Depression

Depressionen und Gemütsverstimmungen

von Dr. med. Mathäus Fehrenbach (Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren)

Depression

Der Begriff Depression kommt aus dem Lateinischen »deprimere« = nieder- drücken. Sich in einer Depression befinden bedeutet, in einem Zustand tiefster Traurigkeit zu sein. Der Leidende ist in sich gekehrt, verschlossen und vermeidet gesellschaftlichen Kontakt. Dieser Rückzug in die Einsamkeit ist ein typisches Merkmal der Depression. Konzentrationsmangel, Schlafstörungen, Angst, Spannungszustände und ziehende Schmerzen in den Beinen lähmen die Lebenskraft des Depressiven. Dieses Krankheitsbild kann sich über Wochen hinziehen, bis dann allmählich das Wohlbefinden früherer Tage wiederkehrt. Zunächst drängt sich die Frage nach dem Grund der Gemütsverstimmung auf. Wir wissen heute, daß Schicksalsschläge, der Tod eines nahen Angehörigen, Liebesverlust und Existenzbedrohung eine Depression auslösen können. So verständlich schwierige Lebensumstände den Ausbruch dieser reaktiven Depression erklären, so unbegreiflich sind jene Ursachen, die uns den Zusammenhang zwischen Ereignis und Depression verbergen.

Es sind die großen Reifungskrisen des Lebens, die zum Anlass einer Gemütsverstimmung werden können: die Pubertät, die Lösung vom Elternhaus, eine Eheschließung, eine Schwangerschaft mit Geburt, das Klimakterium und der Eintritt ins Greisenalter. Im Wechselspiel der genannten Lebensabschnitte sind hormonelle Einflüsse unverkennbar.

Die Depression hat viele Gesichter. Nicht immer muß die Verstimmung führendes Symptom sein. Oft verbirgt sich die Traurigkeit hinter einer Maske, einer Larve, hinter einer handfesten körperlichen Beschwerde. Die Fachdisziplin für Gemütskrankheiten fand dafür die treffende Bezeichnung »maskierte oder larvierte Depression«. Wenn sich bestimmte körperliche Beschwerden über Monate oder gar Jahre behaupten, plötzlich verschwinden und wiederkehren, zuweilen sich in ihrem Erscheinungsbild ändern, ohne daß sich ein organischer Befund erheben läßt, dann ist zumindest der Verdacht auf eine larvierte Depression gegeben. Zu den häufigsten Ausdrucksformen der maskierten Depression zählen: die Schlafstörung, der Kopf- und Herzschmerz, diffuse Leibschmerzen – oft verbunden mit Luftaufstoßen und Blähzuständen -, hartnäckige Obstipation, Störungen im Harn- und Genitalbereich, muskuläre Rheumatismen, Kreuz-Nackenschmerzen und Wadenkrämpfe. Keineswegs soll damit behauptet werden, daß die genannten Symptome immer eine Stellvertreterfunktion für depressive Zustände einnehmen. Viel Mühe und Zuwendung des behandelnden Arztes ist notwendig, um das Krankheitsbild zu demaskieren. Der erfahrene Arzt wird im abklärenden Gespräch eine überspielte Depression erkennen, wenn er z. B. erfährt, daß die Stimmungslage Tagesschwankungen aufweist oder bereits kleine Reize Traurigkeit und Tränen auslösen.

Die hier beschriebenen psychosomatischen Zeichen sind in der Behandlung einer reaktiven Depression gleichzusetzen. Vorübergehende stationäre Behandlung ist nur dann notwendig, wenn eine organische Erkrankung ausgeschlossen werden soll. Dem Patienten die Sicherheit zu geben, daß ihn kein bösartiges Leiden bedroht, ist bereits gezielte und wirksame Psychotherapie. Daß einen Depressiven auch hypochondrische Gedanken plagen, ist verständlich, zumal hinter mancher Krebsfurcht eine larvierte Depression ihr Unwesen treibt.

Die geschilderten Zustandsbilder werden im heutigen medizinischen Sprachgebrauch als neurotische, vegetative oder exogene Depression bezeichnet. Ihre Verlaufsform ist vergleichsweise gutartig von begrenzter Dauer und medikamentös gut zu beeinflussen. Während bei der exogenen Depression eine primäre Ängstlichkeit die Verstimmung einleitet und Schlafstörungen, Angst und Unruhe sie verstärken, steht bei der endogenen Depression eine tiefgreifende psychische Veränderung im Vordergrund. Der Mensch wirkt wie erstarrt, ist wortkarg, und die kleinste Unternehmung wird ihm zum Problem, zu einer unüberwindlichen Hürde. Der Patient findet zu keiner produktiven Tätigkeit, weil er das Selbstvertrauen verloren hat. Kein froher Gedanke, kein flüchtiges Glücksgefühl dringt in die hoffnungslose Düsternis. Der Kranke gerät zunehmend in die Isolation, ist an normalen Lebensfreuden wie Essen und Trinken desinteressiert, von sexuellen Wünschen ganz zu schweigen. Bei dieser trostlosen Wanderung in die seelische Einsamkeit wird man vergeblich nach einem äußeren Motiv suchen. Die endogene Depression gehört zu jenen Krankheitsbildern, die sich aus der Innenwelt entwickeln, wobei allerdings eine Erbkomponente unverkennbar ist. Die Behandlung gehört in die Hand des Facharztes, der entscheidet, ob eine stationäre Einweisung erfolgen muß. Des besseren Verständnisses wegen wurde in der Beschreibung des vielseitigen, den Lebensmut und die Lebensfreude aufzehrenden Leidens, von dem in den westlichen Industriestaaten fast 10% der Bevölkerung mit leichter Verstimmung bis schwerer Depression betroffen sind, eine Aufgliederung in verschiedene Krankheitsgruppen vorgenommen. Ein erfahrener Arzt weiß, daß sich gerade die depressive Gemütskrankheit nicht schematisieren läßt. Es gibt fließende Übergänge und Mischformen, die selbst dem versierten Facharzt immer wieder neue Rätsel aufgeben.

Therapie:

Während die endogene Form der Depression, wie bereits erwähnt, in das Ressort des Facharztes und in den Bereich der Klinik gehört, bietet sich zur Behandlung der reaktiven und larvierten Depression aus dem Gebiet der Naturheilkunde ein reichhaltiges Konzept wirksamer Möglichkeiten an.

Kneipp:

Der klassischen Kneippkur von 4-6 Wochen Dauer an einem Kurort eigener Wahl gebührt in der Erfolgsaussicht der 1. Rang. Mehrere Faktoren summieren sich zu einer Ganzheitsbehandlung der kranken Seele. Das wichtigste ist zweifellos die heilsame Flucht aus dem häuslichen Milieu, die Freistellung von immer wiederkehrenden Sorgen und Pflichten. Am Kurort selbst wirken neue Eindrücke, während unter der behutsamen Führung des behandelnden Arztes die verordneten Kneippanwendungen beruhigend und stimulierend zugleich die Disharmonie des trauernden Gemüts auflösen und das Zusammenspiel nervöser Funktionen wieder ordnen. Ein Kuraufenthalt muß geplant und vorbereitet werden. Manchmal scheitert er an der einen oder anderen Gegebenheit. In solchem Falle, aber auch zur Festigung eines gewonnenen Kurerfolges, ist die kleine häusliche Kneippkur eine unersetzliche Hilfe.

Tgl. Ganzwaschung, kaltes Armbad und Wassertreten in der Badewanne, oder besonders im Winter Wechselarm- und Wechselknieguß oder Wechselarm- und Wechselfußbad mit Melisse oder Thymian.

Wöch. 2 x 3/4-Bad mit Melisse, anschl. Schenkel-, Unter- oder Abguß, kalt oder temperiert; ein 3/4-Bad kann durch ein Sitzbad ausgetauscht werden; nach Sitzbad ebenfalls Knie-, Schenkel- oder Unterguß; bei guter Verträglichkeit und Ausschluss der Risikofaktoren (Neigung zu Hexenschuss, Erkrankungen oder Empfindlichkeiten im Blasen- oder Genitalbereich) 2 x das “fröhliche Halbbad”.

Allgemeine Maßnahmen:

Ausgedehnte Spaziergänge; Trockenbürsten; Gymnastik; Schwimmen; bei muskulären Verspannungen Massagen; Atemübungen; autogenes Training; Yoga; nicht dirigierende Gesprächstherapie.

Diät:

Eine vitaminreiche, gemischte Kost. Abends 1 Stunde vor dem Schlafen Milch-Haferflockensuppe ohne Zucker.

Tee:

Hopfen           10,0

Thymian          10,0

Basilikum        20,0

Baldrian          20,0

Johanniskraut 40,0

Tgl. 3 x 1 Tasse; kalt ansetzen, aufkochen, 10 Min. ziehen lassen.

Homöopathie:

Acid.phosph.              D2

Acid.picrin.                 D3

Avena sativa               D6

Nux vomica                D6 aa ad 40,0

Tgl. 3×20 Tr.

und

Kalium Bromatum      D4

Tgl. 3 x 1 Tabl.

Bei klimakterischer Depression Cimicifuga D4 tgl. 3×1 Tabl.

Bei Depression in der Schwangerschaft Pulsatilla D6 tgl. 3×15 Tr.

Medikamente:

Grundsätzlich muß die medizinische Führung durch den Arzt erfolgen. Die situationsbedingten Depressionen werden vorwiegend mit Tranquillantien behandelt, während zur Medikation endogener Depressionen Antidepressiva, Neuroleptika und Lithiumverbindungen herangezogen werden. Der naturheilkundlich orientierte Arzt wird das Schwergewicht der Behandlung auf die naturgebundenen Maßnahmen legen und Psychopharmaka nur soweit wie unbedingt notwendig einsetzen, um der Gefahr einer Abhängigkeit von Tranquillizern zu begegnen.

Beachte:

Bei der endogenen Depression darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Patienten in Lebensgefahr schweben. Nicht daß die Krankheit unversehens dem Leben ein Ende setzen könnte! Die Verzweiflung kann zu einem reißenden Strom werden, der die Selbstkontrolle überflutet. Leider ist der Suizid als letzter Ausweg keine Seltenheit. Alle Äußerungen, auch die verschlüsselten, die diese Absicht ankündigen, müssen stets ernst genommen werden. Eine stationäre, fachärztliche Behandlung ist dann die beste Lösung.

Verfasser:
Dr. med. Mathäus Fehrenbach
(Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren)

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