Ob chronisch oder nur über einen bestimmten Zeitraum – bereits leichte Schmerzen belasten den Alltag und können die Lebensqualität Betroffener drastisch einschränken. Allerdings hat nicht jeder Schmerzgeplagte die Zeit oder die Möglichkeit, eine Reha-Maßnahme in Anspruch zu nehmen. So informieren sie sich über alternative Schmerztherapien. Dieser Artikel beschreibt, welche es gibt und wie sie bei einem akuten Schmerzreiz helfen können.
Die Alternative zur medikamentösen Schmerztherapie
Schmerzmittel sind in der Schmerzbehandlung ein wichtiger Baustein. Abhängig von der Schmerzdiagnose kommen unterschiedliche Medikamentengruppen infrage. Ihre Gemeinsamkeit: Sie können Nebenwirkungen nach sich ziehen. Darunter oft Unwohlsein, Übelkeit oder eine andauernde Abgeschlagenheit. Zudem besteht die Gefahr, dass die Schmerzmittel nicht auf die gewünschte Weise anschlagen. Als Alternative können Ärzte medizinisches Cannabis verschreiben. Das geschieht hauptsächlich, wenn ihre Patienten unter schwerwiegenden Symptomen leiden – etwa chronische Schmerzen, Spastiken bei Multipler Sklerose oder Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie. Die Verschreibung erfolgt nach ärztlicher Prüfung und setzt voraus, dass andere Therapien nicht ausreichend wirken oder starke Nebenwirkungen verursachen.
Alternative Schmerztherapien ohne orale Medikamentengabe
Trotz Schmerzen entscheiden sich viele Menschen bewusst gegen eine medikamentöse Therapie. Ein Grund dafür kann die Furcht vor möglichen Nebenwirkungen sein. Um dennoch auftretende Schmerzen – auch Dauerschmerzen – behandeln zu können, sind alternative Schmerztherapien gefragt.
Wärme- und Kältebehandlungen
Rückenschmerzen sind in Deutschland eine Art Volkskrankheit. Treten sie dauerhaft auf, können sie sich negativ auf den Alltag auswirken. Gleiches gilt, wenn sie sich zwar nur sporadisch, jedoch in starker Ausprägung bemerkbar machen. Abhilfe können Wärme- und Kälteanwendungen schaffen, die Betroffene auch zu Hause durchführen können. Die Einwirkung von Wärme ist besonders geeignet, um eine verspannte Muskulatur zu lockern, die lokale Durchblutung zu verbessern und dadurch die Elastizität des Gewebes zu unterstützen. Mögliche Therapiemaßnahmen sind heiße Bäder, warme Umschläge und Wickel sowie der Gang in die Sauna. Bei Zerrungen, Verstauchungen oder entzündungsbedingten Schmerzen sind dagegen Kälteanwendungen zu empfehlen. Hauptsächlich finden dabei kühlende Auflagen Verwendung. Um unerwartete Folgeschäden zu vermeiden, sollten insbesondere Kühlpads oder gefrorene Tücher nicht direkt auf der Haut aufliegen. Sinnvoller ist es, sie in ein trockenes Tuch einzuwickeln und anschließend auf die betroffene Körperstelle zu legen.
Nervenblockaden
Insbesondere Nervenschmerzen sprechen auf Medikamente sowie Wärme- und Kältebehandlungen nur bedingt an. Sind die schmerzverursachenden Nerven bekannt, kann jedoch eine gezielte Nervenblockade den Schmerzreiz ausschalten. Das funktioniert zwar nur vorübergehend, kann die Schmerztherapie jedoch positiv beeinflussen. Zudem steigert die Schmerzfreiheit – auch wenn sie temporär ist – die Lebensqualität Betroffener. Für Nervenblockaden kommen hauptsächlich lang anhaltende Lokalanästhetika wie Bupivacain, Ropivacain oder Levobupivacain zum Einsatz. Um eine längere Wirkung zu erzielen, werden manchmal zusätzlich Kortikosteroide hinzugefügt.
Triggerpunkt-Infiltrationen
Resultieren die Schmerzen nicht direkt aus einem geschädigten Nerv, kommen anstelle der Nervenblockaden Triggerpunkt-Infiltrationen infrage. Dabei wird ein leichtes Lokalanästhetikum in einen Triggerpunkt gespritzt. Anwendung finden etwa Bupivacain, Mepivacain, Lidocain oder Prilovacain. Unter Umständen muss die Behandlung mehrfach wiederholt werden, bis sie das gewünschte Ergebnis erzielt. Eine Triggerpunkt-Infiltration sollte vermieden werden bei bekannten Gerinnungsstörungen – insbesondere wenn der Quick-Wert unter 65% oder INR über 1.3 liegt – sowie bei Antikoagulationstherapie (wobei eine ärztliche Einzelfallprüfung erforderlich ist). Weitere Kontraindikationen sind akute Infektionen oder Entzündungen im Injektionsgebiet, bekannte Überempfindlichkeit gegen Lokalanästhetika und schwerwiegende Herzrhythmusstörungen. Bei schweren Herzerkrankungen ist eine vorherige ärztliche Rücksprache erforderlich.
Akupunktur
Die Akupunktur ist aus der traditionellen chinesischen Medizin bekannt. Bei dieser Behandlung sticht ein erfahrener Akupunkteur feine Nadeln in bestimmte Akupunkturpunkte des Körpers. Wo genau dabei angesetzt wird, hängt von der Verortung des Schmerzreizes ab. Empfehlenswert ist die alternative Schmerztherapie insbesondere für Patienten mit Kniegelenksarthrose, für die eine gute wissenschaftliche Evidenz vorliegt. Bei chronischen Kopfschmerzen und rheumatischen Erkrankungen zeigen Studien ebenfalls positive Effekte auf Schmerzlinderung und Gelenkfunktion, wobei eine ärztliche Begleitung und Beratung erforderlich bleibt.
TENS
Das Kürzel TENS steht für transkutane elektrische Nervenstimulation. Sie betrifft die Nervenendigungen an Trigger- oder Akupunkturpunkten. Bei der Behandlung liegen Elektroden auf der Haut rund um das schmerzende Areal. Alternativ werden sie dort an der Wirbelsäule angebracht, wo der schmerzverursachende Nerv austritt. Eine geringe Stromstärke mit hohen Frequenzen soll diese Regionen reizen und das Schmerzempfinden dadurch verringern. Obwohl TENS in vielen Studien angewendet wird, ist die wissenschaftliche Evidenz noch nicht eindeutig. Allerdings deuten aktuelle Auswertungen darauf hin, dass TENS insbesondere bei akuten und subakuten Schmerzen vielversprechend ist. Bei chronischen Schmerzen sind die Ergebnisse weniger konsistent.

