Künstliches Hüftgelenk (Hüft-TEP) und Reha

Künstliches Hüftgelenk (Hüft-TEP): Operation und Reha

Die Hüft-TEP (Hüft-Totalendoprothese) ist ein künstliches Hüftgelenk. Sie wird in erster Linie bei einem Verschleiß der Hüftgelenke eingesetzt und besteht aus Metall, Kunststoff oder Keramik. Erfahren Sie hier alles über Operationsverfahren, die anschließende Rehabilitation („Hüft-Reha“) und das Leben mit künstlichem Hüftgelenk.

Foto: Ein künstliches Hüftgelenk wird in der Reha durch Physiotherapie gezielt stabilisiert.

Foto: Ziel einer „Hüft-Reha“ ist der Aufbau von Muskeln. Oft wurde das Gelenk vorher zur Schmerzvermeidung geschont, was zum Abbau von Muskelmasse führt. Muskeln sind aber wichtig, um das neue Gelenk zu stützen und zu stabilisieren. In der Reha zeigen Ihnen Therapeuten, welche Übungen sich dafür besonders eignen. - © WavebreakmediaMicro / fotolia

Hüft-TEP: Allgemeines

Endoprothesen setzt man ein, um kranke Gelenke zu ersetzen. Eine Totalendoprothese (kurz: TEP) ersetzt ein komplettes Gelenk, eine Hemiprothese nur Teile eines Gelenks. Die Hüftprothese (Hüft-TEP) wird eingesetzt, wenn die Gelenke der Hüfte stark abgenutzt sind oder schmerzen, und eine nicht-operative Behandlung keine Besserung bringt. In Deutschland bekommen pro Jahr über 200.000 Menschen eine Hüft-TEP(1).

Es gibt unterschiedliche Erkrankungen, die ein künstliches Hüftgelenk notwendig machen. Dazu gehören ausgeprägte Formen der Osteoporose, Trümmerbrüche oder eine Zersetzung des Hüftkopfes (Nekrose) durch Diabetes oder nach Unfällen. Die mit Abstand häufigste Erkrankung, die zu einer Hüftoperation führt, ist der Verschleiß des Hüftgelenks (Koxarthrose). Dabei nutzt sich der Gelenkknorpel ab, was die Reibung im Gelenk erhöht. Es kommt zum Splittern und zu Rissen des Knorpels. Die Folge sind Schmerzen und zunehmende Einschränkungen der Beweglichkeit. Arthrose kann auch jüngere Menschen treffen, zum Beispiel wenn durch Fehlstellungen des Gelenks, Knochenbrüche oder durch Bewegungsmangel (eventuell verbunden mit Übergewicht) das Gelenk frühzeitig verschleißt.

Mehr Informationen über Diagnose, Therapie und Reha einer Koxarthrose lesen Sie im Beitrag: Hüftarthrose.

Hüft-TEP: Operation

Eine Hüft-TEP soll das natürliche Hüftgelenk funktional ersetzen. Die Endoprothese entspricht deshalb im Aufbau dem körpereigenen Gelenk und besteht aus einer Gelenkpfanne und einem Gelenkkopf, der sich in der Pfanne bewegen kann. Damit das künstliche Gelenk dauerhaft funktioniert, werden Materialien eingesetzt, die sich im Körper nicht zersetzen und keine Unverträglichkeitsreaktionen auslösen. Gleichzeitig sind die Prothesen extrem stabil, halten hohe Belastungen aus und nutzen sich durch die Bewegung im Gelenk nicht ab. Zu den eingesetzten High-Tech-Materialien gehören Titan, Keramik und spezielle Kunststoffe.

Verankerung am Knochen

Die Hüft-TEP muss fest mit dem Knochen verbunden werden, damit sie ihre Funktion erfüllen kann. Der Operateur kann zwischen drei Methoden wählen. Zementierte Hüftprothesen werden mit Gelenkzement befestigt. Bei der zementfreien Variante wird die Prothese mit dem Knochen verschraubt oder daran festgeklemmt. Bei der Hybridprothese wird ein Teil verschraubt und ein Teil zementiert. Später verwächst der Knochen fest mit der Endoprothese. Die erste Befestigung ist jedoch bereits so stabil, dass Sie das Gelenk schon kurz nach der Operation belasten können.

Ablauf der Operation und Nachsorge

Die Operation wird unter Vollnarkose, manchmal auch mit einer Rückenmarksanästhesie durchgeführt. Sie müssen nach der Operation meist ein bis zwei Wochen im Krankenhaus bleiben. In dieser Zeit beginnt bereits die erste Mobilisierung. Das Gelenk wird unter Anleitung eines Physiotherapeuten bewegt und immer stärker belastet. Kurz nach der Operation können Patienten in Begleitung des Therapeuten meist schon kleine Strecken gehen. Regelmäßige Streck- und Beugeübungen fördern die Beweglichkeit des neuen Gelenks. Diese und andere Übungen müssen Sie nach dem Krankenhausaufenthalt daheim oder in der Reha weiterführen.

Hüft-TEP: Rehabilitation

Für ein künstliches Hüftgelenk sind nach der Operation besonders die Schritte zur Mobilisierung und zum Muskelaufbau wichtig, damit das neue Gelenk seine Funktion optimal aufnehmen kann. Experten empfehlen deshalb nach der Operation eine Reha. Diese kann ambulant bei niedergelassenen Physiotherapeuten oder Kliniken stattfinden. Bei einer stationären Reha in einer Kurklinik ist eine noch umfassendere Betreuung möglich.

Stabilisierung durch Muskelaufbau

Das wichtigste Ziel der „Hüft-Reha“ ist der Aufbau von Muskeln. Oft wurde das Gelenk vorher zur Schmerzvermeidung geschont, was zum Abbau von Muskelmasse führt. Muskeln sind aber wichtig, um das neue Gelenk zu stützen und zu stabilisieren. In der Reha zeigen Ihnen speziell geschulte Krankengymnasten oder Physiotherapeuten, welche Übungen und Sportarten sich dafür besonders eignen. Wichtig ist dabei, auf hüftschonende Bewegungen und das richtige Maß an Sport zu achten.

Individuelle Therapie

Je nach Ihrem Alter und dem Verlauf der Operation, legen Ärzte und Fachpersonal in der Rehaklinik für Sie die geeignete Kombination an Maßnahmen fest. Neben der Physiotherapie gehören dazu auch physikalische Therapien, wie z. B. Massagen sowie Behandlungen mit Wärme, Licht oder Wasser. Dadurch wird die Beweglichkeit des Gelenks gefördert, damit Sie möglichst schnell wieder aktiv sein und die Alltagsdinge selbständig erledigen können.

Leben mit der Hüft-TEP

Die Reha bereitet Sie optimal auf die Rückkehr in den Alltag vor. Experten zeigen Ihnen, wie Sie Schonhaltungen vermeiden, richtig gehen (Gangschulung) und wieviel Belastung und Entlastung sinnvoll ist. Sie lernen den Umgang mit Stürzen und die besten Körperhaltungen beim Duschen oder Baden. Sie erhalten außerdem Tipps, was Sie beim Autofahren, Radfahren, Gehen oder beim Tragen von Lasten beachten sollten. In ausführlichen Beratungsgesprächen erhalten Sie bei Bedarf auch Informationen zur Rückkehr in Ihren Beruf oder zu Umschulungen.

Heilungschancen und Nutzen der Reha

Es dauert in der Regel mindestens ein Jahr, bis ein künstliches Hüftgelenk vollständig stabilisiert ist und der Körper sich ganz darauf eingestellt hat. Experten empfehlen ein individuell angepasstes Übungs- und Bewegungsprogramm, um diesen Prozess zu unterstützen und zu beschleunigen. Die Physiotherapie und die Bewegungstherapie in der Reha gehören dabei zum Behandlungsstandard, um die Leistungsfähigkeit im Alltag und im Erwerbsleben zu erhalten oder wiederherzustellen(2). Das neue Gelenk wird durch Reha-Maßnahmen nicht nur stabiler und beweglicher, auch Spätfolgen und Komplikationen wie Schmerzen oder die Lockerung der Prothese werden vermieden(3). Die Reha bewirkt außerdem, dass Schmerzen verringert werden und Sie weniger Medikamente benötigen.

Über die Autorin

Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin mit mehrjähriger Erfahrung in der medizinisch-wissenschaftlichen Diagnostik.

Quellen

  • (1) Knie- und Hüft (Total-) Endoprothesen 2008 bis 2012. Eine Analyse mit hkk-Routinedaten von Dr. Bernard Braun (BIAG). HKK Gesundheitsreport 2013
  • (2) Reha-Therapiestandards Hüft- und Knie-TEP. Leitlinie für die medizinische Rehabilitation der Rentenversicherung. 2011
  • (3) S3-LeitlinieOrthopädie: Koxarthorse. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO). 2009 (aktuell in Überarbeitung).

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