Blähbauch

Blähbauch – Meteorismus – Blähsucht

Der Blähbauch (Blähsucht) gehört neben der Verstopfung und dem Durchfall zu den häufigst geklagten Magen-Darmbeschwerden. Er beruht auf vermehrtem Gasgehalt des Magen-Darmtraktes. Normalerweise enthält der Magen-Darmkanal feste und flüssige Nahrung,  die durch den Verdauungsprozess verändert zu einem Brei verwandelt und schließlich als Restsubstanz, dem Stuhl, ausgeschieden wird. In den Darm gelangen weiterhin die Verdauungssäfte der einzelnen Verdauungsdrüsen und abschilfernde Deckzellen der Schleimhaut. Darmbakterien – die wichtigsten sind die Colibazillen – überziehen als sog. Darmflora gleich einem Rasen die gesamte Dünn- und Dickdarmschleimhaut,  während der Magen aufgrund seiner Salzsäureproduktion ohne biologische Bakterienbesiedlung ist.

Hinzu gesellen sich schließlich die gasförmigen Stoffe, die normalerweise 20 bis 200 ml betragen und einer Gesamtproduktion von 0,4 bis 2,4 1 pro 24 Stunden entsprechen. Die Zusammensetzung des gasförmigen Inhalts ist nicht gleichmäßig über den gesamten Magen-Darmkanal verteilt, sondern wechselt von Abschnitt zu Abschnitt. Während sich im Magen fast ausschließlich Atemluft befindet, entwickelt sich im Dünndarm aufgrund fermentativer Verdauungsvorgänge Kohlensäure. Die Dickdarmflora wiederum entwickelt bei Ihrem Abbauprozess der Endnahrungsstoffe als Nebenprodukt Wasserstoff und Methan. Nur ein Teil dieser gasförmigen Stoffe wird über die Darmwand wieder in den Blutstrom aufgenommen, sodaß abgehende Winde sich schließlich aus verschluckter Luft und den Gasen aus dem Dick- und Dünndarm zusammensetzen.

Blähbauch

Blähbauch – (C) Bildlizenz: CC0 – derneuemann / Pixabay

Zwischen Blähbeschwerden und der im Leib angesammelten Gasmenge besteht keine feste Beziehung. Es muß also noch ein weiterer Faktor hinzukommen, wenn über Völle, Druckgefühl, Schmerzen im Leib und Luftaufstoßen oder lästige Blähungen geklagt wird. Wie unter vegetativer Dystonie beschrieben, fundiert der gesamte Darmtrakt als sensibler Reizempfänger auf seelische Disharmonie. Es stellt sich immer wieder die Frage, ob ein nervöser Reizdarm Blähungen mit Schmerzen verursacht oder ob erst die Gasansammlungen im Leib Beschwerden auslösen. Ähnlich verhält es sich mit dem sog. Roemheldschen Symptomenkomplex, wenn Luftansammlungen im Magen das Herz bedrängen oder gar zu einem Herzanfall führen. Sind nun Herzschmerz und luftgefüllter Magen gemeinsame Sendboten des Nervensystems, oder pumpt sich der aufgeregte Magen zuerst mit Luft voll, um sich dann erst mit Schmerz zu melden? Wir wissen es nicht ganz genau. Wir wissen nur, daß wiederum das allmächtige Nervensystem seine Hand mit im Spiel hat.

Aus eigener Praxiserfahrung heraus ist mir bekannt, daß der chronische Blähbauch auf das Zusammenwirken verschiedener Faktoren angewiesen ist, die einzeln oder gemeinsam den Meteorismus verursachen.

  1. Reichlicher Verzehr blähungsfördernder Nahrungsmittel: Fast jeder weiß, daß bestimmte Nahrungsmittel eine blähungsfördernde Wirkung haben. Dazu gehören vor allem Kohlarten und Hülsenfrüchte. Eine Ernährung, deren Übergewicht in Rohprodukten wie Obst, Salate und Rohgemüse liegt, geht ebenfalls mit einer reichlichen Gasproduktion in den Darmschlingen einher. Die Liebhaber von Süßigkeiten aller Art werden bereits am eigenen Leib die Wirkung von Schokolade, Pralinen, Torten und Hefegebäck erfahren haben. Aus meiner Beobachtung begünstigen weiterhin kohlensäurehaltige Getränke wie Bier, Sekt, Limonade und Sprudel, aber auch ein Überverzehr an Sauermilcherzeugnissen die Gasentwicklung im Magen-Darmkanal.
  2. Mangelhafte Sekretion an Verdauungssäften: Die gesamte Menge der Verdauungssäfte, die dem Aufschluss der Nahrung dienen, beträgt 4-7 1 pro Tag, eine stattliche Menge an Flüssigkeit.
  3. Dieser permanente Sekretionsstrom an Speichel, Galle, Magen-, Bauchspeicheldrüsen- und Dünndarmsaft unterliegt natürlich gewissen Abhängigkeiten. Die saftproduzierenden Organe müssen funktionstüchtig sein und die Ausführungsgänge einen freien Abfluß garantieren. Vielfältige Störungen, auch nervöse Einflüsse, lassen den Sekretionspegel in manchen Krankheitsfällen auf ein Niveau absinken, das einen einwandfreien Abbau der Nahrung nicht mehr ermöglicht. Halbverdaute Nahrungsreste wandern in den Dickdarm und werden dort zur Beute der millionenfach vorhandenen Mikroorganismen, die bei ihrer Aufräumungsarbeit die Schlackenstoffe zerlegen, wobei als Nebenprodukt reichlich gasförmige Stoffe anfallen.
  4. Bakterielle Fehlbesiedlung des Dünn- und des Dickdarms: Die normale Keimbesiedlung des Dünn- und des Dickdarms ist in ihrer Wertigkeit für die menschliche Gesundheit keineswegs abgeklärt. Während die einen einen Zusammenhang zwischen der Darmflora und dem körperlichen Wohlbefinden mit allem Nachdruck ablehnen, schwören wieder andere auf die Wichtigkeit einer gesunden, stabilen Bakterienbesiedlung des Darmes. Wie in vielen Bereichen der Medizin befinden wir uns hier noch auf schwankendem Boden. Mit einiger Sicherheit darf jedoch behauptet werden, daß die Darmflora von Mensch zu Mensch verschieden ist, also einen individuellen Charakter hat und im Sinne einer gasproduzierenden Gemeinschaft verändert sein kann. Welche Faktoren nun eine Veränderung in diese Richtung bewirken, müssen wir leider offenlassen, mag auch der Beschaffenheit der Nahrung dabei die wichtigste Rolle zufallen.
  5. Nervöses Luftschlucken: Kaum ein Symptom repräsentiert ein psychosomatisches Geschehen eindeutiger als das Luftschlucken und Luftaufstoßen. Die in den Magen gelangenden Luftmengen können 1 bis 1,5 1 erreichen. Durch eine nervöse Fehlregulation wird Luft beim Einatmen in die Speiseröhre geleitet und in den Magen befördert. Ein Teil der Luft mag auch beim hastigen Essen und schnellen Trinken die Speiseröhre passieren.
  6. Die larvierte oder maskierte Depression (s. Depression): Sie äußert sich nicht nur in Schlafstörungen, Kopf- und Herzschmerzen, sie zieht auch häufig den Leib in ihren Bannkreis und verursacht unangenehme Druck- und Spannungsschmerzen, ohne daß sich mit Sicherheit ein gasgefüllter Trommelbauch nachweisen läßt.
  7. Haltungsschäden: Durch ein starkes Hohlkreuz, einen relativen Tiefstand des Zwerchfells und Nachlassen der normalen Bauchmuskelspannung (Bauchpresse) kann ein Blähbauch vorgetäuscht werden, der keine echte Beziehung zu einem gasgefüllten Darmtrakt hat.
  8. Da die Ursachen des chronischen Blähbauches so unterschiedlich sind, unterliegt auch die medikamentöse Behandlung keiner einheitlichen Linie.

Kneipp:

Tgl. Heublumenauflage oder Heusack auf Leib, besonders nach dem Essen, und Wechselschenkelleibguss

Wöch. 2x Sitzbad mit Heublumen, anschl. Schenkelleibguss

Allgemeine Maßnahmen:

s. Abhärtung, außerdem Leibselbstmassage, Atemübungen.

Diät:

Strenge Zeiteinteilung der Mahlzeiten; langsam und gut kauen; bei Übergewicht Reduzierung der Nahrungsmengen.

Antiblähdiät: keine Kohlarten, keine Hülsenfrüchte; Obst, Salate und Rohkost nicht ausschließlich und nicht in großen Mengen; Süßigkeiten bis zur Beschwerdefreiheit meiden; Weißmehlprodukte, besonders Hefegebäck, frisches Brot und frische Brötchen wirken blähungsfördernd; Sauermilcherzeugnisse, besonders mit süßen Säften oder mit Honig vermischt, führen oft zu Blähbeschwerden; kohlensäurehaltige Getränke wie Bier, Sekt, Limonade und Mineralwasser  vermehren den gasförmigen Kohlensäureanteil im Darm.

Tee:

  • Kümmel
  • Fenchel
  • Anis
  • Pfefferminze
  • Kamille
  • Salbei
  • Schafgarbe
  • Koreander
  • Tausendgüldenkraut
  • Anserine         aa ad 100,0
  • Baldrian
  • Hopfen
  • Melisse           aa ad 160,0

Tgl. 3 x 1 Tasse; kalt ansetzen, aufkochen, 10 Min. ziehen lassen.

Über den Autor

Dr. med. Mathäus Fehrenbach: Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren

Quelle

Fehrenbach, Dr. med. Mathäus: Kneipp von A-Z: Das Gesundheitsbuch für alle; Verlag: Radgeber Ehrenwirth; 6. Auflage 2010

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Kursanatorium Dr. Fehrenbach.