Depression und Reha

Depression - Erkrankung, Therapie und Rehabilitation

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung. Sie äußert sich in Antriebslosigkeit, einem Gefühl der Niedergeschlagenheit und Erschöpfung. Eine echte Depression hat nichts mit einer vorübergehenden Verstimmung zu tun, unter der jeder Mensch hin und wieder leidet. Es handelt sich um eine ernste Erkrankung, die zum Glück aber gut behandelbar ist. Erfahren Sie hier alles über Depressionen, depressive Störungen, ihre Behandlung und die Rehabilitation (Reha).

Foto einer jungen Frau mit einer Depression

Depression äußert sich in Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Erschöpfung - Foto © fotolia / Jürgen Fälchle

Depression: Allgemeines

Depressionen zählen zu den psychischen Störungen und wirken sich auf Gefühle aus. Im schlimmsten Fall ist für Betroffene die Lebensqualität stark eingeschränkt. Manchmal ist die Bewältigung normaler Alltagsaufgaben nicht mehr möglich. Eine depressive Episode dauert in der Regel zwischen sechs und acht Monaten. Manche Menschen erleiden nur einmalig eine depressive Episode. In den meisten Fällen sind Depressionen aber wiederkehrende Erkrankungen. Mediziner sprechen dann von einer rezidivierenden (wiederkehrenden) Depression. Bei etwa jedem fünften Betroffenen entwickelt sich eine chronische Depression mit einer dauerhaften depressiven Verstimmung ohne klar abgrenzbare Episoden.

Aktuell leiden fast vier Millionen Menschen in Deutschland unter einer behandlungsbedürftigen Depression. Etwa jeder fünfte Deutsche erlebt im Laufe seines Lebens mindestens eine leichte depressive Episode. Betroffen sind alle Menschen, vom Kindesalter bis ins hohe Lebensalter. Frauen leiden doppelt so oft an Depressionen wie Männer (1). Eine Depression sollten Sie immer ärztlich oder psychologisch behandeln lassen. Dadurch lindern Sie nicht nur Ihre Symptome schneller, Sie vermeiden auch Rückfälle und das Entstehen einer chronischen Depression.

Depression: Ursachen

Forscher untersuchen seit langem, warum bestimmte Auslöser bei manchen Menschen zu Depressionen führen, bei anderen hingegen nicht. Vermutlich haben Betroffene eine erhöhte Anfälligkeit für depressive Erkrankungen. Dazu scheint eine genetische Veranlagung beizutragen. Auch körperliche Ursachen können Depressionen begünstigen, zum Beispiel Hormonstörungen, Erkrankungen der Schilddrüse oder ein Mangel an Vitamin B12. Störungen im Stoffwechsel des Glückshormons Serotonin im Gehirn spielen bei Depressionen eine Rolle. Bislang ist aber nicht ganz klar, ob sie die Folge oder die Ursache depressiver Erkrankungen sind.

Zum ersten Ausbrechen einer Depression führen oft (aber nicht immer) konkrete Auslöser. Das können negative Erfahrungen, Schicksalsschläge oder familiäre Probleme sein. Mögliche Ursachen sind auch dauerhafter Stress und fehlende Zeiten der Regeneration. Bei einer Winterdepression spielt das Licht eine Rolle. Durch fehlendes Sonnenlicht werden bei Betroffenen regelmäßig in der dunklen Jahreszeit Depressionen ausgelöst. Diese verschwinden im Frühjahr wieder. Eine postnatale Depression (Wochenbettdepression) tritt bei Frauen in der Zeit nach der Geburt eines Kindes auf. Die Ursache sind hormonelle Umstellungen, vermutlich verbunden mit Schlafmangel und körperlichen Nachwirkungen der Geburt.

Depression: Erscheinungsbild / Symptome

Depressionen sind für Betroffene mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Das ganze Leben scheint wie von einer dunklen Wolke umhüllt zu sein. Depressive kämpfen Tag für Tag mit einer tiefen Niedergeschlagenheit, einem Gefühl der Leere oder der Unfähigkeit, Freude zu empfinden. Das kann dazu führen, dass soziale Kontakte stark eingeschränkt oder nicht mehr vorhanden sind. Oft ist die Ausübung des Berufes nicht mehr möglich. Alltägliche Aufgaben werden zur Herausforderung. Im schlimmsten Fall führen Depressionen zu Suizidgedanken oder zum Selbstmord. Manchmal treten zusammen mit depressiven Erkrankungen auch andere psychische Störungen auf, zum Beispiel Ängste, Suchterkrankungen oder Essstörungen. Auch körperliche Symptome wie unspezifische Schmerzen sind möglich.

Depression: Untersuchungen & Diagnose

Wenn Menschen sich über längere Zeit traurig, erschöpft oder „leer“ fühlen, führt meist der erste Weg zum Hausarzt. Dieser klärt mit gezielten Fragen, ob die Symptome auf eine depressive Störung hindeuten. Bei einem konkreten Verdacht auf eine Depression erfolgt eine Überweisung zu einem Facharzt (Psychotherapeuten, Psychiater) oder zu einem Psychologen.

Die genauere Einstufung einer Depression stützt sich auf bestimmte Beschwerden und Veränderungen. Dazu gehören drei Hauptsymptome: Eine depressive Stimmung, Mangel an Antrieb und Interessenverlust. Zusätzlich werden sieben Zusatzsymptome berücksichtigt: Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, mangelndes Selbstwertgefühl, Gefühle von Schuld oder Wertlosigkeit, pessimistische Zukunftsperspektive, Appetitlosigkeit und Selbstmordgedanken. Anhand dieser Symptome stuft der Arzt den Schweregrad der Depression ein.

  • Leichte depressive Episode: Über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen liegen zwei Hauptsymptome und zwei Zusatzsymptome vor.
  • Mittelschwere Depression: Über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen liegen zwei Haupt- und mindestens drei Zusatzsymptome vor.
  • Schwere Depression: Über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen liegen alle drei Hauptsymptome und vier oder mehr Zusatzsymptome vor.

Depression: Therapie & Reha

Während bei leichten Depressionen oft eine Psychotherapie ausreicht, ist bei mittelschweren bis schweren Depressionen eine umfassendere Behandlung sinnvoll (2). Unter Umständen kann das bedeuten, dass Sie stationär in einer Klinik behandelt werden. Auch in einer Rehabilitation (Reha) ist eine intensive Therapie und Betreuung möglich.

Therapie bei Depressionen

Eine Depression bedeutet immer eine große Einschränkung der Lebensqualität. Betroffene können, so sehr sie es möchten, viele Dinge des Alltags nicht mehr meistern. Die schwersten Symptome lassen sich in den meisten Fällen aber innerhalb von wenigen Wochen durch eine Psychotherapie lindern. Die Psychotherapie wird bei mittelschweren und schweren Depressionen oft mit der Gabe von Medikamenten, den Antidepressiva, kombiniert. Diese Wirkstoffe können wieder Antrieb geben oder die Stimmung aufhellen. Zusätzlich gibt es einige weitere Maßnahmen, die sich bei Depressionen bewährt haben: Manchmal lassen sich schwere Depressionen durch Schlafentzug behandeln. Bei saisonalen Depressionen (Winterdepression) kann eine Behandlung mit Licht helfen. Entspannungstechniken, Sport und Bewegung wirken sich bei Depressionen fast immer positiv aus.

Die Behandlung gliedert sich bei Depressionen in drei Phasen. In Phase eins geht es darum, die akuten Symptome in den Griff zu bekommen. In der zweiten Phase sollen die Patienten psychisch stabilisiert werden. In Phase drei einer Therapie konzentrieren sich Arzt und Patient darauf, einen Rückfall zu vermeiden. Eine Reha kann bei depressiven Störungen sowohl zu Phase zwei als auch zu Phase drei beitragen.

Rehabilitation bei Depressionen

Jede Depression ist anders. Bei einigen Betroffenen steht der Mangel an Antrieb im Vordergrund, durch den normale Tätigkeiten im Alltag nicht mehr machbar sind. Andere fühlen sich wertlos, empfinden das Leben als sinnlos oder denken über Selbstmord nach. In spezialisierten Kliniken finden Sie bei jeder Form von depressiven Störungen individuelle Hilfe und Unterstützung. Der Therapieplan wird genau auf Sie abgestimmt. Für die Zeit nach der Reha erhalten Sie wertvolle Tipps und erfahren, an wen Sie sich bei Problemen wenden können.

Psychotherapeutische Betreuung in der Reha

Während einer Reha werden Sie von einem Psychotherapeuten betreut. Gemeinsam mit dem Therapeuten besprechen Sie im Verlauf des Aufenthalts immer wieder Ihre individuellen Probleme, Ziele und Erfolge. So finden Sie heraus, wie Sie depressive Symptome überwinden, die Krankheit bewältigen und Ihr Leben wieder neu ausrichten können.

Medizinische Betreuung in der Reha

Fachärzte sorgen für eine umfassende medizinische Betreuung während der Rehabilitation. Diese reicht von einer detaillierten Diagnostik über die Prüfung von vorherigen Befunden bis hin zu einer medikamentösen Behandlung. Bisher eingenommene Medikamente werden in der Reha nicht nur weiter gegeben, sie werden in der Regel auch noch einmal auf ihre optimale Wirkung überprüft. Gegebenenfalls werden Wirkstoff oder Dosierung angepasst.

Erweiterte psychologische Angebote und Gruppentherapien

In einer Reha können Sie sich mit Gleichgesinnten in Gesprächen oder in gemeinsamen Gruppentherapien austauschen. Das wirkt sich oft sehr positiv auf die Bewältigung einer Depression aus. Zugleich wird auch die soziale Kompetenz gefördert, die bei Depressionen oft wieder ganz neu erlernt werden muss. Sie können außerdem spezielle psychologische Angebote für Ihre ganz individuellen Fragestellungen in Anspruch nehmen: Wie überwinde ich Schlafstörungen? Wie baue ich Stress ab? Wie gehe ich mit Ängsten oder Gefühlen der Hilflosigkeit um? Für Ihren Wiedereinstieg in den Beruf gibt es spezielle Sozialberatungen. In Schulungen können Sie außerdem lernen, wie Sie Stress in Ihrem Berufsalltag verhindern können.

Sport, Entspannung und Prävention von Rückfällen

Für einen Neustart in den Alltag erlernen Sie in der Reha grundlegende Techniken zur Bewältigung von Depressionen. Kreativkurse wie Musik- oder Maltherapien helfen dabei, Gefühle auszudrücken. Techniken zur Entspannung wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können nach der Reha leicht daheim weiter durchgeführt werden. Auch Sport ist wichtig. Körperliche Bewegung baut Stresshormone ab und kurbelt die Endorphinproduktion an (3). Je nach Klinik können Angebote wie Yoga, Pilates, NordicWalking, Aqua-Jogging, Selbstverteidigung, Gymnastikkurse oder Gerätetraining ausprobiert werden. So lässt sich die Sportart finden, die man auch später weiterführen kann und möchte.

Heilungschancen und Nutzen der Rehabilitation

Wenn Sie unter einer Depression leiden und Ihnen Motivation und Antrieb fehlen, ist der Beginn einer Reha oft eine Überwindung. Doch umso wichtiger ist dieser Schritt. Gerade bei länger bestehenden und chronischen Depressionen kann die Reha dazu beitragen, dass Sie Ihre Krankheit besser verstehen, schneller überwinden und sich vor Rückschlägen schützen können. Das Ziel ist, dass Betroffene ihr Leben wieder selbst gestalten, am Sozial- und Berufsleben aktiv teilhaben und wieder Freude empfinden können.

Über die Autorin

Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin mit mehrjähriger Erfahrung in der medizinisch-wissenschaftlichen Diagnostik.

Quellen

  • (1) Bromet E, et al. Cross-national epidemiology of DSM-IV major depressive episode. In: BMC medicine. Band 9, 2011, S. 90.
  • (2) S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie: Unipolare Depression. AWMF 2015. Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).
  • (3) Kvam S, et al. Exercise as a treatment for depression: A meta-analysis. J Affect Disord. 2016;202:67-86.

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