Ist die professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt medizinisch notwendig? Nutzen, Risiken und Empfehlungen

Zahnarzt

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(C) Halfpoint / iStock

Die professionelle Zahnreinigung, kurz PZR, gehört zu den häufigsten Selbstzahlerleistungen in deutschen Zahnarztpraxen. Millionen Patienten lassen sie ein- bis zweimal im Jahr durchführen – meist auf Empfehlung der Praxis, oft ohne sich zu fragen, ob die Behandlung medizinisch tatsächlich notwendig ist. Denn genau hier beginnt eine Diskussion, die differenzierter ist, als die meisten Praxisflyer vermuten lassen.

Die Studienlage erlaubt keine pauschale Aussage, dass jede gesunde Person in einem festen Rhythmus zwingend eine PZR benötigt. Eine gute Empfehlung berücksichtigt deshalb immer die individuelle Situation.

Was die Wissenschaft wirklich sagt

„Eindeutige wissenschaftliche Belege zum medizinischen Nutzen der sogenannten professionellen Zahnreinigung gibt es bisher nicht”, sagte Markus Hüttmann von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. Wie sinnvoll eine solche Behandlung für die Zahngesundheit ist, sei bislang kaum in aussagekräftigen Studien untersucht.

Studien zur professionellen Zahnreinigung liefern gemischte Ergebnisse, besonders bei gesunden Menschen. Sie zeigen geringe Auswirkungen der PZR auf die Zahngesundheit. Problem: die Datenlage ist nicht ausreichend. Langzeitstudien sind erforderlich, um den Nutzen der PZR besser zu belegen.

Das bedeutet nicht, dass die PZR nutzlos ist. Es bedeutet, dass ihr Nutzen nicht für alle Patienten gleich hoch ist – und dass ein pauschales Zwei-Mal-im-Jahr-Rezept wissenschaftlich nicht gedeckt ist.

Für wen die PZR medizinisch sinnvoll ist

Stefan Wolfart, Direktor der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien an der Uniklinik RWTH Aachen, verweist auf Hilfe für Patienten mit erkranktem Zahnfleisch. Für sie könne die professionelle Zahnreinigung mehrmals im Jahr sinnvoll sein – je nachdem, wie geschädigt die Zähne und wie stark Kariesbakterien aktiv seien.

Für Patientinnen und Patienten mit bestehender Erkrankung wie Parodontitis konnten positive Effekte nachgewiesen werden.

Konkret profitieren vor allem folgende Gruppen: Patienten mit diagnostizierter Parodontitis oder Gingivitis, Träger von festsitzendem Zahnersatz, Implantaten oder Brücken, Patienten mit eingeschränkter manueller Geschicklichkeit, die ihre Zähne nicht eigenständig optimal reinigen können, sowie Personen mit erhöhtem Kariesrisiko durch Medikamente, Erkrankungen oder Mundtrockenheit.

Wann die PZR eher Lifestyle als Medizin ist

„Sofern ein Patient in der Lage ist, seine Zähne perfekt zu pflegen, ist natürlich auch keine professionelle Zahnreinigung notwendig”, sagt Wolfart.

Wenn Kinder und Erwachsene ihre Zahngesundheit erhalten wollten, sollten sie besser regelmäßig ihre Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen. In der Kinderzahnheilkunde seien professionelle Zahnreinigungen selten wirklich notwendig. Wichtiger sei die Individualprophylaxe beim Zahnarzt, die einmal pro Halbjahr von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird.

Für zahngesunde Erwachsene mit guter Mundhygiene ist die PZR also eher eine komfortable Ergänzung als eine medizinische Notwendigkeit. Das ist kein Argument gegen die Behandlung – aber eines für eine ehrliche Einordnung.

Mögliche Risiken und Überbehandlung

Die PZR ist kein Ersatz für tägliches Zähneputzen, die Reinigung der Zahnzwischenräume oder notwendige zahnärztliche Behandlungen. Wer die PZR als Ausgleich für mangelnde häusliche Pflege nutzt, behandelt Symptome statt Ursachen.

Bei zu häufiger oder zu aggressiver Durchführung kann die PZR zudem den Zahnschmelz belasten oder das Zahnfleisch reizen. Auch hier gilt: Die Qualität der Durchführung ist entscheidend – nicht die Häufigkeit allein.

Die richtige Entscheidung treffen

Es bleibt wichtig, individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen und regelmäßige Prophylaxetermine wahrzunehmen. Wer unsicher ist, ob eine PZR für die eigene Situation sinnvoll ist, sollte sich beim Zahnarzt beraten lassen – mit einer ehrlichen Einschätzung des individuellen Risikoprofils, statt mit einer pauschalen Empfehlung. Ein guter Zahnarzt erklärt, warum er die PZR empfiehlt – oder warum im konkreten Fall darauf verzichtet werden kann.