{"id":4515,"date":"2021-05-05T15:30:15","date_gmt":"2021-05-05T13:30:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/?p=4515"},"modified":"2021-05-19T08:46:33","modified_gmt":"2021-05-19T06:46:33","slug":"corona-folgen-des-lockdowns-und-der-pandemie-abmildern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/corona-folgen-des-lockdowns-und-der-pandemie-abmildern.html","title":{"rendered":"Corona &#8211; Folgen des Lockdowns und der Pandemie abmildern"},"content":{"rendered":"<h2>Aktiv gegen die Folgen von COVID-19<\/h2>\n<p>Es wird viel \u00fcber die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns, \u00fcber die Covid-19-Erkrankung und Langzeitfolgen von Corona gesprochen. Weniger allerdings \u00fcber die Konsequenzen, die der Lockdown und die Pandemie-Situation f\u00fcr uns alle haben. Speziell f\u00fcr manche Kinder und Heranwachsende k\u00f6nnte die Pandemie langfristige Folgen haben, warnen Experten.<sup>1<\/sup><\/p>\n<p>Erfahren Sie hier mehr \u00fcber m\u00f6gliche <strong>k\u00f6rperliche, psychische und psychosoziale Folgen von Lockdown und Pandemie f\u00fcr Kinder, Jugendliche und Erwachsene<\/strong> und was Sie dagegen tun k\u00f6nnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_4517\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4517\" class=\"size-large wp-image-4517\" src=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/kk-krankheit-covid-19-Pixabay-5520411-c-Alexandra_Koch-1920-640x480.jpg\" alt=\"Psychosoziale Folgen von COVID-19\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/kk-krankheit-covid-19-Pixabay-5520411-c-Alexandra_Koch-1920-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/kk-krankheit-covid-19-Pixabay-5520411-c-Alexandra_Koch-1920-480x360.jpg 480w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/kk-krankheit-covid-19-Pixabay-5520411-c-Alexandra_Koch-1920-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/kk-krankheit-covid-19-Pixabay-5520411-c-Alexandra_Koch-1920-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/kk-krankheit-covid-19-Pixabay-5520411-c-Alexandra_Koch-1920-810x608.jpg 810w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/kk-krankheit-covid-19-Pixabay-5520411-c-Alexandra_Koch-1920-1140x855.jpg 1140w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/kk-krankheit-covid-19-Pixabay-5520411-c-Alexandra_Koch-1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-4517\" class=\"wp-caption-text\">Psychosoziale Folgen von COVID-19 &#8211;<br \/>Bildlizenz: (C) Alexandra Koch \/ Pixabay<\/p><\/div>\n<h2>Folgen des Lockdowns f\u00fcr die Gesundheit<\/h2>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Lockdown sind nachvollziehbar, auch wenn es von verschiedenen Seiten zahlreiche Kritikpunkte an der Umsetzung gibt. Ziel war es, die Zahl der Neuinfektionen niedrig zu halten, um die Zahl schwerer oder t\u00f6dlicher Einzelschicksale nicht weiter ansteigen zu lassen und das Gesundheitssystem nicht zu \u00fcberlasten. Es zeichnet sich allerdings immer st\u00e4rker ab, dass die lange Lockdownzeit Folgen f\u00fcr alle Betroffenen hat. Je nach famili\u00e4rer Situation, Arbeitst\u00e4tigkeit und psychischen Voraussetzungen betrifft das manche Menschen st\u00e4rker, andere weniger stark und einige gar nicht.<\/p>\n<h3>Vereinsamung durch den Lockdown<\/h3>\n<p>Vor allem in der Anfangszeit der Corona-Pandemie, als noch keine Impfungen verf\u00fcgbar waren, trauten sich Risikopatienten und <strong>\u00e4ltere Menschen<\/strong> oft kaum noch aus dem Haus. Gerade f\u00fcr Senioren, die sowieso wenig Kontakte hatten oder alleine leben, f\u00fchrte das oft zu einem Gef\u00fchl der Einsamkeit, verbunden mit entsprechenden Folgen (siehe unten). Einschr\u00e4nkend kommt dazu, dass \u00e4ltere Menschen oft geringere M\u00f6glichkeiten zur Nutzung des Internets haben.<\/p>\n<p>Aber auch <strong>j\u00fcngere und aktive Menschen sowie \u00e4ltere Jugendliche<\/strong> waren und sind stark betroffen. Es gibt viele Menschen, bei denen der Freundeskreis eine Art Familie darstellt oder bei denen die Sozialkontakte haupts\u00e4chlich in Clubs, Restaurants oder auf Partys stattfinden. Auch hier stellt der Lockdown eine starke Einschr\u00e4nkung des gelebten Alltags dar und kann zu Einsamkeit, Frust, Verlustgef\u00fchlen und Wut f\u00fchren. F\u00fcr alleinlebende <strong>Singles<\/strong> ist der Lockdown zus\u00e4tzlich eine Belastung, da Daheimsein gleichzeitig auch Alleinsein bedeutet und auch Partnersuche und Dates nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich sind.<\/p>\n<h4>Tipps: Was l\u00e4sst sich gegen fehlende Sozialkontakte tun?<\/h4>\n<p>Wem Sozialkontakte fehlen, der sollte trotz Corona alle M\u00f6glichkeiten (Telefonate, Social Media, Chat, Videocalls) ausnutzen und Freundschaften nicht einschlafen lassen. Treffen lassen sich Corona-gerecht gestalten. Selbst wenn die Zeit w\u00e4hrend der Pandemie einen denkbar ungeeigneten Eindruck macht, um neue Freundschaften zu schlie\u00dfen oder einen Partner zu finden, ist oft sogar das Gegenteil der Fall. Viele Menschen sind aktuell einsam. Darum lohnt es sich, Kontakt aufzunehmen (beispielsweise \u00fcber Facebook-Gruppen, \u00fcber Bekannte oder in Partnerb\u00f6rsen).<\/p>\n<h3>Unsportlichkeit und Gewichtszunahme im Lockdown<\/h3>\n<p>Durch die eingeschr\u00e4nkten Freizeit- und Sportm\u00f6glichkeiten beklagen viele Menschen, dass w\u00e4hrend des Lockdowns die Sportlichkeit gelitten hat und das Gewicht steigt. Viele sitzen mehr, besch\u00e4ftigen sich mehr mit Fernsehen oder Konsolen-\/Computerspielen und verbringen mehr Zeit am Handy. Das kann zu einer Abw\u00e4rtsspirale f\u00fchren, wodurch man immer weniger Lust auf Aktivit\u00e4t hat. Dadurch entstehen Folgen f\u00fcr das Immunsystem (siehe unten). Aber auch das Risiko f\u00fcr Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes und Krebs steigt mit zunehmendem Gewicht und weniger Bewegung.<\/p>\n<h4>Tipps zur Vermeidung einer Gewichtszunahme und f\u00fcr mehr Aktivit\u00e4t<\/h4>\n<p>Hier hilft leider nur etwas Disziplin. Aber die Motivation gelingt einfacher, wenn Sport, Bewegung und Aktivit\u00e4ten mit Spa\u00df verbunden werden. Es sollte t\u00e4glich Bewegung auf dem Programm stehen, am besten im Freien. Planen Sie Mahlzeiten ein, die leicht sind, kaufen Sie viel Gem\u00fcse und Obst. Aber g\u00f6nnen Sie sich auch etwas, wenn Ihnen danach ist. Wichtig: Achten Sie auf Ihren Alkoholkonsum, falls dieser in der Lockdown-Zeit zunimmt.<\/p>\n<h3>\u00a0Verschlechterung des Immunsystems<\/h3>\n<p>Unter Umst\u00e4nden leidet auch das Immunsystem unter den Lockdown-Einschr\u00e4nkungen. Das ist im Hinblick auf eine m\u00f6gliche SARS-Cov2-Infektion nat\u00fcrlich besonders ung\u00fcnstig. Immunst\u00e4rkende Faktoren wie Sozialkontakte, Lachen, Bewegung und gesunde Ern\u00e4hrung leiden oft im Lockdown. Daf\u00fcr kommen Stress und \u00c4ngste dazu, die das Immunsystem schw\u00e4chen. Eine Studie aus Hongkong zeigt, dass der fehlende Kontakt zu Krankheitserregern durch die Corona-Schutzma\u00dfnahmen das Immunsystem m\u00f6glicherweise \u201cschl\u00e4frig\u201d und weniger reaktiv werden l\u00e4sst. Social Distancing f\u00fchrte bei dieser Untersuchung dazu, dass Kinder nach der R\u00fcckkehr in die Schule vermehrt Erk\u00e4ltungen und Infekte bekamen.<sup>2<\/sup><\/p>\n<h4>Wie kann man das Immunsystem st\u00e4rken?<\/h4>\n<p>Sie finden hier bei kurkliniken.de bereits <a href=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/gewappnet-gegen-corona-immunsystem-staerken.html\">hilfreiche Tipps, um das Immunsystem gegen Corona zu wappnen<\/a>. Zus\u00e4tzlich kann in der Lockdown-Situation helfen, die oben angegebenen Tipps gegen Vereinsamung und zur F\u00f6rderung von wohltuenden Sozialkontakten umzusetzen. Auch die Tipps zur Vermeidung einer Gewichtszunahme und f\u00fcr mehr Aktivit\u00e4t k\u00f6nnen nebenbei auch das Immunsystem ankurbeln.<\/p>\n<h3>Schlechtere Gesundheitsvorsorge und Behandlung<\/h3>\n<p>\u00c4rzte warnen, dass viele Menschen w\u00e4hrend der Corona-Pandemie sp\u00e4ter und weniger gern zum Arzt gehen. Die Fr\u00fcherkennung von Krebs und anderen Erkrankungen, Einstellung und \u00dcberpr\u00fcfung von Medikamenten oder einfache Vorsorgema\u00dfnahmen wie Blutzucker- oder Blutdruckkontrollen werden immer \u00f6fter vers\u00e4umt.<\/p>\n<h4>Was l\u00e4sst sich f\u00fcr eine gute Gesundheitsvorsorge tun?<\/h4>\n<p>Nehmen Sie Arzttermine und Vorsorgeuntersuchungen wahr. Scheuen Sie sich bei Symptomen nicht, den Arzt zu kontaktieren. Um eine Infektion mit dem Coronavirus zu vermeiden, sollten keine anderen gesundheitlichen Probleme in Kauf genommen werden, die sich unter Umst\u00e4nden langfristig negativ auswirken.<\/p>\n<h3>Psychische Probleme durch die Belastungssituation<\/h3>\n<p>Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Studien, die die mentale Gesundheit im Lockdown zum Inhalt haben. Sie zeigen: Menschen aller Altersgruppen berichten \u00fcber mehr Stress, Schlafprobleme, Essst\u00f6rungen, \u00c4ngste und Depressionen, teilweise sogar Suizidgedanken, aufgrund der Covid19-Pandemie.<sup>3<\/sup> Zudem stiegen F\u00e4lle h\u00e4uslicher Gewalt, der Konsum von Alkohol oder Cannabis und auch die F\u00e4lle von Medikamentenmissbrauch nahmen zu.<sup>4<\/sup><\/p>\n<h4>Was tun bei psychischen Problemen?<\/h4>\n<p>Bei leichteren \u00c4ngsten und Stress k\u00f6nnen manchmal Entspannungstechniken helfen. Gerade im Lockdown ist vielleicht ein guter Augenblick, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung anhand von Videos oder Podcasts zu erlernen. Bei allen dar\u00fcber hinaus gehenden psychischen Problemen, sollte unbedingt ein Experte hinzugezogen werden. Scheuen Sie sich bitte nicht, Ihren Hausarzt oder einen Psychologen, Psychiater bzw. Psychotherapeuten zu kontaktieren.<\/p>\n<p>Was Sie sonst tun k\u00f6nnen:<\/p>\n<ul>\n<li>Sind Sie selbst oder ein Mensch in Ihrem Umfeld akut gef\u00e4hrdet, sollte unbedingt der \u00e4rztliche und psychiatrische Notdienst (116 117) oder der Rettungsdienst (112) kontaktiert werden.<\/li>\n<li>Die Telefonseelsorge bietet rund um die Uhr eine kostenlose Beratung in Deutschland unter 0800 \u2013 1110111 oder 0800 \u2013 1110222.<\/li>\n<li>Lokale Hilfe- oder Sorgentelefone haben immer ein offenes Ohr und k\u00f6nnen Ihnen direkt in ihrer Stadt Ansprechpartner nennen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Folgen der Corona-Pandemie f\u00fcr Kinder und Jugendliche<\/h2>\n<p>Leider trafen Corona-Pandemie und Lockdown Kinder und Jugendliche oft besonders hart. Gerade in einem Lebensalter, in dem die k\u00f6rperliche, soziale und pers\u00f6nliche Entwicklung so schnell voranschreitet, ist ein Jahr eine immens lange Zeit. Familien mussten ihr Leben oft stark ver\u00e4ndern. Sozial schwache Familien, Menschen mit psychischen oder k\u00f6rperlichen Erkrankungen in der Familie oder Familien in beengten Wohnverh\u00e4ltnissen sind besonders stark betroffen.<\/p>\n<h3>Psychische Probleme bei Kindern durch Pandemie und Lockdown<\/h3>\n<p>Die COPSY (Corona und Psyche) Studie<sup>5<\/sup> der Uniklinik Hamburg- Eppendorf zeigt: Fast jedes dritte Kind ist aktuell von psychischen Auff\u00e4lligkeiten betroffen. Dabei wurden am h\u00e4ufigsten Sorgen, \u00c4ngste, R\u00fcckzug sowie Kopf- und Bauchschmerzen genannt. Beim Kinder- und Jugendtelefon \u201cNummer gegen Kummer\u201d gingen im Jahr 2020 fast ein Drittel mehr Anrufe ein, als im Vorjahr. \u00c4rzte berichten \u00fcber zunehmende F\u00e4lle von pathologischem Medienverhalten. Dazu geh\u00f6ren die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Tablet-, PC- oder Handynutzung sowie st\u00e4ndiges Kommunizieren (teilweise fast den gesamten Tag) in sozialen Netzwerken, wobei die Kinder oder Jugendlichen kaum noch Kontrolle \u00fcber die Dauer und H\u00e4ufigkeit haben. Auch exzessives Online-Spielen geh\u00f6rt dazu, was in Einzelf\u00e4llen sogar zu Zusammenbr\u00fcchen aufgrund durchgezockter N\u00e4chte gef\u00fchrt hatte. Auch Essst\u00f6rungen und Depressionen bei Kindern nehmen zu.<\/p>\n<h4>Was l\u00e4sst sich gegen psychische Probleme bei Kindern tun?<\/h4>\n<p>Wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder in der Zeit von Lockdown und Pandemie genau im Auge behalten und auftretende Symptome nicht ignorieren.<sup>7<\/sup> Zu starker Medienkonsum sollte eingeschr\u00e4nkt werden, beispielsweise durch feste Onlinezeiten. Das erfordert nat\u00fcrlicher wiederum Einsatz der sowieso bereits stark geforderten Eltern, da in diesem Fall Ersatzbesch\u00e4ftigungen gefunden werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Um Kinder gut durch die Pandemie zu bringen, ist au\u00dferdem besonders wichtig, dass die Eltern selbst so entspannt, humorvoll und gelassen wie m\u00f6glich mit der Pandemie-Situation und den Schutzma\u00dfnahmen (Tragen von Masken, Coronatests) umgehen. Psychologen konnten zeigen:<sup>8<\/sup> Diese Einstellung wirkt sich bei Erwachsenen positiv auf die mentale Gesundheit aus und f\u00fchrt zu weniger Gef\u00fchlen von Angst, Depression und Belastung. Zudem \u00fcbertr\u00e4gt sie sich auf die Kinder.<\/p>\n<h3>Zunehmende Zahlen h\u00e4uslicher Gewalt im Lockdown<\/h3>\n<p>In Familien bei denen h\u00e4usliche Gewalt bereits ein Thema ist, kann h\u00e4ufigeres Zusammensein die Probleme vergr\u00f6\u00dfern. Doch auch in Familien ohne entsprechenden Hintergrund kann es w\u00e4hrend des Lockdowns oder der Quarant\u00e4ne zu mehr Streit, Stress und schlimmstenfalls zu psychischen oder k\u00f6rperlichen Misshandlungen kommen. Durch Home Office, Homeschooling und aufw\u00e4ndigere Planung von Freizeitaktivit\u00e4ten ist der Alltag bei manchen Eltern bereits voll. Grundbed\u00fcrfnisse der Kinder wie Ruhe, Bewegung, Essen, Spielen, Lernen, Kuscheln, Zuh\u00f6ren werden zum zeitlichen Balanceakt. Das kann immer wieder zu Frust, einem Gef\u00fchl der \u00dcberforderung und auch Wut f\u00fchren, im schlimmsten Fall auch zu Gewalt. Die Gewaltambulanz der Charit\u00e9 Berlin berichtet, verglichen mit dem Vorjahr, im ersten Halbjahr 2020 \u00fcber 23 Prozent mehr F\u00e4lle an Gewalt gegen Kinder. Zudem bef\u00fcrchten Psychologen, dass auch F\u00e4lle von Kindesmissbrauch zunehmen.<sup>4<\/sup><\/p>\n<h4>Was l\u00e4sst sich dagegen tun?<\/h4>\n<p>Betroffene Kinder oder Jugendliche, aber auch deren Eltern, erhalten bei der \u201cNummer gegen Kummer\u201d kostenlose Beratung und Hilfe (Mo bis Fr, 15 bis 19 Uhr unter 0800-111 0 333 f\u00fcr Kinder und 0800 111 0 550 f\u00fcr Eltern). Nach Vorf\u00e4llen sollten diese unbedingt besprochen und nicht totgeschwiegen werden. Hilfreich kann es auch sein, enge Vertraute oder andere Familienmitglieder mit ins Boot zu holen, die mental oder durch Kinderbetreuung unterst\u00fctzen. Bef\u00fcrchten Sie, dass weiterhin Gewalt auftreten k\u00f6nnte oder sind sie Zeuge von Gewalt geworden, kontaktieren Sie bitte unbedingt eine Beratungsstelle.<\/p>\n<h3>Wegfall der Schule<\/h3>\n<p>Gehen Kinder nicht mehr t\u00e4glich in die Schule, f\u00e4llt auch eine gewohnte Tagesstruktur weg. Au\u00dferdem helfen Schulen und Lehrer auch dabei, die rasante Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit und des Verhaltens von Kindern im Auge zu behalten und gemeinsam mit den Eltern und im sozialen Miteinander mit den Mitsch\u00fclern zu f\u00f6rdern.<sup>9 <\/sup>F\u00fcr Kinder mit speziellen Bed\u00fcrfnissen und Erkrankungen, aber auch f\u00fcr Kinder mit Lernschw\u00e4chen besteht die Gefahr, dass die Qualit\u00e4t der F\u00f6rderung sinkt. Dadurch k\u00f6nnen Kinder schlimmstenfalls den Anschluss an die restliche Schulklasse verlieren.<\/p>\n<h4>Wie kann man die Kinder unterst\u00fctzen?<\/h4>\n<p>Wo immer es m\u00f6glich ist, sollte eine feste Struktur beibehalten werden. Das hei\u00dft, das morgendliche Aufstehen, Schlafengehen, Homeschooling sowie das Bearbeiten von Hausaufgaben oder Selbststudium sollte weiterhin zu den gewohnten Zeiten stattfinden. Bestenfalls bestehen ein sehr enger Kontakt und regelm\u00e4\u00dfige R\u00fccksprache mit den Lehrern. Um den t\u00e4glichen Kontakt zu Mitsch\u00fclern zu ersetzen, sollten Eltern f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Kontakte zu anderen Kindern sorgen. Hier l\u00e4sst sich auch im Rahmen der Corona-Regeln einiges arrangieren.<\/p>\n<h3>Bewegungsmangel und fehlender Team-Sport<\/h3>\n<p>Sport und Bewegung sind f\u00fcr Kinder besonders wichtig. So lassen sich nicht nur Kraft, Beweglichkeit und Koordination f\u00f6rdern. Auch das Selbstbewusstsein wird gest\u00e4rkt, die soziale Entwicklung beim Gemeinschaftssport gef\u00f6rdert und \u00fcbersch\u00fcssige Energien und Stresshormone k\u00f6nnen abgebaut werden. Betreibt das Kind normalerweise Teamsport, ist die Umstellung durch den Lockdown noch einschneidender. Denn die Gemeinschaft und der soziale Wettbewerb f\u00f6rdern den Teamgeist und k\u00f6nnen die Weichen f\u00fcr die sp\u00e4tere Sportlichkeit stellen.<\/p>\n<p>In einer Welt, in der sowieso zunehmend passives Verhalten, langes Sitzen und wenig Bewegung zum Alltag geh\u00f6ren und f\u00fcr zahlreiche gesundheitliche Probleme sorgen, ist das umso bedenklicher.<\/p>\n<h4>Wie l\u00e4sst sich im Lockdown f\u00fcr mehr Sport und Bewegung sorgen?<\/h4>\n<p>Idealerweise gehen die Eltern mit gutem Beispiel voran, nehmen Kinder mit zu Spazierg\u00e4ngen, \u00e4ltere Kinder zu kleinen Joggingrunden, oder spielen Fu\u00dfball und andere Sportarten mit den Kids. Das verhindert nicht nur, dass die Kinder unsportlicher werden. Zus\u00e4tzlich erh\u00f6hen Sport und Bewegung bei Eltern und Kindern und auch die psychische und k\u00f6rperliche Gesundheit.<sup>9<\/sup> Denn k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t baut Stress ab, erh\u00f6ht die Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer, und regt das Immunsystem und den Kreislauf an.<\/p>\n<h2><span id=\"ueber-die-autorin\">\u00dcber die Autorin<\/span><\/h2>\n<p>Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin mit mehrj\u00e4hriger Erfahrung in der medizinisch-wissenschaftlichen Diagnostik.<\/p>\n<h2>Quellen<\/h2>\n<ol>\n<li>Singh S, et al. <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC7444649\/\">Impact of COVID-19 and lockdown on mental health of children and adolescents: A narrative review with recommendations<\/a>. Psychiatry Res. 2020 Nov;293:113429.<\/li>\n<li>Fong MW, et al. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/33596168\/\">Upper Respiratory Infections in Schools and Childcare Centers Reopening after COVID-19 Dismissals, Hong Kong. <\/a>Emerg Infect Dis. 2021 May;27(5):1525-1527.<\/li>\n<li>Jones EAK, et al. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/33802278\/\">Impact of COVID-19 on Mental Health in Adolescents: A Systematic Review<\/a>. Int J Environ Res Public Health. 2021 Mar 3;18(5):2470.<\/li>\n<li>Galea S, et al. <a href=\"https:\/\/jamanetwork.com\/journals\/jamainternalmedicine\/fullarticle\/2764404\">The Mental Health Consequences of COVID-19 and Physical Distancing. <\/a>JAMA Intern Med. 2020;180(6):817-818.<\/li>\n<li>Ravens-Sieberer U, et al. <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s00103-021-03291-3\">Seelische Gesundheit und psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen in der ersten Welle der COVID-19-Pandemie \u2013 Ergebnisse der COPSY-Studie<\/a>. Bundesgesundheitsbl, 2021.<\/li>\n<li>Liu JJ, et al. <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC7118598\/\">Mental health considerations for children quarantined because of COVID-19<\/a>. Lancet Child Adolesc Health. 2020 May;4(5):347-349.<\/li>\n<li>Meherali S, et al. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/33810225\/\">Mental Health of Children and Adolescents Amidst COVID-19 and Past Pandemics: A Rapid Systematic Review<\/a>. Int J Environ Res Public Health. 2021 Mar 26;18(7):3432.<\/li>\n<li>Oosterhoff B, et al. <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC7205689\/\">Adolescents&#8217; Motivations to Engage in Social Distancing During the COVID-19 Pandemic: Associations With Mental and Social Health<\/a>. J Adolesc Health. 2020 Aug; 67(2): 179\u2013185.<\/li>\n<li>Lee J. <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lanchi\/article\/PIIS2352-4642(20)30109-7\/fulltext\">Mental health effects of school closures during COVID-19<\/a>. Lancet Child Adolesc Health. 2020 Jun;4(6):421.<\/li>\n<li>Okuyama J, et al. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/33775993\/\">Mental Health and Physical Activity among Children and Adolescents during the COVID-19 Pandemic<\/a>. Tohoku J Exp Med. 2021;253(3):203-215.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktiv gegen die Folgen von COVID-19 Es wird viel \u00fcber die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns, \u00fcber die Covid-19-Erkrankung und Langzeitfolgen von Corona gesprochen. Weniger allerdings \u00fcber die Konsequenzen, die der Lockdown und die Pandemie-Situation f\u00fcr uns alle haben. 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