Was Sie beim Wechsel in die private Krankenversicherung beachten sollten

Es war zu Beginn des Jahres 2017 ein regelrechter Schock für viele Privatversicherte: Im Briefkasten lag die Mitteilung über steigende Beiträge der jeweiligen Versicherer. Bis zu 49,6 Prozent stiegen die Preise für manche Kunden. Das kann schon mal ein Plus von bis zu 1.000 Euro pro Jahr bedeuten.

Operation beendet, Patient arm. Wer versichert ist, minimiert dieses Risiko.

Ärztliche Leistungen können ins Geld gehen: Am günstigsten sind die Leistungen in der gesetzlichen Versicherung abgedeckt. Mehr Leistungen gibt’s jedoch bei den Privaten. Quelle: Gajus – 130138823 / Shutterstock.com

Privatversicherte haben es gut: Sie genießen im Krankenhaus die Chefarztbehandlung, liegen maximal auf einem Zweibettzimmer und bekommen höhere Leistungen. Dafür bezahlen sie aber auch einen hohen Preis. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn im Gegensatz zu gesetzlich Versicherten, gilt für Privatpatienten das Kostenerstattungsprinzip. Das heißt, dass Arztrechnungen in der Regel erst einmal aus eigener Tasche beglichen werden müssen. Erst im Anschluss gibt es von der Versicherung das ausgelegte Geld zurück.

Absicherung im Baukastenprinzip

Privatversicherte können ihren Schutz so definieren, wie sie ihn haben wollen. Dabei kann jeder seine Schwerpunkte setzen. Mehr Kostenerstattung bei der Brille, dafür geben sich viele auch mit einem Mehrbettzimmer im Krankenhaus zufrieden. Baukastenprinzip nennt man das. Und das kann durchaus Vorteile haben: Die Beiträge werden so optimiert und gänzlich auf die betreffende Person angepasst.

Privat geht auch für gesetzlich Versicherte

Wer gerne den Schutz einer privaten Versicherung genießen möchte, aber dennoch in der gesetzlichen Versicherung bleiben will, sollte über eine Krankenzusatzversicherung nachdenken. Der Vorteil: Man profitiert von den Vorteilen eines Privatpatienten, hat aber die Sicherheit des gesetzlichen Gesundheitssystems. Auch hier gilt das Baukastenprinzip. Zusätzlich zum bestehenden Gesundheitsschutz können Wahlleistungen ergänzt werden.

Voraussetzungen für den Eintritt in die private Krankenversicherung

Selbständige, Studenten, Beamte und Freiberufler können ohne Bedingungen in die private Krankenversicherung eintreten. Angestellte jedoch müssen eine wichtige Hürde nehmen:

  • Das Einkommen muss über der Jahresarbeitentgeltgrenze liegen. Im Jahr 2017 muss ein Angestellter mindestens 57.600 Euro pro Jahr verdienen, um aufgenommen zu werden. Der Betrag wird von Jahr zu Jahr angehoben.

Aufgepasst beim Vertragsabschluss

Bevor man die gesetzliche Krankenversicherung kündigt, sollte man sich beim privaten Anbieter informieren, ob dieser einen auch aufnimmt. Denn im Gegensatz zur gesetzlichen Versicherung sind die Privaten nicht verpflichtet, Mitglieder aufzunehmen. In der Regel verlangen die Privatversicherer einen Risikocheck und eine Gesundheitsprüfung. Liegen zum Beispiel Vorerkrankungen vor, läuft man Gefahr, nur im Basistarif aufgenommen zu werden. Dieser hat gegenüber der gesetzlichen Versicherung aber keine Vorteile. Möglicherweise sind also Zusatzleistungen nicht abgedeckt. Hier lohnt es sich also, genau hinzuschauen.

Was sind die Vorteile einer privaten Krankenversicherung?

Die Versicherer werben mit optimaler medizinischer Versorgung, ärztlicher Therapiefreiheit und vollem Service. Außerdem seien einmal vereinbarte Leistungen garantiert. Freie Arztwahl ist selbstverständlich, manche Privatversicherer erlauben auch den direkten Gang zum Facharzt, auch wenn keine Überweisung vom Hausarzt vorliegt. Weitere Vorteile:

  • Unabhängigkeit von Staatszuschüssen
  • Kostentransparenz
  • Auf Wunsch keine Mehrbettzimmer im Krankenhaus
  • Höhere Leistungen bei Sehhilfen und Zahnersatz
  • Freie Wahl der Leistungen und Absicherungen

Nachteile einer privaten Krankenversicherung

Viele Leistungen, die in der gesetzlichen Versicherung selbstverständlich sind, werden von einigen Privaten nicht oder nur teilweise übernommen. So kann es zum Beispiel Probleme bei einer Reha-Maßnahme oder einer Haushaltshilfe geben. Außerdem steigen in der privaten Versicherung regelmäßig die Prämien. Gerade für ältere Menschen kann das zum finanziellen Problem werden.

Während in der gesetzlichen Versicherung Ehepartner und Kinder bis 25 Jahre, wenn sie keinen oder nur einen geringen Verdienst haben, beitragsfrei mitversichert sind, ist das bei der Privaten nicht Gang und Gäbe. Hier zahlen Familienmitglieder in der Regel extra.

Privatversicherte über 55 Jahre können nicht mehr zurück in die Gesetzliche

Der Wechsel in die private Krankenversicherung kann als Wechsel auf Lebenszeit gesehen werden. Denn Personen über 55 Jahre bleibt die Rückkehr in die gesetzliche Versicherung verwehrt. Auch dann, wenn sie arbeitslos mit Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Rentner sind. Daher raten selbst die privaten Versicherer, sich den Wechsel in reiferem Alter genau zu überlegen. Wenn überhaupt ein Wechsel zurück möglich ist, dann nur unter äußerst erschwerten Bedingungen und nur in Ausnahmefällen.

Im Vergleich geben die gesetzlichen Krankenversicherungen jährlich mehr Geld aus als die privaten.

Gesetzliche und private Versicherer im Vergleich. Wer wechseln will – egal wohin – muss einiges bedenken. Quelle: Eigene Darstellung

Schlaue Alternative: Die private Zusatzversicherung

Wer also auf der sicheren Seite sein möchte, bleibt in der Gesetzlichen und sichert sich zusätzlich privat ab. Der Vorteil: Man genießt die Absicherung der gesetzlichen Kassen und sorgt für weitere Eventualitäten privat vor. So ist es beispielsweise möglich, dass man privat eine Krankenzusatzversicherung abschließt. Diese ermöglicht einem, dass man eben nicht auf einem Sechsbett-Zimmer im Krankenhaus liegen muss, sondern sich mit maximal einer weiteren Person das Zimmer teilt. Sollte das Krankenhaus dies nicht anbieten können, etwa weil es überlastet ist und keine Kapazitäten mehr frei sind, gibt es von der Zusatzversicherung Tagessätze zurück.

Auch bei Zahnersatz oder Sehhilfen sind diese Zusatzleistungen möglich. So bezahlen einige Privatanbieter bis zu 100 Prozent der neuen Brille, bis zu einem gewissen Höchstsatz pro Jahr. Gleiches gilt für Zahnbehandlungen. Die jährliche professionelle Zahnreinigung wird von fast allen Privaten übernommen. Behandlungen beim Heilpraktiker sind ebenso möglich, ohne sie aus eigener Tasche zu zahlen.

Die beliebtesten Zusatzversicherungen sind:

  1. Zahnzusatzversicherungen
  2. Auslandskrankenversicherungen
  3. Krankentagegeldversicherungen
  4. Betriebliche Krankenversicherungen

Gleiche Preise für Männer und Frauen

Seit 2012 müssen die Zusatz-Versicherer Männer und Frauen preislich gleichbehandeln. Der Europäische Gerichtshof hat geurteilt, dass die bisherigen Bestimmungen gegen das Prinzip zur Gleichbehandlung zwischen Mann und Frau verstoßen. Das Ergebnis: Männer und Frauen bezahlen gleich viel. Das heißt aber auch, dass die Tarife für beide gleichermaßen steigen können.

Was muss man bei einer privaten Zusatzversicherung beachten?

Informieren Sie sich über Ihren tatsächlichen Bedarf. Was genau wollen Sie absichern? Benötigen Sie ein Angebot, bei dem auch andere Leistungen inbegriffen sind? Wenn Sie gezielt z. B. nur die Zahngesundheit absichern wollen, sollten Sie sich nach Angeboten umschauen, die genau das absichern.

Informieren Sie sich auch über Erfahrungsberichte anderer Kunden. Im Internet finden Sie viele Vergleiche und Kundenmeinungen, die mitunter sehr aufschlussreich sind.

Können Sie durch einen Wechsel in eine andere Zusatzversicherung sparen? Vergleichen lohnt sich. Achten Sie aber auch darauf, dass die neue, günstigere Versicherung auch exakt dieselbe Leistung hat wie die alte.

Prüfen Sie die Wartezeiten! Bei vielen Versicherungen gilt eine gewisse Frist, bis der volle Versicherungsschutz eintritt. Ist ein lückenloser Wechsel möglich? Und wie verhält es sich mit den Kündigungsfristen? Auch hier sollten Sie genau hinschauen.