Gehaltsvergleich für Pflegekräfte und medizinisches Fachpersonal

Einkommen von Pflegekräften

Dass Pflegekräfte keinen einfachen Beruf haben, ist nicht abzustreiten. Schließlich tragen sie viel Verantwortung und das teils sogar für Personen, die ihren eigenen Willen nicht mehr äußern können.

Auf der anderen Seite wird gerne thematisiert, dass die Arbeit der Pflegekräfte schlecht bezahlt wird. An dieser Stelle gibt es gewiss Gegenstimmen, doch Menschen, die sich um gebrechliche, alte oder kranke Personen kümmern, können eigentlich nicht gut genug bezahlt werden. Zumal hier auch die körperliche Anstrengung, die häufig besagt, dass der Job nicht lange auszuüben ist, berücksichtigt werden muss.

Aber was bedeutet „wenig“ im Vergleich zu anderen medizinischen Berufen? Und wie sieht der finanzielle Lohn für Pfleger im Vergleich mit Berufen aus, die nichts mit der Pflege oder Medizin zu tun haben? Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

Vergütung von Pflegekräften

Abbildung 1: Pflegeberufe gelten als nicht sonderlich gut bezahlt – aber wie hoch ist die Vergütung eigentlich?
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Was verdienen Kranken- und Altenpfleger?

Auch in der Pflege gibt es Abstufungen bei den einzelnen Jobs. Das Gehalt eines Pflegers kann somit nicht auf alle anderen Pfleger übertragen werden, da immer verschiedene Faktoren mit entscheiden:

  • Qualifikation: Der Pflegeberuf kann erlernt werden, es gibt aber auch Hilfspflegekräfte. Zudem ist es möglich, ein Studium in dem Bereich abzuschließen, welches freilich das Gehalt erhöht.
  • Arbeitgeber: Derselbe Pfleger verdient bei verschiedenen Arbeitgebern unterschiedlich. Wer bei einer öffentlichen Einrichtung oder einem öffentlichen Träger angestellt ist, erhält das Gehalt nach dem Tarifvertrag. Pfleger bei freien Einrichtungen müssen ihr Gehalt hingegen selbst verhandeln. Dieses ist zumeist niedriger als das der nach Tarif Angestellten. Je nach Pflegeeinrichtung kann das Einkommen sogar massiv nach unten abweichen.
  • Aufgaben: Auch die Aufgaben des Pflegepersonals entscheiden über das Gehalt. So werden Altenpfleger meist am schlechtesten bezahlt. Wer hingegen in der Gesundheits- und Krankenpflege beschäftigt ist, verdient mehr. Pfleger, die nun auch noch die Organisation übernehmen, stehen finanziell besser da als diejenigen, die „nur“ pflegen. Zuletzt kommen die Jobmöglichkeiten, die nicht direkt mit der aktiven Pflege zusammenhängen: Pflegepädagogik, Forschung und Management.

Und wie verhalten sich die Gehälter nun durchschnittlich? Ein Überblick für Vollzeit-Pflegekräfte:

  • Pflegehelfer: Personen, die eine ein- bis zweijährige Ausbildung absolviert haben, erhalten ein mittleres Monatsgehalt von 2.041 Euro brutto.
  • Pflegefachkraft: Grundlage ist eine dreijährige Ausbildung. Das Einstiegsgehalt liegt im Schnitt bei 2.300 bis 2.800 Euro brutto. Bei staatlichen oder kirchlichen Einrichtungen kann sich dieses zwischen 2.800 und 3.000 Euro bewegen. Mit sehr viel Berufserfahrung kann das Gehalt von Pflegefachkräften laut Medi-Karriere auf 5.904 Euro (Entgeltgruppe P 16 Stufe 6 im öffentlichen Dienst) bzw. 6.956 Euro (Entgeltgruppe EG 13 Stufe 5 bei kirchlichen Einrichtungen) steigen.
  • Öffentlicher Dienst: Schon reine Pflegehelfer verdienen hier zwischen 1.700 und 2.600 Euro brutto. Ausgebildete Kräfte beginnen bei 2.150 Euro brutto, studierte Kräfte bei 2.600 Euro.

Die Ausbildungsvergütung von Pflegefachkräften hängt unter anderem davon ab, ob die Ausbildung bei einem öffentlichen oder kirchlichen Träger absolviert wird. Folgender Rahmen dient zur Orientierung:

  • 1. Ausbildungsjahr: 950 bis 1.141 Euro
  • 2. Ausbildungsjahr: 1.000 bis 1.202 Euro
  • 3. Ausbildungsjahr: 1.100 bis 1.303 Euro

Was verdienen andere Personen im medizinischen Bereich?

Vergleichbar mit dem Pflegeberuf ist ungefähr der Beruf der medizinischen Fachkräfte (MFA). Auch hier gibt es enorme Verdienstunterschiede, da schon die Art der Arztpraxis oder des Krankenhauses über das Gehalt entscheidet:

Das Problem ist, dass nicht alle Betriebe nach Tarif bezahlen. Ist dies der Fall, gilt bei Tarifgruppe 1:

  • 1. Stufe / 1.-4. Berufsjahr: 2.088 Euro
  • 2. Stufe / 5.-8. Berufsjahr: 2.268 Euro
  • 3. Stufe / 9.-12. Berufsjahr: 2.412 Euro
  • 4. Stufe / 13.-16. Berufsjahr: 2.480 Euro
  • 5. Stufe / 17.-20. Berufsjahr : 2.744 Euro
  • 6. Stufe / 21.-24. Berufsjahr: 2.794 Euro
  • 7. Stufe / 25.-28. Berufsjahr: 2.844 Euro
  • 8. Stufe / Ab dem 29. Berufsjahr: 2.894 Euro

Wer in andere Tarifgruppen eingeteilt ist, verdient freilich mehr. Doch selbst in der höchsten Gruppe, Tätigkeitsgruppe VI, ist ab dem 29. Berufsjahr das Gehalt auf 4.196 Euro festgelegt.

Abseits der Tarifbezahlung gibt es massive Unterschiede bezüglich der Arbeitgeber, aber auch der Bundesländer. So verdienen MFA in Hamburg durchschnittlich 2.673 Euro brutto, während dieselbe Tätigkeit in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt nur mit etwa 2.100 Euro brutto vergütet wird.

Werden noch andere spezialisiertere medizinische Berufe in den Vergleich aufgenommen, offenbart sich eine große Lücke zwischen deren Verdienst und dem von Kranken- und Altenpflegern sowie MFA. So erhalten beispielsweise Medizinisch-technische Assistenten durchschnittlich 3.142 Euro brutto und OP-Schwestern 2.880 Euro brutto.

Wie sieht das Gehalt von Pflegern im Vergleich mit anderen Ausbildungsberufen aus?

Es hilft Pflegern sicherlich nicht zu wissen, dass es Berufsgruppen gibt, bei denen das Gehalt noch niedriger ist, doch gibt es durchaus Ausbildungsberufe, deren Gehälter während der Ausbildung und später deutlich unter – aber auch über – dem eigenen Gehalt liegen:

  • Rechtsanwaltsfachangestellte: Hier gibt es keinen Tarif, sondern nur wohlgemeinte Empfehlungen der Kammern, sodass Kanzleien recht frei entscheiden können. Zudem entscheidet das Bundesland über das Gehalt. In NRW sind beispielsweise Ausbildungsvergütungen von 350 – 900 Euro in den drei Lehrjahren üblich, das Einstiegsgehalt liegt bei ungefähr 1.500 Euro. Bessere Gehälter erhalten diejenigen, die noch den Fachwirt machen.
  • Hotelfachangestellte: Auch hier liegt das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung bei mindestens 1.500 Euro, also dem Mindestlohn. Während der Ausbildung gibt es 700 Euro im ersten Lehrjahr und 900 Euro im dritten Lehrjahr.
  • Bürokaufleute: Der Lohn ist branchenabhängig, sodass das Einstiegsgehalt zwischen 1.500 und 2.500 Euro variiert. Während der Ausbildung gibt es zwischen 550 und 950 Euro monatlich.
  • Maurer: Während der Ausbildung verdienen Maurer je nach Lehrjahr zwischen 680 und 1.400 Euro brutto. Das Einstiegsgehalt liegt bei ungefähr 1.800 Euro brutto.

Generell ist es bei nicht tarifangestellten Pflegern oder anderen Arbeitskräften immer schwer, das Gehalt zu vergleichen. Wohnort, Betrieb und Arbeitgeber sind nur ein paar der Faktoren, die Einfluss auf das Gehalt haben. So kann beispielsweise die Ausbildungsvergütung der dualen Ausbildung bei Rechtsanwaltsfachangestellten innerhalb eines Jahrgangs und der jeweiligen Klasse der Berufsschule mühelos um 300,00 Euro variieren.

Vergütung von Pflegekräften

Abbildung 2: Krankenpfleger können durchaus ein gutes Gehalt erreichen, aber der weg ist mühselig. Bildlizenz: © AlarconAdiovisual (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Fazit – der Ausübungsfaktor ist das Problem

Betrachtet man nur die Zahlen, erscheint es einem so, als würden Pflegekräfte nicht zu gering bezahlt. Hält man sich allerdings auch die Zeit vor Augen, die ihnen zur Berufsausübung bleibt, sieht das Bild schon ganz anders aus. Denn nur wenige Pfleger halten von der Ausbildung bis zur regelmäßigen Rente die Arbeit körperlich durch. Viele müssen den Beruf aufgeben und erleiden selbst körperliche Schäden. Eine Sonderauswertung der TK im Rahmen des Gesundheitsreports 2021 bestätigt, dass die Anzahl der Fehltage von Beschäftigten in der Alten- und Krankenpflege weit über dem Durchschnitt liegt.

Wird dieser Faktor mitberücksichtigt, ist das Gehalt viel zu niedrig, da es kaum Chancen gibt, um wirklich etwas anzusparen – zumal die Gefahr der Berufsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit aufgrund körperlicher Einschränkungen mit jedem Berufsjahr größer wird.

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