Herzinfarkt

Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

von Dr. med. Mathäus Fehrenbach (Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren)

Ursachen eines Herzinfarkts

Ursachen eines Herzinfarkts – Bildautor: Applepie – Bildlizenz: gemeinfrei

Das Herz, das symbolträchtigste Organ des menschlichen Körpers, dem die Dichter den Platz für Liebe und Leid zuwiesen, ist in Wahrheit ein geduldiges, unermüdlich arbeitendes Organ. Ungefähr 100.000 mal in 24 Stunden zieht sich der faustgroße Hohlmuskel in der linken Brustkörperseite zusammen und pumpt die in allen Teilen des Körpers notwendige Nährflüssigkeit, das Blut. Eine Ruhepause ist dem treusorgenden Arbeiter nicht gegönnt. Das Aufhören des Herzschlages ist mit dem Tode des Individuums identisch.

Das neben dem Gehirn wichtigste Zentralorgan des menschlichen Körpers ist natürlich, wenn es seine phantastische Leistung ein Leben lang bewältigen soll, auf beste Versorgung und einwandfreie Wartung angewiesen. Damit unser Lebensmotor störungsfrei arbeitet, bedarf er nicht nur aufmerksamer Pflege, sondern verdient auch die Vermeidung aller Schädlichkeiten. Dabei müssen wir zwischen den schicksalhaften Risikofaktoren wie Zuckerkrankheit, hoher Blutdruck und Arterienverkalkung auf der einen Seite und den willkürlichen Belastungen wie Nikotin, Alkohol, Übergewicht und Streß streng unterscheiden.

»Ordnung ist das halbe Leben«, und das gilt ganz besonders für das Herz. Es fühlt sich am wohlsten, wenn die großen und kleinen Lebensrhythmen in harmonischen Bahnen ablaufen. Der Erholfunktion des Schlafes fällt natürlich für die Regeneration unserer Leitorgane, das Gehirn und das Herz, eine ganz besondere Bedeutung zu. Ausreichender Schlaf und regelmäßige Schlafzeiten nehmen in der Rangordnung der Herzfürsorge den ersten Platz ein. Diese Erholzeiten durch eine behutsame Schlafpflege sind um so wichtiger, je mehr dem Organismus geistige und körperliche Belastungen zugemutet werden. Daß natürlich ein übermäßiger Arbeitsdruck mit schonungslosem Einsatz auf der einen Seite und unzureichenden Erholphasen auf der anderen Seite Nerven und Herz auf die Dauer schädigt, ist heutzutage medizinische Gewißheit. Das Endergebnis ist häufig der Zusammenbruch des Herzens, der sog. Herz- oder Myokardinfarkt.

Aber nicht nur die viel zitierte »Streßsituation«, wie sie eben geschildert wurde, auch psychischer Druck in Konfliktsituationen, Ehe- und Berufskrisen, stellen nicht zu unterschätzende Schadensfaktoren für das sensible Herzkranzgefäßsystem dar. Vor 50 Jahren noch war der Herzinfarkt eine medizinische Rarität, während heute dagegen der akute Verschluß eines ernährenden Herzkranzgefäßes, der Herzinfarkt, zu den häufigsten Notfallsituationen eines diensthabenden Arztes gehört. Die Häufigkeit dieser stets lebensbedrohenden Erkrankung hat ihren Gipfel um das 55. Lebensjahr. Diese statistisch ermittelte Zahl schließt jedoch nicht aus, daß bereits jüngere Jahrgänge, von 40 Jahren und nur wenig darüber, das Opfer eines Koronarinfarktes werden können.

Bemerkenswert ist die Tatsache, daß Frauen erst jenseits der Wechseljahre gefährdet sind, was einer Schutzfunktion der Eierstockhormone, den Östrogenen, zugeschrieben wird. Das Wort »Infarkt« bedeutet »verstopft«. Ein Gefäß des Herzens verengt sich und wird schließlich schlagartig durch ein Blutgerinnsel verschlossen, vom Blutkreislauf abgeschnitten. Die Folge ist der Untergang von Herzgewebszellen kleineren oder größeren Ausmaßes, je nach der Größe des Gefäßes. Der Herzinfarkt, das akute Ereignis, ist keine schleichende Erkrankung, wenn schon auch »stumme Infarkte« aus der Herzstromkurve, dem EKG, herausgelesen werden.

Typisch ist ein plötzlicher, messerscharfer Schmerz in der linken Brustseite, der länger als 30 Min. anhält und der in den linken Arm, die linke Schulter und den Hals ausstrahlen kann. Gar nicht so selten werden die Schmerzen in die Magengegend projiziert. Das Vernichtungsgefühl mit Todesangst und quälender Unruhe zeigt die Schwere des Krankheitsbildes an. Wenn der Puls als Zeichen des abfallenden Blutdruckes schnell und kaum noch tastbar ist und sich die Körperhaut naß anfühlt, dann weisen diese Schockzeichen auf höchste Lebensgefahr hin. Sofortige ärztliche Hilfe ist unumgänglich. Eile ist geboten, denn 40% aller Herzinfarkterkrankungen verlaufen tödlich, 70% davon in den ersten 4 Stunden nach dem schwerwiegenden Ereignis.

Herzinfarkt - Schmerzzeichen

Herzinfarkt – Schmerzzeichen – Bildautor: J. Heuser – Lizenz: GNU

Therapie:

Der Verhinderung eines Herzinfarktes gehört unsere ganze Mühe; deshalb sollen zuerst alle Vorbeugemaßnahmen besprochen werden. Wie schon angedeutet, kommt es nur in ganz seltenen Fällen, ohne irgendwelche Vorboten, zu einem stummen Herzinfarkt. In der Regel geht dem Herzinfarkt eine sog. »koronare Herzerkrankung« voraus, die mit einer Vielzahl von Beschwerden den Infarktgefährdeten alarmieren sollte. Dem Ausschluß der Risikofaktoren – Diabetes, hoher Blutdruck, Cholesterin- und Harnsäurevermehrung im Blut – gebührt unsere Aufmerksamkeit, bevor die gesundheitsschädlichen Faktoren, die in einer fehlerhaften Lebensführung liegen, ausgeschaltet werden. Der Herzinfarkt ist kein unabwendbares Naturereignis; die Gesundheit verlangt ihre Opfergaben.

Ein Lebensgenuß in vollen Zügen befriedigt vielleicht alle Wünsche, verlangt dafür aber einen Tribut in gesundheitlicher Münze.

1. Rauchen in jeder Form schädigt das Herzkranzsystem. Nikotin ist ein spezifisches Gefäßgift.

2. Alkoholische Getränke in Maßen schaden nicht. Alkohol in großen Mengen schädigt oder vernichtet die Gewebszellen, vorzugsweise der Leber, der Bauchspeicheldrüse, des Gehirns, der Nerven und des Herzens (s. auch Leberzirrhose unter Lebererkrankungen).

3. Psychohygiene heißt Lebensordnung nach der Richtschnur des Gewissens. Konflikte belasten nicht nur die Seele, sondern auch das Herz. Dem Gefühl mehr Raum geben heißt das Herz beruhigen. Ein Verzicht auf Geld und vermeintliche Ehre schadet dem Herzen sicher nicht, wenn dabei nicht unverzichtbare Positionen geopfert werden müssen.

4. Das Übergewicht allein steht dem Herzmuskel nicht feindlich gegenüber. Übergewicht heißt jedoch ein Mehr an Cholesterin, Fett, Harnsäure, vielleicht sogar Zucker im Blut. Die ernährende Blutflüssigkeit, die ständig durch die Adern fließt, ist beim Übergewichtigen zweifellos in ihrer Qualität herabgesetzt. Das dickflüssige Blut, um es auf einen einfachen Nenner zu bringen, setzt mehr Schlackenstoffe ab, verengt und verhärtet das Gefäßrohr, bis es schließlich seine Aufgabe als ernährender Zufluß nicht mehr erfüllen kann – für das Herz ein verhängnisvolles Ergebnis.

In Gefahr gerät der Herzmuskel besonders dann, wenn sich mehrere Schadensfaktoren summieren: z. B. Diabetes, hoher Blutdruck und Nikotin; oder Gicht, Alkohol und Alltagsstreß.

Kneipp und Allgemeinmaßnahmen:

Die Vorsorge entspricht den Anwendungen und Maßnahmen wie unter Herzbeschwerden (Angina pectoris) und Abhärtung beschrieben. Atemübungen unter Anleitung einer Fachkraft und autogenem Training kommen eine besondere Entspannungsfunktion für Herz, Lungen und Zwerchfell zu. Eine vorrangige Präventivmaßnahme (Vorsorge) gegen Angina pectoris und drohenden Herzinfarkt ist natürlich eine Kneippkur von 4 Wochen mit Freistellung von jeder beruflichen Verpflichtung und Entfernung aus dem häuslichen Milieu.

Diät, Tee und Homöopathie:

s. Herzbeschwerden (Angina pectoris)

Medikamente:

Verordnung durch den behandelnden Arzt; ärztliche Führung zur diagnostischen Überwachung (Blutdruck, EKG usw.) ist unerläßlich.

Therapie bei akutem Herzanfall mit Verdacht auf Herzinfarkt:

Sofort Arzt verständigen! In der Zwischenzeit kann ein Versuch mit heißen Umschlägen auf Herzgegend, heißen Arm- oder heißen Wadenwickeln gemacht werden.

Die Länge des Krankenhausaufenthaltes bei einem Herzinfarkt hängt ganz von der Schwere des Krankheitsbildes ab. Ein kleiner Herzinfarkt erlaubt schon nach 3-4 Wochen das Anschlußheilverfahren in einem Rehabilitationszentrum, während ein schwerer, ausgedehnter Herzinfarkt oder ein zweiter und dritter Infarkt einen längeren Krankenhausaufenthalt von 4—8 Wochen erfordern. In jedem Falle sollte das Anschlußheilverfahren in Anspruch genommen werden. In der Rehabilitationsklinik wird der Patient genauestens instruiert, was er in Zukunft zu tun hat, wie er sich verhalten soll, um einen weiteren Infarkt zu verhindern. Namhafte Herzspezialisten treten dafür ein, daß jeder Infarktpatient einer Koronarangiographie zugeführt werden sollte, um keinesfalls die Möglichkeit einer Bypass-Operation zu versäumen. Die Koronarangiographie ist die Darstellung der Herzkranzgefäße durch Herzkatheter, Kontrastmittel und Röntgen, während durch eine Bypass-Operation ein verödetes Herzkranzgefäß durch ein Transplantat ersetzt wird.

Therapie des Herzinfarktes nach Entlassung aus dem Krankenhaus und der Rehabilitationsklinik:

Schon während des Anschlußheilverfahrens nach einem Herzinfarkt wird die Belastbarkeit des Kreislaufs und Herzens überprüft, um aufgrund der gesammelten Daten die Kneippmaßnahmen und die Übungsbehandlung festzulegen. Anhand subjektiver Beschwerden und klinischer Daten wird die Herzkranzgefäßenge in 4 Stadien eingeteilt:

Stadium I: Bei überdurchschnittlicher Alltagsbelastung treten keinerlei Herzbeschwerden auf: keine Atemnot, keine Herzschmerzen, keine Unregelmäßigkeiten des Herzens, kein überschnelles Herz.

Stadium II: Ein, mehrere oder alle der genannten Symptome treten bei überdurchschnittlicher Alltagsbelastung auf.

Stadium III: Normale körperliche Alltagsbelastung, wie zum Beispiel Treppensteigen oder schnelles Gehen, ruft eine, mehrere oder alle der genannten Beschwerden hervor.

Studium IV: Bereits in Ruhestand kommt es zum Auftreten von Atemnot, Herzschmerzen, Unregelmäßigkeit des Herzens oder Herzklopfen.

Kneipp im Stadium I:

Tgl. Wechselarmguss und Wechselarmbad oder Wechselfußbad mit Melisse oder Thymian.

Wöch. 2 x 3/4-Bad oder Sitzbad mit Fichtennadel, anschl. Schenkel- oder temperierter Abguss.

Allgemeine Maßnahmen:

Alle Maßnahmen wie unter Abhärtung beschrieben; über sportliche Betätigung entscheidet der Arzt; Schwimmen löst häufig eine oder mehrere der genannten Testbeschwerden aus; Schwimmen also nur, wenn es beschwerdefrei vertragen wird; besonders wertvoll sind Atemübungen und autogenes Training.

Kneipp im Stadium II:

Tgl. Oberkörper- oder Unterkörperwaschung; Wechselarmguss oder Wechselarmbad mit Melisse oder Thymian; abends Wechselfußbad mit Baldrian oder Wassertreten in der Badewanne. Wöch. 2 x Vollguss warm, anschl. Knie- oder Schenkelguss kalt; 1 x Halbbad 35° mit Melisse, anschl. Schenkelguss kalt.

Allgemeine Maßnahmen:

Wie in Stadium I; alle Tätigkeiten (Sport, Gymnastik, schnelles Gehen), die Beschwerden auslösen, müssen reduziert oder weggelassen werden.

Kneipp im Stadium III:

Tgl. Oberkörper- oder Unterkörperwaschung; Wechselarmguss oder Wechselarmbad mit Melisse oder Thymian; abends Wechselfußbad mit Baldrian. Wöch. 1 x Sitzbad mit Rosmarin, anschl. Knieguss.

Allgemeine Maßnahmen:

Tgl. 2 x Trockenbürsten; nur leichte Gymnastik im Liegen; kleine Spaziergänge; kein Sport; autogenes Training und Atemübungen sind bevorzugt in den Tagesablauf einzubauen.

Kneipp im Stadium IV:

Tgl. Oberkörper- oder Unterkörperwaschung; Wechselknieguss oder Wechselfußbad mit Melisse oder Thymian; Wechselarmguss.

Allgemeine Maßnahmen:

Kleine Teilbürstungen, besonders im linken Schulter-, Arm- und Nackenbereich; Atemübungen und autogenes Training.

Diät in allen Stadien:

Auf einige Ernährungsgrundsätze wurde bereits hingewiesen. Die Gewichtsverminderung beim Übergewichtigen steht im Vordergrund der Ernährung. Häufige kleine Mahlzeiten, niemals den Magen überladen; naturbelassene Produkte sollten bevorzugt werden; Konserven haben in der Küche des Herzpatienten nichts zu suchen; Konfekt, Süßigkeiten und stark gesalzene Lebensmittel müssen gemieden werden; nur Diätwurst und Magerkäse; Obst und Salate nie in großen Mengen verzehren; die Grundsätze der Antibläh-Diät haben auch für den Herzpatienten Gültigkeit (s. unter Blähbauch).

Tee und Homöopathie:

s. unter Herzbeschwerden (Angina pectoris)

Medikamente:

Über den Einsatz der notwendigen Medikamente entscheidet der Arzt. Es stehen eine große Anzahl wirksamer Mittel zur Verfügung. In Konfliktsituationen sollte psychotherapeutische Führung erfolgen.

Verfasser:
Dr. med. Mathäus Fehrenbach
(Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren)

Kontakt:

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