Bäder und Badezusätze (Kneipp)

Vollbad und Teilbad

Wir unterscheiden zwischen Vollbädern und Teilbädern. Unter einem Vollbad verstehen wir ein Wannenbad, das den ganzen Körper bis zum Hals bedeckt. Auch das 3/4-Bad muß noch dem Vollbad zugeordnet werden. Die Wanne wird so weit gefüllt, daß der Wasserspiegel in halber Brusthöhe abschließt.

Bäder und Badezusätze (Kneipp)

Bäder und Badezusätze (Kneipp)
© panthermedia.net – Fotograf: Jürgen Wiesler

Teilbäder der kleinen Kategorie sind das Armbad und Fußbad. Das Wassertreten ist in seiner Wirkung und Heilanzeige dem kalten Fußbad gleichzusetzen. Größere Teilbäder sind das Halb- und Sitzbad.

Alle Teilbäder können kalt, temperiert, warm und heiß gegeben werden.

Die Temperatur der einzelnen Bäder:

  • Kaltes Bad: So kalt wie möglich; die Wasserleitung bestimmt die Temperatur; die Obergrenze beträgt 18° – 20° C; in einer Stadtwohnung mag im Sommer die Temperatur noch etwas darüber liegen.
  • Temperiertes Bad: 22° – 24° C.
  • Warmes Bad: 35°-38° C.
  • Heißes Bad: 39°-44° C.

Alle kalten Bäder, ausgenommen die kleinen Teilbäder, verlangen einen warmen Baderaum. Die Gliedmaßen und der Körper müssen bei allen kalten Bädern warm sein. Es gilt der Grundsatz: Nehme nie ein kaltes Bad in einem kalten Raum; gehe nie in ein kaltes Bad, wenn du frierst oder wenn deine Gliedmaßen kalt sind!

Das temperierte Kaltbad ist eine Konzession an den kälteempfindlichen Patienten.

Das heiße Bad, das sich als Überwärmungsbad einen Namen gemacht hat, wird in der Kneippkur selten verordnet.

Wird die Temperatur eines Warmbades innerhalb der Badezeit verändert, sprechen wir von einem ansteigenden oder absteigenden Bad. In der Kneippkur hat sich im Wesentlichen nur das ansteigende Fußbad durchgesetzt. Die Temperatur wird innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, meist fünfzehn bis zwanzig Minuten, von 37° auf 42° C erhöht. Vereinzelt wird auch das Armbad, das Sitzbad und Halbbad als ansteigendes Bad verordnet. Der Kaltanteil richtet sich nach Angabe des Arztes. Er wird im Anschluß an das Warmbad als Waschung, als Guss oder als entsprechendes Kaltbad (z.B. ansteigendes Wechselarmbad) gegeben. In vielen Fällen wird auf den Kaltanteil ganz verzichtet.

Die kalten und temperierten Bäder werden grundsätzlich ohne Badezusatz gegeben, während die warmen Bäder vorwiegend mit einem Kräuterzusatz versehen werden.

Badezusätze

Grundsätzlich werden dem Warmanteil der großen und kleinen Warmbäder zur Verstärkung ihrer Wirkung Badezusätze zugegeben. Die Auswahl war zu Lebzeiten Sebastian Kneipps noch gering. Es wurde ein Absud aus Heublumen, Fichtenreise in oder Haferstroh hergestellt und den Bädern zugesetzt. Heute steht uns eine große Auswahl an Badeextrakten zur Verfügung, wobei nicht vergessen werden sollte, daß auch merkantile Interessen der Herstellerfirmen zur Bereicherung dieser Palette bei getragen haben. Die gebräuchlichsten Badezusätze sind Heublumen, Fichtennadel, Baldrian, Haferstroh, Eichenrinde, Zinnkraut, Melisse, Rosmarin und Thymian. Die eben genannten Badeextrakte werden, ausgenommen Haferstroh und Eichenrinde, auch als Ölbäder hergestellt. Wie schon erwähnt, verstärken die Kräuterbadezusätze die Wirkung der Bäder, überschneiden sich jedoch oft in ihren Heilanzeigen, so daß von einer gezielten Wirkung auf bestimmte Organe oder Organsysteme nur bedingt gesprochen werden kann. Ein Überblick über die einzelnen Badezusätze mag jedoch hilfreich sein.

  • Fichtennadel: Wirkt beruhigend und nervenstärkend.
  • Baldrian: Wirkt beruhigend und schlaffördernd.
  • Heublumen: Wirkt allgemein kräftigend; wird gegen Rheuma und Gelenkverschleiß eingesetzt und bei Stoffwechsel-, Magen-, Darm- und Gallestörungen verordnet. Zinnkraut: Wird bei Krampfadern, Hämorrhoiden, Arthrose, Unterleibsbeschwerden der Frau und Steinleiden empfohlen.
  • Eichenrinde: Wirkt kräftigend und durchblutungsfördernd auf die Haut. Dementsprechend erfolgt die Verordnung bei Hauterkrankungen, Hämorrhoiden, aber auch bei Unterleibsbeschwerden der Frau.
  • Rosmarin: Hebt den niedrigen Blutdruck und wirkt bei Kreislaufstörungen anregend. Melisse: Wirkt kreislaufanregend und gleichzeitig beruhigend; bei Kopfschmerzen, Herzbeschwerden und Durchblutungsstörungen des Gehirns erfolgt gleichfalls Anwendung.
  • Thymian: Wirkt anregend und durchblutungsfördernd; wird vorwiegend bei Erkältungskrankheiten, aber auch bei Störungen der Gehirndurchblutung angewandt. Kamille: Findet bei allen Entzündungen der Haut Anwendung und wird vorwiegend bei Hämorrhoiden und Unterleibsbeschwerden der Frau eingesetzt.
  • Kleie: Beim Ekzem und allen Hauterkrankungen.
  • Wacholder: Wirksam bei allen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises und Aufbrauchserkrankungen an Gelenken und Wirbelsäule.

Über den Autor

Dr. med. Mathäus Fehrenbach: Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren

Quelle

Fehrenbach, Dr. med. Mathäus: Kneipp von A-Z: Das Gesundheitsbuch für alle; Verlag: Radgeber Ehrenwirth; 6. Auflage 2010

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Kursanatorium Dr. Fehrenbach.