Arterienverkalkung (Arteriosklerose)

Arteriosklerose (arterielle Durchblutungsstörungen bzw. Arterienverkalkung)

Eröffnete Aorta mit arteriosklerotischen Veränderungen

Eröffnete Aorta mit arteriosklerotischen Veränderungen – Bildautor: CDC/Dr. Edwin P. Ewing, Jr. – Bildlizenz: Public Domain

Durchblutungsstörungen, arteriell

1. Die Arteriosklerose, allgemein

Die Arterienverkalkung, im Volksmund schlicht und einfach Verkalkung genannt, ist kein einfaches, übersichtliches Krankheitsbild. Verstanden wird darunter eine vorzeitige Verhärtung und Verengung jener Gefäße, die vom Herz in die Peripherie führen und der Ernährung des Gewebes mit allen lebenswichtigen Organsystemen dienen. Da sowohl sämtliche Gefäßgebiete als auch nur einzelne Blutstrombezirke diesem vorzeitigen Alterungsprozeß anheimfallen können, ist die Arteriosklerose vielschichtig in ihrer Erscheinungsform.

Neben dem Alter werden noch zahlreiche weitere Faktoren für den schleichenden Gefäßprozeß mit unklarem Krankheitsverlauf in Erwägung gezogen, die für sich allein oder zusammen den ernährenden Blutstrom auf ein spärliches Rinnsal einengen. Angeschuldigt werden der erhöhte Blutdruck, Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Gicht, erhöhtes Cholesterin und Fettverwertungsstörungen im Blut, Gefäßgifte wie Nikotin und Alkohol, entzündliche allergische Gefäßprozesse, nervös-vegetative Fehlsteuerungen als Folge von Streß und schließlich familiär-erbliche Belastung.

Wenn eine allgemeine Arteriosklerose vorliegt, macht die beweisende Diagnostik keine Schwierigkeiten. Die Arterienpulse am Handgelenk sind als starre Rohre zu tasten und die Schläfenarterien als pulsierende Schlangenlinien an der Stirnseite sichtbar. Die Röntgenaufnahme läßt besonders an den großen Gefäßen, z. B. der Aorta und an den Beinarterien, sichelförmige Kalkablagerungen erkennen.

Häufig wählt sich der sklerotische Gefäßprozeß ein bevorzugtes Spezialgebiet ans. Das Herz, das Gehirn, die Nieren und die Beingefäße fallen dann einer zunehmenden Verödung zum Opfer und werden Wegbereiter für Coronarsklerose (Herzkranzgefäß-Verengung) mit Angina pectoris, drohendem Herzinfarkt und Degeneration des Herzmuskels, für Cerebralsklerose (Verhärtung der Gehirngefäße) und der Gefahr eines Schlaganfalles, für arteriosklerotische Schrumpfniere und schließlich für arterielle Verschlußkrankheit der Beine.

Die Diagnose stützt sich weniger auf primär objektive Krankheitszeichen als vielmehr auf die sekundär zutage tretenden Ausfallserscheinungen.

»Der Mensch ist so alt wie sein Gefäßsystem«, pflegte mein Lehrer eindringlich zu predigen. Ein wirksames Medikament, um einen vorzeitigen Gefäßverschleiß zu verhindern, konnte er allerdings nicht nennen. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Auch hier gilt die goldene Medizinerregel: Je größer die Anzahl der angepriesenen Medikamente, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, daß sich ein brauchbares Präparat darunter befindet. Nur durch körperliches Gefäßtraining, das über den Tablettenschluck hinausgeht, kann sich der Mensch seine Gesundheit verdienen.

Kneipp

Tgl. Wechselarm-, Gesichts- und Wechselknieguss, oder auch Wechselarm- bzw. Wechselfußbad mit Melisse oder Thymian; die kleinen Kaltanwendungen wie Wassertreten und kaltes Armbad können dazu beliebig über den Tag verteilt werden.

Wöch. 2 x 3/4-Bad mit Melisse oder Thymian, anschl. Abguss.

Allgemeine Maßnahmen

Ein umfangreiches Übungsprogramm für Gymnastik und Gefäßtraining ist unbedingt erforderlich. Tgl. Trockenbürsten; gelegentlich Luft- und Sonnenbäder; 2-3x wöch. Schwimmen; Massagen, besonders Bindegewebsmassagen; ausgedehnte Spaziergänge; Atemübungen.

Diät

Unter allen Umständen ist das Normalgewicht zu erstreben. Eine abwechslungsreiche Ernährung! Die spezifische Gefäßschädlichkeit bestimmter Fettsorten wird wissenschaftlich immer noch diskutiert. Nach den bisherigen Erkenntnissen hat sich jedoch folgende Meinung durchgesetzt: Schweine-, Rinderfett und pflanzliche Hartfettsorten sollten vermieden werden. Als Streichfett kommen Butter und Margarine in Frage. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, mit Streichfetten sparsam umzugehen. Zum Kochen sollten nur pflanzliche Öle verwendet werden. Die versteckten Fette, die in der Wurst, im Käse, im Backwerk und den Pfannengerichten enthalten sind, sollten nicht übersehen werden. Normale Wurst, fettes Fleisch und Käsesorten mit hohem Fettgehalt dürfen nur in geringen Mengen verzehrt werden. Diätwurst und Magerkäse sind zu bevorzugen. Auch Süßigkeiten müssen wegen ihrer ungünstigen Wirkung auf den Fettstoffwechsel eingeschränkt werden. Eine vegetarische, fleischlose Kost ist nicht notwendig, wenn schon Frischkost der vitaminarmen Konservennahrung unbedingt vorzuziehen ist.

Tee

  • Melisse
  • Johanniskraut
  • Weißdorn
  • Ehrenpreis
  • Zinnkraut        aa 10,0
  • Bärlauchkraut
  • Mistel              aa 20,0
  • Tgl. 3×1 Tasse; kalt ansetzen, aufkochen, 10            Min. ziehenlassen.

Homöopathie

  • Kalium jodat.             D4
  • Secale cornutum         D4
  • Arnica                         D3
  • Barium jodat.             D4
  • Jodum                                    D4 aa 10,0
  • Tgl. 3×15 Tr.

Medikamente

Nach Maßgabe des Arztes.

2. Arteriosklerose des Gehirns

Immer wieder taucht in einer Arztpraxis die Frage auf, ob es ein Medikament gegen Vergeßlichkeit gebe. Zahlen und Namen werden zum Alptraum, Brillen, wichtige Akten und sonstige Gegenstände werden verlegt, um schließlich mit viel Mühe wieder gefunden zu werden. Diese natürliche Vergeßlichkeit, die eine normale Begleiterscheinung des alternden Gehirns ist, hat mit einer krankhaften Veränderung der Gehirnsubstanz (Morbus Alzheimer) nichts zu tun. Wie Gelenke und andere Organe unterliegt natürlich auch unser Zentralnervensystem einem Um- und Abbauprozeß. Zugegeben, es gibt Ausnahmen, Menschen, die selbst in hohem Alter über ein bemerkenswert gutes Gedächtnis verfügen. Dazu mag das Erbgut, sicher aber auch die Übung der grauen Gehirnzellen beitragen. Ein sicheres Medikament, das die Kommunikation zwischen den einzelnen Gehirnzentren fördert, läßt noch auf sich warten. Auch für das Gedächtnis gilt: »Übung macht den Meister.« Sprachen lernen, Gedichte memorieren, Rätsel lösen und verlorene Begriffe aus der Dunkelheit des Vergessens wieder zurückholen, sind die besten Übungen im Sinne einer Gehirngymnastik.

Eine sog. echte Gehirnverkalkung äußert sich in hochgradiger Vergeßlichkeit. Das Altgedächtnis funktioniert, Erinnerungen aus früherer Zeit sind meist parat und reproduzierbar, jedoch Vorgänge der Gegenwart, besonders Zahlen, Namen für Medikamente und Gesprächsinhalte finden in den Merkzentren des Gehirns keinen Halt mehr. Sie passieren Ohr und Gehirn wie Sandkörner das Sieb.

Als cerebral-vasculäre Insuffizienz (Durchblutungsschwäche des Gehirns) werden gesundheitliche Störungen bezeichnet, die sich langsam schleichend entwickeln oder auch plötzlich das Wohlbefinden stören. Besondere Symptome sind Schwindel, besonders nach Lagewechsel, Unsicherheit auf den Beinen, allgemeine Unruhe und Schlafstörungen, schnelle Erschöpfbarkeit, Konzentrationsschwäche, Unlustgefühle und depressive Stimmungslage, Leistungsabfall, natürlich auch auffallender Gedächtnisschwund. Dieses Krankheitsbild gehört ganz zweifellos ebenfalls in die Gruppe der arteriell bedingten, cerebralen Durchblutungsstörungen.

Therapie s. u. Arteriosklerose, allgemein.

3. Arterielle Verschlußkrankheit beider Beine – Schaufenster-Krankheit – Raucherbein

Wenn sich der sklerotische Veränderungsprozeß der großen Arterien in den Beinen vollzieht, stellen sich typische Beschwerden ein, die allein schon eine treffsichere Diagnose erlauben. Nach einer Wegstrecke von ca. 100 bis 300 m kommt es aufgrund zunehmender Mangeldurchblutung der Waden zu krampfartigen Schmerzen, die beim Stehenbleiben verschwinden. Dieses Spiel wiederholt sich bei jedem weiteren Gehversuch. Der Patient macht aus der Not eine Tugend und kaschiert seine Beschwerden beim Spazierengehen durch die Stadt mit sog. Schaufensterpausen. Der Volksmund fand dann schnell zu seiner Diagnose, der »Schaufensterkrankheit«.

Betroffen sind fast ausschließlich Männer in höherem Lebensalter. Die möglichen Ursachen wurden bereits unter 1. aufgezählt, wobei allerdings der Zuckerkrankheit und dem Nikotin eine ganz besondere Schädlichkeit zugemessen werden muß. Nicht grundlos hat sich der Begriff »Raucherbein« eingebürgert. In vielen Fällen jedoch ist bei diesem Gefäßleiden, das in den letzten Jahren immer häufiger in Erscheinung tritt, kein einheitlicher Schadensfaktor zu erkennen. Wie bei der Arteriosklerose beschrieben, muß von einer Ursachenkombination ausgegangen werden. Der Krankheitsbeginn ist diskret, schleichend, meist nur an einem Bein. Die Patienten klagen über zunehmendes Schwäche- und Kältegefühl, Kribbeln und Pelzigsein im Fuß des betroffenen Beines. Später kommt dann der beschriebene Belastungsschmerz hinzu.

Bei der arteriellen Verschlußkrankheit der unteren Extremitäten unterscheiden wir zwischen dem Beckentyp mit Beschwerden im oberen Bereich der Beine, im Gesäß und im Kreuz, dem Oberschenkeltyp mit Wadenschmerz und dem peripheren Typ mit Beschwerden in den Füßen. Bei unklaren Kreuz-, Bein-, Fuß- und Wadenschmerzen ist immer an das Vorliegen einer arteriellen Verschlußkrankheit zu denken.

Aus einer langjährigen Kurerfahrung kann ich berichten, daß bei rechtzeitiger und intensiver physikalischer Behandlung das Krankheitsbild so gut wie nie mit einer fortschreitenden Nekrose, dem Gewebstod von Zehen oder Fuß, und der Notwendigkeit späterer Amputation enden muß.

Kneipp

Tgl. Wechselknie-, Wechselarmguss und Wechselarmbad mit Heublumen. Vor dem Wechselfußbad wird von vielen Kollegen gewarnt. Wenn bereits Gewebsveränderungen vorliegen, ist natürlich diese Anwendung abzulehnen. Bei noch ausreichender Durchblutung kann das Wechselfußbad mit Haferstroh, Rosmarin oder Heublumen in vorsichtigen Temperaturdifferenzen versucht werden, 34°-26°. Wie bei anderen Krankheitszuständen entscheidet die Bekömmlichkeit über den weiteren Einsatz.

Wöch. 2x 3/4-Bad mit Heublumen, Haferstroh oder Rosmarin, anschl. Unterguss. Zweckmäßigerweise werden diese häuslichen Anwendungen durch eine 4-6wöchige Kneippkur mindestens 1x im Jahr ergänzt. Am Kneippkurort kann das ganze Arsenal gezielter Anwendungen mit noch mehr System eingesetzt werden.

Allgemeine Maßnahmen

Tgl. die Beine mehrmals trockenbürsten mit Strichrichtung von unten nach oben. Ich erinnere mich an einen Patienten, der, mit einem Satz verschiedener Hornbürsten ausgerüstet, seine Beine bis an die Grenze des Erträglichen bearbeitete und durch den intensiven Hautreiz neue Strombahnen eröffnete. Die Ärzte sprechen dabei von der Schaffung eines neuen Kollateralkreislaufs. Bewegungstraining; Tragen von Fußtrainer-Sandalen; Bindegewebsmassagen, s. auch unter 1.

Diät und Tee

s. unter 1.

Homöopathie

  • Cactus                        D2
  • Secale cornut.             D4
  • Tabacum                     D4 aa ad 30,0
  • Tgl. 3×15 Tr.

Medikamente

Nach ärztlicher Verordnung. Bei hochsitzender Gefäßstenose im Beckenbereich kommen auch gefäßchirurgische Methoden in Frage.

Beachte

Der Puls am Fuß kann wie am Handgelenk selbst geprüft werden: 1. zwischen Achillessehne und innerem Knöchel, 2. auf dem Fußrücken. Man tastet den Puls nicht mit dem Daumen, sondern mit den Fingerspitzen. Beim geringsten Verdacht einer drohenden Minderdurchblutung muß zum Ausschluß eines Diabetes der Blutzucker bestimmt werden.

4. Periphere oder funktionelle Durchblutungsstörung – chronisch kalte Hände und Füße

Die eben genannte Minderdurchblutung der Hände und Füße, unter der besonders Frauen zu leiden haben, stellt eine relativ harmlose Störung dar, schmälert jedoch das Wohlbefinden erheblich und begünstigt das Auftreten von Erkältungskrankheiten. Am meisten betroffen sind die Füße, seltener die Hände, meist jedoch Hände und Füße gleichzeitig. Dem vielzitierten Begriff der Kreislaufstörung muß auch diese vegetative Fehlsteuerung des arteriellen Endstromgebietes zugerechnet werden. Ganz besonders eignen sich für diese Durchblutungsstörung Kneippanwendungen.

Kneipp

Tgl. Wechselarm-, Wechselknieguss, oder auch Wechselarm- und Wechselfußbad mit Rosmarin.

Wöch. lx Vollbad mit Rosmarin, anschl. Abguss; lx Sitzbad mit Rosmarin, anschl. Knieguss; gelegentlich Wadenwickel mit Essigwasser oder Armwickel mit Essigwasser, jedoch nur bei guter Nachdurchblutung.

Allgemeine Maßnahmen

Tgl. Trockenbürsten der Extremitäten; körperliche Bewegung in jeder Form, vor allen Dingen Spaziergänge, Gymnastik, Training, Sport; Teilmassagen beider Arme und Beine; Sauna; Schwimmen.

Diät

Eine gesunde Vollwertkost.

Tee

  • Rosmarin
  • Thymian
  • Weißdornblüten
  • Schafgarbe      aa ad 100,0
  • Tgl. 3×1 Tasse; überbrühen, 10Min. ziehen lassen.

Homöopathie

Aranea diadema D4, Ferum metallicum D4, jeweils tgl. 3×1 Tabl., besonders bei kalten Füßen.

Medikamente

Die Pharmazie bietet zwar eine Unzahl von durchblutungsfördernden Substanzen an; ein wirksames Medikament, das die Erscheinung von frostigen Händen und Füßen beseitigen könnte, ist jedoch nicht bekannt.

5. Periphere Durchblutungsstörungen der Hände und Füße mit Rot- und Blaufärbung.

Bei Mädchen in der Pubertät, bei Frauen vor dem Klimakterium ist in seltenen Fällen diese merkwürdige Kreislaufstörung feststellbar. Daß hormonelle Einflüsse zu dieser sichtbaren Durchblutungsstörung führen, ist unverkennbar. Kneipp: s. unter 3.

Allgemeine Maßnahmen, Tee und Diät

s. unter 1.

Homöopathie

Abrotanum D2 Tr., Cuprum arsenicosum D4 Tabl., Lachesis D6 Tabl., jeweils 3×15 Tr. bzw. 3×1 Tabl.

Medikamente

mich Verordnung des Arztes.

6. Absterben der Finger = Totenfinger

Wenn einer oder mehrere Finger einer Hand, selten beider Hände, absterben, kühl, blaß und weiß werden, dann liegt eine erhöhte Krampfbereitschaft kleinster Arterien der betreffenden Hand bzw. Finger vor. Die Gefäße reagieren auf Kälteeinflüsse überschießend, was eine anlagebedingte erhöhte Verengungsbereitschaft dieser kleinsten Blutgefäße voraussetzt. Der Anfall kann von wenigen Minuten bis zu einer Stunde reichen, bereitet außer dem unangenehmen Kältegefühl keine Schmerzen und hinterläßt auch keine Funktionsstörungen der Gliedmaßen.

Therapie

s. unter 3.

7. Arterienverschluß, akut

Ein Arterienverschluß erfolgt durch ein Blutgerinnsel oder durch eine sog. arterielle Thrombose. Während die arterielle Embolie vorwiegend bei Herzerkrankungen auftritt, ist die arterielle Thrombose der Folgeschaden einer entzündlichen Gefäßerkrankung oder einer arteriellen Verschlußkrankheit. Betroffen sind fast ausschließlich die Gliedmaßen, meist das Bein, seltener der Unterarm. Es kommt unvermittelt zu einem Kalt- und Blaßwerden eines Gliedabschnittes, wobei Gefühllosigkeit und Störung der Beweglichkeit die Dramatik des akuten Geschehens deutlich machen. Der periphere Puls der betroffenen Gliedmaße ist nicht mehr zu tasten. Die manchmal unerträglichen Schmerzen sind nicht immer vorhanden.

Therapie

Sofortige ärztliche Hilfe und Klinikeinweisung ist unumgänglich.

Über den Autor

Dr. med. Mathäus Fehrenbach: Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren

Quelle

Fehrenbach, Dr. med. Mathäus: Kneipp von A-Z: Das Gesundheitsbuch für alle; Verlag: Radgeber Ehrenwirth; 6. Auflage 2010

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Kursanatorium Dr. Fehrenbach.