Blasenentzündung

Harnwegsinfekt (Blasenentzündung)

Die hier zur Diskussion stehende Infektion der Harnwege bezieht sich infolge anatomischer Gegebenheiten nur auf das weibliche Geschlecht. Normalerweise sind die Harnwege vom Blasenschließmuskel bis zu den Nieren bakterienfrei. Die ausführende Harnröhre ist dagegen mit Bakterien besiedelt. Die Frau verfügt über eine nur sehr kurze Harnröhre, so daß im Gegensatz zum Mann dem Eindringen von Keimen keine natürlichen Schranken gesetzt sind. Trotzdem verhindern die natürlichen Abwehrkräfte der Schleimhaut, die Spülwirkung des Harnstrahls und die saure Reaktion des Urins die Entwicklung einer Blaseninfektion. Im Nachteil ist die Frau jedoch durch verschiedene physiologische Vorgänge:

  1. Bei der Menstruation vermehren sich unter Binden Bakterien im Bereich der äußeren Harnröhrenöffnung. Aus diesem Grund sollten Tampons bevorzugt werden.
  2. Infektionen der Scheide mit Ausfluß begünstigen ebenfalls das Eindringen von Bakterien in die Harnröhre.
  3. Die unmittelbare Nachbarschaft des Darmausganges zur Scheide bzw. zur äußeren Harnröhrenöffnung ermöglicht die Übertragung von Darmbakterien. Es finden sich häufig bei Blaseninfektionen die darmeigenen Coli-Bazillen. Eine sorgfältige Genitalhygiene, besonders nach dem Stuhlgang und vor dem Verkehr, verringert die Infektionsmöglichkeit. Wischrichtung stets von vorne nach hinten. Intimsprays und Desinfektionsmittel schädigen Haut und Schleimhaut und begünstigen dadurch die Bakterienbesiedelung.
  4. Beim Geschlechtsverkehr werden, unvermeidbar, von der Harnröhre aus Keime in die Blase einmassiert. Unter normalen Verhältnissen und bei guter Abwehrlage des Organismus werden diese Bakterien eliminiert, bevor sie Gelegenheit finden, sich in der Blasenschleimhaut einzunisten. Darum sollte auf eine regelmäßige Blasenentleerung »danach« geachtet werden. Überhaupt ist reichliches Trinken zur Reinigung und Spülung der Harnwege immer nützlich.

Beschwerden treten nur im akuten Stadium auf. Meist bestehen unangenehmer Harndrang sowie Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen. Erhöhte Körpertemperatur ist keine Seltenheit. Im chronischen Stadium sind so gut wie keine Beschwerden da. Die meisten Frauen sind überrascht, wenn aufgrund einer Routineuntersuchung ein Harnweginfekt festgestellt wird.

Therapie:

In den meisten Krankheitsfällen gelingt es durch eine kurze Behandlung mittels Antibiotika oder Sulfonamiden, den Harnweginfekt zu beseitigen. Der behandelnde Arzt wird anhand einer Harnkultur mit Keimbestimmung und Austestung des geeigneten Medikamentes die notwendige Verordnung treffen. Physikalische Maßnahmen: haben eine unterstützende Wirkung, können jedoch das Medikament nicht ersetzen.

Kneipp:

Zum Erhalt und zur Unterstützung der Abwehrkräfte alle Anwendungen wie unter Abhärtung beschrieben. Beim Vorliegen einer akuten Harnweginfektion wöch. 3x Sitzbad mit Zinnkraut oder Haferstroh, anschl. Knie-, Schenkel– oder Unterguss oder auch Wechselsitzbad mit Heublumen.

Diät:

Vitaminreiche, gemischte, salzarme Kost.

Tee:

  • Goldrute
  • Heidekraut
  • Hauhechelwurzel
  • Wacholderbeeren
  • Thymian
  • Bärentraubenblätter aa ad 100,0

Tgl. 3×3 Tasse; kalt ansetzen, überbrühen, 10 Min. ziehen lassen.

Homöopathie:

  • Solidago         0
  • Belladonna     D4
  • Cantharis        D4
  • Dulcamara      D4
  • Terebinthina    D3 aa ad 50,0

Tgl. 3×20 Tr.

Tee und Homöopathie ersetzen nicht die medikamentöse Behandlung. Der Tee dient zur Spülung, die Homöopathie zur biologischen Unterstützung der medikamentösen Behandlung und zur Vorbeugung gegen einen Rückfall.

Medikamente:

Nach Verordnung des Arztes.

Beachte:

Auch wenn ein Harnweginfekt, der durch eine Harnuntersuchung nachgewiesen wurde, keine Beschwerden macht, sollte eine medikamentöse Behandlung durchgeführt werden. Bakterien im Harnwegsystem mögen jahrelang harmlose Insassen sein. Bricht jedoch das Abwehrsystem bei einer Resistenzminderung zusammen, dann besieht die Gefahr des hochfieberhaften Harnweginfektes, abgesehen von der Gefahr einer Infektionsausweitung auf Nierenbecken und Niere.

Dennoch gibt es chronische Harnweginfekte, denen mit den wirksamsten Medikamenten nicht beizukommen ist. In solchen Fällen wird sich der Arzt zu einer Langzeitbehandlung entschließen, um die Infektion in Grenzen zu halten. Im Übrigen spielen Erkältungen, die vermeintlich zu Blasenentzündungen fühlen, eine untergeordnete Rolle; Unterkühlungen können die normale Abwehrkraft gegen Infektionskrankheiten herabsetzen, die eigentlichen Verursacher der Infektion sind jedoch immer Bakterien.

Über den Autor

Dr. med. Mathäus Fehrenbach: Facharzt für Allgemeinmedizin, Badearzt, Naturheilverfahren

Quelle

Fehrenbach, Dr. med. Mathäus: Kneipp von A-Z: Das Gesundheitsbuch für alle; Verlag: Radgeber Ehrenwirth; 6. Auflage 2010

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Kursanatorium Dr. Fehrenbach.