Armguss und Rückenguss (Kneipp)

Arm-Brustguss (ABg)

Bei diesem Guss wird der Oberkörper freigemacht. Die Haltung ist wie beim Armguss.

Gießfolge: Es werden zuerst beide Arme wie beim Armguss begossen .Dann geht man von der Innenseite des linken Armes auf die Brust über und begießt diese kreisförmig; der Hals wird mit einbezogen.

Dieser Guss ist für den Hausgebrauch wenig geeignet, weil die notwendige Beugehaltung nur über dem Obergussgestell möglich ist. Außerdem ist in dieser Haltung eine Zweitperson notwendig, die den Guss durchführt.

Die Heilanzeigen für diesen Guss sind die gleichen wie beim Armguss; bei allen Erkältungskrankheiten der oberen Luftwege; auch im Anschluß an einen Kopfdampf wird er bevorzugt durchgeführt.

Armguss verlängert (Ag. verl.)

Er unterscheidet sich vom Armguss nur dadurch, daß die Partie zwischen beiden Schultern, die Schulterblätter und der Nacken, in den Guss mit eingeschlossen werden. Als Anwendung zu Hause ist dieser Guss nicht geeignet. Er wird während einer Kur als Übergang zum Oberguss verordnet. Er findet außerdem Verwendung beim Nackenkopfschmerz und den häufigen muskulären Verspannungszuständen im Nackenbereich.

Rückenguss (R)

Er gehört zu den stärksten Güssen. Außerdem ist er in seiner Technik schwierig, so daß er zu Hause zweckmäßigerweise durch den Vollguss ersetzt wird.

Gießfolge: Der Guss beginnt am rechten Fuß, wird an der Außenseite des Beines bis zum Gesäß hoch- und an der Innenseite wieder abgeführt; das linke Bein wird in gleicher Weise begossen; dann beginnt man an der rechten Hand, geht über den Arm bis zum rechten Schulterblatt um dort einige Sekunden zu verweilen; dann geht es wieder am Rücken abwärts bis zum Gesäß; dort wechselt man zur linken Hand und führt den Wasserstrahl über den linken Arm bis zum linken Schulterblatt aufwärts; dort erfolgt wieder ein Verweilen von einigen Sekunden; nach Abgang zum Gesäß erfolgt dann ein Wechsel nach rechts; es geht dann der Wirbelsäule entlang hoch bis zum rechten Schulterblatt, und dann wieder abwärts zum Gesäß; dann erfolgt wieder ein Wechsel nach links und ein Hochgehen entlang der Wirbelsäule bis zum linken Schulterblatt; durch ein Abwärtsgehen über die linke Rückseite und das linke Bein findet der Guss seinen Abschluß.

Der Rückenguss wird meist als Wechselrückenguss in der letzten Kurwoche verordnet.

Als Heilanzeige haben alle Beschwerden zu gelten, die mit der Wirbelsäule Zusammenhängen: Schmerzen im Wirbelsäulenbereich, Bandscheibenschaden, muskuläre Verspannungen und Entkalkung der Wirbelkörper (Osteoporose). Der Kaltanteil ist bei Wirbelsäulenerkrankungen sehr vorsichtig zu geben. Vielfach ist der heiße Rückenguss (ohne Kaltanteil) bekömmlicher.

Abguss oder Abgießung (Abg)

Diese Anwendung wird vorwiegend als Abschluß einer Warmanwendung, eines Bades oder eines heißen Gusses verabreicht. Sie wird stets kalt oder temperiert gegeben. Der Abguss unterscheidet sich vom Vollguss durch seine kürze und einfache Handhabung und ist deswegen für den Hausgebrauch ideal.

Gießfolge: Wie beim Vollguss beginnt man an den Füßen; der drucklose Wasserstrahl wird, das ganze Bein umschließend, bis zur Hüfte geführt, zuerst rechts – dann links; an den Armen verfährt man in gleicher Weise; hat der Wasserstrahl die Schulter erreicht, wird das Wasser auf der Schulter so verteilt, daß zuerst die Vorderseite des Körpers, dann die Rückseite von dem herabfließenden Wasser gleichmäßig umschlossen wird, zuerst rechts – dann links.

Dieser einfache Kaltabguss sollte nach jedem Reinigungsbad, nach jeder warmen Dusche zugunsten der Gesundheit und der Abhärtung Gewohnheit werden. Der Kaltempfindliche kann den abschließenden Kaltanteil seinen Bedürfnissen entsprechend temperieren.

Über den Autor

Dr. med. Mathäus Fehrenbach: Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren

Quelle

Fehrenbach, Dr. med. Mathäus: Kneipp von A-Z: Das Gesundheitsbuch für alle; Verlag: Radgeber Ehrenwirth; 6. Auflage 2010

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Kursanatorium Dr. Fehrenbach.