Schultersteife – Periarthritis des Schultergelenkes

Schultersteife – Periarthritis des Schultergelenkes

von Dr. med. Mathäus Fehrenbach (Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren)

Das Schultergelenk nimmt unter allen Gelenken eine Sonderstellung ein. Aufgrund seines anatomischen Aufbaus ist es äußerst sensibel und störanfällig. Es treffen sich dort mehrere Gelenkflächen: die des Oberarmkopfes, des Schlüsselbeines und des Schulterblattes. Die Gelenkflächen sind relativ klein, so daß bei äußerer Gewaltanwendung der Oberarmkopf aus seiner knöchernen Halterung gleiten kann. Dabei durchbricht der Gelenkkopf die sog. Rotatorenmanschette, eine kappenartige Gelenkkapsel, die durch die Sehnen von vier Muskeln verstärkt wird. Von dieser Verletzung, der Schulterluxation, abgesehen, können bereits einfache Prellungen, z. B. durch Sturz beim Skifahren, das Schultergelenk ohne sichtbare Knochenverletzung so lädieren, daß trotz intensiver Behandlung Monate vergehen, bis das Gelenk wieder schmerzfrei beweglich wird.

Die Schultersteife jedoch, von der hier die Rede sein soll, hat primär mit einer Verletzung nichts zu tun. Schon nach dem 30. Lebensjahr lassen sich die ersten degenerativen Veränderungen an den stark beanspruchten Sehnen des Schultergelenks nachweisen. Die Abnutzungserscheinungen nehmen im Laufe der Jahre zu, die umschließende Gelenkkapsel schrumpft, während in das strukturveränderte Gewebe Kalk eingelagert wird. Diese Veränderungen schreiten nur langsam fort, ohne in diesem latenten Stadium Beschwerden zu verursachen. Erst wenn die schrumpfende Kapsel den Freiraum des Gelenkes erheblich einschränkt, kommt es zur Schultersteife, werden die degenerierten Sehnen entzündlich reagieren. Schmerz wird nur bei bestimmten Bewegungen, durch Druck oder in einer bestimmten Liegehaltung verursacht.

Röntgenbild einer verkalkenden Schleimbeutelentzündung der Schulter (Kalkdepot im Ausschnitt rot gefärbt)

Röntgenbild einer verkalkenden Schleimbeutelentzündung der Schulter (Kalkdepot im Ausschnitt rot gefärbt) – Urheber: Lengerke – Lizenz: Creative Commons

Die Diagnose ist selbst für den medizinischen Laien von einmaliger Prägnanz. Normalerweise müssen sich die Hände bequem berühren, wenn der rechte Arm über die rechte Schulter greift, während die linke Hand von unten her der rechten Hand entgegenkommt. Ist das Berühren der Fingerspitzen nur schwer oder gar nicht möglich, dann besteht zumindest bei einer Schulter bereits das Symptom der Schultersteife, auch wenn keine Beschwerden vorhanden sind. Je weiter der Prozeß fortschreitet, desto schwieriger wird es, die Hand nach rückwärts zu bringen, um das gegenüberliegende Schulterblatt zu erreichen.

Wir sprechen von einer primären Schultersteife, wenn sich der entzündlich de- generative Prozeß sozusagen in eigener Verantwortlichkeit vollzieht, von einer sekundären Erkrankung, wenn zusätzliche Faktoren wie Verletzung, Arthrose, Rheuma, Veränderungen an der Halswirbelsäule und am Brustkorb das Krankheitsbild verstärken oder überlagern.

Dem Verlauf nach unterscheiden wir zwischen 5 verschiedenen Formen der Schultersteife:

 

1. Die akute Form

Aus heiterem Himmel, ohne erkennbaren äußeren Anlaß, kommt es zu einer hochgradigen Schmerzhaftigkeit der Schulter, die in den Oberarm, ja sogar bis in das Handgelenk ausstrahlen kann. Eine Bewegungssperre im erkrankten Schultergelenk zwingt den Patienten, den betroffenen Arm an den Körper zu pressen.

Kneipp:

Tgl. mehrmals kalte Umschläge mit Retterspitz oder Arnika verdünnt; Lehmpflaster.

Weitere physikalische Maßnahmen:

In die moderne physikalische Therapie gehört auch die Kaltbehandlung mit Eis, die Kryotherapie. Eiswürfel werden in ein Handtuch gepackt und auf die erkrankte Stelle gelegt, Dauer 10-20 Min., tgl. lx; auch handelsübliche Eispackungen können Verwendung finden; warme Packungen unbedingt vermeiden.

Allgemeine Maßnahmen:

Absolute Ruhigstellung, Armtragetuch.

Medikamente:

Schmerzlindernde, entzündungshemmende Medikamente sind vorübergehend notwendig; auch ein Cortisonstoß ist angebracht; unbedingt Arzt hinzuziehen.

 

2. Subakute Form, ein Zwischenstadium zwischen akut und chronisch

Der subakute Entzündungszustand entwickelt sich aus der akuten Form oder primär als selbständiges Krankheitsbild. Es bestehen keine spontanen Beschwerden. Schmerzen treten nur bei bestimmten Bewegungen auf. Der Bewegungsspielraum im Gelenk ist jedoch deutlich eingeschränkt.

Kneipp:

Wie unter akut; ein Versuch mit einem nicht zu heißen Heusack ist angebracht; Lehmpflaster und Retterspitzumschläge sind einer Eisbehandlung vorzuziehen; probatorische Behandlung!, d. h., die Art der Anwendung richtet sich nach dem Erfolg, der vom Patienten angegeben wird.

Allgemeine Maßnahmen:

Leichte Bewegungsübungen, Schmerzschwelle nicht überschreiten!

Medikamente:

Wie unter akut; Cortison als Injektion in oder ans Gelenk entscheidet der Arzt.

 

3. Chronische Form

Ist beim subakuten Krankheitsverlauf kein vollkommener Heilerfolg beschieden, zieht sich das Beschwerdebild über Monate hin, dann sprechen wir von der chronischen Form.

Kneipp:

Im chronischen Stadium wird der Wärmebehandlung der Vorzug gegeben. Tgl. Wechselarmguss bzw. Heublumen- Wechselarmbad.

Wöch. 3x Heusack oder 3x Heublumen- Auflage.

Weitere physikalische Maßnahmen:

Fango, Moor, Fango-Paraffin.

Allgemeine Maßnahmen:

Heilgymnastik, Gymnastik zu Hause (s. S. 214); sportliche Betätigung; Massagen des Schultergürtels unter Auslassung der Schmerzpunkte, Bindegewebsmassagen; Bestrahlungstherapie, besonders Jontophorese; Schwimmen.

Diät:

Eiweißarme Ernährung; wenig Fleisch und Wurst; süßigkeitsarm; Milchprodukte, Salate, Rohkost und Obst bevorzugen.

Tee:

Kastanienblätter

Brennesselblätter

Schwarze Johannisbeerblätter

Birkenblätter

Wacholderbeeren

Hagebutten

Zinnkraut        aa ad 100,0

Tgl. 3×1 Tasse; überbrühen, 10 Min. ziehen lassen.

Homöopathie:

Symphytum                D2

Acidum salicyl.          D2

Ichthyolum                 D2

Ledum                        D2

Colchicum                  D4

Calcium phosph.         D8 aa ad 60,0

Tgl. 3×15 Tr.

Medikamente:

Nach Verordnung des Arztes.

 

4. Schultersteife mit Scheinlähmung

Durch den Querriß einer aufgebrauchten Sehne, meist verursacht durch Heben eines schweren Gewichts oder durch Sturz bei ausgestrecktem Arm, kommt es plötzlich zu einer scheinbaren Lähmung des Armes. Eine echte Lähmung ist immer durch ein krankhaftes Geschehen im Nervensystem hervorgerufen; dagegen ist hier die Funktionseinbuße des Armes durch den Abriß der Bizepssehne bedingt.

Therapie:

Der Facharzt entscheidet, ob operatives Vorgehen oder konservative Behandlung erfolgen soll.

 

5. Die versteifende Schulter

Während bei den beschriebenen Stadien der Schultersteife der Bewegungsschmerz im Vordergrund stand, ist bei der versteifenden Schulter die zunehmende Bewegungseinschränkung führendes Symptom. Der Bewegungsausfall führt mit der Zeit zu einer Atrophie, zu einer Verminderung der Muskelsubstanz.

Kneipp:

Wärmebehandlung wie unter 3. Allgemeine Behandlungsmaßnahmen:

Schwerpunkt der Therapie sind aktive und passive Bewegungsübungen, langfristige Heilgymnastik unter fachlicher Anleitung ist unbedingt erforderlich, sonst wie unter 3.

Tee, Homöopathie und Medikamente:

s. unter 3.

Beachte:

Eine erkrankte Schulter darf niemals dem Heilfaktor »Zeit« überlassen werden. Arzt und Patient haben die Aufgabe, alle Möglichkeiten und Mittel einzusetzen, um in kooperativer Zusammenarbeit mit Besserung und Behebung der Beschwerden eine Versteifung des Schultergelenkes zu verhindern.

Es werden auch Röntgenbestrahlungen in den Stadien 2,3 und 5 empfohlen. Persönlich stehe ich dieser Behandlungsmethode skeptisch gegenüber. Jedenfalls weigerte ich mich, meine traumatische (durch Prellung verursachte) Schultersteife auf diese Weise behandeln zu lassen. Sie heilte auch unter konservativen Maßnahmen, allerdings erst nach neun Monaten, vollkommen aus.

Verfasser:
Dr. med. Mathäus Fehrenbach
(Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren)

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