{"id":5044,"date":"2023-01-04T15:24:14","date_gmt":"2023-01-04T14:24:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/?p=5044"},"modified":"2024-01-16T13:28:33","modified_gmt":"2024-01-16T12:28:33","slug":"spielsucht-wie-sie-entsteht-und-was-sie-dagegen-tun-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/spielsucht-wie-sie-entsteht-und-was-sie-dagegen-tun-koennen.html","title":{"rendered":"Spielsucht: Wie sie entsteht und was Sie dagegen tun k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5048\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5048\" class=\"size-large wp-image-5048\" src=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/spielsucht-stoppen-640x480.jpg\" alt=\"Spielsucht stoppen\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/spielsucht-stoppen-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/spielsucht-stoppen-480x360.jpg 480w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/spielsucht-stoppen-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/spielsucht-stoppen-810x608.jpg 810w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/spielsucht-stoppen-1140x855.jpg 1140w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/spielsucht-stoppen.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-5048\" class=\"wp-caption-text\">Spielsucht stoppen<br \/>(C) Adobe Stock, Maksym Yemelyanov, #164355719<\/p><\/div>\n<p>Kinder erfahren ihren K\u00f6rper und die Umwelt durch ihre f\u00fcnf Sinne. Tun sie dies aus eigenem Impuls, spielen sie. Einem Kleinkind w\u00fcrde niemand vorschreiben, welchen Weg es durch die Wohnung nehmen sollte. L\u00e4uft es auf einer Wiese umher, darf es ebenfalls seinen inneren Impulsen folgen. Die angeborene Neugier sorgt daf\u00fcr, dass es sich f\u00fcr alles interessiert, was sich in seiner Umgebung befindet. Es m\u00f6chte jeden Gegenstand mit allen Sinnen erfassen und im wahrsten Sinne des Wortes begreifen.<\/p>\n<p>Wir nennen es &#8220;spielen&#8221;, wenn sich Kinder mit sich selbst oder ihrer Umwelt spontan in einer Art und Weise besch\u00e4ftigen, die ihre Lebensfreude zum Ausdruck bringt. Lernen bedeutet ein Hinauswachsen \u00fcber die Erfahrungen des gestrigen Tages und t\u00e4glich kommt Neues hinzu.<\/p>\n<p>Kinder haben keine Angst vor dem Leben. Doch sie entwickeln \u00c4ngste und Gewohnheiten aufgrund von Erfahrungen mit ihrer Umwelt oder engen Bezugspersonen. Je positiver ihre Erfahrungen in den ersten Lebensjahren sind, desto intensiver bleiben sie mit einem gl\u00fccklichen Leben verbunden. Doch wie kann es zu Suchterscheinungen kommen?<\/p>\n<h2>Pathologisches Spielverhalten als psychische St\u00f6rung<\/h2>\n<p>Suchterscheinungen, wie beispielsweise die Spielsucht, zeichnen sich durch einen Kontrollverlust \u00fcber das eigene Handeln aus. Es ist dem Betreffenden nicht m\u00f6glich, aus freiem Willen auf eine Handlung zu verzichten. W\u00e4hrend es beim Alkoholismus um ein Empfinden geht, das durch den Suchtstoff hervorgerufen wird, strebt der suchtkranke Mensch bei der Spielsucht ein konkretes Ergebnis an. Ob Kartenspiel, Wetteinsatz oder Lotterie &#8211; es steht ein Gewinn in Aussicht, der um jeden Preis erlangt werden muss.<\/p>\n<p>Bei Suchterkrankungen muss zwischen stoffgebundenen und verhaltensgebundenen Abh\u00e4ngigkeiten unterschieden werden. Zu den stoffgebundenen Suchterkrankungen geh\u00f6rt beispielsweise die Abh\u00e4ngigkeit von Nikotin, mit dem bereits Babys in Kontakt kommen, wenn die Eltern rauchen. Verhaltensgebundene Suchterkrankungen entstehen dagegen durch die \u00dcbernahme von Verhaltensweisen, die dem Kind durch Eltern und Betreuungspersonen vorgelebt werden. Diese Konditionierung erfolgt bei allen Kindern, da sich die menschliche Entwicklung aufgrund von Nachahmung vollzieht.<\/p>\n<p>In den ersten Lebensjahren baut sich das Nervensystem durch Erfahrungen auf, die Nervenzellen vernetzen sich und erst dann ist der Mensch in der Lage, anhand dieser Erfahrungen Verhaltensweisen selbstst\u00e4ndig auszuw\u00e4hlen. Abh\u00e4ngig von den Emotionen, die mit den fr\u00fchkindlichen Erfahrungen verkn\u00fcpft sind, entsteht f\u00fcr das Kind ein positives oder negatives Weltbild. Das wiederum sorgt f\u00fcr einen entsprechenden Charakter, der lebensbejahend und neugierig oder abwehrend bis aggressiv sein kann.<\/p>\n<p>Die Unf\u00e4higkeit, eine Aktion willentlich zu beenden, entsteht aufgrund einer Impulskontrollst\u00f6rung. Normalerweise ist der Mensch in der Lage, mit einer T\u00e4tigkeit jederzeit aufzuh\u00f6ren, indem er sich f\u00fcr die Beendigung entscheidet. Selbst kleine Kinder sind in der Lage, ihr Spiel zu unterbrechen, wenn es Zeit f\u00fcrs Bett oder das Mittagessen ist. Sie f\u00fchlen sich zwar gest\u00f6rt und tun dementsprechend ihren \u00c4rger kund, sie k\u00f6nnen sich aber sofort auf etwas anderes fokussieren und dementsprechend handeln.<\/p>\n<p>Bei Suchterkrankungen ist das nicht (mehr) m\u00f6glich, denn der Betroffene unterliegt einem Verhaltenszwang. Dieser hat sich im Gehirn durch eine entsprechende Verschaltung der Gehirnzellen etabliert. Erfolgt von der Au\u00dfenwelt ein entsprechender Reiz, setzt ein automatisches Verhalten ein, das sich willentlich nicht mehr steuern l\u00e4sst. Als Ursachen kommen genetische Defekte, Traumata, Konditionierungen und aktuelle Stressfaktoren infrage.<\/p>\n<h2>ICD-10-Klassifikation<\/h2>\n<p>Mithilfe der ICD-10-Klassifikation werden Krankheiten weltweit konkrete Codes zugeordnet. Dabei steht die Ziffer 10 f\u00fcr die zehnte Auflage der Klassifikation. In dieser werden in Kapitel V psychische, verhaltensauff\u00e4llige und entwicklungsbedingte St\u00f6rungen aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Seit dem 1.1.2022 ist auch die ICD-11 anwendbar. Diese Fassung legt fest, dass die Computerspielsucht (6C51) neben dem bisher aufgef\u00fchrten pathologischen Gl\u00fccksspiel (F63.0) ebenfalls als Impulskontrollst\u00f6rung anerkannt wird. Zwanghaftes Sexualverhalten (6C72) wurde ebenfalls als Suchtverhalten klassifiziert.<\/p>\n<h2>Spielsucht: Allgemeines<\/h2>\n<p>Laut bundesregierung.de sind 430.000 Menschen in Deutschland spiels\u00fcchtig. Doch die Dunkelziffer d\u00fcrfte wesentlich h\u00f6her liegen, da Menschen, die sich mit ihrer Abh\u00e4ngigkeit nicht eine Therapie begeben, nicht erfasst werden. Die charakteristischen Verhaltensweisen bei einer Spielsucht \u00e4u\u00dfern sich folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: square;\">\n<li>Das gesamte Denken dreht sich nur noch um das Spielen, Eins\u00e4tze und Gewinne.<\/li>\n<li>Obwohl gesagt wird, dass man jederzeit mit dem Spielen aufh\u00f6ren kann, ist das nicht mehr m\u00f6glich.<\/li>\n<li>Das finanzielle Budget \u00fcberschreitet den m\u00f6glichen Rahmen.<\/li>\n<li>Spiels\u00fcchtige verheimlichen das Spielgeschehen gegen\u00fcber der Familie und Freunden.<\/li>\n<li>Arbeit, Partnerschaft und Freunde werden aus den Augen verloren.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Fakten<\/h2>\n<ul style=\"list-style-type: square;\">\n<li>2020 wurden in Deutschland 11,7 Milliarden Euro im Gl\u00fccksspielsektor verspielt.<\/li>\n<li>2021 kam es alleine bei Sportwetten zu einem Umsatz von 9,4 Milliarden Euro.<\/li>\n<li>40 Prozent aller Deutschen haben im vergangenen Jahr an Gl\u00fccksspielen teilgenommen.<\/li>\n<li>22.435 Menschen lie\u00dfen sich im Jahr 2021 f\u00fcr die Teilnahme an Gl\u00fccksspiele sperren.<\/li>\n<li>1.843 wurden bereits 2010 aufgrund einer Spielsucht therapiert, die R\u00fcckfallquote liegt bei 60 Prozent. Im Jahr 2022 liegt die offizielle Zahl der Spiels\u00fcchtigen bereits bei 430.000.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gl\u00fccksspiele erfolgen nicht nur offline in Spielbanken, an Geldspielautomaten oder in Pokerrunden. Die M\u00f6glichkeiten vervielfachen sich, seitdem sich Gl\u00fccksspiele auch im Internet verbreiten. Lotterie- und Wettscheine lassen sich online ausf\u00fcllen und abgeben und erfordern nicht l\u00e4nger den Weg zum n\u00e4chsten Kiosk. Zudem etablieren sich immer mehr Websites, die Gl\u00fccksspiele anbieten.<\/p>\n<p>Die Hoffnung auf das schnelle Geld w\u00e4chst in Zeiten materieller Unsicherheit. Wenn Leistung im Beruf unterbezahlt wird, das Einkommen stagniert, die Preise steigen und Menschen keine M\u00f6glichkeit sehen, aus eigener Kraft zu mehr Geld zu kommen, haben Gl\u00fccksspiele Hochkonjunktur. Die Kehrseite der Medaille ist, dass sich dadurch noch mehr Menschen verschulden und in existenzielle Probleme geraten werden. Deshalb ist es wichtig, hinter die Kulissen zu schauen und mit gesundem Menschenverstand abzuw\u00e4gen, wohin das eigene Geld gegeben wird.<\/p>\n<h2>Ursachen, Anzeichen und Auswirkungen<\/h2>\n<p>Spielsucht entwickelt sich von anf\u00e4nglichem Ausprobieren zu einer Gewohnheit, die die Struktur des Gehirns ver\u00e4ndert. Wie bei allen S\u00fcchten geht es darum, etwas kontrollieren zu k\u00f6nnen und damit Macht zu besitzen. Beim Rauchen sichert die Zigarette anf\u00e4nglich die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Gruppe. Alkohol sorgt daf\u00fcr, dass man sich gut f\u00fchlt und diesen Zustand nach eigenem Belieben aufrufen kann. Kaufsucht gibt einem das Gef\u00fchl, sich alles leisten zu k\u00f6nnen und bei der Spielsucht geht es darum, durch eigene Geschicklichkeit beim Lotto, an Automaten oder bei Sportwetten ans gro\u00dfe Geld zu kommen.<\/p>\n<p>Wenn keine M\u00f6glichkeit besteht, durch Erbschaft, Lohnarbeit oder Selbstst\u00e4ndigkeit mehr Geld zu erhalten, erscheint es sehr verlockend, um Geld zu spielen. Dabei m\u00fcssen keine Leistungen erbracht werden, denn es braucht nur ein wenig Gl\u00fcck. Nat\u00fcrlich denkt jedes menschliche Ego, dass ihm der Hauptgewinn bestimmt sein muss, doch f\u00fcr die meisten Menschen endet das Spielen um Geld im finanziellen Ruin. Dabei vollzieht sich diese Entwicklung in drei Schritten:<\/p>\n<h2>1. Positives Anfangsstadium<\/h2>\n<p>In dieser Phase kommt es zu ersten Begegnungen mit dem Gl\u00fccksspiel und zuf\u00e4llig zu ersten Gewinnen, die f\u00fcr die Aussch\u00fcttungen von Gl\u00fcckshormonen sorgen. Der Betreffende erlebt auch Niederlagen, aber diese verblassen gegen\u00fcber einem finanziellen Gewinn. An diesem Punkt entsteht der Gedanke, dass potenzielle Gewinne von Taktiken abh\u00e4ngen und dass sich Gewinne durch die eigene Geschicklichkeit erreichen lassen. Wer sich davon \u00fcberzeugt hat, wird weiterhin spielen, denn man muss nur gut genug sein, dann l\u00e4chelt einem das Gl\u00fcck entgegen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Alltag fest strukturiert ist und das Angestelltenverh\u00e4ltnis kein finanzielles Plus zul\u00e4sst, sorgt die M\u00f6glichkeit des Gl\u00fccksspiels zumindest gedanklich f\u00fcr eine positive Zukunft. Die Erwartung auf einen bevorstehenden Gewinn bringt Gl\u00fcckshormone hervor und erschafft eine eigene Welt, in der sich der betroffene Mensch immer mehr zu Hause f\u00fchlt.<\/p>\n<h2>2. Kritisches Gew\u00f6hnungsstadium<\/h2>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt flachen die Gl\u00fcckshormone ab, denn jetzt tritt der Kampf um den Erfolg ein. Was zuvor ein Spiel war, bei dem Gewinnen und Verlieren gleicherma\u00dfen akzeptiert wurden, wird jetzt zum Kampf um Leben und Tod. Es muss um jeden Preis gewonnen werden und dabei ist der Einsatz egal.<\/p>\n<p>Deshalb werden die Spielzeiten in dieser sogenannten Verlustphase immer l\u00e4nger. H\u00f6here Verluste m\u00fcssen mit immer h\u00f6heren Eins\u00e4tzen ausgeglichen werden, sodass die Familie beginnt, finanziell unter dem Spielen zu leiden. Der Drang, verspieltes Geld zur\u00fcckzugewinnen wird immer gr\u00f6\u00dfer, deshalb kann es zur Vernachl\u00e4ssigung der Familie oder der Aufgaben am Arbeitsplatz kommen.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt entwickelt sich aus einem harmlosen Spielvergn\u00fcgen eine negative Gewohnheit. Finanzieller Verlust muss mit immer mehr Geld ausgeglichen werden und jeder Gewinn best\u00e4rkt den Betroffenen darin, weiter um den Jackpot zu spielen. Sind die eigenen Reserven ersch\u00f6pft, wird Geld geborgt oder in Form von Krediten aufgenommen. Bei einer direkten Nachfrage kommen keine konkreten Aussagen, denn die Betroffenen versuchen, das Geschehen zu verheimlichen. Dass dadurch famili\u00e4re Probleme entstehen, Freundschaften zerbrechen und es zu einer Isolation gegen\u00fcber anderen Menschen kommt, wird in den meisten F\u00e4llen nicht mehr reflektiert.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst ist der Fokus ausschlie\u00dflich auf den einen Gewinn ausgerichtet, der zuerst erreicht werden muss, bevor man sich wieder dem Alltag zuwenden will. Interessanterweise l\u00f6st auch ein Gewinn das Problem nicht auf. Kommt es dazu, gibt es neue Ausreden, um das gewonnene Geld erneut einzusetzen. Nicht nur der Gewinn ist das angestrebte Ziel, sondern auch der Nervenkitzel, der durch die Hormonaussch\u00fcttungen erzeugt wird.<\/p>\n<h2>3. Suchtstadium<\/h2>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt hat der betroffene Mensch keinen freien Willen mehr, sondern muss den inneren Suchtstrukturen folgen. Die Kontrolle \u00fcber das eigene Verhalten wurde verloren und jeder Cent wird sofort in ein neues Spiel investiert. War es in der zweiten Phase noch m\u00f6glich, innerhalb zeitlicher Intervalle auf das Spielen zu verzichten, in das jetzt nicht mehr m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung l\u00e4sst sich mit einem Raucher oder Alkoholiker vergleichen, der seinem K\u00f6rper das Suchtmittel nicht schnell genug zur Verf\u00fcgung stellt. Es stellen sich Entzugserscheinungen ein, die den Betroffenen in physische Schwierigkeiten bringen.<\/p>\n<p>Bei der Spielsucht ruft der psychische Entzug die gleichen Symptome hervor. Unruhe, Konzentrationsschw\u00e4che, Herz-Kreislauf-Probleme und Angstgef\u00fchle entstehen, wenn das n\u00e4chste Spiel nicht schnell genug in Angriff genommen wird. Der K\u00f6rper hungert nach den mittlerweile gewohnten Gl\u00fcckshormonen, doch das Belohnungszentrum kann seine Botenstoffe nur aussto\u00dfen, wenn ein Wettschein ausgef\u00fcllt oder ein Gl\u00fccksspielautomat benutzt wurde.<\/p>\n<p>Um zu verstehen, weshalb manche Menschen eine Spielsucht entwickeln und andere nicht, m\u00fcssen mehrere Komponenten betrachtet werden. Das Gl\u00fccksspiel, die Person und die Umwelt. Diese drei Faktoren interagieren miteinander und bei einer gewissen Konstellation ist die M\u00f6glichkeit, ein Suchtverhalten beim Gl\u00fccksspiel zu entwickeln, besonders hoch.<\/p>\n<p>Dabei ist zu ber\u00fccksichtigen, wie &#8220;attraktiv&#8221; das Gl\u00fccksspiel erscheint. Da Lottoscheine heute online abgegeben werden k\u00f6nnen, hat sich die Hemmschwelle bez\u00fcglich dieser Art von Gl\u00fccksspielen ver\u00e4ndert. Bei Pokerrunden lockt die Geselligkeit mit Gleichgesinnten, mit denen man sich identifizieren kann. Au\u00dferdem suchen sich Menschen Gl\u00fccksspiele aus, bei denen sie nicht lange auf ein Ergebnis warten m\u00fcssen. Schnelle Auszahlungen rufen immer wieder den &#8220;Kick&#8221; hervor, der Endorphine in den K\u00f6rper str\u00f6men l\u00e4sst und so zu neuen Aktionen verleitet.<\/p>\n<p>Die Umwelt hat ebenfalls ihren Anteil daran, dass sich immer mehr Menschen durch das unkontrollierte Gl\u00fccksspiel verschulden. Suggestionen, dass jeder dritte Schein gewinnt oder man beim Poker aufgrund der eigenen F\u00e4higkeiten die Spielerrunde dominieren kann, f\u00fchren meist zur Spielsucht und zum Bankrott. Wer gerne ein Risiko eingeht oder zu impulsiven Handlungen neigt, ist dabei besonders gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Wurde dieses Verhalten bereits im Elternhaus vorgelebt, ist eine gewisse Affinit\u00e4t zum Gl\u00fccksspiel wie auch anderen Suchtmitteln gegeben. Kommen dann psychisch und physisch belastbare Situationen hinzu, geht es schnell in Richtung Suchterkrankung. Die Scheidung des Partners, der Verlust des Arbeitsplatzes, eine abgelehnte Gehaltserh\u00f6hung oder eine schwere Krankheit k\u00f6nnen daf\u00fcr sorgen, dass ein Mensch den falschen Weg w\u00e4hlt, um sich zufrieden und anerkannt zu f\u00fchlen.<\/p>\n<h2>Therapie und Pr\u00e4vention<\/h2>\n<div id=\"attachment_5049\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5049\" class=\"size-large wp-image-5049\" src=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AdobeStock_145067145-1-720x480.jpeg\" alt=\"Suchttherapie\" width=\"720\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AdobeStock_145067145-1-720x480.jpeg 720w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AdobeStock_145067145-1-540x360.jpeg 540w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AdobeStock_145067145-1-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AdobeStock_145067145-1-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AdobeStock_145067145-1-810x540.jpeg 810w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AdobeStock_145067145-1-1140x760.jpeg 1140w, https:\/\/www.kurkliniken.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/AdobeStock_145067145-1.jpeg 1620w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><p id=\"caption-attachment-5049\" class=\"wp-caption-text\">Suchttherapie<br \/>(C) Adobe Stock, Thomas Reimer, #145067145<\/p><\/div>\n<p>Wie bei allen Suchttherapien steht an erster Stelle einer Behandlung der Entzug. Der Verzicht auf das Suchtmittel kann auch bei einer Therapie der Spielsucht physische Symptome hervorrufen. Ist diese Phase geschafft, geht es darum, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Nur so l\u00e4sst sich herausfinden, welche nat\u00fcrlichen Bed\u00fcrfnisse durch die Sucht als Ersatzhandlung befriedigt werden sollen. Wer sich diesen Einsichten stellt, kann sein Leben ver\u00e4ndern und wieder in den Griff bekommen. Gelingt dieser Schritt nicht, kann die Verhaltensstruktur nicht ver\u00e4ndert werden und der Betroffene rutscht erneut und tiefer in die Abh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<h2>Verhaltenstherapie<\/h2>\n<p>In einer Verhaltenstherapie wird die Realit\u00e4t thematisiert, dass ein Spieler keinen Einfluss auf das Ergebnis von Gl\u00fccksspielen hat. Welche Bem\u00fchungen und Anstrengungen auch unternommen werden, das Ergebnis l\u00e4sst sich nicht beeinflussen (au\u00dfer bei einigen Kartenspielen durch die Kunst des Kartenz\u00e4hlens). Ist diese Tatsache verstanden, l\u00f6st sich der Druck, zu einem Gewinn zu kommen, auf und macht den Weg zur Distanzierung von Gl\u00fccksspielen frei.<\/p>\n<h2>Motivation<\/h2>\n<p>Viele Klienten sprechen auch auf eine Therapie an, die sich am Intellekt ausrichtet. Diese zeigt die Vor- und Nachteile des Spielens auf, sodass sich der Klient diesen Tatsachen auch emotional stellen muss. Das kann zu Verhaltens\u00e4nderungen und aus der Spielsucht f\u00fchren. Gleichzeitig dienen diese Argumente als Anker, wenn es darum geht, neuen Versuchungen aus dem Weg zu gehen.<\/p>\n<h2>Psychotherapie<\/h2>\n<p>Die effektivsten Ver\u00e4nderungen bewirkt eine Psychotherapie. Sie deckt auf, was der Klient durch die Spielsucht kompensieren will und welche Verhaltensmuster er in seiner Kindheit erlebt und \u00fcbernommen hat. Treten in der Gegenwart \u00e4hnliche Situationen im Privat- oder Berufsleben auf, fehlt unter Umst\u00e4nden eine ad\u00e4quate Handlungsweise im Repertoire des Klienten. Durch eine Psychotherapie lassen sich diese Strukturen aufdecken und ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Angeh\u00f6rige k\u00f6nnen dagegen nur sehr wenig tun, wenn es darum geht, suchtkranken Partnern oder Kindern zu helfen. Ohne den eigenen Willen, aus diesen Strukturen auszusteigen, kann keine Heilung erfolgen. Ist das Familienmitglied dazu jedoch bereit, sollten Angeh\u00f6rige sehr viel Geduld aufbringen.<\/p>\n<p>Oft muss die Familiengeschichte aufgearbeitet werden, denn innerhalb der Familie gibt es h\u00e4ufig Personen, durch deren Anwesenheit bestimmte Verhaltensmuster immer wieder ausgel\u00f6st werden. Daher ist oft die Bereitschaft zu einer Familientherapie die Voraussetzung zur Heilung des suchterkrankten Menschen.<\/p>\n<p>Pr\u00e4ventiv muss das Verhalten der Eltern in Betracht gezogen werden, die die Weichen f\u00fcr die Verhaltensmuster legten. Wer stundenlang am Computer oder Handy spielt, kann nicht erwarten, dass die eigenen Kinder B\u00fccher lesen, Sport treiben und mit anderen Kindern im Freien spielen. Hier liegt die Gefahr f\u00fcr die heranwachsende Generation, deren Eltern von den Medien abh\u00e4ngig sind. Der pers\u00f6nliche Kontakt wird immer weniger, die Ansprache der f\u00fcnf Sinne zunehmend geringer. Nur ein Mensch, dessen Grundbed\u00fcrfnisse nach N\u00e4he, Akzeptanz, Ansprache und Wertsch\u00e4tzung von einem anderen Menschen in der Kindheit erf\u00fcllt werden, kann diese Empfindungen im sp\u00e4teren Leben in sich selbst ber\u00fchren und muss sich nicht von Substanzen, anderen Menschen oder technischen Ger\u00e4ten abh\u00e4ngig machen.<\/p>\n<h2>Gaming Disorder: Die Computerspielsucht<\/h2>\n<p>Der digitale Fortschritt macht deutlich, was passiert, wenn der Mensch nicht in der Lage ist, zuerst sich selbst und anschlie\u00dfend die Technik zu beherrschen. Mit der Einf\u00fchrung von Computerspielen sitzen immer mehr Kinder und auch Erwachsene vor den Bildschirmen, um Figuren durch ein virtuelles Spielfeld zu dirigieren und Erfolgsmomente zu sammeln.<\/p>\n<p>Was im physischen Leben nicht machbar ist, wird auf die Bildschirmfl\u00e4che verlegt. Hier werden St\u00e4dte gebaut, Monster gejagt oder Gegner besiegt. Noch spannender erscheint es, innerhalb eines virtuellen Spiels gegen Mitspieler anzutreten und die Kr\u00e4fte zu messen.<\/p>\n<p>Besonders reizvoll scheinen Computerspiele, in denen jeder Spieler F\u00e4higkeiten, Rohstoffe oder Hilfsmittel freischalten kann, die er in einem integrierten Shop kauft. Hier laufen besonders Kinder Gefahr, ein v\u00f6llig unrealistisches Bild von Geld aufzubauen, weil ihnen das Bed\u00fcrfnis nach mehr M\u00f6glichkeiten auf diese Weise antrainiert wird.<\/p>\n<p>Computerspielsucht ist mittlerweile als Suchtkrankheit anerkannt. Wie bei der klassischen Spielsucht entwickelt sich auch hier die Gewohnheit, das Bed\u00fcrfnis nach Anerkennung, Wertsch\u00e4tzung und Wahrnehmung eigener F\u00e4higkeiten nicht zunehmend in sich selbst zu suchen. Vielmehr werden Situationen genutzt, die das Belohnungszentrum ansprechen, indem man gewinnt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Lottoschein, Roulette, Spielautomaten und Kartenspiele mit finanziellem Einsatz die Psyche an ein bestimmtes Verhalten binden, wirken Computerspiele noch intensiver. Auch hier gibt es Gewinner und Verlierer, allerdings findet sich jeder Spieler in einer virtuellen Geschichte wieder. In Bezug auf die eigene Entwicklungsgeschichte k\u00f6nnen dadurch Erfahrungen ber\u00fchrt werden, die im Unterbewusstsein abgelegt und noch nicht verarbeitet wurden. Zur eigenen Welt, die durch das Spielverhalten entsteht, kommen weitere innere Bilder hinzu, die durch die Themenwelten ausgel\u00f6st werden und f\u00fcr psychische Probleme sorgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch die Gehirnaktivit\u00e4t ist um ein Vielfaches st\u00e4rker gefordert (\u00fcberfordert), als bei der klassischen Spielsucht. Die Reiz\u00fcberflutung sorgt daf\u00fcr, dass neue Vernetzungen im Gehirn viel schneller erfolgen, sodass sich Gewohnheiten innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes ausbilden k\u00f6nnen. Die Ver\u00e4nderung der eigenen Pers\u00f6nlichkeitsstruktur erfolgt in viel intensiverer Weise, ohne dass die Betroffenen das selbst bemerken. Wird der Konsum der Medien gerade im Kindesalter nicht begrenzt, kann das ernste Auswirkungen auf das gesamte Leben haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder erfahren ihren K\u00f6rper und die Umwelt durch ihre f\u00fcnf Sinne. Tun sie dies aus eigenem Impuls, spielen sie. 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