Venenerkrankungen

Venenerkrankungen

von Dr. med. Mathäus Fehrenbach (Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren)

Unter Venen verstehen wir jene Blutgefäße, die das Blut aus der Peripherie zum Herzen zurückführen. Während die vom Herzen wegführenden Blutgefäße, die Arterien, äußerlich nicht sichtbar, allenfalls als Puls tastbar sind, zeichnen sich die Venen oft strangförmig an den Armen oder Beinen ab oder schimmern bläulich durch die Haut. Dieses venöse Gefäßsystem, das netzartig das Blut aus den feinsten Haargefäßen sammelt, neigt besonders im Bereich der Unter- und Oberschenkel zu lokalen entzündlichen Prozessen. Wir sprechen dann von

Venenentzündungen oder Thrombosen. Angeborene Gewebsschwäche, Übergewicht, sitzende Lebensweise ohne ausreichende Bewegung, Ernährungsfehler, Medikamente (wie zum Beispiel die Anti-Baby-Pille), Fuß- und Haltungsschäden mit Stauungszuständen in beiden Beinen begünstigen das Auftreten einer umschriebenen oder ausgedehnten, einer oberflächlichen oder tiefen Thrombose.

 

Venenerkrankungen / Thrombose

Venenerkrankungen / Thrombose (Copyright: Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. – Bildlizenz: Creative Commons)

1. Venenerkrankungen: Oberflächliche Venenentzündung

Meist entwickelt sich am Unterschenkel im Wadenbereich, seltener am Oberschenkel, eine umschriebene, oft strangförmig gerötete Schwellung, die bei Handauflegen gegenüber der Umgebung eine deutlich erhöhte Temperatur mit Druckempfindlichkeit erkennen läßt.

Kneipp:

Feuchtkalte Umschläge mit Retterspitz, Lehmpflaster, Quarkwickel mehrmals tgl.

Allgemeine Maßnahmen:

Bettruhe ist nicht erforderlich. Jedoch empfiehlt sich am Tage das Anlegen eines Kompressionsverbandes, das Tragen eines Gummi- oder Tubigrip-Strumpfes bei Stauungszuständen an beiden Beinen; Blutegelbehandlung (s. S. 217).

Diät:

Auch im vorbeugenden Sinn knappe Kost, aber keine strenge Abnahmediät; fettarm; Diätwurst bevorzugen, keine Innereien; keine Süßigkeiten, kein Zuk- ker; reichlich trinken: Tee, Mineralwasser, einfaches Wasser.

Tee:

Ringelblumenblüten

Kastanienblätter

Mariendistelfrüchte

Pfefferminze

Steinklee         aa ad 100,0

Tgl. 4—5 Tassen; überbrühen, 10 Min. ziehen lassen.

Homöopathie:

Hamamelis      0

Aesculus         D1

Arnica             D2

Symphytum    D2

Melilotus         D4 aa ad 50,0

Tgl. 3×20 Tr.

Medikamente:

Keine entwässernden Maßnahmen, um Bluteindickung zu vermeiden; nachts Auftragen von Heparin-Salbe, abdecken mit Mull, leichter, fixierender Verband.

Die Prognose ist günstig. Es besteht keine Emboliegefahr. Allerdings zeigen oberflächliche Thrombosen eine latente Bereitschaft zu entzündlichen Vorgängen im Venenbereich an. Deshalb ist nach Abklingen der akuten Erscheinungen eine Vorsorgebehandlung einzuleiten.

Kneipp:

Tgl. Ganzwaschung; Wechselschenkelguss; Warmanteil 34° C; Wechselarmguss; keine Wechselfußbäder!

Wöch. 2×3/4-Bad mit Zinnkraut 34º, anschl. Ab- oder Schenkelguss.

Allgemeine Maßnahmen:

Spazierengehen, wandern, schwimmen; trockenbürsten, Beine nur vorsichtig in Richtung des venösen Gefäßsystems, also von unten nach oben, mit dem Massagehandschuh ausstreichen; keine Vollmassagen, nur Teilmassagen oder Bindegewebsmassagen unter Aussparung der Beine.

Diät und Tee:

wie unter 1.


2. Venenerkrankungen: Tiefe Venenentzündung

Im Gegensatz zur oberflächlichen Venenentzündung ist die Tiefenthrombophlebitis ein ernsthaftes Krankheitsbild. Es kommt zum Verschluß einer oder mehrerer tiefliegender Venen, in denen sich innerhalb des Gefäßes ein Blutpfropf bildet. Die ominöse tiefe Venenentzündung hat selbst in einer Zeit der perfekten apparativen Medizin ihren Schrecken noch nicht verloren. Die oft tödliche Lungenembolie wird durch ein fortgeschwemmtes Blutgerinnsel, mit Vehemenz in den Lungenkreislauf geschleudert, ausgelöst. Verursachende Faktoren haben wir bereits kennengelernt. Darüber hinaus muß eine behandlungsbedürftige Blutgerinnungsstörung angenommen werden. Aber auch eine Verlangsamung des strömenden Blutes, wie sie bei Infektionskrankheiten und nach operativen Eingriffen aufgrund des geschwächten Kreislaufes aufzutreten pflegt, beschwört die Gefahr einer Thrombose mit Embolie herauf. Bevorzugtes Gebiet sind immer wieder die Unter- und Oberschenkel einschließlich des Beckens mit seinen weitverzweigten Venengeflechten. Die klinische Diagnose am Krankenbett ist selbst für den kundigen Arzt schwierig. Wichtigstes Leitsymptom ist die Vorgeschichte mit früheren Thrombosen und das Vorliegen ausgedehnter Krampfadergeflechte. Typische Zeichen sind Schwellung und bläuliche Verfärbung des betroffenen Beines mit verstrichener Knöchelkulisse, Ziehen in der Wade mit lokaler Druckempfindlichkeit und Wadenschmerz bei Beugung des Fußes nach oben. Ein charakteristisches Frühwarnzeichen ist das Auseinanderklaffen von Puls und Temperatur: erhöhter Puls bei normaler oder sogar erniedrigter Körpertemperatur. Letzten und sicheren Aufschluß gibt nur die Phlebographie (Darstellung der Venen durch Röntgen nach Einspritzen eines Kontrastmittels) oder der Ultraschalldetektor, Untersuchungsmethoden, die in klinischer Obhut möglich sind.

Therapie:

Wegen der oben genannten diagnostischen Notwendigkeiten, aber auch wegen der Gefahr der Loslösung eines Blutpfropfes durch abrupte Bewegungen ist Krankenhauspflege erforderlich.

 

3. Venenerkrankung: Zustand nach tiefer Thrombose = das postthrombotische Syndrom

Während die oberflächliche Venenthrombose komplikationslos abheilt, ist bei der Thrombose tiefliegender Venen mit einer folgenschweren Hinterlassenschaft zu rechnen. Durch den Verschluß entzündlicher Venenstränge oder die Zerstörung ihres Klappenapparates müssen für den Rücktransport des Blutes oberflächliche Venen erweitert werden. Daraus resultiert eine vermehrte Krampfaderbildung mit erheblichen Ernährungsstörungen des Gewebes. Nach Abklingen des akuten Entzündungszustandes können Monate, ja sogar Jahre vergehen, bis sich das chronische Endstadium einer tiefen Thrombose in vollem Umfang entwickelt hat. Schweregefühl, schnelle Ermüdbarkeit, Anschwellen der Unterschenkel im Laufe des Tages und Wadenkrämpfe bestimmen das subjektive Beschwerdebild. Die Haut rötet sich, verhärtet und neigt zu häßlichen Ekzemen. Schon kleine Verletzungen, ein Stoß, eine Hautabschürfung genügen, um aus einem minimalen Hautdefekt ein ausgedehntes Unterschenkelgeschwür werden zu lassen. Handflächengroße, bräunliche Verfärbungen an der Innenseite der Unterschenkel, meist in der Knöchelgegend, weisen auf die Verödung ernährender Blutgefäße hin. Denn nicht nur der Venenabfluß ist gestört, auch die arterielle Zirkulation wird in Mitleidenschaft gezogen.

Therapie:

Wenn die venöse Insuffizienz, das ausgeweitete Venensystem der Beine, vorzugsweise der Unterschenkel, erfolgreich behandelt werden soll, dann müssen drei Behandlungsprinzipien Hand in Hand gehen: die Kompression, die Übungsbehandlung und die Kneippsche physikalische Therapie.

Unter Komprimieren verstehen wir eine gleichmäßige Unterstützung des gesamten defekten Venenapparates durch Anlegen von festelastischen Binden oder das Tragen von Gummistrümpfen. Das kunstgerechte Anlegen von entstauenden Verbänden sollte unter ärztlicher Anleitung erfolgen. Auch der Gummistrumpf bedarf der ärztlichen Verordnung, weil jeder Patient seinen persönlichen Strumpf benötigt. Das postthrombotische Syndrom erfordert einen Strumpf der Klasse 3 mit kräftiger Kompression (s. S. 217).

Allgemeine Maßnahmen:

Bei der Übungsbehandlung gilt der Grundsatz, daß Stehen und Sitzen das Venensystem belastet, während Hochlagern der Beine und vor allen Dingen aktive Bewegung die Venen entleert. Die Beine sollten bei jeder Gelegenheit hochgelagert werden, zum Beispiel beim Fernsehen. Auch während der Nacht sollten die Beine höher liegen als der Körper. Ein Kopfkeil am Fußende genügt nicht. Es soll das Fußende des Bettes oder der Matratzenrahmen so hoch- gestellt werden, daß eine schiefe Ebene mit ca. 15 Grad Neigung entsteht. Für das Erhöhen des Fußendes Holzklötze anfertigen lassen oder Ziegelsteine unterlegen!

Venengymnastik (s. S. 213), Wandern, Radfahren, Barfußgehen und Tragen von Sandalen entstauen die Beinvenen. Durch Atemübungen wird der Rückfluß des Blutes aus den Beinen gefördert. Sauna lx wöchentlich schadet nicht. Massage an den Beinen unbedingt vermeiden.

Kneipp:

Die obere Temperaturgrenze liegt bei 34/35°; Wechselfußbäder sind grundsätzlich zu vermeiden; einem warmen Bad, Temperatur 34°, muß ein temperierter oder kalter Guss folgen.

Tgl. Ganzwaschung; Wechselknie- oder Wechselschenkelguss 34° und 22° oder Wassertreten in der Badewanne.

Wöch. l-2×3/4-Bad mit Zinnkraut 34°, anschl. Knie-, Schenkel- oder Abguss kalt; 2-3x Fußwaden- oder Beinwickel mit Retterspitz, Lehmwasser oder Lehmpflaster.

Diät, Tee und Homöopathie:

s. unter 1.


4. Venenerkrankungen: Das Unterschenkelgeschwür

Wir unterscheiden zwischen primären und sekundären Krampfadern. Unter primären Krampfadern verstehen wir die Erweiterung der oberflächlichen Bein- oder Unterschenkelvenen, ohne Beteiligung der tiefliegenden venösen Blutgefäße, während die sekundären Krampfadern fast immer als Folgezustand einer tiefen Thrombose aufzufassen sind. Diese Unterscheidung ist deswegen wichtig, weil die primären Krampfadern außer der kosmetischen Unansehnlichkeit keinerlei Beschwerden nach sich ziehen müssen, während die sekundären Krampfadern, wie bereits unter 3. erwähnt, mit unangenehmen Dauerfolgen behaftet sind. Die Stauung vom überfüllten Venengeflecht bis in die arteriellen Kapillaren führt zu Flüssigkeitsaustritt ins Gewebe mit nachhaltigen Ernährungsstörungen. An Stellen erhöhter Belastung durch Reibung oder Druck, aber auch durch eine umschriebene Venenentzündung, kommt es zu einem linsengroßen Gewebsdefekt: das Unterschenkelgeschwür. Früher sprach man im Volksmund vom offenen Bein, ohne sich darüber Gedanken zu machen, womit diese Hautgeschwüre an den Unterschenkeln Zusammenhängen. Heute wissen wir, daß nur die gestörte Strömungsmechanik im venösen System des Unterschenkels nach vorausgegangener Venenentzündung die Ursache ist. Demgemäß kann eine sinnvolle Behandlung nur in der Beseitigung dieser venösen Rückflußstauung liegen.

Therapie:

Anlegen eines gutsitzenden Kompressionsverbandes, des sog. Pütter-Verbandes (s. S. 217). Nur durch kontinuierliche Entstauung des Beines durch gleichmäßigen Druck werden die Voraussetzungen zur Abheilung eines Unterschenkelgeschwürs geschaffen. Alle anderen Maßnahmen, wie Salbenverbände, Wickel, Bäder und Medikamente, haben schließlich nur noch eine unterstützende Heilwirkung.

Kneipp:

Tgl. kaltes Fußbad oder Wassertreten in der Badewanne 20 Sek.; jeden 2. Tag Lehm- oder Quarkwickel.

Wöch. 2x Sitzbad mit Zinnkraut, 34°, anschl. Knie- oder Schenkelguss. Heiße Bäder sind abzulehnen. Nach den Anwendungen müssen die Beine wieder gewickelt werden.

Allgemeine Maßnahmen:

s. Venenerkrankungen unter 3.

Diät und Tee:

s. Venenerkrankungen unter 1.

Homöopathie:

Hamamelis      0

Aesculus         Dl

Symphytum    D2

Lycopodium   D3

Carbo veget.   D8 aa ad 50,0

Tgl. 3×20 Tr.

Medikamente:

Nach Verordnung des Arztes.

Verfasser:
Dr. med. Mathäus Fehrenbach
(Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren)

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