Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und Reha

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) – Erkrankung, Therapie und Reha

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung, die durch ein belastendes Erlebnis ausgelöst wird. Betroffene leiden unter Angstzuständen oder Schlafstörungen. Oft erleben Sie das auslösende traumatische Ereignis in Gedanken immer und immer wieder. PTBS sollte stets therapiert werden. Eine Rehabilitation (Reha) kann bei der Überwindung helfen.

Foto eines Patienten, der eine posttraumatische Belastungsstörung hat und bei einer Psychologin ist

Foto: Patient, der eine posttraumatische Belastungsstörung hat und bei einer Psychologin ist: In Einzelgesprächen mit erfahrenen Therapeuten können Sie sich in der Reha alles „von der Seele“ reden. Außerdem erlernen Sie verschiedene Techniken aus der Verhaltenstherapie, mit denen Sie das erlebte Trauma verarbeiten können. © Photographee.eu / fotolia

Posttraumatische Belastungsstörung: Allgemeines

Als Trauma bezeichnet man Situationen, die zu einer starken körperlichen oder psychischen Belastung führen. Darunter fallen Naturkatastrophen, Unfälle oder das Erleben von physischer oder psychischer Gewalt. Ereignisse, die in jedem Leben vorkommen (z. B. Tod von Angehörigen, Trennung vom Partner) sind damit nicht gemeint. PTBS kann sich bei Personen entwickeln, die direkt betroffen oder Zeuge der Ereignisse waren. Mindestens jeder zweite Mensch erlebt in seinem Leben ein Trauma. In Ländern, in denen Krieg, Gewalt oder große Armut herrschen sind es deutlich mehr. Das traumatische Erlebnis muss jedoch nicht immer zu einer PTBS führen. In den USA (1) und Mitteleuropa entwickeln etwa acht Prozent aller Menschen einmal in ihrem Leben eine PTBS. Bei Gruppen, die besonders oft sehr belastende Erlebnisse haben (Polizisten, Flüchtlinge, Soldaten, Rettungskräfte), sind es bis zu 50 Prozent (2). Auch Zug- und Straßenbahnführer haben ein höheres Risiko für PTBS, da sie häufig Unfälle mit Personenschäden oder Selbstmordversuche miterleben.

Posttraumatische Belastungsstörung: Ursachen

PTBS wird direkt durch das traumatische Erlebnis ausgelöst. Zu den Ursachen gehören:

  • Körperliche oder psychische Gewalt in der Familie oder durch Kriminelle
  • Missbrauch und Vergewaltigung
  • Terroranschläge
  • Kriegserlebnisse wie Folter, Vertreibung, Flucht, politische Gefangenschaft, Geiselnahme, Massenvernichtung
  • Brände und Naturkatastrophen (Betroffene oder Helfer)
  • Das Miterleben von Unfällen oder Suizid
  • Lebensbedrohliche Erkrankungen (zum Beispiel Krebs, Herzinfarkt, Behandlung auf der Intensivstation)

Das Erlebte verändert für Betroffene nachhaltig ihr Selbst- und Weltverständnis. Sie erfahren einen Kontrollverlust und fühlen sich in der Situation hilflos, überfordert oder verängstigt. Die PTBS stellt den Versuch des Gehirns dar, die Situation möglichst unbeschadet zu überwinden. Diese Reaktion ist ganz natürlich, besonders wenn es zu mehreren oder besonders schweren bzw. lang andauernden traumatischen Erlebnissen kommt. Auch psychisch völlig gesunde Menschen können eine PTBS entwickeln. Durch eine Therapie lässt sich die PTBS fast immer überwinden.

Posttraumatische Belastungsstörung: Erscheinungsbild / Symptome

Von akuten Belastungsreaktionen spricht man, wenn nach einer außergewöhnlichen körperlichen oder psychischen Belastung für einige Stunden oder Tage eine Störung (Ängste, „Erstarrung“, Desorientiertheit) auftritt. Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt sich verzögert, meist innerhalb weniger Wochen bis Monate nach dem Ereignis. Betroffene erleben das Trauma im Wachzustand nach bestimmten Schlüsselreizen oder in Träumen immer wieder (Flashback). Typisch sind auch Gefühle einer emotionalen Taubheit, Teilnahmslosigkeit und Freudlosigkeit. Dies wechselt ab mit Phasen von Übererregbarkeit, Gereiztheit und Aggressivität. Manche PTBS-Patienten können Situationen, die dem Trauma auch nur entfernt ähneln oder Erinnerungen daran auslösen, nicht mehr ertragen. Das kann die Lebensqualität und Mobilität stark einschränken. Das Risiko für körperliche Erkrankungen (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen), Suchterkrankungen, Ängste, Depressionen und Suizidgedanken steigt.

Posttraumatische Belastungsstörung: Untersuchungen & Diagnose

Bei Verdacht auf eine PTBS, werden Sie in der Regel zum Facharzt oder Psychologen überweisen. Dort werden zunächst die Symptome genau abgeklärt. Dazu verwendet der Therapeut meist einen umfangreichen Fragebogen. Diese genaue Befragung ist nötig, weil die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen wie Depressionen nicht einfach ist. Deshalb gibt es Kriterien, die zutreffen müssen, damit man von einer PTBS spricht.

PTBS-Kriterien (nach ICD-10):

  • Der Betroffene hat eine sehr belastende Situation (von außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalem Ausmaß) erlebt
  • Es treten immer wieder Erinnerungen an das Erlebnis auf
  • Der Betroffene vermeidet alle Umstände, die der belastenden Situation ähneln

Außerdem trifft mindestens einer der folgenden Punkte zu:

  • Die Erinnerung an das Trauma-Erlebnis ist lückenhaft oder nicht mehr vorhanden
  • Es liegen mindestens zwei Symptome wie Schlafstörungen, erhöhte Schreckhaftigkeit, Erregtheit, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit und Aggressivität vor.

Posttraumatische Belastungsstörung: Therapie & Reha

Wenn die posttraumatische Belastungsstörung frühzeitig und umfassend behandelt wird, lässt sie sich in der Regel überwinden (3). Erfahren Sie hier alles über die Therapie und die Reha bei PTBS.

Die Therapie bei PTBS

Die wichtigste Säule der Behandlung ist die Psychotherapie (4). Dabei werden Sie zunächst von Ihrem Arzt genau über die Krankheit aufgeklärt. Schritt für Schritt nähern Sie sich dann dem traumatischen Erlebnis an. Manchmal ist es sinnvoll, den Betroffenen im Rahmen der Therapie kontrolliert mit dem Trauma zu konfrontieren. Das muss aber nicht sein, wenn die Belastung zu groß wäre. In jedem Fall erlernen Sie Strategien, mit denen Sie das Trauma überwinden und Flashbacks (plötzlich aufflammende Erinnerungen) verhindern. Zusätzlich können Medikamente unterstützend wirken. Bei leichteren Fällen reicht eine ambulante Therapie aus. Bei stärker ausgeprägten Formen kann ein Klinikaufenthalt notwendig sein. Eine Reha kann entweder für eine intensive Therapie oder für die Nachsorge und den Wiedereinstieg in den Alltag erforderlich sein.

Die Rehabilitation bei PTBS

Ein stationärer Aufenthalt in einer Rehaklinik kann Ihnen helfen, Ihr Trauma zu überwinden. In einer Reha lernen Sie, die Kontrolle über ungewollt auftretende Erinnerungen zu erlangen und das Trauma zu verarbeiten. Begleitende Symptome wie Depressionen, Schlafprobleme oder Ängste sollen abgebaut werden. Das Ziel ist, dass Sie nach Abschluss der Reha wieder ohne Einschränkungen an Ihrem Alltag und Berufsleben teilnehmen.

Tiefgehende psychologische und fachärztliche Betreuung

Es gibt Rehakliniken, die speziell auf die Behandlung der PTBS eingerichtet sind. Erfahrene Fachärzte, Psychotherapeuten oder Psychologen helfen Ihnen dabei, zur Ruhe zu kommen und dann in kleinen Schritten die Bewältigung des Traumas anzugehen. Besonders wichtig ist dem Behandlungsteam, dass Betroffene sich nicht „anders“ oder „verrückt“ fühlen. Stattdessen lernen die Reha-Teilnehmer, wie sie die PTBS als normale und gesunde Schutzreaktion ihrer Psyche akzeptieren und überwinden können.

Moderne Methoden der Trauma-Verarbeitung

In Einzelgesprächen mit erfahrenen Therapeuten können Sie sich in der Reha alles „von der Seele“ reden. Außerdem erlernen Sie verschiedene Techniken aus der Verhaltenstherapie, mit denen Sie das erlebte Trauma verarbeiten können. Ängste, unerwünschte Erinnerungen und Schuldgefühle werden dadurch Schritt für Schritt abgebaut und kontrollierbar. Es gibt zusätzlich eine Reihe spezieller Verfahren zur Trauma-Verarbeitung. Dazu gehört z. B. das EMDR, übersetzt etwa: Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen.

Entspannungsverfahren und unterstützende Behandlung

Um mit Unruhe und Ängsten besser zurechtzukommen, helfen Entspannungsverfahren wie das autogene Training oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Auch Konzentrationsübungen, Yoga oder Qi Gong empfinden viele Betroffene als hilfreich. In der Reha gehören außerdem kreative Ansätze wie Musik-, Kunst- oder Bewegungstherapien zum Angebot. Bei einer PTBS kann auch das Körpergefühl beeinträchtigt sein. Dagegen helfen Maßnahmen wie die physikalische Therapie, Krankengymnastik, Bäder oder Ergotherapie. Wenn nötig erhalten Sie in der Reha zudem Unterstützung bei einer beruflichen Neuorientierung.

Heilungschancen und Nutzen der Reha

Eine PTBS heilt nur in etwa einem Drittel der Fälle ohne Therapie aus. Mit Therapie liegen die Heilungschancen jedoch bei bis zu 90 Prozent. Rund die Hälfte aller Betroffenen sind nach drei Jahren Behandlung komplett symptomfrei (1). Die Rehabilitation kann dazu beitragen, dass die PTBS schneller und vollständig überwunden wird.

Über die Autorin

Dr. Silvia Nold ist promovierte Biologin mit mehrjähriger Erfahrung in der medizinisch-wissenschaftlichen Diagnostik.

Quellen

  • (1) Kessler RC, et al: Posttraumatic stress disorder in the National Comorbidity Survey. In: Arch Gen Psychiatry. Band 52, Nr. 12, Dezember 1995, S.1048–60.
  • (2) Steel Z, et al.: Association of torture and other potentially traumatic events with mental health outcomes among populations exposed to mass conflict and displacement: A systematic review and meta-analysis. In: JAMA. Band 302, Nr. 5, 5. August 2009, S. 537–549.
  • (3) Flatten G, et al.: S3 – Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung. Trauma & Gewalt. 2011, 3: 202-210
  • (4) Jacob V & Keller R. Soziale und berufliche Reintegration. 2007. In Frommberger & Keller (Hrsg.), Empfehlungen von Qualitätsstandards für stationäre Traumatherapie. Indikation, Methoden und Evaluation stationärer Traumatherapie in Rehabilitation, Akutspychosomatik und Psychiatrie (S. 103-105). Pabst: Lengerich.