Herzschrittmacher, Bypass, Stent und Reha

Herzschrittmacher, Bypass und Stent

Bei Herz- oder Gefäßerkrankungen können Implantate Betroffenen helfen, die natürliche Herzfunktion zu unterstützen oder die Blutversorgung des Herzmuskels wiederherzustellen. Erfahren Sie hier alles über das operative Einsetzen von Herzschrittmacher, Bypass oder Stent und über den Nutzen einer kardiologischen Reha.

Foto eines jungen Chirugen, der Implantate wie Herzschrittmacher, Bypass und Stent erläutert.

Lesen Sie hier über das operative Einsetzen von Herzschrittmacher, Bypass oder Stent und über den Nutzen einer kardiologischen Reha. Foto: © Gerhard Seybert / fotolia

Herzschrittmacher, Bypass und Stent: Allgemeines

Wenn das Herz unregelmäßig oder zu langsam schlägt, kann ein Herzschrittmacher die Funktion normalisieren. Ein Herz-Bypass dient dazu, verengte oder ganz verschlossene Herzkranzgefäße zu umgehen, damit der Herzmuskel ausreichend mit Blut versorgt werden kann. Ein Stent kann zu enge Herzkranzgefäße weiten und offen halten. Dabei handelt es sich um eine röhrenförmige Gefäßstütze aus Kunstfaser oder Metall, die in das Blutgefäß eingesetzt wird.

In Deutschland wurden 2013 mehr als 335.000 Menschen am Herzen operiert (1). Davon waren 53.000 Bypass-OPs. Der Einsatz von Stents stieg in den letzten Jahren immer mehr an. Dabei kamen in drei Viertel aller Fälle beschichtete Stents zum Einsatz, die Medikamente abgeben und verhindern, dass die Gefäße wieder zuwuchern. Jährlich werden zudem über 70.000 Herzschrittmacher eingesetzt.

Herzschrittmacher, Bypass und Stent: Ursachen

Die Ursachen für den Einsatz eines Herzschrittmachers sind in der Regel bestimmte Arten von Herzrhythmusstörungen. Bei diesen Erkrankungen ist die Anregung des Herzmuskels durch elektrische Impulse verlangsamt oder setzt teilweise aus. Ein Herzschrittmacher gibt mit einem elektrischen Signal den Rhythmus vor und normalisiert die Schlagfrequenz des Herzens.

Muskeln benötigen für ihre Funktion ausreichend Sauerstoff. Beim Herzmuskel sind die Herzkranzgefäße für die Versorgung zuständig. Durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) können sich Kalk, Blutfette und Gewebe an der Innenseite der Herzkranzgefäße ablagern und diese verengen oder verschließen. Dadurch wird die Herzfunktion beeinträchtigt (koronare Herzkrankheit). In schwereren Fällen muss die Blutversorgung des Herzmuskels operativ wiederhergestellt werden. Das kann erreicht werden, indem Stents die Gefäße offen halten. Eine andere Möglichkeit ist der Herz-Bypass, mit dem die verschlossenen Gefäße umgangen werden und das Blut nun über den Bypass fließen kann.

Herzkrankheit: Symptome

Eine Koronare Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße) macht im Frühstadium oft keine Beschwerden. Je nach Art der Verengung können mit der Zeit Symptome wie Schmerzen, Brennen hinter dem Brustbein und ein Engegefühl in der Brust auftreten. Diese Beschwerden werden als Angina pectoris bezeichnet.

Bei einer koronaren Herzkrankheit oder nach einem Herzinfarkt kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. Ob das spürbare Folgen hat, hängt davon ab, welche Region des Herzens betroffen ist und ob das Herz zu schnell oder zu langsam schlägt. Bei zu langsamem Herzschlag wird das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Die Folge sind Übelkeit, Schwindel und manchmal Sehstörungen. Betroffen fühlen sich oft müde, erschöpft, benommen und können sogar ohnmächtig werden. Ein zu schneller Herzschlag führt zu merklichem Herzrasen oder „Herzstolpern“. Außerdem können Angst, Nervosität, Schwindel und Atemnot vorkommen. Bei schweren Fällen von Herzrhythmusstörungen sind lebensbedrohliche Zustände möglich.

Herzerkrankung: Untersuchungen & Diagnose

Bei Verdacht auf eine Herzerkrankung klärt der Arzt im Gespräch zunächst ab, ob beim Patienten und bei nahen Angehörigen bereits Herzprobleme bekannt sind. Bei der nachfolgenden körperlichen Untersuchung werden Herz und Lunge mit einem Stethoskop abgehört. Der Arzt misst Blutdruck und Puls. Er notiert einige grundlegende Daten wie Größe, Gewicht und Bauchumfang. Dann folgen gegebenenfalls genauere Untersuchungen.

Blutuntersuchung

Blutwerte geben Auskunft über den Stoffwechsel von Fett und Zucker. Dadurch lassen sich Umstände erkennen, die Herzprobleme begünstigen. Bestimmte Herzenzyme zeigen Herzkrankheiten an. Auch Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerte sowie ein Blutbild und die Bestimmung von Elektrolyten (dazu gehören unter anderem Natrium und Kalium) geben dem Arzt wichtige Informationen über die Herzfunktion.

EKG (Elektrokardiogramm)

Bei einem EKG werden Elektroden am Körper befestigt, die den Herzschlag aufzeichnen. Das EKG kann in Ruhe oder unter Belastung durchgeführt werden. Auch nach einer Herzoperation ist das EKG wichtig, um den Verlauf der Erkrankung und den Erfolg der Behandlung zu kontrollieren.

Herzkatheter-Untersuchung

Bei der Herzkatheter-Untersuchung wird unter örtlicher Betäubung ein Katheter durch die Aorta (Hauptschlagader) bis ins Herz geschoben. Dabei ist eine sehr detaillierte Darstellung der Herzkranzgefäße und darin befindlicher Gefäßengstellen möglich. Dadurch können Therapie und Operationen genau geplant werden.

Weitere spezielle Herzuntersuchungen

Ein Ultraschall des Herzens (Echokardiografie) zeigt die Größe und Funktion der Herzkammern. Je nach Art der Herzerkrankung kann eine Reihe weiterer Untersuchungen durchgeführt werden. Dazu gehören z.B. bildgebende Verfahren, die das Herz, die Herzkranzgefäße oder Kalkablagerungen in Blutgefäßen genauer darstellen können.

Herzschrittmacher, Bypass und Stent: Implantations-Methoden

Lesen Sie im Folgenden, wie Herzschrittmacher, Bypass oder Stents eingesetzt werden.

Implantation eines Herzschrittmachers

Ein Herzschrittmacher wird mit örtlicher Betäubung implantiert. Durch einen kleinen Schnitt in der Haut werden eine oder zwei dünne, biegsame Elektroden vom Schlüsselbein aus durch eine Vene bis zum Herzen geschoben und am Herzmuskel platziert. Die richtige Lage und Funktion wird während der Operation direkt getestet. Der eigentliche Schrittmacher, der elektrische Impulse abgibt, wird im Bereich der Brustmuskeln eingepflanzt.

Herz-Bypass-Operation

Bei einer Bypass-Operation werden verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße durch das Einsetzen gesunder Gefäße umgangen. Dazu werden körpereigene Blutgefäße verwendet, die aus der Brust oder am Bein entnommen werden. Die Herz-Bypass-Operation findet immer unter Vollnarkose statt. Das Herz kann kurzfristig stillgelegt und der Patient an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Einfachere Operationen können am schlagenden Herzen durchgeführt werden.

Implantieren eines Stents

Ein Stent kann unter örtlicher Betäubung eingesetzt werden. Zunächst wird ein Katheter durch ein Blutgefäß bis zur verengten Stelle am Herzen vorgeschoben. Mit einem Ballon wird die Verengung gedehnt. Dann entfaltet sich der Stent im Blutgefäß und bildet eine röhrenförmige Verstärkung der Wand. Es wird sofort überprüft, ob der Stent richtig liegt, sich korrekt entfaltet hat und wieder ausreichend Blut durch das behandelte Blutgefäß fließt.

Kardiologische Reha

Patienten mit chronischen Herzkrankheiten profitieren in den meisten Fällen von einer Reha (2). Nach der Implantation eines Herzschrittmachers, Stents oder Herz-Bypass ist die Nachsorge wichtig, um die Heilung zu optimieren und Neuerkrankungen vorzubeugen.

Maßnahmen in der Reha

Spezialisierte Rehakliniken bieten Herzkranken umfangreiche Einrichtungen zur Untersuchung von Herz und Blutgefäßen. Medikamente und deren Dosierung können in der Reha genau angepasst werden. Zu den wichtigsten Maßnahmen in der Reha gehören die Bewegungstherapie und ein Trainingsprogramm (2). Patienten lernen, welche Übungen und Sportarten das Herz stärken (Herzgymnastik, Gefäßtraining). Sie gewinnen wieder Sicherheit im Umgang mit körperlichen Belastungen. Fachärzte stellen vor Beginn einer Therapie für jeden Patienten individuell fest, wie belastbar er ist und welche Maßnahmen für ihn am besten geeignet sind.

Auch Informationen und Schulungen gehören zu einer Reha. Betroffene erfahren alles über ihre Erkrankung, die Folgen und Chancen der Therapie. Bei Bedarf wird psychologische Unterstützung angeboten. Ernährungsberatung, Wasser- und Massageanwendungen, Entspannungsübungen und Stressbewältigung können genauso Teil der Reha sein wie Maßnahmen und Beratungen zur Rückkehr in den Beruf.

Chancen und Nutzen der Reha

Eine kardiologische Reha soll Patienten belastbarer und leistungsfähiger machen. Nach Herzoperationen müssen Betroffene wieder Mut schöpfen, sich Alltagsbelastungen zu stellen und der Leistungsfähigkeit ihres Herzens zu vertrauen. Eine Reha hilft auch dabei, die Belastung einer Herzerkrankung und Operation zu bewältigen und zu verarbeiten. Die Bundesärztekammer empfiehlt: „Die kardiologische Rehabilitation soll ein integraler Bestandteil einer am langfristigen Erfolg orientierten, umfassenden Versorgung von Herzpatienten sein“ (2).

Über die Autorin

Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin mit mehrjähriger Erfahrung in der medizinisch-wissenschaftlichen Diagnostik.

Quellen

  • (1) Krankenhausreport der Barmer GEK. 2014.
  • (2) Nationale VersorgungsLeitlinie „Chonische KHK (Koronare Herzkrankheit)“. Hrsg: Bundesärztekammer. 4. Auflage 2016.