{"id":392,"date":"2025-12-10T12:06:20","date_gmt":"2025-12-10T11:06:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/?p=392"},"modified":"2025-12-10T14:35:01","modified_gmt":"2025-12-10T13:35:01","slug":"posttraumatische-belastungsstoerung-ptbs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/posttraumatische-belastungsstoerung-ptbs.html","title":{"rendered":"Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS) und Reha"},"content":{"rendered":"<h2>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS) &#8211; Erkrankung, Therapie und Reha<\/h2>\n<p>Die Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung, die durch ein belastendes Erlebnis ausgel\u00f6st wird. Betroffene leiden unter Angstzust\u00e4nden oder Schlafst\u00f6rungen. Oft erleben Sie das ausl\u00f6sende traumatische Ereignis in Gedanken immer und immer wieder. PTBS sollte stets therapiert werden. Eine Rehabilitation (Reha) kann bei der \u00dcberwindung helfen.<\/p>\n<div id=\"attachment_394\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/psychische-belastungsstoerung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-394\" class=\"wp-image-394 size-large\" src=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/psychische-belastungsstoerung-720x480.jpg\" alt=\"Foto eines Patienten, der eine posttraumatische Belastungsst\u00f6rung hat und bei einer Psychologin ist\" width=\"720\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/psychische-belastungsstoerung-720x480.jpg 720w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/psychische-belastungsstoerung-540x360.jpg 540w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/psychische-belastungsstoerung-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/psychische-belastungsstoerung-810x540.jpg 810w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/psychische-belastungsstoerung.jpg 849w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-394\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Patient, der eine posttraumatische Belastungsst\u00f6rung hat und bei einer Psychologin ist: In Einzelgespr\u00e4chen mit erfahrenen Therapeuten k\u00f6nnen Sie sich in der Reha alles \u201evon der Seele\u201c reden. Au\u00dferdem erlernen Sie verschiedene Techniken aus der Verhaltenstherapie, mit denen Sie das erlebte Trauma verarbeiten k\u00f6nnen. \u00a9 Photographee.eu \/ fotolia<\/p><\/div>\n<h2>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung: Allgemeines<\/h2>\n<p>Als Trauma bezeichnet man Situationen, die zu einer starken k\u00f6rperlichen oder psychischen Belastung f\u00fchren. Darunter fallen Naturkatastrophen, Unf\u00e4lle oder das Erleben von physischer oder psychischer Gewalt. Ereignisse, die in jedem Leben vorkommen (z. B. Tod von Angeh\u00f6rigen, Trennung vom Partner) sind damit nicht gemeint. PTBS kann sich bei Personen entwickeln, die direkt betroffen oder Zeuge der Ereignisse waren. Mindestens jeder zweite Mensch erlebt in seinem Leben ein Trauma. In L\u00e4ndern, in denen Krieg, Gewalt oder gro\u00dfe Armut herrschen sind es deutlich mehr. Das traumatische Erlebnis muss jedoch nicht immer zu einer PTBS f\u00fchren. In den USA <sup>(1)<\/sup> und Mitteleuropa entwickeln etwa acht Prozent aller Menschen einmal in ihrem Leben eine PTBS. Bei Gruppen, die besonders oft sehr belastende Erlebnisse haben (Polizisten, Fl\u00fcchtlinge, Soldaten, Rettungskr\u00e4fte), sind es bis zu 50 Prozent<sup> (2)<\/sup>. Auch Zug- und Stra\u00dfenbahnf\u00fchrer haben ein h\u00f6heres Risiko f\u00fcr PTBS, da sie h\u00e4ufig Unf\u00e4lle mit Personensch\u00e4den oder Selbstmordversuche miterleben.<\/p>\n<h2>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung: Ursachen<\/h2>\n<p>PTBS wird direkt durch das traumatische Erlebnis ausgel\u00f6st. Zu den Ursachen geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul>\n<li>K\u00f6rperliche oder psychische Gewalt in der Familie oder durch Kriminelle<\/li>\n<li>Missbrauch und Vergewaltigung<\/li>\n<li>Terroranschl\u00e4ge<\/li>\n<li>Kriegserlebnisse wie Folter, Vertreibung, Flucht, politische Gefangenschaft, Geiselnahme, Massenvernichtung<\/li>\n<li>Br\u00e4nde und Naturkatastrophen (Betroffene oder Helfer)<\/li>\n<li>Das Miterleben von Unf\u00e4llen oder Suizid<\/li>\n<li>Lebensbedrohliche Erkrankungen (zum Beispiel Krebs, Herzinfarkt, Behandlung auf der Intensivstation)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Erlebte ver\u00e4ndert f\u00fcr Betroffene nachhaltig ihr Selbst- und Weltverst\u00e4ndnis. Sie erfahren einen Kontrollverlust und f\u00fchlen sich in der Situation hilflos, \u00fcberfordert oder ver\u00e4ngstigt. Die PTBS stellt den Versuch des Gehirns dar, die Situation m\u00f6glichst unbeschadet zu \u00fcberwinden. Diese Reaktion ist ganz nat\u00fcrlich, besonders wenn es zu mehreren oder besonders schweren bzw. lang andauernden traumatischen Erlebnissen kommt. Auch psychisch v\u00f6llig gesunde Menschen k\u00f6nnen eine PTBS entwickeln. Durch eine Therapie l\u00e4sst sich die PTBS fast immer \u00fcberwinden.<\/p>\n<h2>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung: Erscheinungsbild \/ Symptome<\/h2>\n<p>Von akuten Belastungsreaktionen spricht man, wenn nach einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen k\u00f6rperlichen oder psychischen Belastung f\u00fcr einige Stunden oder Tage eine St\u00f6rung (\u00c4ngste, \u201eErstarrung\u201c, Desorientiertheit) auftritt. Eine posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS) entwickelt sich verz\u00f6gert, meist innerhalb weniger Wochen bis Monate nach dem Ereignis. Betroffene erleben das Trauma im Wachzustand nach bestimmten Schl\u00fcsselreizen oder in Tr\u00e4umen immer wieder (Flashback). Typisch sind auch Gef\u00fchle einer emotionalen Taubheit, Teilnahmslosigkeit und Freudlosigkeit. Dies wechselt ab mit Phasen von \u00dcbererregbarkeit, Gereiztheit und Aggressivit\u00e4t. Manche PTBS-Patienten k\u00f6nnen Situationen, die dem Trauma auch nur entfernt \u00e4hneln oder Erinnerungen daran ausl\u00f6sen, nicht mehr ertragen. Das kann die Lebensqualit\u00e4t und Mobilit\u00e4t stark einschr\u00e4nken. Das Risiko f\u00fcr k\u00f6rperliche Erkrankungen (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen), Suchterkrankungen, \u00c4ngste, Depressionen und Suizidgedanken steigt.<\/p>\n<h2>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung: Untersuchungen &amp; Diagnose<\/h2>\n<p>Bei Verdacht auf eine PTBS, werden Sie in der Regel zum Facharzt oder Psychologen \u00fcberweisen. Dort werden zun\u00e4chst die Symptome genau abgekl\u00e4rt. Dazu verwendet der Therapeut meist einen umfangreichen Fragebogen. Diese genaue Befragung ist n\u00f6tig, weil die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen wie Depressionen nicht einfach ist. Deshalb gibt es Kriterien, die zutreffen m\u00fcssen, damit man von einer PTBS spricht.<\/p>\n<p><strong>PTBS-Kriterien (nach ICD-10):<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Der Betroffene hat eine sehr belastende Situation (von au\u00dfergew\u00f6hnlicher Bedrohung oder katastrophalem Ausma\u00df) erlebt<\/li>\n<li>Es treten immer wieder Erinnerungen an das Erlebnis auf<\/li>\n<li>Der Betroffene vermeidet alle Umst\u00e4nde, die der belastenden Situation \u00e4hneln<\/li>\n<\/ul>\n<p>Au\u00dferdem trifft mindestens einer der folgenden Punkte zu:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Erinnerung an das Trauma-Erlebnis ist l\u00fcckenhaft oder nicht mehr vorhanden<\/li>\n<li>Es liegen mindestens zwei Symptome wie Schlafst\u00f6rungen, erh\u00f6hte Schreckhaftigkeit, Erregtheit, Konzentrationsschw\u00e4che, Reizbarkeit und Aggressivit\u00e4t vor.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung: Therapie &amp; Reha<\/h2>\n<p>Wenn die posttraumatische Belastungsst\u00f6rung fr\u00fchzeitig und umfassend behandelt wird, l\u00e4sst sie sich in der Regel \u00fcberwinden <sup>(3)<\/sup>. Erfahren Sie hier alles \u00fcber die Therapie und die Reha bei PTBS.<\/p>\n<h3>Die Therapie bei PTBS<\/h3>\n<p>Die wichtigste S\u00e4ule der Behandlung ist die Psychotherapie <sup>(4)<\/sup>. Dabei werden Sie zun\u00e4chst von Ihrem Arzt genau \u00fcber die Krankheit aufgekl\u00e4rt. Schritt f\u00fcr Schritt n\u00e4hern Sie sich dann dem traumatischen Erlebnis an. Manchmal ist es sinnvoll, den Betroffenen im Rahmen der Therapie kontrolliert mit dem Trauma zu konfrontieren. Das muss aber nicht sein, wenn die Belastung zu gro\u00df w\u00e4re. In jedem Fall erlernen Sie Strategien, mit denen Sie das Trauma \u00fcberwinden und Flashbacks (pl\u00f6tzlich aufflammende Erinnerungen) verhindern. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen Medikamente unterst\u00fctzend wirken. Bei leichteren F\u00e4llen reicht eine ambulante Therapie aus. Bei st\u00e4rker ausgepr\u00e4gten Formen kann ein Klinikaufenthalt notwendig sein. Eine Reha kann entweder f\u00fcr eine intensive Therapie oder f\u00fcr die Nachsorge und den Wiedereinstieg in den Alltag erforderlich sein.<\/p>\n<h3>Die Rehabilitation bei PTBS<\/h3>\n<p>Ein station\u00e4rer Aufenthalt in einer Rehaklinik kann Ihnen helfen, Ihr Trauma zu \u00fcberwinden. In einer Reha lernen Sie, die Kontrolle \u00fcber ungewollt auftretende Erinnerungen zu erlangen und das Trauma zu verarbeiten. Begleitende Symptome wie Depressionen, Schlafprobleme oder \u00c4ngste sollen abgebaut werden. Das Ziel ist, dass Sie nach Abschluss der Reha wieder ohne Einschr\u00e4nkungen an Ihrem Alltag und Berufsleben teilnehmen.<\/p>\n<h4>Tiefgehende psychologische und fach\u00e4rztliche Betreuung<\/h4>\n<p>Es gibt Rehakliniken, die speziell auf die Behandlung der PTBS eingerichtet sind. Erfahrene Fach\u00e4rzte, Psychotherapeuten oder Psychologen helfen Ihnen dabei, zur Ruhe zu kommen und dann in kleinen Schritten die Bew\u00e4ltigung des Traumas anzugehen. Besonders wichtig ist dem Behandlungsteam, dass Betroffene sich nicht \u201eanders\u201c oder \u201everr\u00fcckt\u201c f\u00fchlen. Stattdessen lernen die Reha-Teilnehmer, wie sie die PTBS als normale und gesunde Schutzreaktion ihrer Psyche akzeptieren und \u00fcberwinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>Moderne Methoden der Trauma-Verarbeitung<\/h4>\n<p>In Einzelgespr\u00e4chen mit erfahrenen Therapeuten k\u00f6nnen Sie sich in der Reha alles \u201evon der Seele\u201c reden. Au\u00dferdem erlernen Sie verschiedene Techniken aus der Verhaltenstherapie, mit denen Sie das erlebte Trauma verarbeiten k\u00f6nnen. \u00c4ngste, unerw\u00fcnschte Erinnerungen und Schuldgef\u00fchle werden dadurch Schritt f\u00fcr Schritt abgebaut und kontrollierbar. Es gibt zus\u00e4tzlich eine Reihe spezieller Verfahren zur Trauma-Verarbeitung. Dazu geh\u00f6rt z. B. das EMDR, \u00fcbersetzt etwa: Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen.<\/p>\n<h4>Entspannungsverfahren und unterst\u00fctzende Behandlung<\/h4>\n<p>Um mit Unruhe und \u00c4ngsten besser zurechtzukommen, helfen Entspannungsverfahren wie das autogene Training oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Auch Konzentrations\u00fcbungen, Yoga oder Qi Gong empfinden viele Betroffene als hilfreich. In der Reha geh\u00f6ren au\u00dferdem kreative Ans\u00e4tze wie Musik-, Kunst- oder Bewegungstherapien zum Angebot. Bei einer PTBS kann auch das K\u00f6rpergef\u00fchl beeintr\u00e4chtigt sein. Dagegen helfen Ma\u00dfnahmen wie die physikalische Therapie, Krankengymnastik, B\u00e4der oder Ergotherapie. Wenn n\u00f6tig erhalten Sie in der Reha zudem Unterst\u00fctzung bei einer beruflichen Neuorientierung.<\/p>\n<h4>Heilungschancen und Nutzen der Reha<\/h4>\n<p>Eine PTBS heilt nur in etwa einem Drittel der F\u00e4lle ohne Therapie aus. Mit Therapie liegen die Heilungschancen jedoch bei bis zu 90 Prozent. Rund die H\u00e4lfte aller Betroffenen sind nach drei Jahren Behandlung komplett symptomfrei<sup> (1)<\/sup>. Die Rehabilitation kann dazu beitragen, dass die PTBS schneller und vollst\u00e4ndig \u00fcberwunden wird.<\/p>\n<h2><span id=\"ueber-die-autorin\"><b>\u00dcber die Autorin<\/b><\/span><\/h2>\n<p>Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin mit mehrj\u00e4hriger Erfahrung in der medizinisch-wissenschaftlichen Diagnostik.<\/p>\n<h2>Quellen<\/h2>\n<ul style=\"list-style-type: square;\">\n<li>(1) Kessler RC, et al: Posttraumatic stress disorder in the National Comorbidity Survey. In: Arch Gen Psychiatry. Band 52, Nr. 12, Dezember 1995, S.1048\u201360.<\/li>\n<li>(2) Steel Z, et al.: Association of torture and other potentially traumatic events with mental health outcomes among populations exposed to mass conflict and displacement: A systematic review and meta-analysis. In: JAMA. Band 302, Nr. 5, 5. August 2009, S. 537\u2013549.<\/li>\n<li>(3) Flatten G, et al.: S3 &#8211; Leitlinie Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung. Trauma &amp; Gewalt. 2011, 3: 202-210<\/li>\n<li>(4) Jacob V &amp; Keller R. Soziale und berufliche Reintegration. 2007. In Frommberger &amp; Keller (Hrsg.), Empfehlungen von Qualit\u00e4tsstandards f\u00fcr station\u00e4re Traumatherapie. Indikation, Methoden und Evaluation station\u00e4rer Traumatherapie in Rehabilitation, Akutspychosomatik und Psychiatrie (S. 103-105). Pabst: Lengerich.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS) &#8211; Erkrankung, Therapie und Reha Die Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung, die durch ein belastendes Erlebnis ausgel\u00f6st wird. Betroffene leiden unter Angstzust\u00e4nden oder Schlafst\u00f6rungen. Oft erleben Sie das ausl\u00f6sende traumatische Ereignis in Gedanken immer und immer wieder. 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