Der Weg zur sanften Heilung – welche Fähigkeiten besitzen Heilpraktiker?

Schulmedizin und alternativen Heilmethoden

Der Grat zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden ist alles andere als schmal. Beschwerden lassen sich oftmals auf beiderlei Art heilen – nicht immer ist der Besuch beim Hausarzt zwingend notwendig. Heilpraktiker kennen unterschiedliche Methoden und legen bereits bei der Anamnese Wert auf das Gesamtbild. Bei der Untersuchung kommen nicht nur die aktuellen Symptome zur Sprache; zur Diagnose zieht der Heilpraktiker gleich eine ganze Reihe von unterschiedlichen Informationen über den Patienten zurate. Was passiert eigentlich im Detail, wenn wir uns bei einem Heilpraktiker in Behandlung begeben?

‚Heilpraktiker‘ ist ein geschützter Beruf

Zunächst einmal ist es beruhigend zu wissen, dass die Bezeichnung „Heilpraktiker“ ein geschützter Beruf ist, der fundiertes medizinisches Wissen voraussetzt. Eine amtsärztliche Prüfung beim Gesundheitsamt muss vor Praxiseröffnung erfolgreich abgelegt werden. Das nötige medizinische Know-how vermitteln Abendschulen, Onlinekurse und Fernlehrgänge. Prüfungsanwärter müssen mindestens 25 Jahre alt sein, einen Hauptschulabschluss besitzen und ein unbelastetes polizeiliches Führungszeugnis nachweisen können. Daneben ist der Nachweis der körperlichen und geistigen Gesundheit zwingend erforderlich (meist in Form eines Attestes des Hausarztes). In der schriftlichen sowie mündlichen Prüfung wird neben den erworbenen Kenntnissen ebenfalls die persönliche Anwendungskompetenz überprüft.

Vielfältiges Wissen erforderlich

Zu dem benötigten Wissen gehören verschiedene Bereiche. Klinische Befunderhebung, allgemeine Krankheitslehre, Erstversorgung bei akuten Notfällen, Analyse und Deutung von Laborwerten sowie Blutabnahme und Injektionen sind wesentliche Bestandteile der Ausbildung. Auch die Grenzen naturheilkundlicher Behandlungen müssen Heilpraktiker kennen und vertreten. Je nach gewähltem Lehrgang stehen alternative Heilmethoden wie z. B. Akupunktur oder Homöopathie auf dem Stundenplan.

Akupunktur beim Heilpraktiker

Akupunktur beim Heilpraktiker
(C) Bildlizenz: jesseheqi / Pixabay

Patienten wenden sich bevorzugt an Heilpraktiker, weil sie auf natürliche Maßnahmen vertrauen und ihren Körper mit alternativen Behandlungsmethoden heilen wollen. Dazu gehören auch Aromatherapie, Physiotherapie oder Heilpflanzenkunde. Es müssen nicht immer starke Medikamente mit teilweise heftigen Nebenwirkungen sein, die für beste Ergebnisse in der Behandlung sorgen. Begleitende Ernährungsberatung, Schlafberatung oder sensibilisierende Gespräche sind für effektive und nachhaltige Ergebnisse ebenso wichtig wie das Erkennen der aktuellen Symptome. Der ganzheitliche Blick fördert z. T. verdrängte und längst vergessen geglaubte Ursachen zutage, die einer Heilung im Wege stehen könnten.

Kraft der Natur und Selbstheilungskräfte

Statt auf Spritzen, Tabletten oder Operationen zu setzen, vertrauen Heilpraktiker auf die Kraft der Natur, Kräuter und Selbstheilungskräfte – immer mit dem nötigen Wissen um die eigenen Grenzen. Wenn die Schulmedizin gefragt ist, müssen sich Patienten auf die Integrität des Heilpraktikers verlassen können. Nicht selten nimmt die Anamnese einige Zeit in Anspruch. Neben den körperlichen Symptomen werden auch die Krankheitsgeschichte, familiäre Vorerkrankungen oder Stressfaktoren zur Sprache kommen und in die Diagnose einfließen. Die Erfolge einer Behandlung sind nicht zuletzt auf diesen breiten Ansatz zurückzuführen.

Vertrauen ist eines der wichtigsten Kriterien beim Gesunden. Wird die Diagnose angezweifelt, schenken Patienten auch der Behandlung kaum Vertrauen. Neben einem größeren Zeitfenster für Patienten ist es auch eine besondere Fähigkeit zur Empathie, die Heilpraktiker auszeichnet. Wer sich auf unterschiedlichste Menschen und Charaktere einlassen kann, dringt eher bis auf den Kern des Problems und kann so die optimale Behandlungsmethode entwickeln.

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