Der Langzeitzuckerwert – auch HbA1c-Wert genannt – gibt Aufschluss über den Blutzucker der vergangenen Monate. Er ist ein wichtiger Marker für die Diagnose und Verlaufskontrolle von Diabetes mellitus und liefert wertvolle Hinweise auf mögliche Folgeerkrankungen.
Was ist der Langzeitzuckerwert und wie wird er gemessen?
Der Langzeitzuckerwert beschreibt den Anteil des Hämoglobins im Blut, der chemisch mit Glukose verknüpft ist. Da rote Blutkörperchen etwa 120 Tage leben, zeigt der HbA1c-Wert den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 8 bis 12 Wochen – und nicht nur den Wert zum Messzeitpunkt. Die Bestimmung erfolgt durch eine einfache Blutentnahme in der Arztpraxis oder im Labor. Anders als bei der Blutzuckermessung ist Nüchternheit nicht erforderlich. Deshalb eignet sich der HbA1c-Test hervorragend für die regelmäßige Kontrolle bei Menschen mit Diabetes und die Früherkennung von Prädiabetes.
Welcher HbA1c-Wert ist gefährlich?
Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten – sie hängt von individuellen Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen und der Dauer der Diabeteserkrankung ab. Als grobe Orientierung gilt jedoch: Bei Menschen ohne Diabetes liegt der HbA1c-Wert in der Regel unter 5,7 Prozent. Werte zwischen 5,7 und 6,5 Prozent weisen auf ein erhöhtes Diabetesrisiko hin und erfordern eine Anpassung des Lebensstils sowie regelmäßige Kontrollen. Ab 6,5 Prozent gilt die Diagnose Diabetes als gesichert – eine Therapie gemäß den aktuellen Leitlinien ist dann erforderlich.
Ein dauerhaft erhöhter HbA1c-Wert erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen an Nieren, Augen, Nerven und dem Herz-Kreislauf-System. Um Folgeschäden zu vermeiden beziehungsweise ihr Fortschreiten zu verlangsamen, wird für die meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes ein Langzeitzuckerwert zwischen 6,5 und 7,5 Prozent empfohlen – individuell angepasst je nach Alter und Gesundheitszustand. Von einer zu aggressiven Blutzuckersenkung wird dabei in der Regel abgesehen: Sie birgt das Risiko einer akuten Hypoglykämie – einer gefährlichen Unterzuckerung, die Körper und Gehirn belasten kann und schnelles Handeln erfordert.
Langzeitzuckerwert senken: Behandlung und Selbsthilfe
Um den Langzeitzuckerwert zu senken, gibt es verschiedene Maßnahmen – sowohl Medikamente als auch angepasste Lebensgewohnheiten. In einigen Fällen ist bereits eine angepasste Lebensgewohnheit ausreichend – die Einnahme von Arzneimitteln kann dann entfallen.3
Lebensgewohnheiten anpassen
Ein wichtiger Aspekt in der Diabetes-Therapie ist eine Lebensstilanpassung.3 Eine ausgewogene Ernährung bildet die Grundlage – spezielle Diäten oder Diabetiker-Produkte sind dabei nicht notwendig. Stattdessen können einfache Anpassungen im Alltag helfen, beispielsweise weniger Zucker, mehr Ballaststoffe und regelmäßige Mahlzeiten.
Bei Übergewicht kann bereits eine moderate Gewichtsreduktion helfen: Jedes Kilo weniger wirkt sich günstig auf Blutzucker, Blutdruck und Blutfette aus.
Auch regelmäßige Bewegung im Alltag unterstützt die Blutzuckereinstellung. Das können bereits kleine Anpassungen sein, wie die Treppe nehmen statt dem Aufzug. Bei Sport ist es wichtig, den Blutzuckerwert im Blick zu behalten, da körperliche Aktivität ihn stark absenken kann. Für den Notfall empfiehlt sich Traubenzucker zur schnellen Gegensteuerung.
Darüber hinaus sollte auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichtet werden – beides belastet den Stoffwechsel zusätzlich und erschwert eine stabile Blutzuckereinstellung.
Medikamentöse Therapie
Wenn Lebensstiländerungen allein nicht ausreichen, kommen Medikamente zum Einsatz. Welches Präparat geeignet ist, hängt von individuellen Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen und dem persönlichen Zielwert ab. Die Auswahl sollte daher stets in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Wichtig: Eine medikamentöse Therapie ersetzt die Lebensstilanpassung nicht – sie ergänzt sie.
Fazit: Den HbA1c-Wert im Blick behalten
Der HbA1c-Wert ist ein unverzichtbares Instrument zur Beurteilung der langfristigen Blutzuckereinstellung. Wer seinen Langzeitzuckerwert kennt, regelmäßig kontrolliert und durch Ernährung, Bewegung sowie gegebenenfalls Medikamente aktiv beeinflusst, kann das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen deutlich reduzieren. Diabetiker sollten mit ihrem behandelnden Arzt über den persönlichen Zielwert sprechen – und darüber, welche Maßnahmen am besten geeignet sind.
- 1 „HbA1c“. Medizinische Laboratorien Düsseldorf, www.labor-duesseldorf.de/examination/view/hba1c. Zugegriffen 11. Mai 2026.
- 2 Müller-Wieland, D., u. a. „Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus“. Diabetologie und Stoffwechsel, Bd. 11, Nr. S 02, 2016, S. S78–S81, doi:10.1055/s-0042-115159. https://www.ddg.info/fileadmin/user_upload/2016_Mueller-Wieland_Definition__Klassifikation_und_Diagnostik_des_DM_Diabetologie_2016_01.pdf Zugegriffen 11. Mai 2026.
- 3 Awmf.org, register.awmf.org/assets/guidelines/Nationale_Versorgungs-Leitlinie/nvl-001ki2_S3_Typ-2-Diabetes_2023-09.pdf. Zugegriffen 11. Mai 2026.

