.115f).<\/p>\n<p>3.3.2.2 Berufswahl als Pr\u00e4vention<\/p>\n<p>Wie bereits angesprochen wurde, k\u00f6nnen pragmatische Gr\u00fcnde bei der Berufswahl, als mitbestimmende Faktoren f\u00fcr die Entstehung von Burnout angesehen werden (s. 3.1.1.4). F\u00fcr Schaarschmidt ist eine Schlussfolgerung aus den Ergebnissen der Potsdamer Lehrerstudie, dass sowohl die Rekrutierung der angehenden Lehrer verbessert wird, als auch die berufliche Vorbereitung durch das Studium verbessert wird (s. 2.2.4). Diese Ma\u00dfnahmen sind auch nach dem Verst\u00e4ndnis von Schaarschmidt als Pr\u00e4vention von Burnout zu verstehen.<\/p>\n<p>Diese verbesserte Rekrutierung erfordert zum einen ein Umdenken vieler Lehramtstutenden, die bei ihrer unreflektierten Berufswahl haupts\u00e4chlich pragmatische Gr\u00fcnde im Blick haben. Andererseits sind hinsichtlich der Rekrutierungsbedingungen von Seiten der Universit\u00e4ten bzw. des Kultusministeriums Ver\u00e4nderungsma\u00dfnahmen notwendig. Beispielsweise k\u00f6nnte wie in anderen Bereichen durch Eingangstests die Eignung von Kandidaten ermittelt werden. Zudem m\u00fcssen die angehenden Lehrer bereits w\u00e4hrend des Studiums st\u00e4rker mit der Schulpraxis konfrontiert werden. Nach dem vorhandenen Modell kann es vorkommen, dass man sich im Studium nicht genauer mit den Anforderungen und Schwierigkeiten der beruflichen T\u00e4tigkeit eines Lehrers auseinandersetzt, um anschlie\u00dfend im Referendariat feststellen zu m\u00fcssen, dass man nicht f\u00fcr den Beruf des Lehrers geeignet ist. Diese Inkompatibilit\u00e4t der Erwartungen, von der Umwelt des Lehrers an den Beruf und vom Lehrer selbst, f\u00fchren zu einer psychischen Belastungsprobe, die in einem Burnout-Prozess enden kann.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt, der im Zusammenhang mit Beruf und Berufswahl als<\/p>\n<p>Burnout-Pr\u00e4vention verstanden wird, kann unter dem Begriff Weiterbildungswille zusammengefasst werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr Schaarschmidt ist die lebenslange Arbeit an den berufsspezifischen Kompetenzen, die wichtigste Burnout-Pr\u00e4vention f\u00fcr Lehrer (s.2.2.4).<\/p>\n<p>Die verbreitete Vorstellung von Lehrern, die sich im Studium einen Fundus an Wissen aneignen und diesen anschlie\u00dfend nur in immer gleich vorbereiteten Stunden pr\u00e4sentieren m\u00fcssen wird der beruflichen Realit\u00e4t der Schule nicht gerecht. Schule wird nach Wiater als Subsystem der Gesellschaft verstanden, das einen p\u00e4dagogischen Auftrag hat. Der Auftrag ergibt sich aus Gesetzestexten, Lehrpl\u00e4nen usw. aber auch aus Erwartungen von Eltern, Wissenschaftlern usw., die in Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Transformation diesen Auftrag neu formulieren und positionieren (vgl. Wiater 2006 S.108).<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich, dass sich auch die Anforderungen an einen Lehrers aufgrund des p\u00e4dagogischen Auftrags stets im Wandel sind. Damit man einer \u00dcberforderung durch den Wandel der Berufsanforderungen entgehen kann, ist die best\u00e4ndige Arbeit an den berufspezifischen Kompetenzen unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p>3.3.3 Die Interpretation von Therapie und Pr\u00e4vention bei Burnout<\/p>\n<p>Burnout als subjektiver Verarbeitungsprozess objektiver Belastungssituationen, weist bei der Entstehung und Verarbeitung eines Burnout-Prozesses, stets auf eine Wechselwirkung pers\u00f6nlicher und umweltlicher Faktoren hin. Diese Wechselwirkung ist auch in besonderem Ma\u00df bei der Therapie und Pr\u00e4vention zu ber\u00fccksichtigen. Zum einen muss gefragt werden, welchen Burnout-bedingenden Faktoren eine Person w\u00e4hrend der Arbeit ausgesetzt ist, andererseits welche Ressourcen bzw. ung\u00fcnstigen Dispositionen die Person mitbringt.<\/p>\n<p>In Bezug auf die Therapie wird daraus deutlich, dass die Therapie individuell auf den Patienten zugeschnitten sein muss, um einen individuellen Burnout-Prozess bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei einer Therapie von Burnout, muss zuerst ber\u00fccksichtigt werden, in welchem Stadium eines Burnout-Prozesses sich der Patient befindet. In anf\u00e4nglichen Stadien gen\u00fcgt es h\u00e4ufig, w\u00e4hrend der Therapie Entspannungstechniken durchzuf\u00fchren und das Stressmanagement des Patienten zu schulen. Wohingegen in sp\u00e4teren Phasen eine Kombination aus psychotherapeutischen Verfahren, wie etwa Psychoanalyse und Verhaltenstherapie notwendig sind. Die Symptome terminaler Burnout-Stadien \u00e4hneln stark denen einer Depression. Analog dazu verlangt auch die Behandlung, je nach Einzelfall, eine Kombination verschiedener Therapieformen. Bei schwersten depressiven Zust\u00e4nden, die bis zu Suizidgedanken reichen, ist eine Medikation notwendig<\/p>\n<p>(vgl. Anlage: Experteninterview, S.103f).<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich, dass auch die Therapie individuell ablaufen muss, um erfolgreich zu sein, weil auch die Entstehung und der Verlauf von Burnout subjektiv sind. Denn ab wann Belastungssituationen das Selbstkonzept angreifen, h\u00e4ngt von den individuellen Dispositionen uns Kompetenzen ab, die teils genetisch und teils durch Sozialisation entstanden sind (s.2.2.2). Der Patienten muss da abgeholt werden, wo er steht.<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, handelt es sich bei Therapiema\u00dfnahmen gleichzeitig um eine Pr\u00e4vention, wobei es sich hierbei um eine sekund\u00e4re oder terti\u00e4re Pr\u00e4vention handelt (s. 3.3.2). W\u00e4hrend jeder Therapie von Burnout soll die Einsicht vermitteln werden, dass krankmachende Prozesse vom Patienten selbst erkannt werden k\u00f6nnen und er dadurch entsprechende Ma\u00dfnahmen treffen kann:<\/p>\n<p><em>\u201eWie k\u00f6nnen Sie sich selber helfen, wie k\u00f6nnen Sie erkennen, dass Sie hier in das Burnout hineinrutschen?\u201c <\/em>(Experteninterview: s. Anlage).<\/p>\n<p>Das bedeutet bereits w\u00e4hrend der Therapie wird versucht, dem Patienten Ressourcen zur Verf\u00fcgung zu stellen, damit er in Zukunft besser mit seinen individuellen Belastungssituationen umgehen kann. Diese Ressourcen sind zum Teil Ma\u00dfnahmen zur besseren Stressbew\u00e4ltigung (z.B. Zeitmanagement, Kommunikationsf\u00e4higkeit usw.) aber auch Anst\u00f6\u00dfe, die einen Realit\u00e4tsbezug herstellen sollen (vgl. Experteninterview: s. Anlage).<\/p>\n<p>Im Kontext der Arbeit, liegt die Interpretation nahe, dass diese Pr\u00e4ventions-ma\u00dfnahmen Kompetenzen f\u00fcr eine gesundheitsf\u00f6rderliche Selbstdarstellung liefern. Im Rahmen der Therapie soll der Patient lernen, dass es legitim ist \u201enein\u201c zu sagen, auch im Hinblick auf sein Selbstkonzept. Hierdurch sollen sozialisierte Selbstkonstruktionen, die in selbstsch\u00e4digendem Ma\u00dfe danach verlangen, f\u00fcr alles zust\u00e4ndig zu sein und stets leistungsorientiert zu arbeiten, so modifiziert werden, dass sie gesundheitsf\u00f6rderlich werden. Die Arbeit in Therapie und Pr\u00e4vention im Allgemeinen, ist jedoch auch immer eine Zuschreibung fehlender Handlungs-f\u00e4higkeit. Daraus folgt, dass nach einer Intervention mehr Selbstkontrolle und Verantwortungs\u00fcbernahme vom Patienten verlangt wird. Jede Intervention verfolgt ein Ziel, das an Normen orientiert ist. Beispielsweise definiert die Verwendung eines Therapieansatzes gleichzeitig die Ursachen und den L\u00f6sungsweg (vgl. Anlage: Experteninterview). W\u00e4hrend nach psychoanalytischer Sicht eher innere Konflikte als urs\u00e4chlich f\u00fcr entstandene Probleme betrachtet werden, sind nach verhaltenstherapeutischer Perspektive eher Stresssituationen und deren kognitive Verarbeitung Ursache der Problematik. Letztlich stellt bereits die Zuschreibung einer Burnout-Gef\u00e4hrdung die Handlungsf\u00e4higkeit des Betroffenen in Frage. Auch wenn die Diagnose, unter Burnout zu leiden gesellschaftlich akzeptabler ist, als an einer Depression erkrankt zu sein (z.B. Aufgrund einer externalen Attribution: die Arbeitsumst\u00e4nde sind Schuld), ist die Diagnose dennoch ein Angriff auf eigenen Identit\u00e4t (vgl. Anlage: Experteninterview).<\/p>\n<p>Die Anforderungen an die \u201esoziale Identit\u00e4t\u201c k\u00f6nnen von der \u201epersonalen Identit\u00e4t\u201c nicht mehr erf\u00fcllt werden. Die permanente Inkompatibilit\u00e4t f\u00fchrt dazu, dass man nicht mehr ist, wer man eigentlich sein wollte und damit zur \u201eImplosion des Selbst\u201c (Hansch 2003 S.119).<\/p>\n<p><strong>4. <\/strong><strong>Schlusskapitel: Zusammenfassung und pers\u00f6nliche Sicht<\/strong><\/p>\n<p>Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema: Burnout und Selbstdarstellung. Dabei werden Burnout-Prozesse als subjektive Verarbeitungsprozesse objektiver Belastungssituationen aufgefasst.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurden Entstehungsfaktoren von Burnout im Zusammenhang mit Selbstdarstellung betrachtet. Dabei zeigt sich ein hierarchischer Aufbau der Entstehungsfaktoren bei einer Bournouterkrankung: Zuerst wurde der Zusammenhang von unreflektierter Berufswahl und den daraus resultierenden Rollenbelastungen, als ausl\u00f6sendes Moment von Burnout dargelegt (s. 3.1.1). Im n\u00e4chsten Schritt wurde der daraus resultierende Stress und dessen Bew\u00e4ltigung als Entstehungsfaktor von Burnout diskutiert. Die Ausf\u00fchrungen zeigen, dass der individuelle Prozess der Stressbew\u00e4ltigung von sozialisierten Kompetenzen abh\u00e4ngig ist, um erfolgreich zu sein.<\/p>\n<p>Im Anschluss daran wurde der erlebte Kontrollverlust als Folge misslungener Stressbew\u00e4ltigung dargestellt. Hierbei wurden subjektive Verarbeitungsprozesse und deren Auswirkung auf das Selbstkonzept und herausgestellt.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Kapitel thematisiert den Verlauf und die Folgen von Burnout in Bezug auf das Selbstkonzept. Zun\u00e4chst wurde die Burnout-Symptomatik nach Burisch vorgestellt und im Anschluss daran wurde ein Gro\u00dfteil der Burnout-Symptome als Bew\u00e4ltigungsversuche interpretiert. Im weiteren Verlauf der Arbeit wurden Dehumanisierung und Stigmatisierung, als Selbstdarstellungsverhalten betrachtet.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend wurden Interventionsma\u00dfnahmen, sowie die Pr\u00e4vention von Burnout in einem gemeinsamen Kapitel behandelt. Dabei wurde das Inklusionsverh\u00e4ltnis von Intervention und Pr\u00e4vention ber\u00fccksichtigt. Als Interventionsma\u00dfnahmen wurden Coaching, die Verhaltenstherapie und verschiedne Entspannungstechniken vorgestellt. Diese wurden hinsichtlich ihres geeigneten Einsatzzeitpunktes und ihrer Effektivit\u00e4t diskutiert.<\/p>\n<p>Der zweite Teil dieses Kapitels, hatte die Pr\u00e4vention von Burnout zum Thema. Unter diesem Aspekt wurde die pr\u00e4ventive Wirkung der Berufswahl und der pers\u00f6nlichen Ressourcen dargestellt.<\/p>\n<p>In einem dritten Schritt wurden Intervention und Pr\u00e4vention hinsichtlich der Auswirkungen auf das Selbstkonzept und der Selbstdarstellung diskutiert. Dabei wurde auf das von mir durchgef\u00fchrte Experteninterview Bezug genommen. Es wurde Dabei dargelegt, dass jede Therapie und Pr\u00e4vention von Burnout individuell auf den Betroffenen zugeschnitten sein muss, um erfolgreich zu sein.<\/p>\n<p>Aus meiner pers\u00f6nlichen Sicht und im Zusammenhang mit den bisherigen Ausf\u00fchrungen, offenbaren sich Zw\u00e4nge und Chancen f\u00fcr das Individuum in Bezug auf Burnout.<\/p>\n<p>Der lebenslangen Aufgabe, eine \u201ehandlungsf\u00e4hige Pers\u00f6nlichkeit\u201c zu werden und dauerhaft zu bleiben, muss sich jedes Individuum stellen (Hurrelmann 2002 S.15). Diese Entwicklung, vollzieht sich in Abh\u00e4ngigkeit von gesamtgesellschaftlichen Strukturen und Normen. Die gesellschaftlichen Teilsysteme (z.B. Organisationen, Sozialisationsinstanzen, Wirtschaft, Wiisenschaft usw.) verk\u00f6rpern diese Normen und haben Einfluss auf die Verantwortung des Einzelnen, die zugeschriebenen Anforderungen zu erf\u00fcllen. Beispielsweise muss ein Sch\u00fcler die ihm zuge-schriebenen, geforderten Leistungen erbringen, um das Klassenziel zu erreichen. Kann er die Anforderungen nicht erf\u00fcllen, muss er aufgrund seiner mangelnden Handlungsf\u00e4higkeit mit Sanktionen rechen. Zum einen in Form von sozialen Sanktionen in Form von Missbilligung, zum anderen durch formale Sanktionen, wie z.B. durch das faktische \u201eSitzenbleiben\u201c.<\/p>\n<p>Die Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung des Sch\u00fclers ist an die Bew\u00e4ltigung altersspezifischer Entwicklungsaufgaben gekoppelt.<\/p>\n<p>Er arbeitet damit an seiner Person.<\/p>\n<p>Diese gestaltete Pers\u00f6nlichkeit orientiert sich an den gesellschaftlichen Normen, die nach au\u00dfen pr\u00e4sentiert werden. Die st\u00e4ndige Arbeit an der eigenen Pers\u00f6nlichkeit st\u00f6\u00dft die Entwicklung einer \u201eIch-Identit\u00e4t\u201c an (s.2.1.1). Diese Entwicklung ist die Vorraussetzung daf\u00fcr, ein handlungsf\u00e4higes Subjekt zu werden (vgl. Hurrelmann 2002 S.35ff), d.h. man muss sich bei seiner Pers\u00f6nlichkeits-entwicklung an den zugeschriebenen Erwartungen die an Handlungsf\u00e4higkeit gestellt werden, um selbst handlungsf\u00e4hig zu sein.<\/p>\n<p>Die Arbeit an der eigenen Person steht in einem Spannungsverh\u00e4ltnis zu den gesellschaftlichen Normen, die dem Individuum Verantwortlichkeit zusprechen. Beispielsweise ver\u00e4ndern gesellschaftliche Umbr\u00fcche das Ma\u00df der erwarteten Verantwortlichkeit, um \u00fcberhaupt handlungsf\u00e4hig zu sein.<\/p>\n<p>In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und der Weltwirtschaftskrise ist das Individuum gezwungen, die anstehenden Belastungen zu \u00fcberstehen, um nicht auf der Strecke zu bleiben. D.h. die Anforderungen an die berufliche Arbeit des Einzelnen &#8211; und damit auch an seine Handlungsf\u00e4higkeit &#8211; werden durch diese Umbr\u00fcche immer gewaltiger und unrealistischer. Es entsteht der Zwang besser als die Anderen zu sein:<\/p>\n<p><em>\u201eDer zweite ist bereits der erste Verlierer.\u201c (Experteninterview: s. Anlage).<\/em><\/p>\n<p>Aber auch die moderne Wettbewebsorientierung in der Arbeitswelt fordert zunehmend mehr Flexibilit\u00e4t und Mobilit\u00e4t von den Erwerbst\u00e4tigen. Diese Problematik, die sich aus den Forderungen ergibt, setzt das Individuum stark unter Druck, an sich selbst zu arbeiten. Der amerikanische Soziologe Richard Sennett beschreibt diesen Zusammenhang folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<p><em>\u201eIn der Moderne \u00fcbernehmen die Menschen Verantwortung f\u00fcr ihr Leben, da sie es ganz als ihre Leistung betrachten. Aber wenn diese ethische Kultur der Moderene mit ihrer Semantik der pers\u00f6nlichen Verantwortlichkeit und des pers\u00f6nlichen Lebenserfolges in eine Gesellschaft ohne institutionellen Schutz \u00fcbertragen wird, zeigt sich dort nicht Stolz auf das eigene Selbst, sondern eine Dialektik des Versagens inmitten von Wachstum.\u201c<\/em><\/p>\n<p>(Sennett 1998, zitiert nach B\u00fcrsenmeister, 2007 S.323).<\/p>\n<p>Neben den hohen Anforderungen der Arbeitswelt an die Handlungsf\u00e4higkeit des Einzelnen, sind nach Einsch\u00e4tzung des franz\u00f6sischen Soziologen Alain Ehrenberg, auch andere Faktoren Ursache der \u201eKrise des Selbst\u201c.<\/p>\n<p>In seinem Buch: \u201eDas ersch\u00f6pfte Selbst\u201c beschreibt er die Entwicklung von der Neurose zur Depression, als gesellschaftlich weitverbreitete Diagnose, die mit einer Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen Zw\u00e4nge und der Zuschreibung von Verantwortung einhergeht. Er zeigt auf, dass die Forderungen der Gesellschaft-lichen Emanzipation seit den 60er Jahren, von weniger institutionellen und gesellschaftlichen Zw\u00e4ngen und mehr Autonomie sich in eine andere Richtung Entwickelten (vgl. Ehrenberg 2008, S.297f).<\/p>\n<p><em>\u201eW\u00e4hrend gesellschaftliche Zw\u00e4nge zur\u00fcckgegangen sind, haben die psychischen Zw\u00e4nge den gesellschaftlichen Schauplatz erobert: Emanzipation und Aktion weiten die individuelle Verantwortung \u00fcberm\u00e4\u00dfig aus, sie sch\u00e4rfen das Bewusstsein daf\u00fcr, nur man selbst zu sein.\u201c <\/em> (Ehrenberg 2008, S.298)<\/p>\n<p>Das Resultat ist sozusagen eine modifizierte Vorstellung von Identit\u00e4t. Einerseits ist man in seiner Identit\u00e4tsarbeit befreiter von gesellschaftlichen Zw\u00e4ngen, andererseits wird das Individuum in immer gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe f\u00fcr sein Handeln verantwortlich gemacht.<\/p>\n<p>Durch die gesteigerte Verantwortlichkeit muss das Individuum, in allen Lagen des Lebens versuchen, seine Identit\u00e4t zu bewahren. Nach Ehrenberg ist die Folge dieser Entwicklung ein h\u00e4ufigeres Auftreten von Depression.<\/p>\n<p>Die gesteigerte Verantwortlichkeit, eine eigenst\u00e4ndige und gleichzeitig handlungsf\u00e4hige Person zu werden, steht auch mit der Burnout-Problematik in Zusammenhang, indem Burnout die Pr\u00e4sentation einer selbstverschuldeten, mangelnden Handlungsf\u00e4higkeit darstellt.<\/p>\n<p>Neben den vorgestellten Zw\u00e4ngen, die zu Burnout f\u00fchren k\u00f6nnen, erh\u00e4lt eine Person durch Burnout gleichzeitig die Chance sich zu rehabilitieren. Durch die entstandene \u201eKrise des Selbst\u201c erh\u00e4lt der Betroffene auch die M\u00f6glichkeit, einer Neuorientierung und einer Neu-Definition seiner \u201epersonalen Identit\u00e4t\u201c. Die Person \u00fcberwindet nicht nur die Krise, sondern geht gest\u00e4rkt aus ihr hervor. Beispielsweise kann eine Person, nach einer Rehabilitation von Burnout durch einen Berufs-wechsel die neue \u201epersonale Identit\u00e4t\u201c in die \u201esoziale Identit\u00e4t\u201c integrieren. Im gelingenden Fall entsteht dann eine ausbalancierte \u201eIch-Identit\u00e4t\u201c und folglich die M\u00f6glichkeit, ein handlungsf\u00e4higes Subjekt zu sein.<br \/>\n<!--nextpage--><br \/>\n<strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Literatur:<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong>Beitel, Erhardt\/K\u00f6rner, Birgit: <\/strong>Ver\u00e4nderung des Selbstkonzeptes durch Autogenes Training, Sonderdruck aus: Zeitschrift f\u00fcr klinische Psychologie, Band 11, Heft 1, G\u00f6ttingen: Hogrefe, 1982, S.1-15<\/p>\n<p><strong>Bernger, Thomas:<\/strong> Burnout-Pr\u00e4vention: Das 9-Stufen-Programm zur Selbsthilfe,<\/p>\n<p>2.Aufl. Stuttgart: Schattauer, 2009<\/p>\n<p><strong>Bohnsack, Ralf: <\/strong>Interaktion und Kommunikation, in Hermann Kotre\/Sch\u00e4fers Bernhardt (Hrsg.): Einf\u00fchrung in die Hauptbegriffe der Soziologie, 3.Aufl. Opladen: Leske und Budrich, 1995<\/p>\n<p><strong>Br\u00fcsenmeister, Thomas: <\/strong>Das \u00fcberfl\u00fcssige Selbst &#8211; Zur Dequalifizierung des Charakters im neuen Kapitalismus nach Richard Sennett, in Uwe Schimank\/Volkmann Ute (Hrsg.): Soziologische Gegenwartsdiagnosen 1: eine Bestandsaufnahme, 2.Aufl. Wiesbaden: VS, 2007<\/p>\n<p><strong>Burisch, Matthias:<\/strong> Das Burnout Syndrom: Theorie der inneren Ersch\u00f6pfung, 3.Aufl. Heidelberg: Springer, 2006<\/p>\n<p><strong>Dausend, Peter: <\/strong>Frage: 7. Darf ich Schimpfworte benutzen, wenn mein Kind dabei ist? in, ZEITmagazin: Elternknigge, S.28, 25.02.2010<\/p>\n<p><strong>Edelmann, Walter: <\/strong>Lernpsychologie, 6.Aufl. Weinheim, 2000<\/p>\n<p><strong>Edelwich\/Brodsky: <\/strong>Ausgebrannt &#8211; Das \u201eBurn-out\u201c Syndrom in den Sozialberufen, Salzburg: AVM-Verlag, 1984<\/p>\n<p><strong>Ehrenberg, Alain: <\/strong>Das ersch\u00f6pfte Selbst: Depression und Gesellschaft in der Gegenwart, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008<\/p>\n<p><strong>Enzmann, Dirk: <\/strong>Gestre\u00dft, ersch\u00f6pft oder ausgebrannt? Einfl\u00fcsse von Arbeitssituation, Empathie und Doping auf den Arbeitsprozess, M\u00fcnchen; Wien: Profil, 1996<\/p>\n<p><strong>Faltmaier, Toni:<\/strong> Gesunheitspychologie, Stuttgart: Kohlhammer, 2005<\/p>\n<p><strong>Furnham, Adrian: <\/strong>50 Schl\u00fcsselideen Psychologie, Heidelberg: Springer, 2010<\/p>\n<p><strong>Kaufmann, Erving:<\/strong> Wir alle spielen Theater: Die Selbstdarstellung im Alltag,<\/p>\n<p>5. Aufl. M\u00fcnchen: Piper, 2007<\/p>\n<p><strong>Hansch, Dietmar: <\/strong>Erste Hilfe f\u00fcr die Psyche: Selbsthilfe und Psychotherapie, Die wichtigsten Therapieformen, Fallbeispiele und L\u00f6sungsans\u00e4tze, Heidelberg: Springer Verlag, 2003<\/p>\n<p><strong>Hedderich, Ingeborg:<\/strong> Burnout: Ursachen, Formen, Auswege, M\u00fcnchen: C.H. Beck, 2009<\/p>\n<p><strong>Hoffmann, Eveline\/K\u00fcng, Patrizia\/Leuenberger, Marlis: <\/strong>Ausgebrannt und abgeschrienen? &#8211; Das Burnout- Syndrom in der Sozialarbeit: Eine empirische Untersuchung bei betroffenen Sozialarbeitern, Bern: Sozialwissenschaftlicher Fachverlag, 2005<\/p>\n<p><strong>H\u00fcbner, G\u00fcnther: <\/strong>Burnout: Neue Impulse f\u00fcr die Forschung und Praxis, Lenzkirch: Lenzkircher Verl.-Buchh., 2009<\/p>\n<p><strong>Hurrelmann, Klaus: <\/strong>Einf\u00fchrung in die Sozialisationstheorie, 9.Aufl. Weinheim und Basel: Belz 2006<\/p>\n<p><strong>Jerusalem, Matthias:<\/strong> Pers\u00f6nliche Ressourcen, Vulnerabilit\u00e4t und Stre\u00dferleben, G\u00f6ttingen: Hogrefe, 1990<\/p>\n<p><strong>Keup, Heiner:<\/strong> Identit\u00e4t, in Farzin, Sina\/Jordan, Stefan<strong>: <\/strong>Lexikon: Soziologie und Sozialtheorie: Hundert Grundbegriffe, Stuttgart: Reclam, 2008, S.107-110<\/p>\n<p><strong>Lattermann, Karin: <\/strong>Selbstdarstellung und Befindlichkeit. Eine qualitative Analyse des Zusammenhangs von authentischer Selbstdarstellung und Wohlbefinden. Diplomarbeit, Otto-Friedrich-Universit\u00e4t Bamberg.<\/p>\n<p><strong>Lipp, Wolfgang<\/strong>: Stigma und Charisma: \u00dcber soziales Grenzverhalten, W\u00fcrzburg: Ergon Verlag, 2010<\/p>\n<p><strong>Lohaus, Peter<\/strong>: Moderne Identit\u00e4t und Gesellschaft: Theorien und Konzepte, Opladen: Leske u. Budrich, 1995<\/p>\n<p><strong>Mieg, Harald A.\/N\u00e4f, Matthias:<\/strong> Experteninterviews, 2.Aufl. ETH Z\u00fcrich: Institut f\u00fcr Mensch-Umwelt-Systeme (HES), ETH Z\u00fcrich.<\/p>\n<p><strong>Meyer, Peter C.: <\/strong>Rollenkonfigurationen, Rollenfunktionen und Gesundheit: Zusammenh\u00e4nge zwischen sozialen Rollen, sozialem Stress, Unterst\u00fctzung und Gesundheit, Opladen: Leske und Budrich 2000<\/p>\n<p><strong>Mummendey, Hans-Dieter: <\/strong>Psychologie der Selbstdarstellung 2.Aufl. G\u00f6ttingen Hogrefe-Verlag, 1995<\/p>\n<p><strong>Rook, Marion: <\/strong>Theorie und Empirie in der Burnout-Forschung: eine wissenschaftstheoretische und inhaltliche Standortbestimmung, Hamburg: Kovac, 1998<\/p>\n<p><strong>Schaarschmidt, Uwe:<\/strong> Halbtagsjobber? Psychische Gesundheit im Leherberuf &#8211; Analyse eines ver\u00e4nderungsbed\u00fcrftigen Zustandes, 2.Aufl. Weinheim und Basel: Belz, 2005<\/p>\n<p><strong>Schaarschmidt, Uwe:<\/strong> Bew\u00e4ltigungsmuster im Beruf: Pers\u00f6nlichkeitsunterschiede in der Auseinandersetzung mit der Arbeitsbelastung, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 2001<\/p>\n<p><strong>Schmieta, Maike: <\/strong>Die Relevanz von Pers\u00f6nlichkeitsmerkmalen und beruflichen Einstellungen bei der Entwicklung von Burnout; ein Vergleich zwischen Beratungslehrern und Lehrern ohne Zusatzausbildung, Hamburg: Kovac, 2001<\/p>\n<p><strong>Sch\u00fctz, Astrid<\/strong>: Selbstdarstellung von Politikern: Analyse von Wahlkampfauftritten\/Astrid Sch\u00fctz, Weinheim: Deutscher Studien Verlag, 1992<\/p>\n<p><strong>Simon, Bernd\/Tr\u00f6tschel, Roman:<\/strong> Das Selbst und die soziale Identit\u00e4t, in K. Jonas\/W. Stoebe\/ M. Hewstone (Hrsg..): Sozialpsychologie: Eine Einf\u00fchrung, 5.Aufl. Heidelberg: Springer, 2007, S.148-184<\/p>\n<p><strong>Spielhagen, Caroline:<\/strong> Selbstdarstellung und Wohlbefinden: Zusammenh\u00e4nge und F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten, Frankfurt am Main: Lang, 2005<\/p>\n<p><strong>Tillmann, Klaus-J\u00fcrgen<\/strong>: Sozialisationstheorien: Eine Einf\u00fchrung in den Zusammenhang von Gesellschaft, Institution und Subjektwerdung 10. Aufl. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuchverlag, 2000<\/p>\n<p><strong>Tugendhat, Ernst: <\/strong>Die Rolle der Identit\u00e4t in der Konstruktion von Moral, in Gertrud Nunner-Winkler\/Edelstein Wolfgang (Hrsg.): Moral und Person, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1993, S.33-47<\/p>\n<p><strong>Weber, Andreas: <\/strong> Das Burnout-Syndrom &#8211; eine Krankheit moderner Gesellschaften?, in Weber A.\/ H\u00f6rmann G.: Psychosoziale Gesundheit im Beruf, Stuttgart: Gentner, 2008, S.74-89<\/p>\n<p><strong>Wiater, Werner: <\/strong>Theorie der Schule: Pr\u00fcfungswissen &#8211; Basiswissen Schulp\u00e4dagogik, 2.Aufl. Donauw\u00f6rth: Auer, 2006<\/p>\n<p><strong>Wiswede, G\u00fcnter: <\/strong>Rollentheorie, Stuttgart: Kohlhammer, 1977<\/p>\n<p><strong>Internetqellen:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Faber\/Leseborg\/Prem\/Weidlich\/Zimmermann:<\/strong> Burnout und Stress: Bew\u00e4ltigungsstrategien und deren theoretische und praktische Anwendung aus sportwissenschaftlich-gesundheitspsychologischer Sicht: Abschlussarbeit in der VU Gesundheitspsychologie: Universit\u00e4t Wien, 2005, aus HYPERLINK<strong> :<\/strong><\/p>\n<p><strong> 18.09.2010<\/strong><\/p>\n<p>Lahmer, Cornelia: Progressive Muskelentspannung nach Edmund Jacobson: Eine Einf\u00fchrung, aus HYPERLINK:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.progressive-muskelentspannung.de\/\">http:\/\/www.progressive-muskelentspannung.de<\/a>\/ 19.09.2010<br \/>\n<!--nextpage--><br \/>\nAnlage Experteninterview:<\/p>\n<p>Das Experteninterview hat zum Ziel, erfahrungsgest\u00fctzes Wissen eines Experten zu sammeln und in Bezug auf eine Forschungsfrage zu interpretieren (vgl. Mieg 2005). Im Kontext der Arbeit wurde die subjektive Verarbeitung von Burnout als Grundlage f\u00fcr das Experteninterview genommen. Der Leitfaden wurde nach der Hypothese erstellt, dass individuelle und subjektive Faktoren bei der Entstehung, Therapie und Pr\u00e4vention eine entscheidende Rolle spielen und deshalb jede Therapie individuell sein muss. Die Ergebnisse des Interviews wurden anschlie\u00dfend im Hinblick auf die Hypothese ausgewertet und im n\u00e4chsten Schritt im Zusammenhang mit den bisherigen Ergebnissen interpretiert (s. 3.3.3).<\/p>\n<p>Interview-Leitfaden:<\/p>\n<p>Datum: 19.08.2010 Ort: Bad W\u00f6rishofen, Praxis des Experten<\/p>\n<p>Person: Dr. med. Georg Stiegler<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtige Position\/Funktion:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00c4rztlicher Leiter der Privatklinik f\u00fcr Naturheilverfahren, Kneiftherapie und Psychotherapie: Sanatorium Dr. Fehrenbach<\/li>\n<li>Psychotherapeut<\/li>\n<li>Notfallarzt<\/li>\n<li>Badearzt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fragen:<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnungsfrage: Seit Wann besch\u00e4ftigen sie sich mit der Therapie und Pr\u00e4vention von Burnout?<\/p>\n<ol>\n<li>Burnout wird in vielen theoretischen Modellen als Zusammenspiel von Umwelt- Personenfaktoren gesehen. Welche Faktoren sind ihrer Erfahrung nach ausschlaggebend?<\/li>\n<li>Welche Therapieformen halten Sie, in Bezug auf Burnout, f\u00fcr besonders geeignet?<\/li>\n<li>Inwieweit ist Pr\u00e4vention und Therapie voneinander abgrenzbar?<\/li>\n<li>Wie werden Pr\u00e4ventionsformen zusammen angewandt?<\/li>\n<li>Welche Ressourcen werden bei der Pr\u00e4vention von Burnout ber\u00fccksichtigt?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Transskript:<\/p>\n<p>Interviewer: \u201eWelche Therapieformen halten sie (jetzt) in Bezug auf Burnout f\u00fcr besonders geeignet?\u201c<\/p>\n<p>Antwort des Experten:<\/p>\n<p>\u201eDas ist nat\u00fcrlich eine der schwierigsten Fragen \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>&#8230; Es kommt nur hier darauf an: welchen Theorieansatz hat jemand?<\/p>\n<p>Wenn man dann mal reinschaut &#8211; das Internet ist gerade angesprochen worden &#8211; was unter Burnout-Therapie alles l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Und da geht es ja z.B. an: von Eisensubstitution, jeder Eisenmangel macht die gleichen Symptome wie Burnout.<\/p>\n<p>&#8230; Das ganze organische, auch eine Schilddr\u00fcdenunterfunktion f\u00fchrt zu Burnout.<\/p>\n<p>Das es &#8211; glaube ich &#8211; ganz wichtig ist auch die organische Seite mal abzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ist da irgendetwas an Organsymtomatik da, das auch so eine &#8230; diese ganzen Symptome erkl\u00e4ren k\u00f6nnte. Und dann schaut eine Therapie nat\u00fcrlich ganz anders aus.<\/p>\n<p>&#8230;. Und wenn ich das erstmal abgekl\u00e4rt habe kommt es nat\u00fcrlich darauf an: welchen Ansatz habe ich?<\/p>\n<p>Was allgemein &#8211; glaube ich &#8211; als g\u00fcnstig angesehen ist, ist alles was verhaltenstherapeutisch, diese kognitive Verhaltenstherapie.<\/p>\n<p>Es gibt ja auch inzwischen ganz gute Studien dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Es kommt nat\u00fcrlich auch immer darauf an: in welchem Stadium des Burnout befinde ich mich?<\/p>\n<p>Ist es wirklich, so mehr am Anfangsstadium, wo ich sehr psychoedukativ &#8230; vorgehen kann, wo ich erz\u00e4hlen kann, wo ich mehr wie ein Lehrer \u00fcber das Burnout spreche kann.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich auch Entspannungstechniken oder auch Stressmanagement anbieten kann.<\/p>\n<p>Oder bin ich in dem Vollbild des Burnout, was glaube ich auch schon allgemein als Depression &#8230; In solchen h\u00f6heren Phasen auch angegeben wird.<\/p>\n<p>Dann habe halt eine klassische Depressionsbehandlung. Was dahin geht, dass ich manchmal auch Medikamente brauche.<\/p>\n<p>&#8230; Aber das schwierigste glaube ich ist bei diesen Therapien auch immer, ganz klar eine Diagnostik zu machen.<\/p>\n<p>&#8230; Und deswegen glaube ich das auch so schwierig, hier nat\u00fcrlich auch vom therapieren her: An welchem Punkt hole ich den Patienten ab?<\/p>\n<p>Wo erreiche ich den?<\/p>\n<p>Wir im Sanatorium, wir haben auch wirklich oft dieses Vollbild.<\/p>\n<p>Wo wirklich schwerste depressive Zust\u00e4nde, bis hin zu Suizidgedanken dar sind.<\/p>\n<p>&#8230; Manchmal bleibt auch letztendlich nur eine Bereitung \u00fcbrig. Und das unterscheiden nat\u00fcrlich die Therapie in den unterschiedlichen Stadien.\u201c<\/p>\n<p>Interviewer: \u201eOk, kann man dann zusammenfassend sagen: Die Therapie muss immer (einmal) individuell sein, muss den K\u00f6rper und Geist Zusammenhang ber\u00fccksichtigen und meistens ist es dann auch ne Kombination und nicht nur eine, einseitige Therapie.\u201c (Experte nickt).<\/p>\n<p>Experte: \u201e Und ich denke man sollte das auch ein bisschen nach den Stadien&#8230;<\/p>\n<p>man sollte immer schauen: Wo hole ich den Patienten ab?<\/p>\n<p>Und wenn ich den nat\u00fcrlich mehr noch am Anfangsstadium abhole, dann geht es wirklich darum: Stressmanagement, Zeitmanagement.<\/p>\n<p>&#8230; Wie geht das noch am Arbeitsplatz? Wie kann der noch etwas delegieren?<\/p>\n<p>Aber wenn ich den nat\u00fcrlich dann im Endstadium oder h\u00f6herem Stadium (abhole),<\/p>\n<p>dann geh\u00f6rt auch der Psychotherapeut oder Psychiater her. W\u00e4hrend am Anfang, ich glaube da kann recht gut auch noch der Yogalehrer oder Qui-Gong Lehrer &#8211; oder eben so jemand &#8211; sehr effektive Hilfe &#8230; anbieten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Burnout und Selbstdarstellung Direktlink zum Download der PDF-Datei &gt;&gt;&gt; Burnout und Selbstdarstellung Vorbemerkung: Quelle: Zulassungsarbeit im Studiengang Lehramt f\u00fcr berufliche Schulen, an der Otto-Friedrich-Universit\u00e4t Bamberg; Fakult\u00e4t Humanwissenschaften Verfasser: Johannes Wilczek (Korrektor: Prof.Dr. Dr. h.c. Claus M\u00fchlfeld) Information: Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung 4 2 Begriffskl\u00e4rung und theoretischer Hintergrund 7 2.1 Selbstdarstellung 7 2.1.1 Die Begriffe Selbst und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":25,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[294,108],"tags":[110,293,309],"class_list":["post-1735","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-burn-out-therapie","category-burnout","tag-burn-out","tag-burn-out-therapie","tag-diplomarbeit"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Burnout und Selbstdarstellung - Diplomarbeit<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Diplomarbeit von Johannes Wilczek zum Thema Burnout und Selbstdarstellung.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html\" \/>\n<link rel=\"next\" href=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html\/2\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Johannes Wilczek\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"115\u00a0Minuten\" \/>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Burnout und Selbstdarstellung - Diplomarbeit","description":"Diplomarbeit von Johannes Wilczek zum Thema Burnout und Selbstdarstellung.","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html","next":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html\/2","twitter_misc":{"Verfasst von":"Johannes Wilczek","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"115\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"Article","@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html#article","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html"},"author":{"name":"Johannes Wilczek","@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/#\/schema\/person\/34ada7352ad9cc9f2eed8f6bc1f5a1fc"},"headline":"Burnout","datePublished":"2018-03-05T14:37:12+00:00","dateModified":"2018-10-02T12:07:44+00:00","mainEntityOfPage":{"@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html"},"wordCount":22984,"publisher":{"@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/#organization"},"image":{"@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/panthermedia_02177695.jpg","keywords":["Burn-out","Burn-Out-Therapie","Diplomarbeit"],"articleSection":["Burn-Out-Therapie","Burnout"],"inLanguage":"de"},{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html","url":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html","name":"Burnout und Selbstdarstellung - Diplomarbeit","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/#website"},"primaryImageOfPage":{"@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html#primaryimage"},"image":{"@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/panthermedia_02177695.jpg","datePublished":"2018-03-05T14:37:12+00:00","dateModified":"2018-10-02T12:07:44+00:00","description":"Diplomarbeit von Johannes Wilczek zum Thema Burnout und Selbstdarstellung.","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html#primaryimage","url":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/panthermedia_02177695.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/panthermedia_02177695.jpg","width":266,"height":400},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/burnout-und-selbstdarstellung.html#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Blog","item":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Therapien","item":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/themen\/therapien"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"Burn-Out-Therapie"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/#website","url":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/","name":"Kurkliniken.de","description":"Der Blog f\u00fcr Kur, Reha und Gesundheits-Vorsorge.","publisher":{"@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/#organization","name":"Kurkliniken.de","url":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/kk-favicon-500x500pix.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/kk-favicon-500x500pix.jpg","width":500,"height":500,"caption":"Kurkliniken.de"},"image":{"@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/de-de.facebook.com\/rehacafe","https:\/\/x.com\/rehacafe","https:\/\/www.linkedin.com\/pub\/ralf-schlieper\/12\/13b\/b07","https:\/\/www.youtube.com\/user\/Rehacafe"]},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/#\/schema\/person\/34ada7352ad9cc9f2eed8f6bc1f5a1fc","name":"Johannes Wilczek"}]}},"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2027-09-10 16:08:37","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1735","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/25"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1735"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1735\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4408,"href":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1735\/revisions\/4408"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1735"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1735"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1735"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}