Kniearthrose (Gonarthrose) und Reha

Die Kniearthrose (Gonarthrose) im Überblick

Bei der Kniearthrose (Gonarthrose) handelt es sich um einen Gelenkverschleiß im Knie. Die typischen Beschwerden sind Schmerzen in Bewegung und später auch in Ruhe. Unter den Arthroseerkrankungen ist die Gonarthrose in Deutschland die häufigste Form. Der Verschleiß zeigt sich im Abrieb des schützenden Gelenkknorpels zwischen zwei Knochen. Im Kniegelenk treffen sogar drei Knochen zusammen, der Oberschenkelknochen,  das Schienbein und die Kniescheibe. Alle Knochen sind durch Gelenke verbunden, das Schienbein und der Oberschenkel doppelt.

Kniearthrose: Allgemeines

Jedes Jahr wird in Deutschland bei circa 240 von 100.000 Einwohnern eine Arthrose des Kniegelenks diagnostiziert. Die Erkrankung ist somit sogar häufiger als die Arthrose des Hüftgelenks. Da es sich um eine Verschleißerscheinung handelt, nimmt mit dem Alter erwartungsgemäß auch das Erkrankungsrisiko zu. Männer sind typischerweise früher betroffen als Frauen.

Foto: Ärztin untersucht Patient mit Kniearthrose

Foto: Ärztin untersucht einen Reha-Patienten mit Kniearthrose; das Hauptmerkmal einer Gonarthrose ist der Schmerz. Frühe Anzeichen für einen beginnenden Gelenkverschleiß sind Anlaufschmerzen, Schmerzen bei Belastung und Ermüdungsschmerzen. © WavebreakMediaMicro / fotolia

Viele Betroffene bemerken Ihre Gonarthrose zunächst nicht, andere gehen hauptsächlich wegen Schmerzen zum Arzt. Diagnostiziert wird die Erkrankung meist über bildgebende Verfahren wie das Röntgen, die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT). Eine typische Verschmälerung des Gelenkspalts durch den Abbau von Knorpel bestätigt dem Arzt hier seine klinische Verdachtsdiagnose.

Kniearthrose: Verschiedene Formen

Da das Kniegelenk einen recht komplexen Aufbau hat, können verschiedene Formen der Arthrose entstehen. Die unterschiedlichen Gelenkverbindungen der drei Knochen Kniescheibe, Schienbein und Oberschenkel werden in der Medizin als Kompartimente bezeichnet. Ist nur ein Kompartiment von Verschleißerscheinungen betroffen, handelt es sich um eine unikompartimentelle Gonarthrose zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein oder zwischen Oberschenkelknochen und Kniescheibe. Sind zwei Kompartimente betroffen (bikompartimentelle Gonarthrose), sind Oberschenkelknochen und Schienbein involviert. Sind alle drei Kompartimente betroffen, spricht der Orthopäde von einer Pangonarthrose oder einer trikompartimentelle Gonarthrose.

Mediale und laterale Gonarthrose

Besonders im Rahmen von Beinfehlstellungen (O- oder X-Beinen) kann es zu einer einseitigen Gonarthrose kommen. Bei der medialen Form liegt die Zone des Knorpelabbaus im inneren Teil des Kniegelenks und bei der lateralen Gonarthrose liegt der Verschleiß außen.

Aktivierte Gonarthrose

Entzündet sich ein durch eine Arthrose vorgeschädigtes Kniegelenk akut, sprechen Mediziner von einer aktivierten Gonarthrose. Der Patient klagt über ein schmerzendes, gerötetes und überwärmtes Knie.

Kniearthrose: Erscheinungsbild / Symptome

Das Leitsymptom einer Gonarthrose ist der Schmerz. Frühe Anzeichen für einen beginnenden Gelenkverschleiß sind Anlaufschmerzen, Schmerzen bei Belastung und Ermüdungsschmerzen. In Ruhe haben die Betroffenen zu diesem Zeitpunkt noch keine Probleme. Mit zunehmendem Knorpelabbau nehmen auch die Symptome zu. Schmerzen bestehen nun auch ohne Belastung und in der Nacht im Schlaf, die Muskeln um das Gelenk schmerzen ebenfalls. Es kann zu Wetterfühligkeit und Bewegungseinschränkung kommen. Im ausgeprägten Endstadium deformiert der Abbauprozess das ganze Gelenk und das betroffene Knie kann instabil werden.

Kniearthrose: Untersuchungen und Diagnose

Der Orthopäde stellt die Diagnose Gonarthrose per klinischem Untersuchungsbefund und Bildern des erkrankten Gelenks. Röntgen, Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) geben Auskunft über die Weite des Gelenkspalts und somit indirekt über die Dicke der Knorpelschicht, die das Gelenk überzieht. Der Knorpel selber ist nicht röntgendicht und kann auf einem Röntgenbild oder CT nicht abgebildet werden.

Patientenfragebogen

Um zu entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt für eine Operation bei einer Gonarthrose gekommen ist, nutzen die Mediziner spezielle Fragebögen. Interessante Punkte sind zum Beispiel:

  • Wie stark sind Ihre Schmerzen auf einer Skala von 1 bis 10?
  • Wie eingeschränkt ist die Funktion Ihres Kniegelenks?
  • Fühlen Sie sich durch Ihre Gonarthrose in Ihrer Lebensqualität eingeschränkt?
  • Treten auch in Ruhe und nachts regelmäßig Schmerzen auf?

Kniearthrose: Prävention, Therapie und Reha

Wie Sie einer Gonarthrose vorbeugen

Einer Gonarthrose vorzubeugen ist nur bedingt möglich. Vermeiden Sie Übergewicht und betreiben Sie Knie schonende Sportarten wie Gymnastik im Wasser und Radfahren. Lassen Sie sich bei Fehlstellung der Beine (X-Beine oder O-Beine zum Beispiel) von einem Orthopäden beraten. Hat der Gelenkverschleiß bereits begonnen, können krankengymnastische Übungen den Verlauf aufhalten, in dem sie die Muskulatur um das Kniegelenk stärken. Die Belastung des Gelenkknorpels kann so reduziert werden.

Operative Therapie einer Gonarthrose

Kann eine konservative Therapie das Fortschreiten der Gonarthrose nicht länger aufhalten, rät der behandelnde Orthopäde meist zu einem künstlichen Kniegelenk. Ist der Knorpel im Kniegelenk nur auf einer Seite abgenutzt, kann ein sogenannter medialer Schlitten eingesetzt werden. Die Prozedur wird minimalinvasiv durchgeführt, wenn die Arthrose nur mäßig ausgeprägt ist. Nach der Operation funktioniert der Schlitten als Abstandhalter im Kniegelenk und übernimmt so die Aufgabe des zerstörten Gelenkknorpels. Ähnlich arbeitet ein sogenannter Oberflächenersatz, der knochenerhaltend eingesetzt wird. Eine Totalprothese ist die letzte Stufe der Therapie. Orthopäden unterscheiden zwischen zementfreien Prothesen für jüngere Patienten, die noch über einen stabilen Knochenbau verfügen und zementierten Prothesen für ältere Patienten, die im Verlauf nicht so leicht ausgetauscht werden können. Je nach Bedarf kann die Prothese aus unterschiedlichem Material hergestellt sein. Welches Modell bei Ihnen eingesetzt wird, hängt von eventuellen Fehlstellungen Ihrer Beine, der Stabilität Ihrer Bänder, Ihrer Knochenqualität und möglicherweise vorliegenden Begleiterkrankungen ab. Im Durchschnitt ist nach circa 15 Jahren ein Austausch der Prothese notwendig.

Ihre Zeit im Krankenhaus

Die Operation selbst dauert für gewöhnlich eine bis zwei Stunden. Im Krankenhaus werden Sie wahrscheinlich für fünf Tage bleiben, wenn keine Komplikationen auftreten. Die Mobilisation beginnt direkt nach dem Einsetzen des neuen Kniegelenks und wird direkt im Anschluss in der Reha fortgesetzt. Speziell orthopädisch weitergebildete Physiotherapeuten sind neben den Ärzten Ihre wichtigsten Ansprechpartner.

Ihre Zeit in der Reha oder Anschlussheilbehandlung

Rechnen Sie mit einem Aufenthalt von circa drei Wochen entweder stationär oder ambulant. Zu Beginn werden Sie sich, nach Anleitung durch einen Krankengymnasten, mit zwei Unterarmgehstützen fortbewegen. Auch eine Motorbewegungsschiene kann zum Einsatz kommen. Das operierte Knie dürfen Sie zügig mehr belasten. Details hängen hier stark von Ihrem Allgemeinzustand und der Muskelkraft Ihrer Beine ab. Freuen Sie sich auf ein ganz neues Bewegungsgefühl. Die Zeit der chronischen Schmerzen ist nun vorbei und auch der Operationsschmerz vergeht in der Rehaklinik unter professioneller Betreuung. Konzentrieren Sie sich darauf, die Muskulatur Ihres Kniegelenks wieder aufzubauen und so auch den Bandapparat zu stabilisieren. Die meisten Patienten haben durch die schmerzbedingte Schonhaltung, die sie oft über Jahre eingehalten haben, verkürzte Bänder, Sehen und Muskeln im Knie. Hier setzt die Physiotherapie in der Reha an.

Jeder Patient ist ein Individuum

In der Reha besteht die Zeit, einen ganz individuellen Behandlungsplan für Sie zu erstellen und täglich umzusetzen. Orthopäden und Physiotherapeuten (Krankengymnasten) bilden zusammen mit Ergotherapeuten und Spezialisten für physikalische Therapie Ihr Behandlungsteam. Mit der Besserung der Mobilität Ihres Kniegelenks wird auch die Therapie ständig angepasst.

Physikalische Anwendungen

Um Ihr Knie rasch wieder in Form zu bekommen, erhalten Sie verschiedene physikalische Behandlungen, die den Genesungsprozess unterstützen.

  • Massagen
  • Lymphdrainagen
  • Güsse
  • Elektrotherapie
  • Wärmeanwendungen

Physiotherapie und Ergotherapie

Krankengymnastik und Arbeits- und Beschäftigungstherapie haben gemeinsam das Ziel, Ihnen die Beweglichkeit im Kniegelenk zurückzugeben und Sie wieder fit für den Alltag zu machen. Sie führen Übungen durch, um Koordination und Kraft neu auszurichten. Die Therapeuten helfen Ihnen dabei, möglicherweise vorbestehende Fehlhaltungen zu verbessern und ein neues Körpergefühl zu erlangen. Sobald die Operationswunde verheilt ist, bieten viele Rehakliniken auch Physiotherapie im Wasser an. Die Gruppentherapie beinhaltet gemeinsame Spaziergänge und ähnliches Bewegungstraining gemeinsam mit anderen Knieprothesenträgern. Ein Austausch von Erfahrungen motiviert und verbessert nebenbei die seelische Situation der Patienten.

Über die Autorin

Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin mit mehrjähriger Erfahrung in der Behandlung und Beratung von Patienten. Als Fachautorin schreibt sie Artikel zu Themen aus Medizin und Gesundheit. Die verständliche Darstellung komplexer medizinischer Inhalte liegt ihr besonders am Herzen.

Quellen

  • Wolfgang Rüdiger Hepp, Hans Ulrich Debrunner, Orthopädisches Diagnostikum, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2004