Zwangsstörungen (OCD): Drei evidenzbasierte Apps zur Selbsthilfe

Video-Interview

Therapeutische Unterstützung durch Apps
© Andriy Popov / PantherMedia

Die Erkrankung verstehen

Zwangsstörungen – im Englischen OCD (Obsessive-Compulsive Disorder) genannt – sind häufiger als viele denken. Studien zeigen, dass etwa 1–3 % der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens an einer Zwangsstörung leiden. Das bedeutet: Weltweit sind Millionen von Menschen betroffen. Die gute Nachricht: Zwangsstörungen sind gut behandelbar. Die wirksamste Therapieform ist die Exposition mit Reaktionsmanagement (ERM), auch als Exposition mit Reaktionsprävention oder ERP bekannt. Sie funktioniert am besten in Zusammenarbeit mit einem qualifizierten Psychotherapeuten.

Der lange Weg zur Therapie

Der Weg zum Termin beim Therapeuten kann lang sein. Und auch zwischen den Sitzungen brauchen Betroffene Unterstützung und praktische Werkzeuge im Alltag. Hier kommen Zwangsstörungs-Apps (OCD-Apps) ins Spiel: Sie können wertvolle Begleiter zur professionellen Behandlung sein und Ihnen Techniken für die Selbsthilfe vermitteln.

Wichtig zu verstehen: Apps sind eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für eine professionelle Psychotherapie. Sie helfen Ihnen, das Gelernte aus der Therapie in der Praxis umzusetzen und Fortschritte zu dokumentieren; zwischen den Sitzungen unterstützen die OCD-Apps Sie im Alltag.

Die Auswahl an Apps – ein Überblick

Der Markt an Apps speziell für Zwangsstörungen ist noch überschaubar. Er wird vor allem von englischsprachigen Angeboten geprägt. Hier sind drei der vielversprechendsten Optionen:


ocd&me – Die deutschsprachige Allround-Lösung

Besonderheit: Die OCD App ocd&me ist eine wissenschaftlich fundierte App aus Deutschland und bietet Unterstützung in deutscher Sprache – ein großer Vorteil für alle, die sich in ihrer Muttersprache mit dem sensiblen Thema auseinandersetzen möchten.

Das bietet ocd&me

  • Psychoedukation: Verstehen Sie Ihre Zwangsstörung besser

  • Dokumentation: Halten Sie Ihre Zwangsgedanken und -handlungen fest

  • Digitale Expositions-Begleitung: Dokumentieren Sie Ihre Expositionen digital

  • Expertenwissen: Die App macht Sie zum Experten für Ihre eigenen Zwänge

  • Tägliche Begleitung: Kontinuierliche Unterstützung im Alltag

Besonders geeignet für: Nutzer, die eine deutschsprachige und umfassende Begleitung durch alle Phasen der Selbsthilfe suchen.


NOCD – Therapie per Video inklusive

Besonderheit: NOCD verbindet App-gestützte Selbsthilfe mit professioneller therapeutischer Betreuung – ein einzigartiges Konzept unter den OCD Apps.

Das bietet NOCD

  • Live-Videositzungen: Arbeiten Sie spezialisierten OCD-Therapeuten zusammen

  • 24/7-Support in der App: Unterstützung zwischen den Therapiesitzungen

  • Professionelle Begleitung: Direkter Zugang zu Fachpersonal

  • Therapeutennetzwerk: Spezialisierte Experten für Zwangsstörungen

Besonders geeignet für: Personen, die eine Kombination aus App-Support und professioneller Therapie suchen und sich dabei im englischsprachigen wohl fühlen.


ocd.app – Fokus auf Wissensvermittlung

Besonderheit: Die englischsprachige App ocd.app setzt vor allem auf fundierte Wissensvermittlung und Psychoedukation.

Das bietet ocd.app

  • Psychoedukation im Fokus: Umfassendes Wissen über Zwangsstörungen

  • Wissenschaftlich fundiert: Basiert auf aktuellen Forschungsergebnissen

  • Strukturierte Lerninhalte: Gut aufbereitetes Lernmaterial

Besonders geeignet für: Englischsprachige Nutzer oder Personen, die vor allem ihr Verständnis für OCD vertiefen möchten.


Welche App passt zu Ihnen?

Der Markt an OCD Apps ist zwar noch überschaubar, bietet aber bereits qualitativ hochwertige Optionen für Betroffene. Ob die deutschsprachige Allround-Lösung ocd&me, die therapieintegrierte Plattform NOCD oder die wissensorientierte ocd.app – alle drei Apps verfolgen evidenzbasierte Ansätze und können den Weg zur Bewältigung von Zwangsstörungen unterstützen.

Die Wahl der richtigen App hängt von Ihren individuellen Bedürfnissen ab: Bevorzugen Sie deutschsprachige Inhalte? Suchen Sie auch therapeutische Begleitung? Oder liegt Ihr Fokus auf Wissensvermittlung?

Kriterium ocd&me NOCD ocd.app
Sprache Deutsch Englisch Englisch
Fokus Umfassende Selbsthilfe Therapie + App Psychoedukation
Therapeutische Unterstützung Nein Ja, Live-Videositzungen Nein
Geografische Verfügbarkeit Deutschsprachige Länder Primär USA Weltweit
Besonderheit Deutschsprachig, strukturierte ERP-Begleitung Spezialisierte OCD-Therapeuten Fokus auf Wissensaufbau

Wichtig bleibt: OCD Apps sind eine wertvolle Ergänzung, aber der Kontakt zu einem qualifizierten Psychotherapeuten sollte bei einer Zwangsstörung immer die Basis der Behandlung bilden.