Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Die wichtigen Aufgaben der Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse ist ein ca. 100 g schweres und 15-22 cm langes, wurstförmiges Organ, das in der Tiefe des Leibes, in Höhe der Milz und Leber, über dem 2. Lendenwirbel liegt.

Lokalisierung der Bauchspeicheldrüse – Bildlizenz: Blausen.com staff. “Blausen gallery 2014”. Wikiversity Journal of Medicine.

Diese kleine Drüse hat im Gegensatz zu ihren bescheidenen Ausmaßen große Aufgaben. Sie erfüllt eine Doppelfunktion. Einmal produziert sie innerhalb von 24 Stunden 1,5 l Verdauungssaft, der über einen gemeinsamen Ausführungsgang mit der Gallenflüssigkeit, ebenfalls Verdauungsferment, in den Zwölffingerdarm abgegeben wird. Zum anderen wird in einer Sonderabteilung dieser Drüse Insulin gebildet, das für den Zuckerstoffwechsel unentbehrlich ist. Eine Erschöpfung oder ein Funktionsausfall dieses Drüsenanteiles ist einer Zuckerkrankheit, einem Diabetes, gleichzusetzen. Die Bauchspeicheldrüse ist also Produktionsstätte für Verdauungsfermente, die im Darm für die Aufspaltung der Nahrungsstoffe benötigt werden (endokrine Funktion), und gleichzeitig Hersteller hochwertiger Wirkstoffe für den Zuckerstoffwechsel, die über den Blutkreislauf ihre Wirksamkeit entfalten (endokrine Funktion). Es ist verständlich, daß dieses kleine, komplizierte Organ, in zweifacher Weise mit wichtigen Aufgaben betraut, außerordentlich störanfällig ist. Die chronische Entzündung ist als häufigste Erkrankung des Drüsenorgans zu nennen.

Infolge des steigenden Alkoholkonsums hat die chronische Pankreatitis in allen Ländern zugenommen. Damit ist schon die Hauptursache der entzündlichen Bindegewebswucherungen innerhalb der Drüse, die schließlich das ganze Organ zerstören, genannt. Als weitere Ursachen sind Gallenwegserkrankungen, vor allen Dingen Gallensteine zu nennen.

Fettstoffwechselstörungen und Virusinfektionen, die früher die Hauptlast als vermeintliche Urheber der Krankheit zu tragen hatten, spielen in Wirklichkeit eine untergeordnete Rolle.

Das klinische Bild der Bauchspeicheldrüsenentzündung

Das klinische Bild der Erkrankung ist außerordentlich eindrucksvoll. Ein bohrender Schmerz im linken Oberbauch strahlt in den Rücken aus, wechselt in seiner Heftigkeit über Stunden und Tage, in rechter Seitenlage wird ein Druck der Fingerspitzen unterhalb des linken Rippenbogens als höchst unangenehm, als messerartig schneidend empfunden. Durchfälle und Gewichtsabnahme weisen auf den Mangel wichtiger Verdauungsfermente hin, zu deren Produktion die oft verkalkte Drüse nicht mehr fähig ist. Eine gelbliche Verfärbung der Haut wiederum läßt den Zusammenhang zwischen Leber und Bauchspeicheldrüse, die ja einen gemeinsamen Ausführungsgang für ihre Verdauungssäfte besitzen, erkennen.

Die Krankheit verläuft über Jahre, wobei akute Schübe bedrohliche Situationen heraufbeschwören können. Die Prognose ist nur dann günstig, wenn die ursächlichen Schadensfaktoren beseitigt werden können, z. B. operative Entfernung von Gallensteinen oder Sanierung der Gallenwege. Auch der radikale Alkoholentzug schafft bei der Organvergiftung von Leber und Pankreas gute Voraussetzungen für eine Ausheilung des Organs. Daß durch die fortschreitende Zerstörung der Drüse darüber hinaus das Inselzellgewebe – jene Zellen, die das Insulin bereiten – leidet, ist verständlich. Bei Untergang von 80% des Drüsengewebes tritt ein Diabetes, eine Zuckerkrankheit auf, deren Behandlung wegen des Grundleidens besonders problematisch ist. Oft wird die Schwere des Krankheitsbildes den behandelnden Arzt zwingen, eine Klinikeinweisung vorzunehmen.

In den Zwischenstadien und in der Regenerationsphase nach Alkoholentzug ist eine Behandlung zu Hause möglich.

Kneipp

Tgl. Oberkörper- oder Unterkörperwaschung; Wechselschenkelleibguss.

Wöch. 3x Heublumenauflage oder Heusack auf Leib; lx Sitzbad mit Heublumen, anschl. Knieguss; lx 3/4-Bad mit Heublumen, anschl. Unterguss.

Allgemeine Maßnahmen

Spaziergänge, Trockenbürsten; Gymnastik.

Diät

Die Verträglichkeit bestimmt die Nahrungsmenge und die Auswahl der Nahrungsmittel. Grundsätzlich muß Fettbeschränkung, 40 g pro Tag, erfolgen; fetterhitzte, gebratene, geröstete und geräucherte Speisen sind zu meiden; Süßigkeiten erfordern wegen des geschädigten Inselzellgewebes eine vernünftige Beschränkung.

Tee

  • Kamille
  • Fenchel
  • Löwenzahn
  • Anis
  • Pfefferminze
  • Salbei
  • Tormentillwurzel aa ad 100,0
  • Tgl. 3×1 Tasse; kalt ansetzen, aufkochen, 10 Min. ziehen lassen.

Homöopathie

  • Carduus marianus       D2
  • Lycopodium               D3
  • Atrop. sulf.                 D4
  • Arsenicum alb.           D4 aa ad 40,0
  • Tgl. 3×15 Tr.

Medikamente

Verordnung durch den Arzt.

Über den Autor

Dr. med. Mathäus Fehrenbach: Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren

Quelle

Fehrenbach, Dr. med. Mathäus: Kneipp von A-Z: Das Gesundheitsbuch für alle; Verlag: Radgeber Ehrenwirth; 6. Auflage 2010

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Kursanatorium Dr. Fehrenbach.